Freitag, 29. April 2016

Amoris Laetitia, das Kleingedruckte und die fatalen Fußnoten

Pater Raymond de Souza empfiehlt in einem Beitrag für den Catholic Herald, das Kleingedruckte in Amoris Laetitia zu lesen. Hier geht´s zum Original:  klicken
                                         
"SPIELT EIN VERLEGERISCHER UNFUG EINE ROLLE IN DER EXHORTATION DES PAPSTES?"

"Es liegt ein Hauch von Farce über den verstohlenen Fußnoten von Amoris Laetitia, die die Reporter vor ein Rätsel stellt und verblüfft..
Warum werden offenbar kritische Schlußfolgerungen in einem Dokument von bisher noch nicht gesehener Länge in die inzwischen berühmte Fußnote 351 verbannt, deren Bedeutung der Hl. Vater bei seinem Rückflug von Griechenland als unwichtig bezeichnete, indem er sagte, er könne sich nicht an sie erinnern?
Aber er verwies die Journalisten an die Kommentare Kardinal Schönborns bei der Vorstellung der Exhortation, der die Wichtigkeit gerade dieser Fußnote herausgestrichen hatte.

Sind die Fußnoten also grundlegend oder unwichtig? Optionen

Der Fußnoten-Unsinn ist wichtig.
Fußnoten in lehramtlichen Dokumenten haben eine Bedeutung, sie sollen die Kontinuität mit dem vorhergehenden Lehramt zeigen und auch helfen, Licht auf den aktuellen Text zu werfen, aber was, wenn die Fußnoten nicht das zu bedeuten scheinen, was sie bedeuten sollen?

Die Fußnote 344 ist eine von mehreren, die das Problem beleuchten und ist vielleicht besonders hinweisend.
Papst Franziskus weist darin auf verschiedene subjektive Faktoren hin, die selbst moralische Schuld für objektiv sündige Taten abschwächen oder vermindern.
Aber die postsynodale apostolische Exhortation von 1984 "Reconciliatio et Paenitentia" ist ebenso wichtig.
In "Reconciliatio et Paenitentio 17" behandelt Johannes Paul II ausführlich das selbe Material wie Papst Franziskus in Kapitel 8 von "Amoris Laetitia". Deshalb haben die Herausgeber augenscheinlich entschieden, daß sie nicht einfach ignorieren konnten, was Johannes Paul da lehrte und darauf verweisen sollten.


Was findet der Leser, wenn er zurückgeht um diesen Paragraphen zu überprüfen?
Die Lehre dort scheint auf den ersten Blick nicht mit der Lehre von Amoris Laetitia übereinzustimmen. Ein detaillierter Textvergleich könnte das erledigen, aber so wie er erscheint, stützt der Referenztext das nicht, was er angeblich soll,

Das muß man als herausgeberischen Unfug bezeichnen. Ich erwarte nicht, daß der Hl. Vater selbst sich durch die 392 Fußnoten gekämpft und sie verfolgt hat. Er hat bereits im Flugzeug darauf hingewiesen, daß er sich an die meisten nicht erinnern könne.

Deshalb muß dieser Unsinn hier jenen zugerechnet werden, die "Amoris Laetitia" herausgegeben haben.

Die in Fußnote 344 zitierte Passage aus "Reconciliatio et Paenitantia" 17, zeigt, daß die subjektive Schuld durch verschiedene Faktoren reduziert werden kann, dennoch stellt die unmittelbar folgende Zeile des Textes direkt fest:... "Aber aus psychologischen Erwägungen kann man keine theologische Kategorie konstruieren, das ist die präzise Bedeutung der "fundamentalen Option", daß man sie so interpretiert, daß sie das traditionelle Konzept auf andere Weise versteht oder einen Zweifel darauf wirft.

Und die unmittelbar darauf folgenden Zeilen erscheinen als direkte Warnung vor der Sichtweise, die
in Kapitel 8 von "Amoris Laetitia" eingenommen wird: "Während jeder vorsichtige und ernsthafte Versuch, das psychologische und theologische Geheimnis der Sünde zu ergründen, geschätzt werden muß, hat die Kirche dennoch die Pflicht alle Gelehrten, die in diesem Gebiert an die Notwendigkeit zu erinnern, dem Wort Gottes, das uns alles über die Sünde lehrt, treu zu sein. Sie muß sie auch an das Risiko erinnern, die Bedeutung der Sünde in der modernen Welt weiter zu schwächen."

Wie soll der Leser also Fußnote 344 interpretieren? Das Zitat ist im besten Falle selektiv und bleibt nicht bei der Absicht, die der Paragraph hat, aus dem es genommen wurde.
Annulliert also die Fußnote Amoris Laetitia?
Das kann wohl nicht die Absicht von Papst Franziskus gewesen sein.
Oder interpretiert die Fußnote die gesamte Lehre von Reconciliatio und Paenitentia 17 neu,was ebenso wenig plausibel ist.?
Oder bietet die Fußnote einfach nur vorsätzlich eine Illusion von Kontinuität an? 

Noch eindrucksvoller ist, daß "Amoris Laetitia", nachdem sie sich auf "Reconciliatao et Paenitentia" bezieht, deren wichtigsten Teil -mit der Überschrift "Einige weitere delikate Fälle" ignoriert, in denen Johannes Paul schreibt: "In dieser Sache, die auch unsere pastoralen Herzen zutiefst quält, schien es meine Pflicht, in der Apostolischen Exhortation "Familiaris Consortio" klare Worte zu den wiederverheirateten Geschiedenen und den Christen, die in irregulären Verbindungen leben, zu sagen.""Amoris Laetitia" leidet an selektivem Zitieren, durch das- wenn auch kurzfristig clever erscheinend, der dauerhafte Wert dieses lehramtlichen Textes vermindert werden wird, indem es seine Kontinuität mit der Lehre der jüngeren Vergangenheit unterbricht.
Quelle: Catholic Herald, Pater de Souza 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen