Mittwoch, 20. April 2016

Sandro Magister und der Populismus des Papstes

Anläßlich des päpstlichen Besuches auf Lesbos veröffentlicht und kommentiert Sandro Magister bei www.chiesa den Essay "Das erwählte Volk" von Professor Loris Zanatta, der bisher nur in Argentinien und Italien veröffentlicht wurde.
Hier geht´s zum Original:  klicken

"DAS VOLK, EINE MYSTISCHE KATEGORIE" DIE POLITISCHE VISION DES SÜDAMERIKANISCHEN PAPSTES"
Ein Essay von Professor Zanatta über den "Populismus" von Papst Franziskus ist jetzt in Argentinien und Italien erschienen. Das Band, das seinen Besuch auf Lesbos mit seiner Affinität zu den antikapitalistischen und Antiglobalisierungs-Bewegungen verbindet.

Wenn er auf das Gebiet der Politik wechselt, eröffnet Papst Franziskus neue Wege. Er sucht den direkten Kontakt und Solidarität mit denen, die er als Opfer der Mächte der Welt und gleichzeitig als Protagonisten der kommenden Erlösung sieht. Er verkündet keine Programme, er setzt Gesten, von denen er anerkennt, daß sie nicht endgültig sind. Das  Wichtige an ihnen ist, daß sie einen  starken Symbolcharakter haben.

Das ist es was er auch am Samstag, 18.4.16 auf Lesbos tat. Er ließ sich von den Tränen der Migranten benetzen und brachte 12 von ihnen mit sich zurück nach Rom, 3 sorgfältig ausgesuchte muslimische Familien- die wie sich zu versichern bemühte- "ihre Papiere in Ordnung hatten" und mit Zustimmung der italienischen und griechischen Regierungen.
Eine Geste, die deshalb nicht auf die unkontrollierbare Überschwemmung mit Hunderttausenden von Migranten "ohne Papiere" anwendbar ist,  aber die allein durch ihre Natur für die Welt die Notwendigkeit eines rationalen aber auch selektiven Managements von Migration und Willkommen unterstrich, auf die Initiative der Gastländer hin, in diesem Fall der winzigen Citta del Vaticano.

Und das ist es, wo Franziskus stoppt. Er überläßt es den Regierungen, die notwendige Politik zu entwickeln,-in seinen Worten-"des Willkommens und der Integration, des Wachstums und der Wirtschaftsreformen"
Auch  bei seinen vorigen Interventionen zum Migrationsphänomen, in Lampedusa, an der Grenze von Mexiko zu den USA, im Flüchtlingszentrum, in dem er die Gründonnerstags-Fußwaschung zelebrierte, hat er es immer bei symbolischen Handlungen bewenden lassen.

Aber das ändert nichts an der Tatsache, daß Jorge Mario Bergoglio seine eigene politische Vision vom Ganzen hat,was in anderen Momenten seines Pontifikates allen bewiesen hat.

Hierin unterscheidet Franziskus sich von seinen beiden unmittelbaren Vorgänger . Man muß sogar bis zu Paul VI zurückgehen, um einen anderen Papst zu finden, der direkt mit einem präzisen,
organischen politischen Plan vertraut war, in diesem Fall dem der Europäischen Katholischen Volksparteien des 20.Jahrhunderts, in Italien der PCI von Alcide de Gaspari und in Deutschland der CDU Konrad Adenauers.
Wenn es um diese, jetzt obsolet geworden Europäische politische Tradition geht, ist Bergoglio ein Fremder.
Als Argentinier ist seine Heimaterde ein ganz andere. Und sie hat einen Namen, der in Europa eine negative Konnotation hat, aber nicht im Land der aktuellen Papstes: Populismus.

Daß das "pueblo", das Volk effektiv im Zentrum nicht nur seiner politischen sondern auch der religiösen Vision von Papst Franziskus steht, hat er oft genug selber betont.
Während der Pressekonferenz auf dem Rückflug von Mexiko am vergangenen 17. Februar,hat er in einem der Augenblicke, in denen er sich selbst am spontansten äußerte, bekräftigt:"Das Wort Volk ist keine logische Kategorie, es ist eine mystische Kategorie".




Aber die Rede, in der seine politische, auf das Volk gegründete Vision sich am klarsten manifestiert hat, war die, die er vor den antikapitalistischen Antiglobalisierungs-Volksbewegungen gehalten hat, die er aus den ganzen Welt nach Rom und nach Bolivien einberufen hatte.


> To the popular movements, Rome, October 28, 2014

> To the popular movements, Santa Cruz de la Sierra, Bolivia, July 9, 2015

Zu diesen Schlüsseltexten kann  man die Rede in den Außenbezirken Nairobis vom vergangenen 27. November mit ihrem Lobpreis der "in armen Nachhbarschaften zu findenden Weisheit" zählen.

> To the poor of Kangemi, Nairobi, Kenya, November 27, 2015

An den beiden Treffen in Rom und Santa Cruz hat der Präsident Boliviens, Evo Morales, in seiner Eigenschaft als "Cocalero-Aktivitst" teilgenomme.

Er war vor einigen Tagen als Sprecher bei einer von der Päpstlichen Akademie zum 25. Jahrestag der Sozial-Enzyklika Johannes Pauls II "Centesimus Annus" veranstalteten Konferenz wieder nach Rom eingeladen- zusammen mit einigen anderen ihm verbundenen populistischen Führern, Rafael Correa, Präsident von Ecuador, dem neo-malthusianischen Wirtschaftswisssenschaftler Jeffrey Sachs und dem us-amerikanischen, linksradikalen demokratischen Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders.

> Sanders, Morales, Correa, Sachs. Il quartetto che piace tanto al papa

Bei dieser Gelegenheit empfing der Papst Morales in Audienz und wollte am Morgen seines Aufbruchs nach Lesbos auch unbedingt kurz Sanders treffen, wofür er sich hinterher mit extensivem
öffentlichen Lob belohnt sah.
Zu den peronistischen Sympathien des jungen Bergoglios gibt es in einem 2014 in Argentinien von zwei dem Papst nahestehenden Journalisten veröffentlichten Buch interessante Neuigkeiten, dasjetzt in Italien zur Verfügung steht.

J.Cámar ,S.Pfaffen "Die dunklen Jahre Bergoglios"

Zum Populismus von Papst Franziskus ist in den vergangenen Tagen in Italien und Argentinien ein Buch von einem Spezialisten für dieses Thema veröffentlicht worden, von keinem anderen als dem Direktor von "Criterio" José Maria Poirier, einem der Führer des argentinischen Katholizismus und altem Bekannten Bergoglios, der als er noch Erzbischof von Buenos Aires war, regelmäßig an den wöchentlichen Redaktionstreffen des Magazins teilnahm.

Aber zum Thema Populismus von Papst Franziskus hat auch in den letzten Tage Professor Loris Zanatta.einen Essay publiziert, Zanatta lehrt Lateinamerikanische Geschichte an der Universität Bologna. In Italien ist Zanattas Essay in der letzten Ausgabe des renommierten Kultur-und Politikmagazins "Il Mulino" erschienen: "Ein peronistischer Papst?".

"Bergoglio ist im Wesentlichen ein politischer Mensch, im klassischen Sinne des Wortes. Das bedeutet, daß er alle Szenarien durchgespielt hat, Bergoglio wußte, was zu tun wäre, müßte er verschwinden oder sich zurückziehen, Bergoglio wußte, was er zu tun hätte, wenn er weiterhin Erzbischof von Buenos Aires geblieben wäre und-warum nich?- er hatte auch darüber nachgedaht, was zu tun wäre, sollte er zum Papst gewählt werden.(....)

Hier folgt ein Ausschnit aus dem Essay Professor Zanattas: "Das erwählte Volk"

Fortetzung folgt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen