Dienstag, 14. Juni 2016

Verfehlt das Motu Proprio über die "nachlässigen" Bischöfe sein Ziel?


Das fragt sich die Redaktion von Het Katholiek Nieuwsblad. Wir haben das bei BenoîtXVI-et-moi gefunden. Merci!
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"DAS MOTU PROPRIO DES PAPSTES GEGEN DEN SEXUELLEN MISSBRAUCH SCHEINT SICH GEGEN IHN SELBST ZU WENDEN."

"Die legalen Initiativen, die darauf abzielen, die Bischöfe abzuberufen, scheint sich gegen den Papst zu kehren, Das ist das Ergebnis, zu dem mehrere Kommentare sowohl von katholischen als auch säkularen Medien kommen. "Was wird aus den Freunden des Papstes werden?", fragt sich z.B. Steve Skojec vom blog Onepeterfive. Man visiert die Art und Weise an, mit der Papst Franziskus selbst die Bischöfe behandelt, die in den sexuellen Mißbrauchsaffären eine zweifelhafte Rolle gespielt haben

Danneels und Barros
In diesem Kontext werden der belgische Kardinal Godfried Danneels und der chilenische Bischof Juan Barros zitiert. Der erste hat 2010 versucht, einem der Opfer von Roger Vangheluwe, dem damaligen Bischof von Brügge, Schweigen aufzuerlegen.
Barros seinerseits wird im einem Dossier als Komplize im wichtigsten Fall sexuellen Mißbrauchs Chiles benannt. Er soll nicht nur Zeuge  gewesen sondern sogar so weit gegangen sein, Briefe, die Anschuldigungen enthielten, zerstört zu haben.  

Dumme
Trotz seiner Vergangenheit wurde Dannels - persönlich vom Papst eingeladen- Synodenvater bei den beiden Familiensynoden 2014 und 2015. Trotz der Proteste wurde Barros 2014 vom Bischof zum Bischof von Osorno ernannt. Er selbst behandelte die "Dummen"- also die Gläubigen, die protestierten, weil sie dem glaubten, was er "linke Komplotte" nannte. Der Guardian zitiert die Affäre Barros und stellt eine Verbindung zu den Vertuschungsvorwürfen gegen Kurienkardinal Pell und Kardinal Barbarin her.

Hochrangige Freunde
..."es ist unglaublich, daß Msgr. Barros immer noch Bischof ist, angesichts der Kontroverse die er auslöst, auch wenn er leugnet für was auch immer verantwortlich zu sein" schreibt Pater Alexander Lucie-Smith im Catholic Herald: "Man muß daraus schließen, daß Msgr.Barros hochrangige Freunde hat. Ob die neuen Maßnahmen eine Wirkung auf Osorno haben? Ich bezweifle das."




Die zerstörten Briefe
...Papst Franziskus hat auf seinem Willen bestanden, Barros nach einem persönlichen Gespräch mit ihm zu ernennen, ohne profunde ekklesiastische Enquête. Die juristische Untersuchung durch ein chilenische Gericht läuft derzeit noch.
Barros soll, als er noch bischöflicher Sekretär war, Briefe vernichtet haben, die einen zuvor verurteilten Mißbraucher beschuldigen. Nach den Aussagen verschiedener Opfer soll Barros nicht nur Zeuge sondern auch Komplize bei bestimmten Mißbräuchen sein.

Ende der Sympathie
Nach der Einsetzung Barros ist es länger als ein Jahr her, daß der Vaticanist John Allen von "Crux" vorhersagte, daß diese Frage das Ende der globalen Sympathie für Papst Franziskus anzeigen könnte. Die Affäre bewirkte, daß eines der Mitglieder der Päpstlichen Kommission für den sexuellen Mißbrauch, Peter Saunders, von der Mitarbeit ausgeschlossen wurde,  weil er die Prozeduren kritisiert hatte,

Fragen
Der erfahrene Kommentator Phil Lawier drückt seine ernste Zweifel am letzte Woche unter dem Titel "Come una madre amorevole" ( "Wie eine liebende Mutter") promulgierten Motu Proprio aus: "Das hätte genau so gut auch sein können:"Und dieses mal ist es nicht zum Lachen" schreibt er in "Catholic Culture".
Er fragt sich bzgl. des Kommentars von Kardinal Sean O´Malley, für den das Motu Proprio von einem "Gefühl der Dringlichkeit und einer Klarheit ist, die es bisher nicht gab" zeugt.


"Gab es bisher keine Dringlichkeit?
"Wirklich? schreibt Lawier "mußten 15 Katastrophenjahre vergehen, um einen ausreichend dringendes Gefühl der Dringlichkeit zu erzeugen, "mit dem Ziel die kanonischen Vorschriften zu klären"? Wenn diese Bemerkung zur Beruhigung dienen soll, verfehlt sie ihr Ziel," fügt Lawier hinzu, und gibt zu Verstehen, daß die falsch handelnden Bischöfe schon seit langem abgesetzt werden können."

Exit das Tribunal
....Associated Press zieht sofort nach der Veröffentlichung des Motu Proprio den Schluß, daß der Papst mi diesem Text das von ihm angekündigte Spezial-Tribunal vorzeitig beerdigt hat. "Genau 51 Wochen sind vergangen, seit der Vatican diese neue Etappe ankündigte", schreibt Lawier "einmal mehr eröffnet dieses Motu Proprio keinen neuen Weg. Es produziert eine Neubeschilderung und die neue Planung eines Weges auf dem man- leider- noch nicht besonders viel Verkehr gesehen hat."

"Anstieg der Beschwerden"
...Das Motu Proprio war schon im Voraus kritisiert worden, weil es sich nicht auf die Fehler beim sexuellen Mißbrauch begrenzt, sondern auch andere Gebiete betrifft, die nicht näher präzisiert werden, Das könnte zu einem Anstieg der Beschwerden gegen mißliebige Bischöfe führen, wie der deutsche Kirchenrechtler Schlüsser befürchtet. Bestimmte Kommentatoren fragen sich auch, ob die Bischöfe noch den Mut haben werden, ihre Priester zu unterstützen, oder ob sie sie bei der ersten eintreffenden Beschuldigung entlassen,"

Quelle:Het Katholiek Nieuwsblad. BenoîtXVI-et-moi

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