Freitag, 20. Mai 2016

Das heilige Jahr der Barmherzigkeit - es "boomt"!

Jetzt sind wir ja mittendrin im "Heiligen Jahr der Barmherzigkeit" und ich muss sagen, so richtig viel habe ich noch nicht davon gemerkt ... das katholische Leben geht weiter.

Als ich am Sonntag vom Pfingstsonntaghochamt nach Hause fuhr, hörte ich dann im Autoradio zum ersten Mal, was für ein besonderes Ereignis dieses Jahr der Barmherzigkeit ist:
Ich hörte meinen Lieblingssender "Klassik-Radio", der zur Stunde zwischen 11:00 und 12:00 in seiner Dauerwerbesendung "Länder dieser Erde" immer besonders schöne Reisen anbietet.

Diesesmal gab es eine besondere Reise nach Rom ... im November. In diesen Tagen findet in Rom das "XV Festival Internazionale di Musica e Arte Sacra" statt - ein echter "Leckerbissen" für die Freunde der geistlichen Musik. Es wird auch einiges geboten - und für Menschen, die es nicht sowieso jeden Sonntag ins Hochamt zieht, wird es wohl auch etwas ganz besonderes sein. Wir in München sind da ja sowieso verwöhnt.
Nun, das ist aber für das illustre Publikum, das eine Menge Geld hinlegen muss, um an dieser Reise mit all seinen Besonderheiten teilzunehmen, dann doch etwas zu wenig. Deshalb gibt's noch ein paar Zuckerl obendrauf, die nicht jeder Besucher Roms so ohne weiteres bekommt. Und dazu hat der Vatikan mal wieder Türen aufgemacht, die einem "gewöhnlichen" Besucher verschlossen bleiben.
So kann man z.B. im Anschluss an das Eröffnungs-Hochamt des Festivals im Petersdom, das von Kardinal Comastri zelebriert wird, die Sixtinische Kapelle besichtigen, natürlich als exclusive Privatführung, unter Ausschluss der sonstigen Besucher. Und am Donnerstag wird's noch ein bisserl besonderer:
"Am Donnerstag, den 17. November, besuchen Sie das Archiv und Museum der Peterskirche. Beide Stätten sind für den Publikumsbesuch normalerweise geschlossen. Neben internen Dokumenten sehen Sie auch das originale, von Michelangelo angefertigte, hölzerne Modell der Peterskuppel."

Das ist natürlich alles nichts gegen den ganz besonderen Höhepunkt dieser Reise:
"Während der Heiligen Messe zur Eröffnung des Festivals am ersten Tag haben Sie die Möglichkeit, in einer feierlichen Prozession die Heilige Pforte zu durchschreiten. 
Am Sonntag wird diese Heilige Pforte durch Papst Franziskus geschlossen. Auch das ist eine Besonderheit, die man das nächste Mal erst wieder im Jahr 2025 miterleben kann."Der Moderator berichtete wirklich mit großer Begeisterung von diesem Durchschreiten der heiligen Pforte und wie bewegend das doch sei.




Aha. Da komme ich doch mal zurück nach München. Am Herz-Jesu-Freitag nach Christi-Himmelfahrt hatte ich Besuch von meiner Mitbloggerin Ester und wir machten uns einen schönen Touri-Tag, mit Stadt-flanieren und Besichtigen der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Das führte uns natürlich auch zum Dom unserer Lieben Frau, der zu dieser Stunde mit Touristen überlaufen war, die alle das großartige Bauwerk und damit auch die baumeisterliche Leistung des mittelalterlichen München bestaunten.

Als wir so durch den Dom gingen, die Seitenaltäre anschauten, kamen wir auch zur "Heiligen Pforte der Barmherzigkeit". Und meine erste Frage war: Darf man durch die heilige Pforte auch hinausgehen, wenn man vorher nicht durch sie hineingegangen ist?
Nun wir beantworteten diese Frage damit, dass wir zum "normalen" Ausgang zurückgingen, um die heilige Pforte für ein paar Minuten von außen zu bestaunen und zu sehen, was sich dort tut.
Interessant war es schon, denn die Touristen nutzten diesen Eingang, wie sie auch die beiden anderen benutzen. Keiner hat auf den Text geachtet, der auf der Treppe stand und niemand hat geguckt, was über das Tor der Barmherzigkeit auf dem Ständer neben der Tür stand. Vielleicht ist man dort gerne hineingegangen, weil der Weg vom "Andechser am Dom" dorthin kürzer war als zu den regulären Eingängen.
Das Jahr der Barmherzigkeit und der Ablass, den man beim Durchschreiten der Tür bekommt, schien aber niemanden zu interessieren. Schade. Für mich sieht es so aus, als würde in diesem heiligen Jahr unser Glaube und alles das, was uns wichtig ist, verramscht.

Kommentare:

  1. Es ist natürlich schade, dass eine Pforte der Barnherzigkeit nicht als solche wahrgenommen wird. Ich kenne die Situation in München nicht, aber auf den geposteten Bildern wirkt das für mich wie eine ganz normaler Kircheneingang. Ich kann es Touris nicht verdenken, wenn sie ihn dann als solchen benutzen. Vielleicht gäbe es ja Möglichkeiten, die Pforte deutlicher hervorzuheben, von anderen Eingängen zu unterscheiden?
    lg thesaurus http://katholischeschatzkiste.blogspot.de/

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Sie ist ja besonders gekennzeichnet, durch die Blumentöpfe am Eingang und das grüne Band um die Tür, mit den weißgelben Streifen. Dann gibt es den Aufsteller mit der Erklärung zum heiligen Jahr und die Texte auf der Treppe. Aber es nimmt niemand wahr. Die Tür wird als normaler Eingang betrachtet und die Leute gehen dort rein und raus, wie zu den anderen Türen auch.

      Löschen
    2. Reicht das den als Kennzeichnung? Auf den Bildern wirkt es wie gesagt wie ein stinknormaler Kircheneingang. Ich hätte allerdings grad auch keine Idee, wie das anders gehen sollte...

      Löschen
    3. das war ja der Witz, dass es ganz normal aussah.
      Aber um es mal hochgestochen auszudrücken, es fehlt einfach der sensus ecclesia, bei allen Beteiligten.
      Ich denke man hat in der Zeit nach dem Konzil im Zuge des Entmystifizieren, alle Zeichen entleert, in der (irrigen) Hoffnung dass sie nun für sich selber sprechen würden, was ein Irrtum ist.
      Früher war es üblich, beim Betreten einer Kirche, eine Kniebeuge zum machen, die Männer nahmen ihren Hut ab, orthodoxe Christen haben mir erzählt, dass man bei ihnen die Schuhe ausgezogen habe. Man hatte Rituale eingeführt, die klar machen sollten "der Ort der hier betreten wird, das ist ein besonderer Ort"
      Nach dem Konzil war man ganz versessen darauf, (was theologisch nicht komplett verkehrt ist) Gottesdienst überall zu feiern, vorzugsweise im Gemeindesaal, auf improvisierten Altären, weil man, was ja richtig ist, zeigen wollte Christus ist in deinem Alltag, er will in die Welt!
      Aber das ging einher mit der Liturgiereform (die ja auch im Grunde richtiges wollte), aber die ganzen Ehrfurchtgesten und Formen mehr oder minder eingeebnet hat. Und so schlappt man nun halt durch die Heiligen Pforten, wie man früher nicht mal durch die Seitenpforte die Kirche betreten hätte.
      Ich nehme an, man wollte durch die vielen, vielen Heiligen Pforten ein Zeichen setzen, aber das Zeichen geht nicht mehr in Resonanz bei den Gläubigen, weil jeder Pfarrer und jeder Liturgiearbeitskreis seine eigenen Zeichen (bunte TÜcher, Wasser, Steine, Perlen, Steine, BÄnder usw.) erfindet.

      Löschen