Dienstag, 7. Juni 2016

Das Mittelmaß und der Kampf mit dem "ungerechten Gott"

Es ist immer noch - auch nach 30 Jahren mein Lieblingsfilm.
Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Film gesehen habe - aber bestimmt so oft, dass ich fast alle Dialoge auswendig kann:

Amadeus lief 1985 in München 52 Wochen lang im größten Kino der Innenstadt und wechselte dann ins nicht kleinere Kino am Sendlinger Tor.

Der Film - oberflächlich als Kampf zweier Wiener Musiker im 18. Jahrhundert bezeichnet - zog die Massen an - hinzu kam natürlich noch die Musik - als ob Mozart den Soundtrack dafür eigens komponiert hatte.

Dabei geht es in diesem Film doch eigentlich um Antonio Salieri - einen der berühmtesten Komponisten seiner Zeit.
Er zeigt wie ein junger italienischer Kaufmannssohn zu Gott betet, dass er ein "großer Komponist" werden will und er ist bereit ein großes Opfer dafür zu bringen.
Er freut sich darüber, dass seine Gebete erhört wurden und dankt Gott für jede Note, die er zu Papier bringt. Doch dann kommt Mozart nach Wien, in Salieris Augen "ein obszönes Kind". Salieri erkennt, dass Mozart das wahre Genie ist und bezeichnet ihn als "Auserwählten Gottes".

Das kann er nicht begreifen und deshalb hadert er mit Gott. Er hängt die Kreuze in seinem Palast ab und schwört, dass er " SEINE Inkarnation"vernichten will .... was ihm allerdings bis heute nicht gelungen ist.

Die Filmhandlung ist rein fiktiv - und hat wahrscheinlich mit den beiden Komponisten nur sehr wenig zu tun und er hat auch das Mozart Requiem nicht in Auftrag gegeben. Aber der Film hat mich gelehrt, wie sinnlos es ist, sich mit Gott anzulegen. Und dass es eben doch besser ist, auch in schwierigen Zeiten auf Gott zu vertrauen.

Peter Shaffer, der Autor des Stückes, auf dem der Film basiert, verstarb gestern im Alter von 90 Jahren in Irland. 

Möge der Herr ihn in seiner Barmherzigkeit in sein Reich aufnehmen und möge er in Frieden ruhen.

Die Beerdigung Mozarts in einem Massengrab vor den Toren der Stadt Wien ist eine der bewegendsten Szenen des Films:



Antonio Salieri verstarb am 7. Mai 1825 in Wien!

Kommentare:

  1. Es ist gut, dass Sie erwähnt haben, dass die Filmhandlung rein fiktiv ist.
    Der wahre Salieri war nämlich kein Mittelmaß, wie es der Film bzw. das dem Film zugrunde liegende Theaterstück suggeriert, sondern ein ganz hervorragender Komponist. Er hatte nur das Pech, zur selben Zeit am selben Ort zu wirken wie Mozart. Und gegen Mozart hat keiner eine Chance, absolut keiner, weder vor noch nach ihm, und gleichzeitig schon gar nicht.

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    1. Allerdings war Salieri vor dem Film nur "Insidern" bekannt. Und er kam durch "Amadeus" zu einer neuen Berühmtheit.

      Ich hatte aber immer stärker den Eindruck, dass Mozart und Salieri nur als Protagonisten für den täglichen Kampf im Arbeitsleben gelten.
      Denn in vielen (besonders öffentlichen) Betrieben geht es ja genau so zu.
      Vielleicht hatte Peter Shaffer es auch einmal erlebt, dass er als Freischaffender Künstler in einem Großbetrieb arbeiten musste. Das war ihm dann Hilfe bei der Charakterisierung der Darsteller.

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    2. Ja, er war nur "Insidern" als sehr guter Komponist bekannt. Ansonsten ist er als "Feind" Mozarts verteufelt worden. (Ich kann mich erinnern, dass zumindest in meiner Schulzeit im Unterricht Künsterbiographien so eine Art Heiligenviten waren, weshalb Salieri natürlich der "Böse" war.)
      Was das Stück bzw. den Film betrifft: den Gedanken mit dem "Kampf im Arbeitsleben" finde ich hochinteressant. Es ist ja tatsächlich so, dass dort nicht unbedingt nur die professionelle Qualität eines Arbeitnehmers dafür ausschlaggebend ist, wer aufsteigt und wer nicht.
      Das soll natürlich nicht bedeuten, dass ich meine, dass Salieri besser war als Mozart. Mozart ist unübertrefflich. Aber Salieri war gut genug, dass er den Umgang, den die Nachwelt mit ihm getrieben hat, nicht verdient hat.
      Noch was: Salieri ist zwar durch den Film wieder bekannt geworden (soweit er es nicht eh schon war, nämlich als der "Böse" im Konflikt Mozart - Salieri), aber eben wieder als der "Böse" und "Mittelmäßige". Wieder "salonfähig" gemacht hat ihn allerdings Cecilia Bartoli mit ihrem "Salieri Album" (2003). Das rechne ich ihr sehr hoch an.

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