Dienstag, 21. Juni 2016

1534: Der erste "Brexit" war viel schlimmer

In zwei Tagen geht es in Großbritannien um den "Brexit" eine Abstimmung, bei der die Briten bestimmen können, ob sie weiter Teil der EU sein wollen oder (wie z.B. Norwegen und die Schweiz) lieber selbstbestimmter Teil Europas bleiben wollen.
Die Angst ist groß - diesseits und jenseits des Ärmelkanals, dass Großbritannien dann nicht mehr Teil Europas sein würde. Selbst katholischde versucht seinen Lesern glaubhaft zu machen, dass mit dem Austritt Englands aus der EU eine große Katastrophe passieren würde.
Folgt man dem Wortsinn des Artikels, wäre  nämlich mit einen Mal die große Tradition Englands mit allen ihren Heiligen und Märtyrern und besonders den Glaubensverkündern (z.B. Bonifatius) hinweggewischt würde.
Großbritannien wäre also sofort nach dem Entscheid für den Brexit vom Erdboden verschluckt. So muss man sich das, wenn es nach Christoph Strack geht, vorstellen. Wie froh können wir da sein, dass viele britische Heilige auf dem europäischen Kontinent starben und uns dann ihre Gräber nicht verloren gehen.
Ein wahrer Schrecken ist uns da noch mal erspart geblieben.

Doch könnte der heutige "Brexit" wirklich eine so große Katastrophe werden?

War der Brexit vom 3. November 1534 nicht viel schlimmer?

Hans Holbein d. J. 074
Heinrich VIII - gemalt von Hans Holbein
Public domain via Wikimedia Commons
Wir erinnern uns: Heinrich wollte Anna heiraten, das ging aber nicht, weil er schon mit Katharina verheiratet war. Denn der damalige Papst hielt absolut nichts von wiederverheirateten Geschiedenen.
So sagte er England von der katholischen Kirche los und gründete seine eigene, die "Church of England". Er selbst machte sich zu ihrem Oberhaupt und erlaubte sich seine eigene Scheidung. Der Preis war hoch: Für ihn selbst, denn die Exkommunikation erfolgte 4 Jahre später. Aber auch für sein Volk, das ebenfalls zur "Church of England" konvertieren musste. Die, die sich weigerten, hatten nichts zu lachen: Der Lordkanzler Thomas Morus und John Fisher, der Bischof von Rochester wurden inhaftiert und hingerichtet.

Aber auch über die Jahrhunderte kam England nicht zur Ruhe. Man erinnere sich an den Machtkampf von Heinrichs Töchtern Mary I, die katholisch geblieben war und Elisabeth I, die nach ihrer Thronbesteigung die Schwester ermorden ließ und dann die "Church of England" zur Staatskirche ernannte. Danach wurde die katholische Kirche über Jahrhunderte von den Engländern verfolgt - im eigenen Land, aber auch in den eroberten Ländern, man denke nur an die Iren, die ja fast ausgerottet wurden. Aber eben nur fast. Die katholische Kirche hat überlebt - in Irland, aber auch auf den britischen Inseln, wo sie wieder stärker wächst.

Erstaunlicherweise legt man aber in diesen Tagen gerade im britischen Königshaus wieder Wert darauf, dass Scheidungen für einen künftigen König unpassend sind.
Wir erinnern da an die beiden Skandale, die nicht nur ein "Fressen" für die Klatschpresse waren, sondern die britische Monarchie in ihren Grundfesten erschütterten:
Dazu zählen der Rücktritt von Edward VII, der unbedingt eine zweimal geschiedene Amerikanerin heiraten wollte.
Aber auch die Ehe von Prinz Charles und Camilla wurde in einer zivilen Trauung geschlossen, da Camilla geschieden war. In der Kirche gab es lediglich einen "Dank-Gottesdienst", bei dem auch die Königin anwesend war. Die Erinnerung an Heinrich VIII und seine Scheidungseskapaden, der ja die "Church of England" ihre Existenz verdankt, scheint also verblasst ...

Trotzem haben sowohl der europäische Kontinent als auch die britischen Inseln diesen Brexit überlebt und sind beide - wenn auch unter Wunden und Schmerzen - über die Jahrhunderte an ihrem Platz auf der Weltkarte verblieben. Wollen wir also hoffen, dass England nach der Abstimmung am 23. Juni nicht einfach von der Weltkarte verschwindet.



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