Sonntag, 31. Juli 2016

Sandro Magister : der Islam & das Schweigen des Papstes

Sandro Magister fragt sich, warum Papst Franziskus zum Islam und seiner Urheberschaft für die Blutbäder der letzten Zeit und besonders für den Mord am Altar in Rouen schweigt.
Hier geht´s zum Original:  klicken


"WARUM FRANZISKUS ZUM ISLAM SCHWEIGT. 
 EINE GANZ KONZILIARE HYPOTHESE"

"Das zum islamischen Terrorismus, der auch Europa getroffen hat, Gesagte und das Nichtgesagte des Papstes führt zu wachsenden Zweifeln, besonders nach dem Mord am Priester Jacques Hamel vor dem Altar seiner Kirche in der Normandie, am 26. Juli,

Wenige Stunden nach dem Mord wollte der Papst während seines Fluges nach Polen seine Gedanken so "erklären", aber in Wirklichkeit hat das noch mehr Fragen aufgeworfen:
"Wenn ich von Krieg spreche, spreche ich ernsthaft von Krieg, nicht von einem Krieg der Religionen, nein. Es ist ein Krieg der Interessen , ein Krieg des Geldes, es ist ein Krieg um die natürlichen Ressourcen, es ist ein Krieg um die Macht über die Völker, das ist der Krieg.
Mancher könnte denken: "er spricht über den Krieg der Religionen." Nein. Alle Religionen wollen den Frieden. Den Krieg wollen die anderen, Verstanden?"
Besonders verblüfft die Zurückhaltung von Jorge Mario Bergoglio bezüglich des islamischen Hintergrunds der Aggressoren.
Es sind viele, die sich zu diesem seinem Schweigen fragen, einer von ihnen ist Aldo Maria Valli, der maßgeblichste der im Dienst der Rai stehenden Vaticanisten, der in seinem post vom 29. Juli unter anderen schrieb:

"Warum flüchtet sich der Papst in die ärmliche, überholte soziologische Lesart, nach der hinter dieser Gewalt nur materielle Interessen stehen, nur Fragen des Geldes und des Waffenhandels, nur psychologische, kulturelle und soziale Benachteiligung- mehr oder weniger vom Westen herbeigeführt?" "Warum sagt er nicht das, was auch viele Muslime mit großem Schmerz sagen, daß -was auch immer der Ausloser ist, ihre Religion  das Holz dafür liefert, damit dieses Feuer entfacht werden kann?



Valli geht dann weiter zu den Fragen und den Kritiken: "ich wollte ihn eigentlich verteidigen, den Papst," schreibt er," in dem Sinn zu versuchen, ihn zu verstehen."Und er bringt eine unerwartete Hypothese vor, die es verdient, als Ganzes wiedergegeben zu werden.
Hier ist sie:
 "ER IST EIN SOHN DES KONZILS, DESHALB ARGUMENTIERT ER SO"
von Aldo M. Valli

"Eine Antwort kommt mir in den Sinn, die ich vorschlage, es ist diese: obwohl er nicht am II.Vaticanischen Konzil teilgenommen hat, ist Franziskus ein Sohn des Konzils, in dem Sinn, daß er mit großer Treue an ihrer Welt und ihren Phänomenen festhält und denkt, daß die Kirche diese Phänomene immer und überall akzeptieren muß, anstatt sie zu konfrontieren und zu verurteilen.

Nicht zufällig sind die Verben empfangen und begleiten in Franziskus´ Vokabular so zentral. Das sind konziliare Verben einer Kirche die aus einer Phase der geschlossenen Türen und Fenster (in der noch der muffige Geruch war, wie mir Kardinal Martini einmal sagte) kam und die sich der Wirklichkeit öffnen wollte, nicht für das, was sein könnte, sondern für das was war- auch aus der Sicht der verschiedenen Religionen.

Diese Kirche wünschte, die Welt als Ganzes zu lieben, auch und besonders die zerrissene, widersprüchliche, häßliche und schlechte Welt. Diese Kirche wollte auch alle anderen Glauben und Religionen lieben, auch wenn von diesen Glauben und Religionen keine besonders konzilianten und liebenswürdigen Botschaften kamen.

Papst Johannes wollte ein pastorales Konzil, kein theologisches. Er wollte ein Konzil, um dass Evangelium auf neue Weise zu verkünden, nicht um Anatemata auszustoßen.
Dafür ist Vertrauen in die Welt und ihre Aspekte nötig. Daraus resultiert, wie ich behaupte, auch wenn der Ausdruck nicht gut klingt, der Wunsch, die Welt zu lieben, Ein Wunsch, der mal ernst mal nicht ernst gemeint war, manchmal von der Realität und Intelligenz verbogen wurde, manchmal nicht.

Aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, daß ein Sohn des Konzils, wie Franziskus es sicher ist, wahrscheinlich weiterhin die Welt liebtl Er fährt damit fort, trotz der Tatsache, daß es in der Zwischenzeit der Welt, auch vom religiösen Standpunkt aus, sehr gut gelungen ist, den schlechtesten Eindruck zu machen.

Nicht nur das Vertrauen in die Welt sondern auch ein Gefühl der Schuld für die Sünden des Westens sind Teil des kulturellen und spirituellen Klimas des Konzils.

In dieser Phase, in der die Epoche des Kolonialismus endete und viele Völker und Kulturen sich in einer autonomem Rolle und als Würdenträger sehen, unabhängig von der ihnen vom Westen zugedachten Rollen, hatte die Kirche gerade diese eigene Vision entwickelt, bis zu dem Punkt, daß sie begann, die Kirche, im Orient geboren, im Okzident gereift- mit allen Konsequenzen zur Diskussion zu stellen.

Die Söhne des Konzils sind so aufgewachsen, sie haben diese Mischung aus Vertrauen... und dem mehr oder weniger bewußten Schuldgefühl verinnerlicht, und auch Bergoglio ist so herangewachsen,
Nur daß heute seine Worte, die eines Sohnes des Konzils- furchtbar aus der Zeit gefallen erscheinen,  angesichts einer Welt, die nicht mehr die von vor einem halben Jahrhundert ist.
Wenn man Franziskus hört, wenn er vom Empfangen der Migranten spricht und die Schuld der Globalisierung zuspricht, oder zur Gewalt aus religiösen Gründen schweigt, scheint man einem Video aus einer anderen Epoche mit einer Montage zuzuschauen: ein Text der offensichtlich einer anderen Epoche angehört, über die die Bilder einer ganz anderen Epoche gelegt wurden, unserer Epoche, ganz verschieden, so sehr verschieden, daß wir einen neuen Schlüssel zur Lektüre brauchen.
Ich wiederhole: ich rechtfertige den Papst nicht, Ich versuche nur, ihn zu verstehen. Und was ich vorschlage, könnte eine Antwort sein oder zumindest Teil einer Antwort.
Sicher, ich glaube, daß Franziskus Hilfe braucht. Nicht nur durch das Gebet, um das er immer bittet und das wir ihm zusichern, ich sage besonders kulturelle Hilfe, die ihm nur ernsthafte Freunde geben können, und nicht die unterwürfigen Ja-Sager

Und war es schließlich nicht Franziskus, der uns Katholiken aufgefordert hat mit parrhesia zu sprechen, das heißt, mit Klarheit und Freiheit alles zu sagen?"

Quelle: Settimo Cielo, S. Magister, Aldo M.Valli


Kommentare:

  1. Ganz abgesehen vom Artikel selbst, dem ja nichts mehr hinzuzufügen ist:
    Vallis Franzikus-Berichterstattung in RAI1 war ziemlich lange sowas von Franziskus-verliebt, dass einem regelmäßig das Kotzen gekommen ist beim Nachrichten-Ansehen. Es ist erfreulich, dass es doch noch Journalisten gibt, die dazulernen können und das auch noch zugeben.

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    1. und dieses Dazulernen macht das Ganze -jedenfalls für manche- so viel glaubwürdiger und verläßlicher
      Leider trifft die Diagnose Vallis auch auf Teile unseres Episkopates zu. Und der Treppenwitz der Geschichte dabei ist, daß die Eisern-Ewiggestrigen bei uns und bei unseren Medien als fortschrittlich und modern gelten...

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