Freitag, 17. Juni 2016

Roberto de Mattei über die sogenannte Arme Kirche und den Stellenwert der Armut

Roberto de Mattei hat bei Corrispondenza Romana über die sogenannte "Arme Kirche" und den Stellenwert der Armut in der Theologie von Papst Franziskus geschrieben.
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"DIE SOGENANNTE ARME KIRCHE: VON VATICAN II ZU PAPST FRANZISKUS"                        

"Papst Franziskus´ Dokumente- enthalten Texte, die nach dem Urteil einiger Theologen einen generellen Hinweis auf eine pastorale und moralische Natur enthalten, die ohne signifikante lehramtliche Qualität sind. Das ist einer der Gründe, daß solche Dokumente auf freiere Weise diskutiert werden, als jemals zuvor mit anderen päpstlichen Texten passiert ist.

Unter den durchdringendsten Analysen dieser Texte, sollte die Studie eines Philosophen der Universität von Perugia, Flavio Cuniberto, hervorgehoben werden.Sein Buch "Frau der Armut: Papst Franziskus und die Neuerfindung des Christentums" (Neri Pozza, 2016) ist besonders den Enzykliken Evangelii Gaudium (2013) und Laudato Si (2015) gewidmet. Die Studie, der Professor Cuniberto den Text unterwirft, ist die eines Gelehrten, der versucht, die Grundthesen zu verstehen, die oft durch vorsätzliche knappe und zweideutige Sprache verdeckt werden. Zum Thema der Armut, bringt Cuniberto zwei Widersprüche ans Licht: der erste ist theologisch-doktrinaler, der zweite ist praktischer Natur.

Im Hinblick auf den ersten Punkt, bemerkt er, daß Papst Franziskus- im Gegensatz zu dem was das Evangelium folgert, aus Armut mehr eine materielle Bedingung macht als eine spirituelle, und transformiert sie so in eine soziologische Kategorie. Diese Exegese erscheint z.B. in einer Auswahl von Predigten zur Bergpredigt. Lukas 6, 20 und nicht über den präziseren Matthäus 5,3 ( der den Ausdruck "pauperes spiritu", d.h. jene die vor Gott demütig leben). Armut also erscheint gleichzeitig etwas Gutes und etwas Schlechtes zu sein. In der Tat.

Cuniberto notiert: "wenn Armut als materielle Misere,Ausschluss und Verlassensein von Anfang an als zu bekämpfendes Übel gezeigt wird, um nicht zu sagen, als das Böse allen Bösen und so das primäre Objekt der missionarischen Aktion" ist, macht die neue Christologische Bedeutung, die Franziskus ihr gibt, sie vorübergehend zu einem Wert und- sogar noch mehr. zu dem obersten und exemplarischen Wert."
Wir haben es hier, betont der Philosoph, mit einem komplizierten Durcheinander zu tun.
"Warum die Armut bekämpfen und sie ausrotten, wenn sie im Gegenteil ein "wertvoller Schatz" ist und sogar der Weg ins Himmelreich? Ist sie ein zu bekämpfender Feind oder ein wertvoller Schatz?" (Seiten 25-26) 

Der zweite Punkt betrifft die "strukturellen Gründe" der Armut. Indem man annimmt, daß sie etwas radikal Böses ist, scheint Papst Franziskus als Basisgrund die Ungleichheit auszumachen. Die angezeigte Lösung dieses Böse auszurotten, wären Marxismus und Dritte-Welt-Umverteilung des Wohlstandes: nehmt es den Reichen weg und gebt es den Armen. Eine gleichmacherische Umverteilung, die durch eine größere Globalisierung der Ressourcen, die nicht länger einer westlichen Minorität reserviert sind, sondern auf die ganze Welt ausgedehnt werden. Weil jedoch der Basis der Globalisierung die Logik des Profits zugrunde liegt, die einerseits kritisiert wird und auf der anderen Seite als Weg vorgeschlagen wird, die Armut zu überwinden.
Super-Kapitalismus -braucht, um gefördert zu werden, ein Plateau von immer mehr Konsumenten, aber auf der Basis einer weiten Skala von Wohlstand endet damit, die Ungleichheiten zu fördern, die eliminiert werden sollten.




Professor Cunibertos Buch verdient es, zusammen mit Don Beniamino Di Martinos (ein Gelehrter aus Neapel) über "Armut und Reichtum. Exegese von Texten des Evangeliums"(Ed. Domenicana Italiana, Neapel 2013) gelesen zu werden. Das Buch ist sehr technisch und Don Martino demontiert durch eine rigorose Textanalyse die Thesen einer gewissen Theologie des Pauperismus,
Der Ausdruck "gegen Habgier, nicht gegen Reichtum" faßt -nach dem Autor-die Lehre des Evangeliums zusammen, das er analysiert.

Aber was sind die Ursprünge der theologischen, moralischen und exegetischen Konfusion zwischen spiritueller und materieller Armut? Der sogenannte Pakt der Katakomben", am 16. November 1965 von 40 seltsamen Konzilsvätern, die sich dem Kampf und dem Leben für eine arme und egalitäre Kirche widmeten, in der Domitilla-Katakombe unterzeichnet, kann nicht ignoriert werden.

Unter den Begründern der Gruppe hatte Paul Gauthier, ein Priester (1914-2002) der in das Experiment Kardinals Suhards "Arbeiter Priester"eingebunden war, das vom Hl. Stuhl 1953 verurteilt wurde, dann mit Unterstützung eines Bischofs Msgr. Georges Hakim, Konzilstheologe, eine religiöse Familie in Palästina gegründet. "Die Gefährten Jesu, des Zimmermanns" (männliche und weibliche). Gauthier wurde von seiner Kampfgefährtin Marie-Thérèse Lacaze begleitet, die mit ihm zusammen lebte, nachdem er das Priestertum verlassen hatte.

Unter denen, die die Bewegung unterstützen, waren Msgr. Charles M. Himmer, Bischof von Tournai (Belgien), Gastgeber ihres Treffens im Belgischen Kollegium in Rom. Dom Helder Camarra , Weihbischof von Rio und später Bischof von Recife und Kardinal Pierre M. Gerlier, Erzbischof von Lyon, in engem Kontakt mit Kardinal Giacomo Lercaro, Erzbischof von Bologna, mit seinem Berater Giuseppe Dossetti und seinem Weihbischof Msgr. Luigi Bettazzi (der Katakomben-Pakt. Die Mission der Armen in der Kirche).

Msgr. Bettazzi, der einzige italienische Bischof und noch lebende Teilnehmer am II. Vaticanum,war auch der einzige Italiener, der dem Katakomben-Pakt anhing
Bettazzi, jetzt 93 Jahre alt, nahm an drei Sitzungen des Konzils teil und war von 1966-1999, bis zu seinem altersbedingten Rücktritt, Bischof von Ivrea. Wenn Dom Helder Camarra der brasilianische "rote Bischof" war, tritt Msgr. Bettazzi als italienischer Roter Bischof in die Geschichte ein, Im Juli 1976 als es so aussah, als könne der Kommunismus in Italien die Macht übernehmen, schrieb Bettazzi einen Brief an den damaligen Sekretär der PCI, Enrico Berlinguer, in dem er die zu realisierende Tendenz anerkannte "eine einzigartige Erfahrung eines Kommunismus, der sich von den Kommunismen anderer Nationen unterscheidet" und bat ihn, "der Kirche gegenüber nicht feindselig zu sein, sondern lieber eine Entwicklung zu stimulieren, die den Erfordernissen der Zeit und den Erwartungen der Menschen entspricht, vor allem der Ärmsten, die Sie besser zur passenden Zeit zu interpretieren wissen."

Der Vorsitzende der PCI antwortete dem Bischof von Ivrea mit einem Brief. Kommunisten und Katholiken: Klarheit der Prinzipien und Basis eines Übereinkommens, der in "EInascita" vom 14. Oktober 1977 veröffentlicht wurde

In diesem Brief leugnet Berlinguer, daß die PCI ausdrücklich die Marxistische Ideologie als eine atheistische materialistische Philosophie bekennt und bekraftigte die Möglichkeit eines Treffens zwischen Christen und Kommunisten auf Basis einer De-Ideologisierung.

Es war keine Frage des gleichartigen Denkens sondern es ging darum, den selben Weg zu gehen, wie Berlinguer in der Substanz bestätigte, daß man Marxist nicht nur in Gedanken sein kann sondern durch die Praxis wird.

Der marxistische Primat der Praxis ist heute in die Kirche eingedrungen, indem die Lehre durch die Pastoral absorbiert wird. Die Kirche riskiert, in der Praxis marxistisch zu werden und auch das theologische Verständnis der Armut zu verfälschen. Die wahre Armut ist die Abkehr von den Gütern dieser Erde, in dem Sinn, daß sie der Rettung der Seelen dienen sollen und nicht damit sie verlorengehen. Alle Christen müssen sich von den Gütern der Erde lossagen, denn das Himmelreich ist den „Armen im Geist“ vorbehalten, und einige von ihnen sind berufen in wirklicher Armut zu leben, indem sie auf den Besitz und den Gebrauch der materiellen Güter verzichten.

Nichtsdestotrotz hat diese Entscheidung aber deshalb Wert, weil sie frei erfolgt und von niemandem auferlegt wird. Die häretischen Sekten hingegen wollten seit den ersten christlichen Jahrhunderten die Gütergemeinschaft aufzwingen mit dem Ziel, bereits auf dieser Erde eine Gleichheits-Utopie zu verwirklichen.

Auf dieser Linie bewegt sich heute, wer die religiöse Kategorie der Armen im Geist durch die soziologische Kategorie der materiell Armen ersetzen will. Msgr. Luigi Bettazzi, Autor des Büchleins La chiesa dei poveri dal concilio a Papa Francesco (Die Kirche der Armen vom Konzil bis Papst Franziskus”, erschienen im Verlag Pazzini (Villa Verucchio 2014), wurde am 4. April 2016 die Ehrenbürgerschaft des „roten“ Bologna verliehen. Von Papst Franziskus könnte er die Kardinalswürde erhalten, denn unter seinem Pontifikat, habe sich – laut dem ehemaligen Bischof von Ivrea -der Katakombenpakt entfaltet, wie ein Weizenkorn, das – in die Erde gelegt –Schritt für Schritt langsam gewachsen ist, bis es seine Früchte trägt“. 
  

Quelle: Roberto de Mattei. Corrispondeza Romana

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