Mittwoch, 11. Mai 2016

Der BR will die Zeitgeistkirche ... und dann darf gejammert werden, dass da keiner hingeht.

Eigentlich sollte der Fernseher heute ausbleiben, aber dann bin ich doch beim BR hängengeblieben. Denn das Programm versprach Spannung. So kurz vor Pfingsten wollte man mal wieder über die Kirche diskutieren und warum dort keiner hingeht.

Und wenn man ein bestimmtes Ziel erreichen will - das hat man auch beim BR gelernt - muss man die Gäste entsprechend auswählen.
Und so diskutierten dann die üblichen Verdächtigen:

  • der auf allen Kanälen in Dauerpräsenz anwesende Münchner Pfarrer Schießler, dessen Kirche immer brechend voll ist (an Weihnachten und Ostern), der auch gerade ein Buch geschrieben hat (und den ich den Limburgern als Bischof wünsche)
  • der Ex-McKinsey-Mann Mitschke-Collande, der mal vor Jahren ein Buch geschrieben hat und sich ärgert, dass die Kirche immer noch nicht nach seinen Vorstellungen arbeitet (Gott sei Dank)
  • der bedauernswerte Weihbischof Haßlberger, der sein Bestes tat, um die Lehre der Kirche noch halbwegs zu verteidigen
  • und natürlich der Moderator Tilman Schöberl, der immer so schön abwürgen kann, wenn die Zuschauer nicht der vorgegebenen Meinung entsprechen.
Und dann gings auch schon los: Eine Religionslehrerin durfte sich dann erstmal über die Böse Kirche austoben und dass sie das doch nicht den Kindern lehren kann, mit dem Missbrauch usw.
Natürlich wurde dann auch der wichtige Personenkreis WVGHSF lange und ausgiebig gewürdigt und alle waren sich einig, dass die Kirche ja so gemein zu ihnen ist.

Ein junger Theologiestudent, der wirklich Glaubensfreude ausstrahlte und vielleicht Priester werden will, wurde dann gleich entsprechend angegriffen, was denn so toll daran sei, zölibatär zu leben.. Er hat dann versucht, es zu erklären, aber nach den dauernden Unterbrechungen durch den Moderator dann entnervt aufgegeben. Überhaupt fiel an der Sendung auf, dass besonders die jungen Gäste eine ganz andere Meinung zur Kirche hatten und auch ihre Freude am Glauben rüberbringen konnten, während die ideologisch indoktrinierten einfach nur ihre Vorstellungen eines Sozialvereins in der Kirche verwirklicht sehen wollten ...

Und die Lösung für die Kirche wird mit Sicherheit nicht noch mehr Zeitgeist sein.

Und da habe ich ein schönes Beispiel von letzter Woche: 

Der Brückentag nach Christi Himmelfahrt war in diesem Jahr auch der Herz-Jesu-Freitag. Der Tag also, wo es in St. Peter zusätzlich zum Herz-Jesu-Amt und der Andacht auch eine Katechese von gut ausgewählten Kirchenleuten, Professoren, Journalisten usw. gibt. So auch am letzten Freitag. Es war der erste Sommertag in München, die Cafés und Biergärten waren voll, die Leute flanierten durch die Stadt und genossen den Sonnenschein.
Trotzdem war die Kirche in St. Peter voll - zur Messfeier und zur nachfolgenden Katechese, die diesmal von Prof. Achim Buckenmaier vorgetragen wurde. Thema war die Freiburger Rede von Papst Benedikt XVI und die "Entweltlichung". Es war ein großer Vortrag und Prof. Buckenmaier wurde mit lang anhaltendem Beifall (das habe ich dort noch nie erlebt) verabschiedet.
So kann man zum Beispiel eine Kirche auch voll bekommen. Erstaunlich auch hier: die vielen jungen Leute.
Offensichtlich ist es nicht so schwer, mit katholischen Themen, einer schönen Liturgie, einer Anbetung und Andacht eine Kirche zu füllen.
Warum wollen das diese Zeitgeistanbeter, Sozialvereinsprotagonisten etc. eigentlich nicht wahrhaben? Sollen Sie doch in ihren Garagenkirchen ihre Godis feiern und uns in Ruhe lassen.

Wer sich's antun will: Hier ist der Link

Kommentare:

  1. Vielen Dank für diesen Sendungshinweis.
    Ich fand eine Szene sehr charakteristisch für die Lage der Kirche heute:
    Der freie Trauer- und Trauredner, der sagt, dass Christen zu ihm kommen. Sie wollen, dass sie und nicht die Kirche bei diesen Ereignissen im Mittelpunkt stehen. Hier liegt das Problem. Wir haben inzwischen vermutlich Millionen von Getauften, denen es nicht wichtig ist, das Christus bei solchen Ereignissen vorkommt. Millionen Getaufte, die so leben sollten, dass Christus in ihnen lebt, denen Christus (zumindest in den Formen seiner sakramentalen Gegenwart und Wirksamkeit) bei wichtigen Lebensereignissen egal ist. Hier sind wir im Zentrum der Glaubenskrise.....

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    1. Ja, so ist es wohl. Bezeichnend auch, dass der Pfarrer Schießler in München so populär ist, weil er immer wieder betont, wie nah er doch bei den Menschen ist und wie sehr er sich um die Menschen kümmert. Und auch der Weihbischof Haßlberger bemühte sich dann heftig darum, dass auch die Kirche bei den Menschen sein will. Es muss ihm völlig absurd vorgekommen sein - weiß er doch, dass die Kirche die Braut Christi ist und von ihm gegründet wurde, damit die Menschen nah bei Gott sein können ....

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    2. Nun, bei den Menschen sein zu wollen ist ja an sich nicht falsch, ganz im Gegenteil. In jedem Menschen begegnet Christus, hier sind die Werke der Barmherzigkeit gefordert.
      Als Christ will ich also bei den Menschen sein, weil dort Christus ist, weil ich die Liebe, dich ich von Christus empfangen habe, auch weitergeben möchte. Das heißt aber, dass es durchaus Formen geben kann, bei den Menschen zu sein, die unangemessen sind. Eine Hochzeit zu feiern ohne vom Sakrament der Ehe zu sprechen wäre so ein Fall...

      Die Kirche nur als Ort der Gottesnähe zu sehen, wäre für mich das andere Extrem. Die Gottesnähe ist nicht an sich schon das alleinige Ziel. In der Gottesnähe soll der Christ doch gestärkt werden, seine Sendung bei den Menschen wahrnehmen zu können.

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