Donnerstag, 28. Juli 2016

Deutsche Lyrik, oder Schiller zur Lage der Nation

nachdem ich sowas nie in der Schule hatte, habe ich mir gedacht "kauf dir mal wieder ein Buch!" und habe  mir nun einen Gedichtband gekauft, der mit Walter von der Vogelweide anfängt, und ich muss sagen, es tröstet ungemein, weil man feststellen muss, wie schon Chesterton feststellte, dass neun von zehn neuen Ideen, nichts anders sind, als alte Irrtümer.
Man hat zwar den Eindruck, dass die alten Irrtümer gerade gehäuft auftreten, also nicht hübsch einer nach dem anderen, so tun als sei man der Weisheit letzter Schluss, sondern einfach wirr und alle auf einmal. wobei selbst die Irrtümer widersprüchlich sind, aber wer interessiert sich heutzutage schon für Logik und Kausalzusammenhänge?
Selbst des Revoluzzers William von Ockhams Rasiermesser ist was für Betonköpfe, wir wechseln die Axiome unseres Denkens und Handelns wie das Unterhemd, wenn es sein muss, sogar mitten in der Argumentation.

Aber auch das ist so originell nicht, schon Schiller stellt das fest und ich frage mich wirklich, warum man uns das vorenthalten hat.

ALso I proudly present:

Worte des Wahns vorn Friedrich Schiller



Drei Worte hört man bedeutungschwer
Im Munde der Guten und Besten,
Sie schallen vergeblich, ihr Klang ist leer,
Sie können nicht helfen und trösten.
Verscherzt ist dem Menschen des Lebens Frucht,
So lang er die Schatten zu haschen sucht.

So lang er glaubt an die Goldene Zeit,
Wo das Rechte, das Gute wird siegen,
Das Rechte, das Gute führt ewig Streit,
Nie wird der Feind ihm erliegen,
Und erstickst du ihn nicht in den Lüften frei,
Stets wächst ihm die Kraft auf der Erde neu.

So lang er glaubt, daß das buhlende Glück
Sich dem Edeln vereinigen werde,
Dem Schlechten folgt es mit Liebesblick,
Nicht dem Guten gehöret die Erde.
Er ist ein Fremdling, er wandert aus,
Und suchet ein unvergänglich Haus.

So lang er glaubt, daß dem irdschen Verstand
Die Wahrheit je wird erscheinen,
Ihren Schleier hebt keine sterbliche Hand,
Wir können nur raten und meinen.
Du kerkerst den Geist in ein tönend Wort,
Doch der freie wandelt im Sturme fort.

Drum edle Seele, entreiß dich dem Wahn,
Und den himmlischen Glauben bewahre.
Was kein Ohr vernahm, was die Augen nicht sahn,
Es ist dennoch, das Schöne, das Wahre!
Es ist nicht draußen, da sucht es der Tor,
Es ist in dir, du bringst es ewig hervor.

Vielleicht ist es es genau das, was uns Papst Benedikt hinterlassen hat,
Geh in die Stille, zieh dich zurück, geh in dich, geh in die Stille, tu es, weil es wieder so weit ist, wie schon Reinhold Schneider dichtete "dass Menschenhochmut auf dem Markt sich feiert, in des, selbst im Dom die Beter sich verhüllen" wohl weil man sie dort nicht mehr will, diese altmodischen, uncoolen, einfachen,. oder auch komplizierten Beter.
Ja in diesen Zeiten, die voller falschem Glanz sind, ist es wohl so, dass man in die Wüste gehen sollte, und mangels Wüste, eben in die innere Stille gehen muss.

Nun denn, versuchen wir es.
Es sind ungewöhnliche Zeiten, so werden da die ganz klassischen Mittel. das Gott vertrauen, das Beten, das Hoffen und das die Welt fliehen, schon helfen, haben sie bislang immer, auch und wenn andere ungewöhnliche Zeiten eben anders ungewöhnlich waren, aber Gott ändert sich nicht, er bleibt wie er ist, und als er seinen Sohn sandte, wusste er auch um unsere Zeit und hat von daher gewusst, was wir brauchen.
Und genau das war ja  das Evangelium vom letzten Sonntag:



Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat.
Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme.
Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen.
Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung.

Dann sagte er zu ihnen: Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote;
denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen, und ich habe ihm nichts anzubieten!,
wird dann etwa der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen, und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben?
Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm seine Bitte erfüllt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht.
Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet.
Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet.

Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet,
oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet?
Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.


P.S was dem von Ockham die Exkommunikation eingebracht hat, war übrigens dass er u.a. eine sehr islamische Idee von Gott vertrat, dass Gott nämlich im Grunde willkürlich sei, nicht gut, und selbst wenn er sich als der gute Gott offenbart, hat, er deshalb nicht gut sein müsse, weil er eben Gott ist, und wer kann sich da schon bei wem beschweren.
So sehr sich das theoretisch nachvollziehen kann, weswegen mir Luthers Grundproblem "Wie bekomme ich einen gnädigen Gott" komplett unverständlich ist, weil wie soll das gehen? Gott ist doch Gott und wenn Gott ungerecht wäre, wer wollte dann mit ihm rechten, sosehr halte ich den Ansatz für verkehrt, einfach weil GOTT GUT IST.
Zum Weiterlesen findet sich hier  beim Denzinger Katholik noch einiges erhellendes.

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