Dienstag, 17. Mai 2016

Parallelkurie, Gefahr eines "verborgenen" Schismas, die "neuen Heiden". Und offene Fragen zur Informationspolitik der Sala Stampa, Fortsetzung

Fortsetzung
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"Noch einmal: Papst Franziskus´ Kirche ist eine Kirche der zwei Geschwindigkeiten
Einerseits hat Kerdinal Gerhard L. Müller, Präfekt der Gluabenskongregation in Spanien eine lange Pressekonferenz zu Amoris Laetitia und betonte, die Pastoralität des ehelichen  Bundes gemäß Papst Franziskus , und interpretierte so die postsynodale Exhortation in Kontinuität mit der Lehre der Kirche. 
Auf der anderen Seite hielt Erzbischof Bruno Forte, Generalsekretär der vergangenen beiden Synoden, eine Pressekonferenz , während der er bemerkte, daß Papst Franziskus ihm während der Synodenarbeit erzählt habe, daß "wenn wir ausdrücklich von der Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen sprechen, werden diese Leute (wohl die Konservativen-meint der Herausgeber) ein Chaos machen. Laßt uns deshalb darüber nicht in direkter Weise sprechen, einfach Platz für die Voraussetzungen schaffen, ich werde dann die Schlüsse ziehen."

Einerseits schafft Papst Franziskus schüchterne Öffnungen für eine mögliche Kommission, was meistens dazu führt, die Diskussionen einzufrieren (siehe die Kurienreform). Andererseits werden seine Erklärungen von der Presse und denen ausgenutzt, die ihn- mit einer klaren Agenda hinter seinem Rücken- gewählt haben.

Einerseits gibt es die offiziellen Rollen in der römischen Kurie, auf der anderen Seite verlieren diese Offiziellen ständig an Einfluß, während diese Art Parallelkurie, die immer einflußreicher wird, weil sie direkten Zugang zum Papst hat, mit ihm die Themen diskutiert, ohne daß sie durch die offiziellen Kanäle passieren. 

Diese Parallelkurie wird oft in der Domus Sanctae Marthae angetroffen, dem Hotel, in dem der Papst lebt. Hier verlieren wir die Spur der päpstlichen Handlungen und auch oft der Menschen, die direkt mit ihm sprechen.
Der Papst lebt dort mit vielen anderen Menschen zusammen, weil das Hotel viele Prälaten beherbergt. Es genügt, daß einer dieser Prälaten einen Gast empfängt und dann diesen Gast direkt zu den Räumen des Papstes bringt und niemand wird eines Treffens mit dem Papst gewahr werden, wenn der Gast nicht selbst die Nachricht davon verbreitet.

Es scheint, daß sogar der Italienische Premierminister, Matteo Renzi, letzte Woche so heimlich den Papst besuchte, am Vorabend der Abstimmung über ein Gesetz zur Zivilehe im Italienischen Parlament, das angenommen wurde und so den Weg für eine mögliche, zukünftige Zustimmung zur HS-Ehe bereitete. Niemand wußte von dem Treffen und selbst die, die darüber berichteten, taten das vorsichtig.
Papst Franziskus hat sich am 9. Mai auch mit zwei Repräsentantinnen der Brasilianischen Volksbewegungen getroffen. Die beiden Frauen sprachen mit dem Papst über die Lage in Brasilien und das Impeachment gegen Präsidentin Dilma Roussef. Sie sprachen über das Treffen, während sie ein Bild mit niedriger Auflösung davon lieferten und vorwiegend linksgerichteten Agenturen Interviews gaben.
Selbst die berühmte Begegnung des Papstes mit Bernie Sanders, dem Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei, folgte den selben Kriterien: Sander kam zur Vaticankonferenz, wurde in Santa Marta untergebracht und zusammen mit einigen anderen Gästen sollte er auch am Morgen des 16. Aprils am Eingang sein, um den Papst zu begrüßen, der zu seinem 1-Tages-Trip nach Lesbos aufbrach. Wie der Papst bei der "Fliegenden Pressekonferenz" sagte: "es wäre rüde gewesen, ihn nicht zu begrüßen."



Betrachtet man diese Situation, kann jeder den Papst treffen, der an seinen engsten Mitarbeitern vorbeikommt. Papst Franziskus sucht alle seine Besucher aus, trifft die endgültigen Entscheidungen über die Treffen, aber er vernachlässigt auf diese Weise die Kurie, also die Unterstützung durch diese große Maschinerie, die fähig wäre klarzustellen, ob seine Auswahl zuträglich ist, oder ob es da eine Gefahr geben könnte. Es ist offensichtlich, daß es dem Papst an einigen Erkenntnissen fehlen könnte, sogar einigen Geschichtskenntnissen. er kann nicht alles wissen.
So kommt es, daß er dahin gelangte, von einer Kommission über weibliche Diakone zu sprechen, obwohl es so eine Kommission zum Thema Diakonat schon vor 14 Jahren gegeben hatte.

Aber Papst Franziskus ist an solchen Details nicht interessiert. Er ist viel mehr an seiner Beziehung zu den Menschen interessiert. Ein Professor der Universität Bologna und Autor des Artikels "Der populistische Papst" hat viele Diskussionen hervorgerufen. Loris Zanatta betonte in einem Artikel, daß wir die evidente Unsensibilität von Papst Franziskus für die politische und institutionelle Dimension der modernen Zivilisation und seine Versuchung sie angenommenen historischen und spirituellen unwandelbaren Identitäten unterzuordnen, vor der die Politik zum Halten kommen muß.

Mit anderen Worten, Papst Franziskus interessiert der institutionelle Teil nicht besonders. Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen, pflegt zu erzählen, daß Papst Franziskus weitere ökumenische Gesten machen und doktrinale Themen dabei beiseite lassen will.

Durch diese Linsen betrachtet, können wir verstehen, warum Papst Franziskus seine gemeinsame Erklärung mit dem Orthodoxen Patriarchen von Moskau als "pastorales Dokument" beschreibt.  Der Inhalt des Textes ist ihm nicht wichtig. Es zählt für ihn nur, daß es da eine Geste gab und daß die Leute sich an dieser Geste ein Beispiel nehmen können.

Aus diesem Grund ist der Ökumenismus von Papst Franziskus ein "Ökumenimus des Blutes" - einer seiner Lieblingsausdrücke- und das ist nicht doktrinal gemeint. Aus diesem Grund beruht die Kirche von Papst Franziskus oft mehr auf der Praxis als auf der Lehre.

Papst Franziskus´Kirche ist zu einer Art Zustand einer dauernden Synode berufen; alle Themen bleiben auf dem Tisch, und erzeugen so das Gefühl des Wandels. Aber es ist schwer zu verstehen, was Papst Franziskus wirklich will.
Manchmal erscheint er als progressiv, nahe der progressiven deutschen Theologie und ein anderes mal als altmodischer Konservativer, voller Prinzipien, der die Kirche in eine vergangene Zeit führt.

Diese Spannung in Papst Franziskus´ Denken wird durch die Art verborgen, wie die Medien sein Image ausnutzen, als ob der Papst etwas von der Kirche Verschiedenes sei.
Die Öffentliche Meinung denkt mehrheitlich, daß es da eine schlechte Kirche gibt und einen Papst, der die Kirche in die Moderne bringen will,  der aber viele Feinde auf seinem Weg findet

Das ist kein wirkliches Szenario, aber es ist das wahrgenommene Szenario. In der Zwischenzeit, während sie auf ihre umfassenden Reform warten, sind die Dikasterien ruhig gestellt, während die Finanziellen Belange - eine der Reformen, die Papst Franziskus am meisten liebt- von selber vorankommen, mit Höhen und Tiefen.

Letzte Woche wurde der jährliche Bericht der IOR veröffentlicht. Diese Veröffentlichung des Jahresberichtes der fälschlicherweise Vaticanbank genannten Institutes war keine formale Präsentation oder Ankündigung, sondern nur ein Bericht bei Radio Vatican von G. Mammi und Jean B. de Franssu, also Direktor und Präsident des Institutes.

Das Paar erklärte, daß es keine Möglichkeit zur Geldwäsche im IOR mehr gäbe aber indem sie das sagten, bevorzugte ihre Kommunikationsstrategie einen Bruch mit der Vergangenheit.
Es war so, als wollten sie sagen, daß die unrechtmäßigen Aktivitäten der Vergangenheit nun nicjht mehr stattfinden könnten und daß eine neue Ära der Transparenz begonnen habe.
Tatsächlich aber hat bereits 2012 der Moneyval-Report zertifiziert, daß der Weg zur Transparenz  lange vorher begonnen hatte und daß das IOR kein Platz unrechtmäßiger und undurchsichtiger Deals war, über die so viele sprachen.
Aber diese Ergebnisse werden oft vergessen, Das Comuniqué betont auch, daß das IOR um die 5000 Konten geschlossen hat, obwohl Mammi erklärte, daß die meisten davon eher ruhende als verdächtige Konten waren. 

Diese Daten helfen dabei, die Tatsache zu verdecken, daß der IOR-Gewinn in diesem Jahr sehr niedrig ausfällt.  Der Gewinneinbruch wird mit einem Schnitt bei riskanten Investitionen gerechtfertigt. Bei einem Treffen mit Journalisten im Juni 2012  hatte Paolo Cipriani, der damalige IOR-Direktor jedoch die sehr konservativen Kriterien für IOR-Investitionen. Und alle Operationen wurden vom Rat der Superintendenz und dem Kardinalsrat approbiert.
Es gibt am Ende den Verdacht, daß einige Managementfehler gemacht wurden, aus Sorge mit den Geschäften der Vergangenheit zu brechen. Und der Verdacht entsteht, daß die Ära der externen Berater (später der festen) eine Situation schuf, die jetzt ihre Rechnung präsentiert: während der Ära der externen Berater, die eher Rechtsanwälte als Finanzexperten waren, haben die das IOR gemanagt. Nur Mammis Anstellung als Direktor brachte Männer der Institution in die erste Reihe zurück, die ihre gesamten Karriere innerhalb der Institution verbracht hatten. 
Am Ende, wenn es zu Gesprächen über das Pontifikat von Papst Franziskus kommt, scheint die vorher geleistete Arbeit komplett geleugnet zu werden. Sogar in diesem Fall, vielleicht wurde Papst Franziskus gedrängt, einiges zu denken, oder vielleicht sogar so zu denken, wie eine Person denken würde, die letztendlich ihr ganzes Leben außerhalb des Vaticans verbracht hat und dir einen gewissen Generalverdacht gegen Machtzentren hegt.
Dennoch erkannte genau dieser Papst Franziskus, daß der Kampf gegen Korruption mit Papst Benedikt XVI begonnen hat, und so einen Teil der Legenden um sein eigenes Pontifikat dekonstruiert.
Wir können hoffen, daß der Papst das selbe bei der Lehre tun wird. Andernfalls wird es eine Art verdecktes Schisma geben zwischen denen, die der Lehr treu sind und denen, die sich nicht um die Lehre der Kirche kümmern.  Letztere sind die neuen Heiden, die Ratzinger damals in den 50-er Jahren beschrieben hat."
Quelle: MondayVatican, A. Gagliarducci

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