Mittwoch, 18. Mai 2016

Ein Fundstück aus Don Camillo und Peppone

Wer kennt sie nicht Don Camillo und  Peppone, und wer hat nicht gespürt, dass es dabei um mehr geht, als um Klamauk?
Hier kann man einiges darüber nachlesen.

Irgendwo in "Don Camillo und die Rothaarige" lässt Guraeschie den Don Camillo schon recht frustriert sein und sein Jesus fragt ihn sanft:

Don Camillo, warum bist du so pessimistisch? War mein Opfer denn umsonst? Ist denn meine Mission bei den Menschen gescheitert, weil die Bosheit der Menschen größer ist als die Güte des Herrn?
Don Camillo jammert dann dem Herrn vor, was ihn so bedrückt und das ist das was wir seit Jahrzehnten unter dem Thema "spirituelle Wüsten" "Verdunstung des Glaubens" nicht wahrhaben wollen, sofern wir fromm sind, sofern wir nicht fromme sind, freuen wir uns darüber, schon klar.

Don Camillo drückt es so aus:
....Ich will nur sagen, dass die Leute heute an das glauben, was sie sehen und greifen können. Aber es existieren wesentliche Dinge, die nicht gesehen, nicht berührt werden können: Liebe, Güte, Frömmigkeit, Ehrlichkeit, Bescheidenheit, Hoffnung. Und Glauben. Das ist die Selbstzerstörung, von der ich dir erzählt habe. Die Menschheit, so scheint es, zerstört ihr gesamtes spirituelles Erbe. Der einzig wahre Reichtum, den sie in Jahrtausenden angehäuft hat. Eines Tages, nicht weit vom heutigen, werden wir genau so sein wie die Steinzeitmenschen in ihren Höhlen. Diese Höhlen werden wie hohe Wolkenkratzer sein, mit den wundersamsten Maschinen angefüllt, aber der Geist der Menschen wird jener der der Höhlenmenschen sein...


Faszinierend ist, dass auch andere große Denker genau das gesehen haben, zuerst Romano Guardini, der in "das Ende der Neuzeit" schreibt:

Wenn wir die eschatologischen Texte der Heiligen Schrift richtig verstehen, werden Vertrauen und Tapferkeit überhaupt den Charakter der Endzeit bilden. Was umgebende christliche Kultur und bestätigende Tradition heißt, wird an Kraft verlieren. Das wird zu jener Gefahr des Ärgernisses gehören, von welcher gesagt ist, daß ihr, »wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten erliegen würden« (Mt 24,24). Die Einsamkeit im Glauben wird furchtbar sein. Die Liebe wird aus der allgemeinen Welthaltung verschwinden (Mt 24,12). Sie wird nicht mehr verstanden noch gekonnt sein. 

Oder auch Papst Benedikt in seiner Antrittsrede wo er sagte:

Den Hirten muß die heilige Unruhe Christi beseelen, dem es nicht gleichgültig ist, daß so viele Menschen in der Wüste leben. Und es gibt vielerlei Arten von Wüsten. Es gibt die Wüste der Armut, die Wüste des Hungers und des Durstes. Es gibt die Wüste der Verlassenheit, der Einsamkeit, der zerstörten Liebe. Es gibt die Wüste des Gottesdunkels, der Entleerung der Seelen, die nicht mehr um die Würde und um den Weg des Menschen wissen. Die äußeren Wüsten wachsen in der Welt, weil die inneren Wüsten so groß geworden sind. Deshalb dienen die Schätze der Erde nicht mehr dem Aufbau von Gottes Garten, in dem alle leben können, sondern dem Ausbau von Mächten der Zerstörung.


 und dann kommt er auf unser aller Problem, dass die Frommen aller Zeit umgetrieben hat, das scheinbare Schweigen Gottes, sein Laufenlassen der Dinge, der Schlechten insbesondere, sein Zulassen, dass aus gutem Wollen böses Tun wird

Wie oft wünschten wir, daß Gott sich stärker zeigen würde. Daß er dreinschlagen würde, das Böse ausrotten und die bessere Welt schaffen. Alle Ideologien der Gewalt rechtfertigen sich mit diesen Motiven: Es müsse auf solche Weise zerstört werden, was dem Fortschritt und der Befreiung der Menschheit entgegenstehe. Wir leiden unter der Geduld Gottes. Und doch brauchen wir sie alle. Der Gott, der Lamm wurde, sagt es uns: Die Welt wird durch den Gekreuzigten und nicht durch die Kreuziger erlöst. Die Welt wird durch die Geduld Gottes erlöst und durch die Ungeduld der Menschen verwüstet.

Guareschi lässt den Christus auf die Frage Don Camillos "was sollen wir tun?" antworten:

Dasselbe, was ein Bauer tut, wenn der Fluss über die Ufer tritt und die Felder überschwemmt: die Saat retten. Wenn der Fluss sich in sein Bett zurückzieht, so scheint die Erde wieder auf und die Sonne trocknet sie. Wenn der Bauer den Samen gerettet hat, kann er ihn erneut auf der Erde ausbringen, die durch den Fluss noch furchtbarer gemacht wurde; und der Samen wird heranreifen, und die prallen und goldenen Ähren werden den Menschen Brot, Leben und Hoffnung geben

Guardini sagt es so:

Um so kostbarer wird sie [die Liebe, die man nicht mehr kann] werden, wenn sie vom Einsamen zum Einsamen geht; Tapferkeit des Herzens aus der Unmittelbarkeit zur Liebe Gottes, wie sie in Christus kund geworden ist. Vielleicht wird man diese Liebe ganz neu erfahren: die Souveränität ihrer Ursprünglichkeit, ihre Unabhängigkeit von der Welt, das Geheimnis ihres letzten Warum. Vielleicht wird die Liebe eine Innigkeit des Einvernehmens gewinnen, die noch nicht war. Etwas von dem, was in den Schlüsselworten für das Verständnis der Vorsehungsbotschaft Jesu liegt: daß um den Menschen, der Gottes Willen über Sein Reich zu seiner ersten Sorge macht, die Dinge sich wandeln (Mt 6,33).

und Papst Benedikt bringt es in der berühmten Konzerthausrede in Freiburg, Mutter Theresa zitierend  auf den Punkt. Ändern müssen sich ich und du!

Kommentare:

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag, vor allem für die Ausschnitte aus Benedikts XVI Antrittsrede. Sie haben mich auch heute noch getroffen. Angesichts der großen Christenverfolgung und dem Niedergang der Volkskirche bleibend aktuell

    Und vielleicht schaue ich mir ja tatsächlich auch mal die Don Camillo Filme an....
    thesaurus http://katholischeschatzkiste.blogspot.de/

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    1. Hallo und willkommen :-D
      Ja die Filme sind nicht schlecht, aber die Bücher finde ich eigentlich noch besser.
      Man muss allerdings sagen, dass die Don Camillo und Peppone Geschichten zunächst als Kolumnen erschienen sind, und nicht als zusammenhängende Geschichte gedacht sind, weswegen die Figuren, im Buch, schon schillernd sind, Pepone ist mal Schmied, mal Automechaniker, mal hat er einen Fahrdienst.
      Die finanziellen Verhältnisse von Don Camillo und auch Pepone schwanken teilweise sehr, auch die Zusammensetzung der Gemeinde ist nicht einheitlich. Die Filme schaffen es gut da eine Einheit draus zu machen, liegt auch daran, dass Guareschi da mit gearbeitet hat.

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  2. Zuerst einmal Danke für den Verweis.

    Ich bin mir persönlich noch nicht völlig sicher, was und wieviel Guareschi von anderen Autoren rezipiert hat. In der Tat scheint mir, dass seine Ansichten genuin und originell aus seinem eigenen Leben heraus entstanden sind, unter dem Eindruck der großen Volksfrömmigkeit seiner Heimat. Guareschi hat viele Dinge sehr genau „gespürt“, ohne dafür eine ausgeprägte theologische Untermauerung zu brauchen.

    In dieser Hinsicht besaß er im wahrsten Sinne eine Weisheit, wie sie nur das „hörende Herz“ formt, wie es Benedikt XVI. einmal sagte. Er ahnte 1968 voraus, was sich damals ankündigte; und analysierte damit vieles schärfer als die selbst ernannten Naturalisten, die sein Werk abtaten. Die Verwurzelung im eigenen Glauben erlaubte diesen Instinkt.

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    1. Ich kannte zunächst nur die Filme und hielt das alles für unterhaltsame Geschichten, später ging mir dann auf, dass es dem Guareschi um viel mehr ging. Gerade in dem letzten Band "Don Camillo und die Rothaarige" wird das klar.
      Dabei geht es auch hier und die Hoffnung wider alle Hoffnung, mit der es auch R. Guradini in "das Ende der Neuzeit hat, wo er dann im Folgeband "die macht" versucht ein Bild zu entwerfen, wie der Glaube bestehen kann, ohne so zu werden, wie er leider geworden ist,. oberflächliche Folklore, die kleine Kinder und alte Omas beruhigen soll, aber die keiner ernst nimmt.
      Was das klare Sehen angeht, vielleicht hilft der Vergleich einer Wanderung. Man steht unten im Tal und sieht wie der Weg wohl gehen wird (gilt auch umgedreht), aber wenn man dann auf dem Weg ist, sieht man oft gar nicht mehr wo es hingeht.
      Von daher halte ich die Wegbeschreibungen eines Guardini und eines Guraeschi für so exorbitant wichtig, auch und weil beide auf die eigentliche Landkarte (Schrift) und die Wegmarkierungen (Kirche und ihre liturgischen Vollzüge) verweisen.

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