Donnerstag, 28. April 2016

Ein altes Problem und immer noch keine Lösung. Aus der Serie: Klassische Gedichte

Neulich ist mir ein Gedichtband mit Gedichten quer durch die Jahrhunderte in die Finger gefallen.
Darin habe ich ein Gedicht von Walter von der Vogelweide gefunden, dass sich die Frage stellt, wie man Ehre, irdischen Besitz und Gottes Gnade unter einen Hut bringen können.

Hier eine Übersetzung von Richard Zoozmann (1863 - 1934)

Ich saß auf einem Steine
und deckte Bein mit Beine,
Den Ellenbogen stützt ich auf
Und schmiegte in die Hand darauf
Das Kinn und eine Wange.
So grübelte ich lange:
Wozu auf Erden dient dies Leben? ...
Und konnte mir nicht Antwort geben,
Wie man drei Ding erwürbe,
Daß keins davon verdürbe.
Die zwei sind Ehr und irdisch Gut,
Das oft einander Abbruch tut,
Das dritte Gottes Segen,
Der allem überlegen.
Die hätt ich gern in einem Schrein;
Doch leider kann dies niemals sein,
Daß weltlich Gut und Ehre
Mit Gottes Gnade kehre
In ganz dasselbe Menschenherz.
Sie finden Hemmnis allerwärts;
Untreu hält Hof und Leute,
Gewalt geht aus auf Beute,
Gerechtigkeit und Fried ist wund,
Die drei genießen kein Geleit,
Eh diese zwei nicht sind gesund.


man kann hier nur mit Kohlet feststellen. Ich suchte und fand, siehe, es gibt nichts Neues unter der Sonne.
Interessant und ungewöhnlich für unser Denken,  ist das Gedicht aber dennoch.


Man hört oft fromme alte Leute behaupten, dass Gottes Segen das allerwichtigste sei, und das Problem sei, dass die Leute nicht mehr glauben, daran liege alles Elend der Welt.
Der Walter von der Vogelweide lebte nun in gläubigeren Zeiten, aber besser scheinen seine Zeiten auch nicht gewesen  zu sein.
Dann hört man andere, auch fromme, Leute oft sagen, dass Gottes Segen einem Ehre und Wohlstand bescheren würde, auch hier widerspricht Walter von der Vogelweide.
Wieder andere behaupten, an dem Verlangen nach Wohlstand, dem bösen, bösen materiellen, läge alles Übel. Für Walter von der Vogelweide ist das aber ein Gut, ein irdisches zwar, aber prinzipiell nichts schlechtes.
Dass jedoch, weil eben der Rest nicht stimmt, eben auch nicht stimmt.
Für ihn (Walter von der Vogelweide)  passt es nicht zusammen und zwar aus äußeren Gründen, nicht aus Inneren.
Interessant finde ich wie verschränkt Walter von der Vogelweide diese, im Grunde 5 Dinge Wohlstand, Ehre, Gerechtigkeit, Friede,  und Gottes Segen bzw Gnade sieht. ich finde es eine sehr interessante Idee, die weit über die verbreiteten statischen Modelle, die natürlich einfacher sind, hinausgeht.
Aber wie gesagt, es scheint ein Problem zu sein, dass die Menschen jeder Zeit umtreibt, auch und wenn man heutzutage versucht, es ohne Gottes Segen zu schaffen, aber auch das wird nicht gelingen.
Und so sehr es klar ist, dass es gut. sehr gut wäre. wenn Frieden und Gerechtigkeit herrschen würden, weil dann Wohlstand, Ehre und Gottes Gnade in ein Herz passen würden, so sehr müssen, wir, immer noch feststellen, dass wird auf dieser Erde einfach nix, auch und wenn man sich darum immer mühen muss,.
Gut, dass diese Welt nicht alles ist!

Und hier eine Rezitation des mittelhochdeutschen Gedichts.
(ich finde ja immer das lässt sich leichter verstehen, wenn es gehört wird, als wie wenn man es liest)


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