Montag, 18. April 2016

Ein Wunder, direkt vor der Haustür

Vorhin ging ich im Walde, so für mich hin, und fand nein, kein Blümlein, sondern mein Blick nahm den gerade zu grünen beginnenden Buchenwald um mich herum wahr.
Die dunklen, fast schwarzen, hohen Stämme waren wie umweht mit sanftem, hellen Grün.
Die Stämme stehen ja (bei uns ist der Wald gepflegt!) in gebührendem Abstand und unten wuchsen lauter kleine, feine, grün umwehte Schösslinge, die dem ganzen einen feenartigen, unwirklichen Anblick gaben.
Ich geb es jetzt auf mit der Beschreibung, weil, wer einen Blick dafür hat, der versteht was ich meine, mit dem Frühlingswald. Künstlerisch begabte Leute versuchen ja schon immer und ewig, die Schönheiten der Natur in Bild und Ton und Wort zu bringen.
Manchmal, wenn ich durch hauptsächlich romanische, aber auch gotische Kirchen und Dome gehe, habe ich das Gefühl, man hat versucht die Atmosphäre des Waldes, wenn er wunderschön ist, im Frühling oder im Herbst, Stein werden zu lassen.

Auf jeden Fall, und seit ich älter werde, geht es mir eigentlich jedes Frühjahr so, es ist was wunderschönes, ein Wunder, ein echtes Wunder!


Mir ist schon klar, dass das nicht jeder so sieht, als ich noch jünger war, fand ich die alten Leute mit ihrer Naturschilderung auch immer bescheuert.
Blüht halt, ist doch jedes Jahr so, was soll der Quatsch?

Dennoch hat es was, was Eichendorf so ausdrückt:

Schläft ein Lied in allen Dingen,
die da träumen fort und fort
und die Welt hebt an zu singen
triffst du nur das Zauberwort!

Meine Großmutter pflegte immer zu sagen:

Im weiten Reiche der Natur, 
siehst du Gott des Schöpfers Spur, 
doch willst du Gottes Liebe sehn,
so bleib vor einem Kreuze stehn!

Ja so ist es wohl,
In der Schönheit der Natur spüren wir die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies, der verlorenen Gottesnähe. So tut Schönheit, echte Schönheit immer irgendwie weh, macht traurig, wenn auch nur ein bisschen, so wie Eichendorf es ausdrückt, eine Sehnsucht weckt sie.

Ich denke es ist die Sehnsucht nach dem Paradies, wo es heißt dass Adam, also der Mensch, alle Tiere benannt, hat, ihr Wesen in Worte gefasst hat,
Nun haben wir das Paradies verloren, verstehen viel von den Dingen um uns her, aber ihr Wesen, das ist uns nach wie vor fremd, vielleicht fremder als früher.
Ich weiß es nicht,
Dostojewski sagt, dass die Schönheit die Welt retten wird,
Ich nehme an, er hat recht!





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