Donnerstag, 26. Mai 2016

Absolut lustige Fronleichnamsfeier, dank Kierkegaard

Heute waren wir wieder vor Ort in der Messe, und siehe da, der progressivste aller progressiven Pfarrer, die wir so im Sortiment haben, unterstützt von der superprogressiven, mittlerweile, wie übrigens der Pfarrer auch,  in die Jahre gekommenen Professorengattin und selber Lehrerin, dabei geizig (sparsam nennt sie das) wie selten, hielten die Messe,
Es gab drei Predigten und eine Reihe sonstiger Ansprachen, über Schöpfung, Frauen, Armut, unterstützt von den entsprechenden Fürbitten, das übliche, sozusagen im Konzentrat und plötzlich hörte ich auf mich zu ärgern, weil mir ein Ausspruch Kierkegaards durch den Sinn schoss, der da lautet:

"In dem prachtvollen Dom erscheint der hochwohlgeborene, hochwürdige Geheime General-Ober-Hof-Prediger, der erwählte Liebling der vornehmen Welt, er tritt vor einen auserwählten Kreis von Auserwählten und predigt gerührt über den von ihm selbst ausgewählten Text: ‚Gott hat das in der Welt Geringe und Verachtete auserwählt‘ – und niemand lacht."

Ab da war es eigentlich eine sehr vergnügliche Fronleichnamsmesse, also ich habe mich königlich amüsiert.

Vor allem weil, während der Prozession, sozusagen die Realität zuschlug, so dass man sich durchaus an den 2. Psalm erinnert fühlte der da lautet:
"Gott, der im Himmel thront lacht."
Es schien also, als würde der, der da im Himmel thront, sich denken "Aha, am Herz liegt es, dass alles in der Welt so böse ist, an den paar Hanseln dort, wo keiner an den Schalthebeln der Macht, und von der oben erwähnten Professorengattin abgesehen, auch kaum einer irgendwie zu den, wenn auch rudimentär, Wichtigeren Kontakt hat, dass die Welt so böse ist, nun gut, dann ist da jetzt also Rhodos!"
Man stelle sich eine nicht gerade supergroße Prozession vor, einige hundert Leute,  nix Blasmusik und Fanfarenzug, nix Fahnen und Banner, nur einfachste Monstranz, und normale Leute.
Der Pfarrer stand also in einer Parkbucht am Stationsaltar, um ihn herum ein Teil der Gemeinde, die Straße voll im Sonnenglanz, da standen ein paar Leute drauf, während der andere Teil der Gemeinde in der gegenüberliegenden Parkbucht, im Schatten,  stand.
Es kam also der Linienbus, der Pfarrer fordert die Leute auf Platz zu machen, was die auch tun, und als der Bus durch war, stellten sich maximal 10 Leute wieder auf die Straße, der Rest bleib da wo er war.
Nun kam der normale Bürger, dem man Zitat "doch zeigen soll, wie gut und wenig egoistisch wir sind, wie sehr wir uns einsetzten für Frieden und Gerechtigkeit, (halt das übliche Geschmuse), zu dem wir unseren Gott der Güte, des Altruismus, des sich aufopfern für den Anderern,  des nicht auf den eigenen Vorteil bedacht seins,,,,,,bringen sollen, weswegen wir mit diesen Gott der Güte, der nie an sich denkt.... auf die Straße gehen"
Also der normale Bürger kam nun angefahren, wollte langsam und vorsichtig da vorbeifahren, was auch gegangen wäre, aber, nein!
Man schritt dem wütend entgegen, bedeutete ihm zu wenden, was zwar schwer geht, man muss sehr lange rückwärts fahren und dann, abhängig von wo man hin will, einen echten Umweg fahren.
Dann kam die Polizei, wohl auf der Suche nach der Prozession, die lies man dann wieder vorbei, wobei die Polizei, die normalerweise der Prozession auf dem Stück Straße voranfährt, wohl dachte "Ach die sind eh fast an der Ecke, der Bus ist auch schon durch, fahren wir zu was wichtigerem!" und entfleuchte,
Dann kam der  nächste Bürger angefahren, den wies man nun nicht einmal an, umzukehren, nein, man stellte sich einfach vor den und fühlte sich gut,
Auch als die Prozession aufbrach, lies man den Mann nicht vorbei, sondern marschierte vor dem her, bis  die Prozession abbiegen musste, und der arme Kerl endlich fahren konnte.
Damit man mich nicht verkehrt versteht, wäre das eine ganz normale,. klassische Fronleichnam Prozession gewesen, wäre es komplett klar gewesen: die Autos, inklusive des Busses, die haben zu warten, auch und weil das ja angekündigt ist. (Außer es ist ein sichtbarer Notfall, Krankenwagen mit Blaulicht, schon klar)
Aber so, unter dem Eindruck der Predigten, Fürbitten und den sonstigen Sprüchen mit denen man den  Gottesdienst zu einer Kabarettveranstaltung versucht hat umzufunktionieren, zeigte es, dass die Leute überhaupt nicht zuhören und selbst der Pfarrer nicht glaubt, was er so von sich gibt!
Sonst hätte er ja gesagt "So wir lassen den Autofahrer jetzt durch  und gehen dann weiter!"
Gehört er doch zu den Pfarrern die ansonsten lieben alles und jedes zu kommentieren, wir singen jetzt Nr XY, so als könnten die Leute nicht die Zahlen an der Anzeige lesen.
Wenn wir also angesichts der großen Worte, die in unserer Kirche so gespuckt werden, nicht die entsprechenden Bibelstellen anführen will, z,B das Jesus Wort:

Ich sage euch: Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, werden sie am Tag des Gerichts Rechenschaft ablegen müssen;

denn aufgrund deiner Worte wirst du freigesprochen und aufgrund deiner Worte wirst du verurteilt werden. (Matth 12,36,37)

eine Stelle die einigermaßen schrecklich ist, wenn man es sich richtig überlegt. Wenn ich das also nicht anführen will, weil die Stelle zeigt, wie ernst Gott den Menschen nimmt. 
Wenn wir uns um diese Stelle drücken wollen, dann bleiben wir doch besser beim Humor und sehen solcherlei Veranstaltungen zusammen mit  Kierkegaard als Realsatire:

"In dem prachtvollen Dom erscheint der hochwohlgeborene, hochwürdige Geheime General-Ober-Hof-Prediger, der erwählte Liebling der vornehmen Welt, er tritt vor einen auserwählten Kreis von Auserwählten und predigt gerührt über den von ihm selbst ausgewählten Text: ‚Gott hat das in der Welt Geringe und Verachtete auserwählt‘ – und niemand lacht."

ist eben einfach zu schön, der Spruch, passt so wunderbar, und es deshalb wert zweimal zitiert zu werden!

P.S um es ganz klar zu sagen, es ist nicht unbedingt verkehrt was so gesagt wird, es ist nur so unendlich lächerlich wer es sagt.




Kommentare:

  1. Ein nicht näher bezeichneter Karndinal predigte dieser Tage vor dem Kölner Dom: Gott ist wirklich in diesem Brot.
    Nee, warte, er sagte: „Er ist mitten in diesem BOOT“. Ups, schließlich geht es beim Hochfest des Leibes und Blutes unseres Herrn – naklar, um den Flüchtling.
    Da hilft echt nur eine gute Portion Humor, damit die Verwirrung Ausdauer, diese Bewährung, diese Hoffnung bewirke. Wohl dem, der da nicht sarkastisch wird.

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    1. da fällt einem doch glatt nur ein "At least we all are sitting in one boat!"

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  2. ... wenn das nicht alles so banal wäre. Z. B. ein Wortfetzen, den ich aufgeschnappt habe bei der einen Prozession, als ich in die andere Kirche der großen Stadt wollte: "Gott, mach du unsere engen Grenzen weit ...". Meine Gedanken entfleuchten und beendeten den Satz selbstständig: "... damit wir auch Solche lieben und akzeptieren können, die nicht akzeptieren können, dass Mann und Frau zusammen gehören." (vornehm ausgedrückt ...)
    Bin ich froh, dass ich in eine Kirche gehen kann, in der es noch ordentlich zugeht ...!!!

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