Montag, 13. Juni 2016

Christliche, liebgewonnene Illusionen auf den Punkt gebracht

Wer im Weihnachtslied singt: «Christus, der Retter, ist da!», sollte doch davon Abstand nehmen, die Welt retten zu wollen; solche masslosen, die eigene Begrenztheit negierenden Rettungsversuche endeten in der Geschichte oft im masslosen Unheil. Mehr noch als andere werden wir Christinnen und Christen uns unsere Hilf- und Orientierungslosigkeit eingestehen......

gefunden habe ich das hier 
ja und besser kann man mein derzeitiges Unbehagen mit der Kirche  nicht auf den Punkt bringen.
Wenn schon Christen nicht mehr an den rettenden Gott glauben und meinen, aller Selbstreflexion und geschichtlicher Erfahrung zum Trotz nun aber ein für alle Mal die Welt auf solide Fundamente stellen können zu müssen, zu sollen und können, dann ist in der Tat was grundlegend verkehrt.

Leider habe ich dieses Unbehagen nicht erst seit gestern, sondern schon ein gefühltes halbes Jahrhundert.
In den wilden Diskussionen meiner Kindheit und Jugend, wurde der aufmüpfigen Jugend, die Kirche präsentiert,. als der Hort der besseren, klügeren, schlaueren, netteren, kurz als Versammlung der Perfecti.
Und Kritik wurde der aufmüpfigen Jugend erst dann gestattet, wenn sie ebenfalls Perfecti geworden sei.
Ich dachte schon damals, in Bezug auf die, die die Kirche  als Hort der Perfekten und sich selber als deren vornehmste Vertreter darstellten: "Guckt ihr eigentlich nie in den Spiegel???" Weil eigentlich, fand ich so, bauten die Vertreter des "Wir sind die Schönsten, Größten und Tollsten!" genug Mist, der geradezu greifbar war.
Mich hat dieser Anspruch, der so im kompletten Widerspruch zum Sein stand, schlussendlich aus der Kirche getrieben, bis ich mir den Weg, und zwar über Guradini, Ratzinger und  Chesterton, Tolkien auch, wieder hineingelesen habe, damit dass es ganz anders ist.
Darüber dass die Perfecti sich bei den Gnostikern austoben dürfen, bei uns es aber um die Kleinen im Glauben, die, die nichts sind in den Augen der Welt und um die, die wissen, dass sie verloren sind, geht.
Bei uns geht es nicht um die Schönsten, Größten und Tollsten sondern darum die Wunden der Seele, die Leiden an sich selber, ihm, der alleine heilen kann hinzuhalten.
Deshalb traf es mich damals mitten ins Herz, als Papst Benedikt in Freiburg sagte:

Agnostiker, die von der Frage nach Gott umgetrieben werden; Menschen, die unter ihrer Sünde leiden und Sehnsucht nach dem reinen Herzen haben, sind näher am Reich Gottes als kirchliche Routiniers, die in ihr nur noch den Apparat sehen, ohne dass ihr Herz vom Glauben berührt wäre...


und nichts, aber auch gar nichts, zeigt das prinzipielle tiefgreifende Missverständnis dessen was Kirche ist, mehr als die Version, die zunächst verbreitet wurde, wo es heißt:
Menschen die unter unserer Sünde leiden......
Das kommt natürlich ungemein demütig, so richtig bescheiden, wie aus dem moralinsauren religiösen Kinderbuch der 50er, so richtig gut und fromm daher, ist in Wirklichkeit aber  nichts wie ein absoluter, negativ formulierter Hochmut.
Ich, ich bin an allem Leid der Welt schuld, alle anderen Menschen haben keinen freien Willen, nur ich kann überhaupt böse sein, wozu der freie Wille ursächlich gehört.
Hier hatte ich mir schon mal Gedanken über das Thema gemacht.
Und hier der offizielle Text von vatican.va.
Man muss die Leute glauben lassen, was sie wollen, man kann es nicht ändern, was man aber tun kann ist, das was Papst Benedikt am Ende besagter Predigt empfiehlt:

Bitten wir Gott um den Mut und um die Demut, den Weg des Glaubens zu gehen, aus dem Reichtum seines Erbarmens zu schöpfen und den Blick unablässig auf Christus gerichtet zu halten, auf das Wort, das alles neu macht, das für uns „der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6) und unsere Zukunft ist. Amen.

Meine geliebte, fromme Großmutter hat seit ihres Lebens um eine gute Sterbestunde gebetet, und ihre Schwiegertochter fand das immer unmöglich, weil es den Blick von der Realität weg lenken würde, hin auf Dinge die man eh nicht weiß.
Viel gestritten haben sie, und man stelle sich die gebildete, belesene, diskussionserprobte, rhetorisch geschickte Schwiegertochter vor und auf der anderen Seite die einfach Arbeiterin, die ihr Leben lang wenig Zeit zum dischpudiere gehabt hat.
Am Ende war die Großmutter hoffnungslos in die Ecke gedrängt und sagte. "Ich sehe ein, dass du keine gute Sterbestunde brauchst, ich brauch sie aber!"
Und so seh ich das auch: mag sein, dass die alle wirklich so klasse sind, dass sie keine Erlösung brauchen, ich brauch sie!

1 Kommentar:

  1. Danke, das sind immer wieder die kleinen Mutmacher die mir helfen trotz aller Zweifel nicht stehenzubleiben.

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