Samstag, 4. Juni 2016

Von Freiburg nach Leipzig ... die Entweltlichung schreitet voran.

Jetzt sind's schon wieder 4 Wochen, dass wir in München eine beeindruckende Katechese von Prof. Dr. Achim Buckenmaier von der Lateran-Universität in Rom hören durften.
Es ging um die Freiburger Rede von Papst Benedikt und die von ihm eindringlich geforderte "Entweltlichung".
Die Kirche war - wie so oft am Herz-Jesu-Freitag besonders gut gefüllt, ich würde sogar behaupten, diesmal war sie richtig voll.
Prof. Buckenmaier eröffnete seine Rede mit dem Satz "Wie Papst Benedikt das Wort "Entweltlichung" verwendet hat und wie es unschädlich gemacht wird.
Er erklärte uns, was Papst Benedikt mit dem Wort "Reform" wirklich meinte und wie notwendig sie nach wie vor ist. Und dass diese Reform nichts mit den protestantischen Vorstellungen zu tun hat, versteht sich von selbst.
Er erklärte uns die "Entweltlichung", die Benedikt in Freiburg ja nun eindeutig beschrieben hat noch mal in den Worten Benedikts, aber auch in seinen eigenen Worten.
Wie schon Benedikt erläuterte er uns anhand der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts, die für die Kirche ein großes spirituelles Wachstum gebracht hat. Ein Vorbild und eine Lehre für die heutige Entweltlichung. Ich habe es lange nicht erlebt, dass es nach einer Katechese so lange anhaltenden Beifall gab.



Wer die Rede Benedikts noch einmal nachlesen will, findet sie auf der Benedikt-Website des Vatikan 

Freiburg ist ja nun schon eine Weile her und dass man in der deutschen Kirche nichts dazugelernt hat, sehen wir nun nach einigen Jahren sehr deutlich:


Die Politisierung schreitet voran ... und wie weit die Kirche auf diesem Weg gesunken ist, zeigte sich besonders in diesen Tagen. Z.B. in Köln, wo Kardinal Woelki, der mit seiner Politshow zu Fronleichnam ein besonders befremdliches Verhalten an den Tag legte. Alexander Kissler hat diesem seltsame Verhalten einen weiteren Konter gewidmet. Diese Polit-Kirche scheint allerdings an einem Punkt angekommen zu sein, wo sie sich zur Lachnummer macht und von den eigenen spirituellen Leuten nicht mehr ernst genommen wird. Man konnte das gestern abend gut beobachten, als über Köln ein kräftiges Gewitter niederging und die Twitter-Kommentare damit trösteten, dass Köln doch jetzt ein Rettungsboot habe ....

Doch ein weiteres Beispiel übertrifft diese lustige Politshow aus Köln noch:

Auch beim Katholikentag in Leipzig wollte man sich in Sachen Political Correctness auf der richtigen Seite wissen. Nun gut, diese Veranstaltung ist eine Veranstaltung der "engagierten Laien", die sich aber anmaßt, alle Katholiken zu vertreten. Deshalb muss man immer mal mit einem Auge hingucken, um wenigstens zu wissen, was dort so als "katholisch" bezeichnet wird. Auch hier ist es katholisch, erst mal die "Falschen und Unchristlichen" außen vor zu halten. Sonst könnte ja jeder kommen.... Das ging dann aber schon mal als Schuss nach hinten los. Denn diese Ausgrenzung beherrschte die Schlagzeilen und nicht der Katholikentag selbst. So mancher weiß eben die Gunst der Stunde zu nutzen. Und so wurden wir darüber aufgeklärt, dass die "kirchlichen Sozialkonzerne" sich mit der Flüchtlingskrise dumm und dusslig verdienen". Das wurde natürlich von Seiten der Kirche sofort dementiert. Aber so ganz scheint es nicht gelungen. Denn einige Blätter schlossen sich der Diskussion an und es gab einige gut recherchierte Artikel dazu, z.B. hier bei Tichy's Einblick.
Die lahme Vorstellung in Leipzig schaffte es dann also doch noch in die Medien, aber es waren leider keine Jubelartikel. Welt-Online ging es z.B. darum, dass die Kirche in der augenblicklichen Situation viel zu passiv sei und die Gunst der Stunde, andersgläubige zum christlichen Glauben zu führen (so wie es uns ja von Christus aufgetragen wurde) nicht nutzen würde.
Und die FAZ legte noch mal mit einer beißenden Kritik zum Zustand der Kirche nach: Hier ging es besonders um die Politisierung der Kirche, die offensichtlich keine Anziehungskraft für die Gläubigen mehr hat.  Christian Geyer-Hindemith schreibt da z.B. über die Predigt von Kardinal Marx am Abschlussgottesdienst: "Statt um „kirchliche Identität“ solle man sich um „den Menschen“, um „die Erde“ sorgen. Aber tun das nicht auch Greenpeace et al.? und folgert daraus: Der Markenkern der Kirche wird unscharf, wenn sie ihre Marketingstrategen „Ecce homo“ mit „ja zur gesamten Wirklichkeit des Menschen“ übersetzen lässt." Wie kommt, nebenbei gefragt, die Kirche darauf, dass sie umso attraktiver sei, je mehr „Nähe“ sie nicht nur zum Sünder, sondern neuerdings auch zu seiner Sünde demonstriert? So inklusiv, so schamlos paternalistisch möchte man sich um Himmels willen doch gar nicht verstanden wissen."

Und auch CNA-deutsch resümierte: "Was Gegenstand jeder ehrlichen Reflektion sein wird: Während Glaubensveranstaltungen gut besucht waren – Heilige Messen, Anbetung und Betrachtung, ökumenische Gebete etwa – stieß der politische Teil oft auf Desinteresse oder aber Kritik. Vor allem das partei-politische Agieren des verantwortlichen “Zentralkomitees der deutschen Katholiken” und seines Präsidenten wird auch nach Abschluss des Treffens debattiert: Das Zentralkomitee hatte Christen ausgeladen und von jedem Dialog ausgeschlossen, weil sie der Partei “Alternative für Deutschland” angehören."

Man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben. Aber vielleicht führt diese teilweise doch sehr harte Kritik auch beim ZDK dazu, sich noch einmal die Freiburger Rede von Papst Benedikt zu Gemüte zu führen. 
"Weniger Politik - mehr Gebet und mehr Spiritualität könnten auch hier der Weg zu einem stärkeren Glaubensleben werden - oder ganz einfach 

"Entweltlichung" 

so wie es Papst Benedikt gefordert hatte. Über kurz oder lang wird kein Weg daran vorbeiführen - wenn die Kirche nicht zu einer "Me too-NGO oder Pseudo-Partei" werden will, die in Anbetracht der bereits vorhandenen Überdosis an solchen Gruppierungen einfach nicht mehr notwendig ist.
Wie wichtig gerade eine spirituelle Kirche in dieser Zeit ist, erfährt man, wenn man sich an die Aussage von Kardinal Meisner hält, die ich vor einem Jahr in einer sehr beeindruckenden Katechese von ihm lernen durfte : "Nur wer vor dem Allerheiligsten kniet, ist auf Augenhöhe mit Gott!"


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