Mittwoch, 6. Juli 2016

UNTERWEGS ZU WELCHEM PONTIFIKAT?

A. Gagliarducci fragt in seiner Wochenkolumne "Monday in the Vatican"welchen Weg Papst Franziskus mit seinem Pontifikat einschlägt und betrachtet die strittigen Vorgänge in der Kurie.
Er begründet auch, warum es keine theologische Revolution in diesem Pontifikat geben wird.
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             "PAPST FRANZISKUS: UNTERWEGS ZU WELCHEM PONTIFIKAT?"
"Mit einer kurzen Stregreifansprache während der Feier des 65. Jahrestag seiner Priesterweihe erklärte Benedikt XVI, daß Papst Franziskus allein Papst ist. Dennoch deckt der Aufruhr, den die Bemerkung von einem "erweiterten Pontifikat" -bestehend aus einem aktiven und einem kontemplativen Mitglied -ein gewisse Nervosität über diese Frage auf, so als organisierten Papst Franziskus´ Widersacher eine Art Widerstand um den Papa Emeritus herum. Die Wahrnehmung einer Partei die willens ist Papst Franziskus´ Reformversuche zu blockieren, eine Art Leitmotiv in der Partitur dieses Pontifikates ist.

In seiner Rede dankte Papst Benedikt XVI Papst Franziskus,, sagte daß er sich durch dessen Güte sehr beschützt fühle und lud ihn ein, auf dem Weg der Barmherzigkeitr weiter zu gehen- es war Benedikt XVI der den Satz aussprach: "der Name Gottes ist Barmherzigkeit", was Papst Franziskus zitierte und was Titel des Buches wurde, das er dem Vaticanista A. Tornielli schenkte.
Für seinen Teil dankte Papst Franziskus Benedikt und wies darauf hin, daß sie sich oft träfen. Papst Franziskus wiederholte sogar, daß Benedikt für ihn der weise Großvater sei, den man um Rat fragt.

Sicher hat die Bemerkung über ein erweitertes Papsttum "in vivo" den Grund nicht nur für das was Erzbischof Georg Gänswein aussprach- und Erzbischof Gänswein ist beides: Präfekt des Pontifikalen Haushalts und Privatsekretär von Benedikt XVI.
Aus dem Zusammenhang gerissen und über das hinaus was Erzbischof Gänswein wirklich sagen wollte. könnte die Bemerkung auch benutzt werden um die Autorität von Papst Franziskus zu minimieren.
So entstand diese Wahrnehmung bei einer Gruppe Getreuen Papst Benedikts, die bereit sind, sich Papst Franziskus mi allen Kräften und Möglichkeiten zu widersetzen. Wie jede theologische Diskussion unausweichlich zu einer "pro gegen contra-Franziskus"-Diskussion wird (ganz gleich was gerade diskutiert wird) so passierte es auch mit der Bemerkung eines erweiterten Papsttums.

Sind die Benedikt-XVI-Getreuen wirklich bereit gegen Papst Franziskus zu opponieren? Ein vernünftiger Blick auf die Fakten beweist das Gegenteil aund wir können mindestens 3 BEweise liefern.


Erzbischof Gänswein - der auch während des Benedetto-Pontifikates Zielscheibe war- vergißt nicht, in jedem Interview oder jedem Statement die Kontinuität zwischen den Pontifikaten zu unterstreichen, und die Aspekte des aktuellen Pontifikates, die er für die positivsten hält, zu betonen. Es gibt keinen Hinweis auf Untreue in diesen öffentlichen Statements. Mehr noch, in seinem Privatleben, nimmt er viele Einladungen zu örtlichen Festen und religiösen Feierlichkeiten an und folgt so dem von Papst Franziskus angezeigten pastoralen Weg.

Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Präefekt der Glaubenskkongregation,  hält sich bei seinen öffentlichen Äußerungen an einen zutiefst theologischen Gesichtspunkt. Er spricht nie öffentlich gegen das aktuelle Pontifikat, sondern klärt lediglich die doktrinalen Gesichtspunkte. Darüber hinaus, ist Kardinal Müller der Einzige, der mit einer gewissen deutschen Starrheit- der eine eine ideelle Brücke zwischen der lateinamerikanischen Mentalität und der Römisch Katholischen Theologie gebaut hat.

Müller gelang es, in der Befreiungtheologie eine substantielle Entfernung vom Marxismus, ein Schritt, den Gustavo Gutierrez, der Begründer der  Befreiungstheologie noch nicht gegangen ist.
Wahr ist, daß Kardinal Müller auf der andere Seite der um Papst Franziskus herum entwickelten theologischen Strömungen steht, die den Papst ausnutzen, indem sie ihn als Schuld benutzen um die einer theologischen Basis beraubten Barmherzigkeitsagenda durchzusetzen. Aber MüllersWIderstand gegen diese Strömungen machen ihn nicht zu einem Feind des Papstes.

Kardinal Tarcisio Bertone, Papst Benedikts XVI Staatssekretär, war immer Ziel sogar ...Beschuldigungen. Aber er kritisiert Papst Franziskus niemlas öffentlich und hat sogar als eine Art geheimer Mitarbeiter für den Papst gearbeitet. Z.B. Hat Bertones Kuba-Erfahrung ihm ermöglicht, bei der Wiederherstellung der Beziehungen der USA und Kuba zu helfen, die als erster diplomatischer Erfolg von Papst Franziskus betrachtet wird.

Sicher sind all diese Personen benedikt XVI treu: sie teilen seine Denkweise, sie verteidigen die während seines Pontifikates getane Arbeit. Sie mögen nicht mit Papst Franziskus übereinstimmen, aber nichts was sie sagen, kann als Opposition oder Illoyalität angesehen werden.

Die Feinde des Papstes müssen wohl anderswo gesucht werden. EInes der Hauptthemen des TAges ist die Legende die um dieses Pontifikat herum generiert wird. SIe beshriebt das Pontifikat als ein revolutionäres, und definiert jede Bewegung von Papst Franziskus als brandneu, obwohl das auch bestimmte Aspekte verdunkelt-  wie z.B. den starken Widerstand des Papstes gegen die Genderideologie zugunsten der natürlichen Familie und sogar- um über Reformen zu sprechen- seine generelle Unterstützung einer hierarchischen Kirche, Sicher, keines dieser Themen  sind Teil der von der öffentliche Lesart wahrgenommenen Agenda.

Bis zu einem gewissen Grad wäre es richtig, zu denken-daß mit dem Finger auf das alte Establishment zu zeigen,eines ziemlich nützliche Taktik ist, das zu verbergen, was das neue Establishment tut. 

Unter Papst Franziskus hat es keine besonders großen .....Systeme gegeben. Während gerade einige Kurienposten  neu besetzt wurden, haben Vatican-Diplomaten Macht- und EInflußpositionen erreicht, wie es unter Benedikt XVI niemals vorgekommen ist. Der Einfluss der Diplomaten ist durch die Wahl Kardinal Pietro Parolins, einem Langzeitdiplomaten als Staatssekretär nicht bewiesen.
Der Ein lfuss wird dagegen bewiesen, wenn Langzeit-Diplomaten für nicht diplomatische Posen ausgewählt werden, wie z.B. Kardinal Benjamin Stella als Präfekt der Kleruskongregation und Kardinal Lorenzo Baldisseri als Generalsekretär der Bischofssynode.

Einige der Rekonstruktionen durch die Beobachter sagen, daß Kardinal Stelle eine sehr wichtige Rolle dabei gespielt hat, Papst Franziskus´"Revolution der Barmherzigkeit" in den Rängen des Vaticans voranzubringen. Von Kardinal Stella wird berichtet, er sei während der Treffen beim 2013-Konklave ein Referenzpunkt gewesen, als er noch Erzbischof und Präsident der Kirchen-Akademie (Trainingszentrum des Vaticans für Diplomaten). Er soll als eine Art ...., als Treffpunkt oder Briefkasten für einige der Kardinäle gearbeitet haben, die am Konklave teilnehmen sollte, Später, als Präfekt der Kleruskongregation hat er eine Veränderungen im Modus Operandi vorgenommen.
Z.B. geht das Gerücht um, daß Beurteilungsbögen für Priester oder Seminaristen ihre Urteile jetzt eher auf der Apostolischen Exhortation "Evangelii Gaudium" als auf dem Kanonischen Rechtskodex begründen müssen.

Diese Details dürfen nicht unterschätzt werden. Der Einfluss der Dipolamten in der aktuellen Kirchenleitung kann man in der neuen Doktrin die die Beziehung des Hl. Stuhls zu Staaten sehen, deren ...von der Kultur der Begegnung, die Papst Franziskus entwickelt hat,stammt. Unter diese Rubrik ist jetzt eher die Zeit für Verhandlungen und Dialog als die Wahrheit zu unterstreichen. Und diese neue Rationale tritt bei den diplomatischen Themen in Aktion -z.B: hat der Hl.Stuhl das Vokabular der UN angenommen, ohne willens zu sein, die eigene neue Sprache zu benutzen.
Darüber hinaus ist es keine Überraschung. daß am Hl. Stuhl niemand Kardinal Canizares Llovera gegen den Vorwurf der Homophobie in Spanien verteidigte oder dagegen protestierte, daß an belgischen Schulen der Religionsunterricht abgeschafft wurde.

Dieser auf der Kultur der Begegnung beruhende Zugang mag jedoch einige Früchte tragen. Da ist die möglichkeit einer Reise des Papstes nach China, gestützt durch die Ttsache, da die Nuntiatur in China -in Taipeh immer noch vakant ist, nachdem ihr höchtsrangiger Repräsentant zum Nuntiu inn der türkeit ernannt wurde; die ökumenischen Beziehungen werden auf verschiedenen Ebenen entwickelt - durch die Unterstützung für das Panorthodoxe Konzil, das Treffen mit Patriarch Kyrill, der erneuerten Annäherung an die Armenische Apostolische Kirche, Und der Hl. Stuhl ist in verschiedene Mediationen verwickelt, während Kardinal Parolin nicht zufällig die Eröffnung eines "Päpstlichen Büros für Mediation" bedenkt, vielleicht der einzige von vielen Vorschlägen für die Kurienreform. der wirklich auf einer päpstlichen Tradition beruht.

Andererseits ist es bemerkenswert, daß jede Diskussion größerer Themen durch das Spektrum einer Revolution, die eventuell in einer reinen Äderung von Strukturen versandet, erstickt wird. Nach den beiden Familiensynoden. sieht es so aus, als ob niemand diese spezielle Diskussion weiterführen wolle, vielleicht weil die "Peripherie der Kirche" eine gewissen Robustheit bei der Verteidigung der etablierten Doktrin bewies und so die Ziele derer blockiert, die hinter dem Rücken von Papst Franziskus eine Agenda erarbeiten. Über das Thema der nächsten Synode wird noch diskutiert: wie berichtet wird, wurde "Synodalität" als Fokus von einigen hochrangigen Prälaten abgelehnt.

Ein Motive für die Zurückweisung ist, daß sogar hinter den Synoden Lobbies arbeiten können, die das Ziel haben, die Definition von Kirchenstandpunkten und den Inhalt der Dokumente zu steuern. Das ist während der Synode 2014 passiert wie man an der Kontroverse zur Interimsrelatio sehen konnte. Es war auch beim Schlussdokument der Fall der Synode von 2015, das nicht alle Standpunkte der Synodenteilnehmer wiedergab. Und es passierte auch bei der Apostolischen Exhortation Amoris Laetitia , die tatsächlich die fraglichen Themen nur auf den Tisch legte und alles als Gewissensfrage offen ließ, anstatt klare Anweisungen zu geben.
Ein anderer Grund ist, daß Papst Franziskus selbst Synodalität nicht voll und ganz schätzt. Andererseits hat er die Wichtigkeit der Bischofssynoden vergrößert, viele Kommissionen gegründet und einen Kardinalsrat ernannt, der ihn bei der Regierung der Kirche beraten soll. Aber zur gleichen Zeit, liebt er es seine eigenen Entscheidungen allein zu treffen, nachdem er alle Meinungen gehört hat.

Diese Unabhängigkeit von Papst Franziskus ist das Haupthindernis das die Förderer der Agenda der Barmherzigkeitsagenda für ihr Kirchenveränderungsprojekt entdeckt haben, ein Projekt, das eher mit weltlichen als mit göttlichen Worten diskutiert wird.
Daher wird auf der Basis des Dialogs mit der säkularen Welt von der Kirche erwartet,sich an doe von der Gesellschaft gegebenen Modelle anzupassen und keine V9rschläge für ein Lebensmodell mehr zu machen. Es ist eine säkularere Kirche genau entgegengesetzt zu den, doe die Salz-der-Erde-Partei wollte, als sie 2005 für die Wahl Papst Benedikts XVI kämpfte. 
  Dieses Modell ist medienfreundlich und das ist der Grund, warum jeder Schritt in eine säkulare Richtung von der säkularen Welt gepriesen wird und so ein Medienimage der Kirche geschaffen wird, das immer noch weit von der Realität entfernt ist. Das finale Risiko ist das eines Humanae Vitae- Effektes, das die berühmte Enzyklika des Seligen Pauls VI auslöste, der ähnliche Erwartungen vorausgingen, die von den Medien gefördert wurden.

Dann ist es leicht die Medienaufmerksamkeit auf Verdächte um das Establishment Benedikts XVI zu fokussieren, um die Tatsache herunter zu spielen, die REvolution von Papst Franziskus nicht stattfindet, so wie es manche gehofft hatten. Nach 3 Jahren seines Papsttums gehen seine Reformen nur langsam voran. Wilde Behauptungen daß die Kurie von Grund aus verändert wird, Statements über die Möglichkeiten von Reformen der Lehre, sogar neue Wege dem Petrinische Dienst auszuüben, wurden erwartet. Jetzt erwartet sie niemand mehr.

Während der Papstreise nach Armenien vom 24.-26. Juni, zeigte die Armenisch-apostolische Kirche riesige Wertschätzung für den Papst und seine Bemühungen um die Blutökumene, Treffen und Gebete. Aber nicht mehr. Gefragt ob der Papst etwas wie ein Konzil einberufen werde wo Papst und Patriarchen gleichrangig wären um die Synodalität so konkret werden zu lassen, nach der die Armenisch-Apostolische Kirche schaut, sagte Erzbischof Kahjog Barsamian der Armenisch-Apostolischen Kirche der USA ganz klar, daß nichts Derartiges im Angebot sei.

Das bedeutet daß die theologischen Debatten keine Erschütterungen auslösen werden, weil für Papst Franziskus Treffen und Beispiele wichtiger sind als Theologie. deshalb kann man leicht vorhersehen, daß es kein theologisches Erdbeben geben wird.
Der allerletzte Verdacht, den wir zur Zeit erleben, ist der eines Ende des Pontifikates Ära. Das bedeutet nicht, daß dieses Pontifikat bald zuende geht. Es bedeutet, daß Papst Franziskus´größere Themen immer wieder aufgelegt werden, um seine Popularität durch Begegnungen zu steigern, aber ohne theologische Wurzeln, die wirklich reale, konkrete und anhaltende Veränderungen bewirken können. Einige Vatican-Beobachter stellen fest, daß man das an der Art und Weise sehen kann, wie die letzten motu proprio geschrieben wurden und die entstehenden neuen Dikasterien immer noch keine apostolische Konstitution haben, die ihnen den juristischen Rahmen für ihre Arbeit innerhalb der Römischen Kurie geben würden,   

Während dieses Ferienmonats, ist Papst Franziskus-während er private Treffen veranstaltet Dossiers studiert, sich auf den Weltjugendtag in Polen vorbereitet- aufgerufen, darüber nachzudenken, wie er seinem Pontifikat eine definitive Form geben will. Wird es nur ein außerordentliches aber vorübergehendes Pontifikat "der Herzen"sein, ohne theologische Höhepunkte aber mit einer Änderung des Profils der Bischöfe? Oder wird es ein Pontifikat werden, das etwas von Grund auf Neues in Bezug auf die Theologie hervorbringt oder zumindest für die Leitung der Kirche?

Quelle: Monday in the Vatican, A: Gagliarducci 

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