Samstag, 28. Mai 2016

Chesterton über unsere Zeit

es gibt Denker, wenn man die liest, merkt man nur an der Sprache, dass die schon länger tot sind, dazu gehören für mich Chesterton und Romano Guradini.
Beide habe es kommen sehen, was kommt, und versucht, sozusagen das Depositum Fidei, klar zu machen, sozusagen den Samen des Baumes herauszuarbeiten und zu verpacken,  so dass man es in den Rucksack packen kann und dann, wenn man die Wüsten der Moderne durchwandert hat, es wieder einpflanzen kann.
Beide haben, im Gegensatz zu vielen anderen, egal von welcher Fraktion den Marsch durch die Wüste*, oder durch den Winter, oder wie immer man das nennen will, als absolute Notwendigkeit gesehen, und noch das vielgerühmte oder gescholtene Vatikanum II lebt von dem Bild.
Wenn ich einen Frühling der Kirche will, dann muss ich sehen, dass es davor Winter sein wird.
Neulich ist mit ein Zitat Chestertons, aus dem sowieso bemerkenswerten Buch mit dem schönen Titel "Orthodoxie", untergekommen, dass vieles, fast alles erklärt, es lautet:

Die moderne Welt ist nicht schlecht, in mancher Hinsicht, ist die moderne Welt viel zu gut.
Sie ist voll von verwiderten und verschwendeten Tugenden. Wenn ein religiöses System auseinanderbricht (wie es ind er Reformation war) werden nicht nur die Laster losgelassen. Die Laster werden zwar, in der Tat losgelassen und wandern umher und richten Schaden an.
Aber die Tugenden werden genauso losgelassen und die Tugenden verwildern viel mehr und machen schrecklicheren Schaden. Die Welt ist voll von den alten, christlichen Tugenden, die verrückt geworden sind. Die Tugenden sind verrückt geworden, weil sie von einander isoliert wurden und jede allein für sich umherwandert.

Chesterton bringt dann ein Beispiel und sagt:

So sind  manche Wissenschaftler nur um die Wahrheit besorgt und ihre Wahrheit ist mitleidlos. So kümmern  sich manche Menschenfreunde nur um das Mitleid (und ich bedauere das sagen zu müssen) ihr Mitleid ist unwahrhaftig

Hier der englische Originaltext

The modern world is not evil; in some ways the modern world is far too good. It is full of wild and wasted virtues. When a religious scheme is shattered (as Christianity was shattered at the Reformation), it is not merely the vices that are let loose. The vices are, indeed, let loose, and they wander and do damage. But the virtues are let loose also; and the virtues wander more wildly, and the virtues do more terrible damage. The modern world is full of the old Christian virtues gone mad. The virtues have gone mad because they have been isolated from each other and are wandering alone. Thus some scientists care for truth; and their truth is pitiless. Thus some humanitarians only care for pity; and their pity (I am sorry to say) is often untruthful.
(aus Orthodoxie Kapitel 3 Suizide of thought)



und hier der Link zur englischen online Version des ganzen Buches.


Das soll jetzt einfach mal genügen,  aber ich denke Chesterton hat das Problem erfasst, ich würde es eine seltsame Auffassung von der Wahrheit nennen, was uns so zu schaffen macht.
Man seziert den Glauben, die von Glauben gebaute Kultur, sieht nur noch Teile, und denkt aus der Summe der Teile, ergäbe sich das Ganze, was bekanntlich so nicht stimmt, womit wir auch wieder bei Chesterton wären der einmal sagte" Neun von zehn neuen Ideen sind nichts wie alte Irrtümer.
Dabei ist es noch anders, man denkt gar nicht mehr an die Summe der Teile,. sondern denkt aus der Pflege eines einzigen Teils ergäbe sich das Ganze und zwar viel schöner als das alte, zertrümmerte Ganze jemals gewesen ist.
Besonders schön zu sehen an der Sache mit der Nächstenliebe, ja die wollen wir alle, da sind wir alle dabei, das ist ja so prima, nur von der Gottesliebe, die die Nächstenliebe erst stabilisiert, oder rumgedreht, da wollen wir dann wieder nicht so viel wissen, gar die Selbstliebe das ist komplett klar, das ist, sofern es sich nicht um unsere, werte Person handelt, reiner, böser Egoismus, da mag in dem alten Buch, grad stehen was will,
Das Problem ist nicht, dass die modernen Theologen Unfug reden würden,  nein, das genau nicht, Das Problem ist, dass sie ihren eigenen Standpunkt absolut setzen, sprich nicht auf die Idee kommen, dass wie im normalen Leben, so auch im geistigen Leben, mehrere Kräfte, zum Teil auch antagonistisch wirken, sogar müssen, damit was Gescheites dabei heraus kommt.
Das ist uns im normalen Leben so einsichtig so klar, dass es fast lächerlich wirkt darüber zu schreiben, wer nur arbeitet, nur schläft, nur entspannt, nur liest, nur isst, nur Sport treibt, der lebt verkehrt. Wer sich nur von Salat, nur von Brot, nur von Milch, nur von Fleisch, nur von Schokolade, nur von noch so gesunden Eier ernährt, der kriegt über kurz oder lang Probleme.

Nun ja, sagen wir so, die Gnade baut bekanntlich auf der Natur auf, so werden wir auch das, wieder mal, neu lernen müssen.

*zur Wüste, man kann es nicht oft genug betonen hat Papst Benedikt in seiner Antrittsrede folgendes gesagt:
Oder auch Papst Benedikt in seiner Antrittsrede wo er sagte:

Den Hirten muß die heilige Unruhe Christi beseelen, dem es nicht gleichgültig ist, daß so viele Menschen in der Wüste leben. Und es gibt vielerlei Arten von Wüsten. Es gibt die Wüste der Armut, die Wüste des Hungers und des Durstes. Es gibt die Wüste der Verlassenheit, der Einsamkeit, der zerstörten Liebe. Es gibt die Wüste des Gottesdunkels, der Entleerung der Seelen, die nicht mehr um die Würde und um den Weg des Menschen wissen. Die äußeren Wüsten wachsen in der Welt, weil die inneren Wüsten so groß geworden sind. Deshalb dienen die Schätze der Erde nicht mehr dem Aufbau von Gottes Garten, in dem alle leben können, sondern dem Ausbau von Mächten der Zerstörung.

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