Freitag, 17. Juni 2016

Doch zwei Päpste?

Sandro Magister macht sich bei www.chiesa Gedanken über die von der Rede Erzbischof Gänsweins initiierten Frage, ob wir zur Zeit einen oder zwei Päpste haben.
Hier geht´s zum Original: klicken

"NICHT EIN PAPST SONDERN ZWEI.EIN "AKTIVER" UND EIN "KONTEMPLATIVER"
Es ist eine Erneuerung ohne Präzedenz, die Ratzinger in die Praxis umsetzen zu wollen scheint. Das hat sein Sekretär Georg Gänswein angekündigt. So hat der die bereits bestehenden reichlichen -----des Pontifikates von Franziskus verdoppelt.

Papst Franziskus´ Revolution stellt die Kirche auf den Kopf. Aber auch sein bescheidener Vorgänger namens Benedetto tut nicht weniger. 
Der Rücktritt war nicht seine letzte Handlung. Schon in seinem Rückzug von der Kathedra Petri an jenem erinnerungswürdigen Februar 2013, daß es bei seiner Wahl zum Papst etwas gab, das für immer bleiben werde.  
Tatsächlich trägt er also weiterhin den weißen Habit, unterschreibt er weiterhin als Benedictus XVI Papa emeritus" hat weiterhin den Petrinischen Doppelschlüssel im Wappen, lebt weiterhin innerhalb des Vaticans und läßt sich weiterhin als Santita und Santo Padre anreden.
Und zuletzt hat uns der Erzbischof, der den engsten Kontakt mit ihm hat, Georg Gänswein versichert, daß Benedetto "keineswegs das Petrinische Amt verlassen hat"  sondern daraus ein "erweitertes Amt gemacht hat, mit einem aktiven und einem kontemplativen Mitglied" in einer "kollegialen und synodalen Weise, quasi in einem gemeinsamen Amt."


Diese umwerfende Äußerungen Gänsweins, am 21. Mai in der Aula Magna der Päpstlichen Gregoriana Universität haben Bestürzung unter den Bewunderern Ratzinger gesät. Weil niemand zweifelt, daß sie mit seinem Denken übereinstimmen und von ihm autorisiert wurden. Aber niemand hätte erwartet, daß von ihm ein so bisher nie gehörter Bruch mit der Geschichte der Päpste ausgehen würde. Eine Art "vom Himmel gewollte Ausnahme", wie Gänswein e selbst nennt, nach einem Pontifikat, das auch außergewöhnlich ist, ein"Ausnahmepontifikat" (Magister übernimmt das deutsche Wort)

Die absolute Neuigkeit ist nicht der Rückzug sondern das danach. 
Als am 13. Dezember 1294 Coelestin V ankündigte, das Pontifikates zu verlassen, berichtet die Geschichte " stieg er von der Kathedra herab, nahm die Tiara vom Kopf und stellt sie auf der Erde ab, und er nahm vor den erstaunten Kardinälen auch den Mantel und den Ring ab  und kehrte als einfacher Mönch in eine völlige Abkehr von der Welt zurück.
Das ist, was der renommierteste katholischen Kirchenrechtler, der Jesuit Gianfranco Ghirlanda, in Civiltà Cattolica sofort nach der Demissionsankündigung Benedikts XVI ins Auge gefaßt hat: daß Benedict XVI Bischof hätte bleiben können, eher " Bischof emeritus von Rom" -weil die Heilige Weihe ein unumkehrbarer Akt ist, aber er "hätte seine gesamte Macht des Primats verloren, weil die ihm nicht aus der Bischofsweihe erwachsen ist, sondern direkt von Christus, durch die Annahme der legitimen Wahl"
Dann aber widersprach das Verhalten Ratzingers dieser Ordnung der Dinge.

Und sofort kamen einige, die ihn theoretisch rechtfertigten, Wie der andere Kirchenrechtler, Stefano Violi, der behauptet, daß Benedikt XVI keineswegs auf das Petrusamt verzichtet, sondern nur auf die Ausübung von Regierung und Lehramt und sich selbst die Ausübung von Gebet und Kompassion vorbehalten habe. Genau das, was Gänswein letzten Monat als Tatsache aussagte: "ein doppeltes Papsttum, mit einem aktiven und einem kontemplativen Mitglied." Franziskus und Benedikt " fast ein geteiltes Amt." 
Nun, daß es zwei Päpste in der katholische Kiche geben könte, mit vefschiedenen Profilen, mehr als einen, ist etwas, das theologische und kirchenrechtliche Experten, wie Gerladina Boni und Carlo Fantappié, beurteilen dasnicht nur als "noch nie gehört" sonder auch als sowohl irrig als auch eine Quelle für Konflikte. 
Aber da ist mehr. Violi stellt sogar die Theorie einer hypothetischen Überlegenheit des kontemplativen Papstes über den aktiven auf, der tatsächlich näher am Beispiel Jesu sei, der sich selbst aller Dinge sogar seiner Göttlichkeit entäußerte,  
Und dann ist es überhaupt nicht wahr, daß die Differenzierung der Rollen zwischen Franziskus und Benedikt so klar ist.
Ratzinger hat wiederholt seinem Versprechen, sich nach seinem Verzicht ins Schweigen zurück zu ziehen, widersprochen. Ungefähr 10 mal hat er öffentlich etwas gesagt oder geschrieben, jedesmal es einer Studie bedurfte, um festzustellen, was zwischen ihm und dem Lehramt des "aktiven" Papstes übereinstimmt oder nicht.

Z.B. als Ratzinger im Intervall zwischen den beiden Familiensynoden seine Jugend-Ideen zugunsten der Kommunion der wiederverheirateten Geschiedenen zurückgezogen und genau das Gegenteil neu geschrieben hat, in einer Art vorauseilender Bestreitung von "Amoris Laetitia".
In Franziskus´ Lehramt triumphiert die Zweideutigkeit, aber auch Benedikts Papsttum emeritus ist ein ungelöstes Rätsel." 
Quelle: www,chiesa, Sandro Magister


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen