Samstag, 16. Juli 2016

Als ganz Europa exkommuniziert war


Roberto de Mattei läßt uns an einer ebenso turbulenten wie interessanten Periode der Kirchengeschichte teilnehmen,
Hier-bei "corrispondenza romana" - geht´s  zum Original: klicken
Wir haben es bei rorate caeli gefunden. (thank´s)

                   "ALS GANZ EUROPA EXKOMMUNIZIERT WAR"

"Es gab eine Zeit, als ganz Europa exkommuniziert war, ohne häretisch zu sein. Alles begann am 27. März 1378 , 14 Monate nachdem Papst Gregor IX aus Avignon nach Rom zurück gekehrt war, um zu sterben. Beim Konklave, das zum ersten mal nach 75 Jahren im Vatican stattfand, nahmen 16 Kardinäle von insgesamt 23 teil. Die große Mehrheit dieser 16 waren Franzosen.
Das war das Resultat der langen Periode in Avignon.

                                              
                                                            Papst Gregor XII

Am 8. April wählte das Heilige Kollegium den Erzbischof von Bari auf den Papstthron. Bartholomeo Prignano, einen gelernten Kirchenrechtler mit strengen Sitten, der kein Kardinal und im Konklave nicht anwesend war. Am selben Tag brach das Volk in das Konklave ein und verlangten die Wahl eines römischen Papstes, aber die Kardinäle wagten nicht, zu sagen, daß die Wahl bereits stattgefunden hatte und machten glauben, daß der alte Kardinal Francesco Tibaldeschi, ein geborener Römer, gewählt worden sei. am folgenden Tag aber wurde Bartholomeo Prignano inthronisiert, nahm den Namen Urban VI /1379-1389) an und wurde am 18. April in St.Peter gekrönt.

Es war günstig  daß im Juli als 12 französische Kardinäle sich mit dem Aragoneser Pedro de Luna in Anagni trafen, wo sie am 2. August eine declaratio vorbereiteten, in der der Hl. Stuhl als vakant erklärt wurde, angesichts dessen, daß die Wahl Urbans VI ungültig gewesen sei, weil die durch die Rebellion und Tumult des römischen Volkes gestört worden war. Am 20. September wurde in der Kathedrale von Fondi, Kardinal Robert von Genf zum neuen Papst gewählt und nahm den Namen Clemens VII (1378-1394) an. Nach einem vergeblichen Versuch, Rom zu besetzen, wurde er wieder in Avignon installiert. So begann das große westliche Schisma.

Der Unterschied zwischen dem westlichen und dem östlichen Schisma, das seit 1054 die Christenheit spaltete, ist, daß das Letztere ein Schisma im wahrsten Sinne des Wortes war, weil die Orthodoxen sich immer noch weigern, den Primat des Papstes, Bischof von Rom und Hirte der Universalen Kirche anzuerkennen.  Das westliche Schisma andererseits war ein materielles Schisma, nicht formal, weil es auf keiner Seite den Willen gab, den päpstlichen Primat zu leugnen- Urban VI und Clemens VII - und ihre Nachfolger waren von der Legitimität ihrer kanonischen Wahl überzeugt und es gab von keiner der beiden Konfliktparteien doktrinale Irrtümer. Heute versichert die Kirche, daß der legitime Papst Urban VI und die Päpste, die ihm folgten, waren, aber zu ihrer Zeit war nicht klar, wie man unterscheiden sollte, wer der legitime Vikar Christi war.




Von 1378 an teilte sich die Christenheit in zwei "Gehorsamsregionen". Frankreich,Schottland, Kastilien, Portugal, Savoyen, Aragon und Navarra erkannten Clemens VII an, Nord -und Zentralitalien, das Reich, England und Irland, Böhmen, Polen und Ungarn blieben Urban VI treu,
Über mehr als 40 Jahre erlebten die europäischen Katholiken dieses Drama täglich. Nicht nur gab es zwei Päpste und zwei Kardinalskollegien, sondern es gab in ein und der selben Diözese oft zwei Bischöfe, zwei Äbte und zwei Priester- Außerdem -weil die beiden Päpste sich gegenseitig exkommunizierten - fanden sich die jeweilig dem einen Papst treuen Gläubigen vom anderen Papst exkommuniziert.

Sogar die Heiligen wurden geteilt. Gegen die Hl. Katherina von Siena und die Hl. Katherina von Schweden (Tochter der Hl. Brigitte) die Urban VI unterstützen, standen der Hl. Vincent Ferrer, der Selige Peter von Luxemburg und die Hl.Colette von Corbie, die Avignon gehorsam waren, Die Situation war sehr verwirrend und um das mindeste zu sagen, es war sehr ehr schwer, einen Ausweg zu finden,

Am 16. September 1394, als Clemens VII, der Avignon-Papst plötzlich starb, schien die Zeit gekommen, den Knoten zu entwirren, Alles was man dazu brauchte, war daß die französischen Kardinäle keinen neuen Papst wählten, und für den Papst in Rom, Bonifaz IX (1380-1404), den Nachfolger Urbans VI zurückzutreten.
Statt dessen wählten die Kardinäle in Avignon einen neuen Papst, Pedro de Luna, einen strengen und sturen Mann, der stark auf sein Recht pochte und 22 Jahre als Benedikt XIII regierte. Nachfolger Bonifaz´ IX andererseits waren die "Römischen" Päpste Innozenz VII ( 1404-1406) und Gregor XII (1406- 1415).

In der Zwischenzeit entwickelten sich fortlaufende Diskussionen unter den Theologen, Ausgangspunkt war eine Passage aus dem Decretum Gratiani, die sagte" Laßt keinen sterblichen Menschen den Papst eines Fehlers verdächtigen oder beschuldigen, weil der von niemanden beurteilt werden werden kann, außer er wiche plötzlich vom Glauben ab (a nemine est judicandus nisi deprehenditur a fide devitus) - die Regel nach der niemand über den Papst richten kann, (prima sedes non judicabitur) ließ und läßt nur eine einzige Ausnahme zu, die Sünde der Häresie. Es war das Maximum auf das sich alle einigen konnten und das sowohl auf einen häretischen als auch einen schismatischen Papst angewendet werden konnte.
Aber welcher war des Schismas schuldig?

Um das Problem zu lösen, verfiel man auf einen schwerwiegenden Irrtum : "die Lehre des Konziliarismus, nach der ein häretischer oder schismatischer Papst von einem Konzil abgesetzt werden kann, weil die Versammlung der Bischöfe über dem Papst steht. Leitende" Exponenten dieser Lehre waren der Kanzler der Universität von Paris Pierre d´Ailly (1350-1420) und der Theologe und Kardinal von Avignon Jean Gerson (1363-1410), ebenfalls Kanzler und Professor der Universität Paris.
Diese falsche theologische These brachte einige Kardinäle beider "Gehorsame" dazu, eine Lösung in einem Generalkonzil zu suchen, das in Pisa am 25. März 1409 eröffnet wurde, mit dem Ziel die beiden Päpste zum Rücktritt einzuladen und sie abzusetzen, falls sie sich weigerten. Genau das passierte. Das Konzil von Pisa erklärte sich selbst für ökumenisch und repräsentativ für die gesamte universale Kirche und setzte die beiden rivalisierenden Päpste als "schismatisch und häretisch" ab und erklärten den Römischen Sitz für vakant. Am 26. Juni wählte das Kardinalskollegium einen dritten Papst, Pietro Filargo, Erzbischof von Mailand, der sich den Namen Alexander V (1409-1415) gab, dem im folgenden Jahr Baldassare Cossa folgte, der den Namen Johannes XXIII (1415-1419) annahm.
Wahrer Papst hätte nur einer sein können, aber zu dieser Zeit war das weder den Theologen noch den gläubigen Laien klar. 

Johannes XXIII ergriff mit Unterstützung des deutschen Kaisers Sigismund (1410-1437) die Initiative und berief ein neues Konzil ein, das in der Kaiserstadt Konstanz am 5.November 1414 eröffnet wurde. Sein Ziel war, als der eine und einzige Papst anerkannt zu  werden und das Konzil von Pisa zu bestätigen, von dem er seine Legitimität bezog. Zu diesem Zweck hatte er viele italienische Kardinäle kreiert, die ihn unterstützten. Um die italienische Majorität zu überwinden, ließen es die französischen und englischen Kardinäle zu, nicht per capita singulorum abzustimmen sondern nach Nationen, bzw. nationalen Gruppen.
Das Stimmrecht wurde Frankreich, Deutschland, England, Italien und danach Spanien zuerkannt, den fünf wichtigsten Europäischen Nationen. Das war ein zutiefst revolutionäres Prinzip . Ersten weil die Nationen -also politische Subjekte- massiv in das Leben der Kirche eintraten und die Abhängigkeitsbeziehung, die sie immer zur Kirche gehabt hatten, untergruben. Zweitens und vor allem anderen wurde das Prinzip, nach dem der Papst der oberste Schiedsrichter, Moderator und Richter ist, unterminiert, und jede beliebige Entscheidung der Abstimmung der Konzilsväter zu übertragen. 

Als Johannes XXIII begriff, daß das Konzil ihn nicht als Papst bestätigen wollte, floh er in der Nacht vom 20. auf den 21. März 1415 nach Konstanz, wurde aber ergriffen, wegen Simonie und als öffentlicher Sünder abgesetzt und wie die beiden anderen Päpste von weitere Wahlen ausgeschlossen.
Am 5.April 1415 erließ die Versammlung  ein Dekret, das als Haec Sancta bekannt ist, in dem feierlich bestätigt wurde, daß das Konzil mit Hilfe des Hl. Geistes die gesamte Kämpfende Kirche repräsentierte und seine Macht direkt von Gotte erhalten hatte, weshalb jeder Christ einschließlich des Papstes zum Gehorsam verpflichtet war.
Haec Sancta ist eines der revolutionärsten Dokumente der Kirchengeschichte, weil es den Primat des Römischen Pontifex über das Konzil leugnet. Dieser zunächst als authentisch und legitim anerkannte Text, wurde nur noch einmal  durch das Päpstliche Lehramt angefochten.
Es wurde durch das Dekret Frequens am 9. Oktober 1417 auf disziplinarischer Ebene vollendet, indem das ökumenische Konzil in eine stabile kirchliche Institution umgewandelt  werden mußte und als Folge "als eine Art Kontrolle des Papsttums",wie der Historiker Hubert Jedin schreibt.

In dieser chaotischen Situation stimmte der Römische Papst Gregor XII zu, abzudanken. Das wae de letzte Verzicht auf den Päpstlichen Thron vor dem Benedikts XVI. Gregor XII verlor alle päpstlichen Privilegien, wie es einem Papst ergeht, der aus außerordentlichen Gründen die Regierung der Kirche
aufgibt. Das Konzil erkannte ihn als Kardinal an, ernannte ihn zum Bischof von Porto und Legaten des Distrikts Ancona, aber Gregor starb im Alter von 90 Jahren am 18. Oktober 1417 in Recanati, bevor der neue Papst auch nur gewählt war. Der Avignon-Papst Benedikt XIII blieb unerbittlich, wurde aber von den Ländern verlassen, die seinem Gehorsamsbereich angehörten und als meineidig, schismatisch und häretisch am 26. Juli 1417 abgesetzt,  

Die Kardinäle beider "Gehorsame" trafen sich un wählten am 11. November 1416 endlich den neuen Papst, Oddone Colonna, einen Römer, der den Namen Martin V annahm (1417-1431) zu Ehren des Heiligen, der am Tag seiner Wahl gefeiert wurde. Das große westliche Schisma wurde so beendet und Friede schien in die Kirche einzukehren, aber die postkonziliäre Zeit hielt für den Nachfolger Martins V bittere Überraschungen bereit.

Quelle: Corrispondenza Romana, R.de Mattei, Rorate Caeli

             

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