Montag, 16. Mai 2016

Die goldene Schnur,

Man hört ja alle Tage was das angeblich Wichtigste für den Menschen, die Gesellschaft, Europa, die Welt und überhaupt sein soll, und manchmal scheint es, als habe man das eigentlich wichtige dabei irgendwie aus dem Blick verloren, nämlich die Antwort auf die absolut zentrale Frage "Woher kommen wir, wohin gehen wir und was sollen wir hier?"
Man hat das Gefühl, dass völlig klar sei, was wir hier sollen, auch und wenn es nie richtig ausformuliert wird, sondern jeder nur mit großen, schönen Worten um sich wirft, dass es eine wahre Pracht ist.
Nun nutzt es wenig, seinerseits, wie es fromme Leute oft machen, genauso große, heftige  Worte dagegen zu finden.
Es scheint schon wieder, oder immer noch die Zeit zu sein, wo "sich im Dom die Beter verhüllen und Menschenhochmut auf dem Markt sich feiert" wie Reinhold Schneider, damals in bösen Zeiten dichtete.
Unter diesem Hintergrund muss ich dann immer an den Beter in Mater Ecclesia denken, dessen Rücktritt mich, immer noch, fassungslos macht.

Aber es gibt dann auch wieder Sinn, das wahre Gut der Kirche ist die Gottesbeziehung, das persönliche Verhältnis zu Gott, das  sich im Gespräch mit Gott, eben im Gebet, manifestiert.
Auch und wenn, wie es Paulus schön formuliert "wir ja oft nicht wissen, wie wir in rechter Weise beten sollen, so dass der Geist dann mit Seufzen und Flehen für uns eintritt!"

Schon im Interviewbuch  "Salz der Erde" des damaligen Kardinal Ratzinger mit Peter Seewald, geht es auch um das Gut der Kirche und ihre Güter, und darum, dass die Kirche, wie die meisten Menschen, oft ihre Güter mit ihrem Gut verwechselt, dass sie sich dagegen wehrt die Güter aufzugeben und es sich dann doch,  hinterher, herausstellt, es war gut,. dass man ihr ihre Güter weggenommen hat.
Konkret sagt der damalige Kardinal: ................................Dazu hat dann Pius X. erklärt, das Gut der Kirche ist wichtiger als ihre Güter. Wir geben die Güter weg, weil wir das Gut verteidigen müssen. Das ist, glaube ich, ein großer Satz, den man sich immer wieder vor Augen halten muss.


Ja dann wollen wir das tun!

Hilfreich beim Beten kann auch das  betrachtende Lesen  der Bibel sein, nur ist man da ja oft in der Situation des alten Witzes, dass man sich "selber erklären muss, was man nicht versteht"

(es geht bei dem Witz darum, dass ein berühmter Theologe (von Harnack, evangelisch, ich weiß) seine alten Tanten auf dem Land besucht und die alten Damen ihm eröffnen, sie hätten einen Bibelkreis angefangen und würden gerade den Propheten Ezechiel lesen. Nun gehört das Buch Ezechiel nicht gerade zu den einfachen Büchern der Schrift und so fragte der berühmte Theologe etwas besorgt ob die Tanten auch verstehen würden was sie da läsen. Die Tanten nickten und sagten "Wir begreifen das schon, und was wir nicht verstehen das erklären wir uns!")

Nun hat schon der große Theologe Thomas von Aquin sich darum bemüht hier zu helfen und zwar hat er angefangen Zeugnisse von Kirchenvätern zu den Bibelstellen zu sammeln und das zu redigieren.
Das so entstandene Buch nannte er Catena Aurea (Goldene Schnur) und ist schon faszinierend zu lesen, weil die Zitate der Kirchenlehrer aus vielen Jahrhunderten vor dem Aquinaten wie eine Schnur sind, die sich alle mit dem zugehörigen Evangelientext verbinden.
Man kann es gut lesen, fast wie eine Predigt, und das Werk ist auch   online verfügbar.
Hier klicken

Leider haben die Betreiber der zugehörigen Webside irgendwann die beständige Aktualisierung aufgegeben, so dass man dort unter "Aktuell" liest "2011 Lesejahr A" wo wir doch 2016 und Lesejahr C haben.
Aber man kann ja selber navigieren.

Also Heute ist ja schon Pfingstmontag und somit landen wir hier  werden dann nach hier 
weitergeleitet und lesen dort

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18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.

Die Welt wird wahrhaft durch den Sohn Gottes das Leben haben. Denn aus keinem anderen Grund kam er in die Welt, um die Welt zu erlösen. (Alkuin)
Weil der Herr das gesagt hat, mißbrauchen viele Untätige in der Größe ihrer Sünden und in ihrer übergroßen Leichtsinnigkeit die Barmherzigkeit Gottes. Sie sagen: Es gibt keine Hölle und keine Strafe; alle Sünden läßt Gott uns nach. Doch wir müssen bedenken, daß es eine zweifache Ankunft Christi gibt: jene, die schon geschehen ist, und eine, die noch kommen wird. Jene erste geschah nicht, um unsere Taten zu richten, sondern um sie nachzulassen. Die zweite jedoch wird nicht Vergebung, sondern das Gericht bringen. Von der ersten Ankunft sagt der Herr: Ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten. Denn da er milde ist, hält er nicht sogleich Gericht, sondern verleiht die Vergebung aller Sünden, zuerst durch die Taufe, dann durch die Buße. Hätte er das nicht getan, so wären wir alle verloren gegangen. Denn alle haben gesündigt und bedürfen der Gnade Gottes (Röm 3,23). Damit also keiner glaubt, er könne ungestraft sündigen, spricht er über die Strafe für den Ungläubigen: Wer glaubt, wird nicht gerichtet. [Wer nicht glaubt, ist schon gerichtet.] "Wer glaubt" sagt er, nicht "Wer theologische Fragen stellt". Was aber, wenn er ein unreines Leben hat? Genau solche Leute nennt Paulus "ungläubig": Sie beteuern, Gott zu kennen, durch ihr Tun aber verleugnen sie ihn (Tit 1,16). Das bedeutet: Nicht seines Glaubens wegen wird er gerichtet, sondern seiner Taten wegen muß er eine schwerere Strafe erleiden. (Chrysostomus)


nun ja starker Tobak, finde ich, also bemühen wir uns weiter zu glauben,  Möge der Heilige Geist uns dabei beistehen!
Man kann, wenn man will, sich auch das Buch kaufen, ist auch sehr schön gemacht.


1 Kommentar:

  1. Vielen Dank für den Hinweis auf die Catena Aurea! Die Auszüge wecken meinen spirituellen Appetit!

    Mein Takeaway dieses Blogs ist, daß St. Thomas den Glauben mit den Werken verknüpft, wobei er auf Titus 1.16 verweist: "Sie beteuern, Gott zu kennen, durch ihr Tun aber verleugnen sie ihn." Wenn also die Werke mit darüber entscheiden, ob einer gläubig ist oder ungläubig, wie Thomas hier aufführt, wirft das ein Licht auf die berühmte Stelle im Römerbrief Röm 3.28 "So halten wir dafür, dass der Mensch gerecht werde nicht durch des Gesetzes Werke, sondern allein durch den Glauben," die Anlaß zu der tragischen Abspaltung des Protestantismus gab. Dabei fehlt das Wörtchen "allein" im Urtext (da steht nur: λογιζόμεθα γὰρ δικαιοῦσθαι πίστει ἄνθρωπον χωρὶς ἔργων νόμου), wodurch diese schroffe Entgegensetzung Werke - Glaube bei Luther sowieso ihre Grundlage verliert. Zitate wie das obige vom Hl. Thomas, lange vor der Reformation geäußert, bestätigen, daß Glaube und Werke ineinander verflochten sind. Man kann sich durch schlechte Werke als Ungläubiger ausweisen. Durch Tun der "Gesetzes Werke" aber wird man noch nicht gerecht. Das kommt mir stimmig vor: ein bloßes Lippenbekenntnis oder auch ein rein verstandesmäßiges Anerkennen der Glaubenswahrheiten ist ja noch nicht Glauben. Diesem Irrtum erliegen die vielen evangelisierenden Grüppchen, die den Menschen einen Zettel vorlegen "Unterschreibe noch heute, dass Christus der HERR Dein Erlöser ist und für Dich am Kreuz gestorben ist, bekenne Dich zu ihm und lege Dein Leben in seine Händer. Datum: ... Unterschrift: ..." Das ist zwar in sich alles gut und löblich, aber es ist so unruhig und überhitzt - solcher Zettelwirtschaft haftet der amerikanische "Instant"-Charakter an. Echter Glaube ist anders, er ist prozesshafter, und er geht mit Werken einher, mit dem ganzen Leben eigentlich. Er lässt sich auch nicht plakativ-showmäßig vermarkten!

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