Donnerstag, 7. April 2016

Kreuzzugmythen, Mythos 4

Fortsetzung

MYTHOS 4
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"Es war den Muslimen nicht wichtig erschienen, zwischen den Kreuzzügen und anderen Konflikten zwischen Christenheit und Islam zu unterscheiden, auch hatte es bei den Muslimen keine
unmittelbare Reaktion auf die Kreuzzüge gegeben, Wie Carole Hillenbrand feststellt: Die muslimische Reaktion auf die Ankunft der Kreuzzüge war zunächst "apathisch, kompromissbereit und durch innere Probleme abgelenkt."  
1130 begann ein Gegenangriff unter Führung des wilden Zengi von Mosul. Es dauerte aber einige Jahrzehnte, bis die Muslimische Welt begann, sich um Jerusalem zu sorgen, das von ihnen üblicherweise höher geschätzt wurde und wird, wenn es nicht in ihrem Besitz ist, als wenn es das ist.
Aktionen gegen die Kreuzzügler wurden deshalb oft  als Mittel benutzt, um die Muslime hinter einem bestimmten Ziel oder verschiedenen Eroberern zu vereinen, das ging so bis 1291 -als die Christen vom syrischen Festland vertrieben wurden,
Und überraschend für die Westler- war es nicht Aladin, der von den Muslimen als großer antichristlicher Führer verehrt wurde. Der Ehrenplatz geht an die blutrünstigeren und erfolgreicheren Zengi und Baibars oder auch an Nur al din,

Die erste muslimische Kreuzzugsgeschichte erschien nicht vor 1899. Zu der Zeit kam es zu einer Wiederentdeckung der Kreuzzüge, aber einer Wiederentdeckung in einer durch den Westen verzerrten Sichtweise.
Zu dieser Zeit gab es zwei europäische Denkschulen über die Kreuzzüge. Die eine Schule- angeführt von Männern wie Voltaire, Gibbon und Sir Walter Scott, und im 20.Jahrhundert Sir Steven Runciman- sah die Kreuzzügler als krude, gierige, aggressive Barbaren an, die zivilisierte, friedliebende Muslime angriffen, um sich zu bereichern,
Die andere, romantischere Schule, angeführt von weniger bekannten Männern, wie dem französischen Schriftsteller Joseph-Francois Michaud, sahen die Kreuzzüge als eine ruhmreiche Episode in einem langdauernden Kampf, in dem die christlichen Ritter die Muslimische Horden zurückdrängten.

Dann begannen westliche Imperialisten in den Kreuzzüglern Vorgänger zu sehen und sie adaptierten ihre Aktivitäten auf säkulare Weise so, daß die ursprünglichen Kreuzzugteilnehmer sie nicht wiedererkannt oder sie kongenial gefunden hätten. Zur selben Zeit begann der Nationalismus in der Muslimischen Welt Wurzeln zu schlagen. Arabische Nationalisten liehen die Idee einer langen europäischen Kampagne gegen sie von der früheren europäischen Denkschule aus, und verfehlten die Tatsache, daß das eine ernste Falschdarstellung der Kreuzzüge war und sie nutzten diese verzerrte Wahrnehmung aus, um Unterstützung für ihre eigenen Agenda zu generieren.



Das blieb so bis Mitte des 20.Jahrhunderts, bis -wie Riley-Smith sagte- ein erneuerter und militanter Pan-Islamismus den engeren Zielen der arabischen Nationalisten eine weltweite Erneuerung brachte-in dem, was man islamischen Fundamentalismus nennt und das jetzt manchmal etwas ungeschickt als Djihadismus bezeichnet wird.
Das führte zum fast nahtlosen Aufstieg von Osama Bin Laden und al Qaeda, und bot eine so bizarre Sicht der Kreuzzüge, daß sie Bin Laden erlaubte, auch alle Juden als Kreuzzügler zu betrachten und die Kreuzzüge als ein fortdauerndes Handlungsmuster des Westens als Antwort auf den Islam zu verstehen.
Bin Ladens Geschichtsbild ist eine fieberhafte Phantasie,
Seine Sicht der Kreuzzüge ist nicht genauer als die der "perfekten islamischen Einigkeit", der sich seiner Meinung nach die Muslime vor dem unseligen Einfluss durch die eindringenden Christen
erfreuten.
So waren es nicht die Kreuzzüge, die den Islam lehrten,Christen zu hassen und anzugreifen, Weit davon entfernt.
Diese Aktivitäten (Angriffe und Vertreibung), die den Kreuzzügen für sehr lange Zeit vorausgingen, reichen bis die Entstehungszeit des Islams zurück.
Es war eher der Westen, der den Islam lehrte, die Kreuzzüge zu hassen.
Das ist reich an Ironie, aber an der Ironie, daß seine Botschaft, die er und Millionen von Muslimen akzeptierten, urspünglich von ihren Feinden, den Christen stammte.

Zurück zur Gegenwart.
Kehren wir zur Rede von Präsident Clinton in Georgetown zurück. Wieviel von seiner Bezugnahme auf den ersten Kreuzzug war richtig?
Es ist wahr, daß viele Muslime, die sich ergeben hatten und Zuflucht unter dem Banner einiger Kreuzzuglords gesucht hatten-ein Schritt der ihnen Sicherheit hätte garantieren sollen- durch
außer Kontrolle geratenen Soldaten massakriert wurden.
Das war offensichtlich ein Akt der Disziplinlosigkeit und es wurde berichtet, daß die Lords darüber sehr böse wurden, u.a. weil sie wußten, daß der ein schlechtes Licht auf sie werfen würde.
Zu behaupten, daß das eine Tat war, die alle Kreuzzugteilnehmer billigten und die den Kreuzzügen innewohnte, ist bestenfalls irreführend,

Auf alle Fälle hat John France es sehr gut ausgedrückt: " Dieses berühmt-berüchtigte Ereignis sollte nicht übertrieben werden. Wie entsetzlich das Massaker auch war-es war nicht weit von dem entfernt, was damals üblich war oder ---
Und wenn man wollte, könnte man eine lange und blutige Liste ähnlicher Aktionen die bis ins 7-e Jahrhundert zurückreicht, erstellen, bei denen  Muslime die Aggressoren waren und Christen die Opfer.
So seine Liste würde aber Mr. Clintons Zielen nicht gedient haben. Mister Clinton hat wohl auf Raymond von Aguilar zurückgegriffen, als er vom "bis zu den Knien im Blut waten" schrieb.

Dass das physisch unmöglich ist, sollte  klar sein. Raymond übertrieb und griff die bildlichen Vorstellungen des Alten Testamentes und der Offenbarung auf.
Er hat keinen Tatsachenbericht geliefert und hatte wohl nicht geplant, daß man seinen Text wörtlich nehmen würde.
Ob wir immer noch dafür bezahlen oder nicht, siehe Mythos 1. aber das ist der schwerste Fehler der gesamte Textpassage. Wir bezahlen auch nicht für die Intercollegiate Review.

Wir bezahlen für die westlichen Verzerrungen der Kreuzzüge des 19. Jahrhunderts, die den wissenschaftlich nicht ausreichend kritischen muslimischen Welt angeboten wurde.
Die Probleme mit Clintons Bemerkungen zeigen die Gefahren, die jene erwarten, die antike und mittelalterliche Texte ohne ausreichende historische Kenntnisse und Aufmerksamkeit zu erklären versuchen, Und sie zeigen sehr gut, was passiert, wenn man aus historischen Berichten Teile herauspickt, sie verzerrt oder selektiv präsentiert, um die eigene politische Agenda zu unterstützen.
Diese Art des Mißbrauchs der Geschichte ist ärgerlich weit verbreitet, wenn es um die Kreuzzüge geht, aber.es nützt nichts, die Vergangenheit für eigene Ziele zu verzerren oder es kann vielem dienen, aber nicht der Wahrheit.
Verzerrungen und Fehlinterpretationen der Kreuzzüge werden uns nicht helfen, die Herausforderung des Westens durch einen militanten  und aufstrebenden Islam zu verstehen und dieses Versagen beim Verstehen dieser Herausforderung kann tödlich sein. Und in der Tat ist es das schon geworden.
Es mag sehr lange Zeit dauern, das Verstehen der Kreuzzüge gerade zu rücken. Es wird höchste Zeit damit zu  beginnen."

Quelle: Robert Crawford, mediaevalnet,  Intercollegiate Review,

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