Montag, 20. Juni 2016

Muß Europa neu gegründet werden?

Robi Ronza kommentiert bei La Nuova Bussola Quotidiana die Brexit-Entscheidung und die hysterische Reaktion der europäischen "Elite" und ihr Jammern über die angeblichen gemeinsamen Werte, die ihre Bürokraten so großzügig vorher negierten. Dazu zitiert er eine Rede, die Papst Benedikt XVI zum Thema Europa vor europäischen Bischöfen hielt. Ein erhellender Beitrag. Ein werteloses Europa ohne seine christlich-jüdischen Wurzeln ist eben nicht lebensfähig,
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         "EUROPA MUSS NEU GEGRÜNDET WERDEN: SAGT BENEDIKT XVI"
"Und dann handelt es sich darum, zu sehen, welchen Preis die Eliten uns bezahlen lasen werden, die bis jetzt erfolgreich ihr Europa konstruiert und vorgegeben haben es sei auch das unsere.
Das erste, was was man aber sagen muß.ist,  daß der Ausgang des britischen Referendums für oder gegen die Europäische Union ein Akt großer Freiheit war  und es gibt zu großen Hoffnungen Anlass.
Vorgestern haben die Wähler in Großbritannien gegen eine politische und mediale Anordnung gestimmt, die ein anderes Ereignis wollte; und die dafür buchstäblich alles getan hatte.

In einer von sehr vielen gehörten Rede in der Rai hat Ex-Präsident Giorgio Napolitano sich gestern morgen erlaubt, den englischen Premierminister Cameron als "   "  zu definieren, weil er die Frage der weiteren Zugehörigkeit zur EU einem Referendum durch die Bevölkerung unterworfen hatte.
Bei einer Frage von solcher Wichtigkeit sollte- nach Napoletano- das Volk lieber außen vor gelassen werden.
In einem Beweis für seinen Mangel an common sense hat sein Schüler,Mario Monti, noch Schlimmeres gesagt. Anführer der dem Parlament aufgezwungenen Präsidentschaft und wenige Tage vor seinem Amtsantritt zum Senator auf Lebenszeit ernannt, hat Monti behauptet, daß Cameron lediglich  "die Demokratie mißbraucht habe" als er das Referendum veranlaßte.

Wenn also ein Volk nach seinem eigenen Willen abstimmt und nicht so, wie sie es gewollt hätten, lassen die Eliten, die es gewohnt sind, die europäischen Institutionen als "cosa nostra" zu betrachten, die Maske fallen.
Seit zwei Tagen sind die Napoletanos und Montis aus allen Teilen Europas so außer sich, daß sie ihren verborgenen postkommunistischen oder- wer weiß- freimaurerischen Autoritarismus, der nicht erst seit heute ihre politische Vision charakterisiert, nicht mehr verbergen können.
Auch wenn meiner Meinung nach das Brexit ein zu begrüßender Schock für die Europäische Union ist, ist er sicher nicht der reguläre Weg. Wie gesagt, die Eliten, die das nicht wollten, werden versuchen, die Welt für das Scheitern ihres Projektes bezahlen zu lassen  und diejenigen zu Sündenböcken zu machen, die nichts damit zu tun haben.


Das ist z. B. der Fall für die Titel der großen Italienischen Banken, wo man nicht weiß, was der Austritts Londons die Union kosten kann. Man wird also in Betracht ziehen müssen, daß es auf den internationalen Finanzmärkten Turbulenzen geben wird; und wer es kann, hat die Pflicht zu intervenieren, um sie zu stabilisieren. Inzwischen ist die Mystifikations- Maschinerie über die tiefere Bedeutung des Brexit schon angelaufen. In letzter Analyse des Vorgangs ist es ein bedauernswertes Zeichen für das Scheitern des Anspruchs, ein politisches Europa zu konstruieren, und es dabei lediglich auf die Zinsen zu gründen und seine Geschichte und seiner Werte, die es charakterisieren,außen vor zu lassen.
Europa kann nur gerettet werden, wenn es resolut einen anderen Weg einschlägt und das Bessere in sich wiederentdeckt.
Umgekehrt versucht man schon, den Gedanken zu akzeptieren, daß man aus der evidenten Krise des Brexit herauskommen könne, ohne einen anderen Weg einzuschlagen und mit gesenktem Kopf weiterzugehen als ob nichts gewesen sei.

Aus offensichtlichen Gründen liegen die Schlüssel zur Lösung dieser Krise in den Händen der Menschen des Glaubens.
Weil die Menschen des Glaubens selbst treu zu dem stehen, was ihnen begegnet ist. Das ist z.B. für die Perspektive der Fall, heute zu einem Dokument zurück zu kehren, das wieder so aktuell ist wie es immer war: die Rede, die Benedikt XVI vor den Teilnehmern des Kongresses der Europäischen Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft in Rom, am 24. März 2007, am Vorabend des 50. Jahrestages der Gründungsverträge der erste europäische Organisationen gehalten hat.
Nachdem er die positiven Aspekte des damals begonnenen Prozesses hervorgehoben hatte, bemerkte Benedikt XVI jedoch, daß Europa dabei sei "in der Tat den Glauben in die eigene Zukunft zu verlieren. (...) Der Prozess der europäischen Einigung selbst wird offenbar nicht von allen geteilt, wegen des vorherrschenden Eindrucks, daß verschiedene "Kapitel" des europäischen Projekts geschrieben wurden, ohne auf die Erwartungen der Bürger Rücksicht zu nehmen."

"Aus alle dem geht klar hervor" -fuhr Benedikt XVI fort,"daß man nicht ein authentisches "europäisches gemeinsames Haus"bauen kann, wenn man die Identität der eigenen Völker unseres Kontinents übergeht. Es handelt sich tatsächlich um eine historische, kulturelle und moralische Identität, noch vor der geographischen oder politischen. Eine Identität besteht aus der Gemeinsamkeit der universalen Werte, die das Christentum beigetragen hat, das so eine nicht nur historische Rolle sondern was Europa angeht eine grundlegende Rolle spielt.
Diese Werte, die die Seele des Kontinents ausmachen, müssen dem Europa des 3. Jahrtausends erhalten bleiben, als Ferment der Zivilisation.
Wenn sie allerdings weniger werden, wie  soll dann der "alte" Kontinent weiterhin als Hefe für die ganze Welt wirken? Wenn, anläßlich des 50. Jahrestages der Römischen Verträge die Regierungen der Union, sich "ihren Bürgern anzunähern" wünschen, wie könnte man das essentielle Element der europäischen Identität, das Christentum, ausschließen, mit dem ein großer Teil von ihnen sich weiterhin identifiziert?"

Es ist keine Überraschung, daß das heutige Europa, fährt Ratzinger fort, während es sich immer mehr als Wertegemeinschaft darstellen will, immer häufiger leugnet, daß es  universale und absolute Werte gibt.
Bringt diese einzigartige Form der Apostasie von sich selbst, noch vor der von Gott, sie nicht vielleicht dazu an ihrer eigenen Identität zu zweifeln? (...) Eine Gemeinschaft, die ohne die authentische Würde des Menschen zu respektieren gebaut wird, und vergißt, daß jeder Mensch nach dem Bild Gottes geschaffen ist, endet damit, für niemanden gut zu sein. (...)  In der aktuellen historischen Situation und angesichts der vielen Herausforderungen die sie zeichnen, muß die Europäische Union, um ein gültiger Garant der Rechtsstaatlichkeit und ein effizienter Förderer der universalen Werte zu sein, klar die Existenz einer sicheren und stabilen menschlichen Natur anerkennen, Quelle aller allen Menschen eigenen gemeinsamen Rechte, einschließlich derer die sie leugnen. In diesem Zusammenhang sollte das Recht auf Gewissensfreiheit  geschützt werden, jedesmal wenn die fundamentalen Menschenrechte verletzt werden."

Es scheint dann auch, daß mehr denn je an jeden von uns eine Einladung und eine Ermutigung von dieser Rede ausgeht, sie so endete: "Ich weiß wie schwer es für die Christen ist, diese Wahrheit des Menschen ...zu verteidigen, Werdet nicht müde und laßt euch nicht entmutigen. Ihr wißt, daß ihr die Aufgabe habt, mit der Hilfe Gottes, ein neues Europa aufzubauen, reaalistisch aber nicht zynisch, reich an Idealen und frei von naiven Illusionen, inspiriert von der immerwährenden und belebenden Wahrheit des Evangeliums. Deshalb seid aktiv präsent in der öffentlichen Debatte auf eueropäischer Ebene, seid euch bewußt, daß sie integraler Bestandteil der nationalen Debatte ist, und trägt so zu einem wirksamen kulturellen Handeln bei.
Beugt euch nicht der Logik der Macht als Selbstzweck. Diese Ermahnung Christi sei euch ein ständiger Ansporn und Begleiter: "Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, dient es zu nichts mehr als dazu mit Füßen getreten zu werden." (Matth. 5,13)

Es gibt diese Dringlichkeiten- stellen wir abschließend fest-gab es schon in den Überlegungen des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger, der sie 1992 einem Buch anvertraut hatte: " Kirche und Moderne im Europa der Umwälzungen" (Editioni Paoline, Mailand, 1992). Heute neu zu entdecken.

Quelle: Robi Ronza, La Nuova Bussola Quotidiana




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