Donnerstag, 28. Juli 2016

Sandro Magister: was sagen die Italienischen Bischöfe?

Sandro Magister fragt nach der Haltung der Italienischen Bischöfe gegenüber Papst Franziskus, und er nutzt dazu Zitate aus der Anthologie "IL Regno"des altgedienten Vaticanista des Corriere della Sera, Luigi Accatoli.
Hier geht´s zum Original in Settimo Cielo: klicken

"WAS DIE ITALIENISCHEN BISCHÖFE ÜBER DEN PAPST SAGEN. AUCH DIE WOHLGESONNENSTEN LEHNEN IHN AB. "


"Mittwoch, 27. Juli, hat Papst Franziskus bei seinem ersten Tag in Polen hinter den geschlossenen Türen der Krakauer Kathedrale die 130 Bischöfe dieses Landes getroffen und sich mit ihnen in Fragen und Antworten ausgetauscht." 
Die polnischen Bischöfe, das weiß man, stehen nicht in gutem Einvernehmen mit dem aktuellen Papst. Das hat man bei der Familiensynode gesehen, wo sie sich komplett gegen die Neuerungen, die dann in Amoris Laeitia Eingang fanden, gestellt haben.

polonia

Darin ähneln sie ein bißchen den Italienischen. Auch sie haben zu großen Teilen Schwierigkeiten mit dem Papst, der nicht zögerte, die italienische Bischofskonferenz zu kommissionieren und ihr als Sekretär einen Bischof aufzuzwingen, der den Dissenz letztens noch verstärkt hat: Nunzio Galantino.
Es gibt bei vielen italienischen Bischöfen ein Problem mit Franziskus, das nur unter der Asche weiter schwelt und sehr selten "apertis verbis" ausgesprochen wird.

Aber jetzt, in diesen Tagen, hat ein über jeden Zweifel erhabener Beobachter den Schleier gelüftet.
Es ist Luigi Accatoli, Senior-Vaticanista des "Corriere della Sera", der in seiner neuen Anthologie "Il Regno", eine Sammlung von persönlich gesammelten Aussagen präsentiert, lebhaft von einer guten Anzahl von Bischöfen erzählt, die ihm bei seinen Wanderungen durch Italien begegnet sind, 
Accatoli gibt die Namen der Bischöfe nicht preis. Aber er garantiert, daß seine Zitate wörtlich sind.

Hier werden sie im Folgenden zitiert, Mit dem Vorbehalt von Accatoli selber, daß sie von den Bischöfen stammen, "die den apostolischen Wagemut Bergoglios bewundern und mit dem argentinischen Papst sympathisieren."

Wenn das die Urteile und Befürchtungen der Wohlgesonnenen sind, kann man sich die der Ablehnenden vorstellen.



"Ich bewundere seine Großzügigkeit. Es gab so viel Demotivierung. Sein Kommen war wie ein psychologisches Lösegeld. Aber warum so viel Unruhe, was ist sein Ziel?"

"Er schimpft, er forderte auf, sich zu bewegen, aber wohin will er uns bringen?"


"Ich habe den Eindruck, daß er ein negatives Urteil über uns hat und ich verstehe nicht, woher er das hat. Italien ist immer noch der harte Kern der Katholischen Kirche. Warum schlägt er auf uns ein?"

"Ich bewundere die Fähigkeit des Papstes wegen dieser Gesten der Barmherzigkeit, die wir gegenüber den Enterbten, den Nichtgläubigen haben, aber ich frage mich, was mit allem Übrigen ist, dem Katechismus, dem Kodex, den Seminaren, den Pfarreien, den Gesetzen, die den christlichen Gefühlen am entferntesten sind, Was sagen, was tun?"
"Aber was soll "Hinausgehen" bedeuten? Das kann man leicht sagen, aber es tun? In der gegebenen Situation in meiner Diözese, was bedeutet es?"

"Er hat das Schlagwort der Nichtverhandelbaren Werte blockiert, aber womit hat er es ersetzt? Mit einem halben Wort. Weil es ein halbes Wort ist oder?"
"Was die Tauf- und Firmpaten angeht. zu sagen, daß es nicht recht ist, diejenigen auszuschließen, die in irregulären ehelichen Situationen leben, aber dann die bestehenden Regeln nicht zu verändern, so bringt er uns in Schwierigkeiten gegenüber den Menschen"

"Die Gläubigen sagen uns ständig "der Papst hat gesagt", meistens haben sie es schlecht verstanden und es ist schwer, sie zu überzeugen. Er ist schnell dabei, zu sprechen und leider erklärt er es uns, die an der Front sind, nicht. Es sieht so aus, als sei er nie Bischof gewesen."

"In Amoris Laetitia §300 hat er geschrieben, daß die Differenzierung der persönlichen Umstände der Beichtvater im Dialog treffen muß, gemäß der Lehre der Kirche und den bischöflichen Richtlinien. Ich -der Bischof- soll ihnen diese Orientierung geben? Der Papst hat sie ihnen nicht gegeben- weil er -stelle ich mir vor- sie selbst nicht hat- Wie kann ich sie ihm geben?"

"Bei der letzten Synode habe ich ihn gefragt, welche kirchlichen Aufgaben man denen anvertrauen kann, die in irregulären, ehelichen Verhältnissen leben. Und er hat anstatt sich dieser Frage anzunehmen hat er uns in §299 die Antwort überlassen."

"In § 122 von Amoris Laetitia stellt er fest, daß man "zwei begrenzten Menschen nicht das ungeheure Gewicht auferlegen solle, auf perfekte Weise die Verbindung, die zwischen Christus und seiner Kirche besteht, zu reproduzieren,"
Ich halte das für eine unvorsichtige Äußerung. Nehmen wir z.B den Klerus und wir würden sagen, daß man dem Priester nicht das Gewicht auferlegen darf, die Rolle des Guten HIrten zu übernehmen."

"Bei der Reform der Annullierungsprozesse hat er den Bischof als einzigen Richter eingesetzt. Und jetzt kommen sie zu mir Armen, als ob ich jeden Fall lösen könnte. Er ist der Richter. Das hat der Papst gesagt. Und alle wollen den schnellen Prozess."
"Das was die Gläubigen interessiert, ist die Kommunion. Wenn die "Differenzierung" dazu führt, zur Kommunion zugelassen zu werden, dann hat die Feststellung der Nichtigkeit keine Bedeutung mehr "
"Bei den Nominierungen folgt er nicht der Praxis, er macht es nach seinem Kopf. Man kann verstehen, daß er gegen Karrierismus und Nepotismus spricht, aber die Praxis war gut als Sicherung gegen Irrtümer, Wenn er ohne Netz arbeitet, welche Garantie hat er, sich nicht zu irren?"
"Er nimmt sich die Freiheit und bringt die Mitarbeiter der Kurie und die Verantwortlichen der CEI in Verlegenheit, für viele ist das, als ob das Vertrauensverhältnis schlechter geworden ist."

"Nicht nur schlägt er verbal auf die Priester und Bischöfe ein, sondern jetzt ist er dazu übergegangen, die Bischöfe abzusetzen, die bei der Bekämpfung der Pädophilie im Klerus nicht kooperieren. Diesen Ausgang habe ich nicht verstanden, es ist ein delikates Terrain. Der Bischof ist ein Vater, der auch einen Weg finden sollte, ein barmherziger Vater zu sein oder nicht?"

"Ich verstehe, daß er arm erscheinen möchte, aber eine durchsichtige Soutane zu tragen, die die schwarze Hose durchscheinen läßt, ist das nachlässig? Wenn wir Bischöfe ernannt werden, geben sie uns die strenge Bekleidungsvorschrift, sich immer ordentlich gekleidet zu präsentieren. Für den Papst gilt das nicht?

"Er spricht so viel von Synodalität, aber entscheidet dann allein. Er sagt daß man dezentralisieren muß, aber eine so große persönliche Machtkonzentration wurde noch nie gesehen."


Quelle: Settimo Cielo, Sandro Magister


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