Donnerstag, 11. August 2016

Sandro Magister: Papst Franziskus & China.

Sandro Magister setzt sich bei www.chiesa  mit den Entscheidungen des Papstes zu den Bischofsernennungen in der Volksrepublik China auseinander, die die Frage aufwerfen, ob der Pontifex die Geschichte und den Ausgang des Investiturstreites nicht kennt, oder ihn aus welchen Gründen auch immer rückgängig machen möchte. Und diese Entscheidungen zeigen die inzwischen schon gewohnte Ambivalenz in der Ungleichbehandlung Chinas und Kubas. Die Neigung Kommunistischen Regimen Sympathie zu bezeugen und entgegenzukommen, kommt dazu. Jedenfalls sind ihm weder Papst Gregor VII noch Johannes Paul II und sein Standpunkt gegenüber den Kommunistischen Regimes des Ostblocks ein Vorbild.
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"BEI DER ERNENNUNG VON BISCHÖFEN BEUGT DER PAPST SICH PEKING"
"Das heißt den kommunistischen Autoritäten das Privileg zu gewähren, Kandidaten zu wählen. Und er exiliert-entgegen dem Abkommen- einen der höchstrangigen Chinesischen Erzbischöfe der Kurie auf eine Insel im Pazifik. Aber in China hat Kardinal Zen bereits die Führung einer Rebellion übernommen."

In China sind unter den 109 Katholischen Bischöfen acht, die auf Betreiben der kommunistischen Autoritäten geweiht worden sind, die niemals die Anerkennung des Papstes bekommen haben und deshalb der Exkommunizierung unterworfen sind- einige von ihnen haben Geliebte und Kinder.

Aber für keine anderen als diese 8 ist Papst Franziskus am Ende des Sommers oder spätestens am Ende des Jubiläumsjahres bereit, eine spektakuläre Geste zu machen: Vergebung.

Eine andere verblüffende Geste hat Franziskus am 26. September des vergangenen Jahres während seiner Reise nach Kuba und in die USA um Haaresbreite versäumt.
An diesem Tag- traf auf dem Weg nach Philadelphia seine Landung in New York  zufällig mit der des Chinesischen Präsidenten Xi Jinping, der bei den UN erwartet wurde, zusammen.
Alles war für diese "zufällige" Begegnung und einen Austausch von Grüßen am Flughafen geplant worden. Xi war sich des brennenden Wunsches des Papstes bewußt, aber am Ende ließ er den Plan fallen und das Treffen fand nicht statt.




Von diesem Augenblick an verstärkten sich die geheimen Kontakte zwischen dem Vatican und Peking. Im Oktober und dann im Januar fuhr eine Delegation von 6 Repräsentanten des Hl. Stuhls in die Chinesische Hauptstadt. Und im April diese Jahres richteten beide Seiten eine gemeinsame Arbeitsgruppe ein, die jetzt zu einem Einverständnis über einen Punkt gekommen zu sein scheint, den der Vatican sehr ernst nimmt: die Bischofsernennungen. 

Seit sie an der Macht ist, hat die Chinesische Kommunistische Partei sich in der Tat immer eine unterwürfige, von Rom getrennte Kirche gewünscht, mit von ihr selbst -ohne Zustimmung des Papstes- ernannten Bischöfen, die einer "Chinesisch-Patriotischen Vereinigung" angehören, was Benedikt XVI als unvereinbar mit den Katholischen Lehre bezeichnete.

Eine Kirche des Regimes also, an der Schwelle zum Schisma mit ihren acht exkommunizierten Bischöfen, im Gegensatz zu einer "Untergrund"Kirche, mit ungefähr 30 Bischöfen, die dem Papst ernsthaft treu sind, die aber den Preis für das Geheime bezahlen müssen: Unterdrückung, Überwachung, Haft und Entführung.

Und mitten in einer breiten Grauzone die verbliebenen Dutzenden von Bischöfen, die illegal geweiht wurden, sich dann aber mehr oder weniger mit Rom versöhnten -mit der parallelen Anerkennung durch Rom und Peking, die aber immer noch unter der eisernen Kontrolle der kommunistischen Autoritäten stehen.

Der Bischof von Shanghai, Thaddeus Ma Daqin, 2007 ordiniert mit der doppelten Zustimmung von Papst und Regierung, hat jahrelang unter Hausarrest gestanden, aus dem einfachen Grund, daß er aus der Patriotischen Vereinigung ausgetreten war, Vor zwei Monaten nahm er diesen Austritt zurück, die Freiheit wird ihm trotzdem weiterhin vorenthalten. Der 85 Jahre alte Joseph Zen Zekiun (Foto), der in Hongkong eine größere Redefreiheit genießt, sagt, daß der Verdacht unausweichlich ist, daß dieser Rückzug auch vom Vatican erwünscht war, nur um zu jedem Preise eine Übereinkunft zu erreichen.

Daß eine solche Übereinkunft bereits erreicht wurde, hat Zens Nachfolger in der Diözese Hongkong, Kardinal John Tong, in den letzten Tagen mit einem Offenen Brief in chinesischer, englischer und italienischer Sprache  bestätigt, eine Übereinkunft, die alle Merkmale trägt, die die Gläubigen darauf vorbereiten sollen, das Beste aus etwas Schlechtem zu machen,

Kard. Tong: "Kommunion der Kirche in China mit der Universalen Kirche"

Zu dieser Lösung, auf die Tong hinweist, ist auch eine, gegen die Kardinal Zen schon ein Sperrfeuer eröffnet hat, bis zu dem Punkt, eines drohenden Widerstandes aus Gewissensgründen.

Kard. Zen: "Meine Sorgen über den Dialog China-H. Stuhl und die Rückwirkungen auf die Chinesische Kirche" 

Das am öftesten gebrauchte Beispiel ist Vietnam, wo der Kandidat für das  Bischofsamt vom Vatican vorgeschlagen wird, gegen den die Regierung aber ein Veto einlegen kann und immer so weiter, bis die Regierung einem zustimmt.

Aber für China sieht die Lösung, der Kardinal Tong zugestimmt zu haben scheint, den umgekehrten Weg vor.
Der Kandidat wird von der Chinesischen Bischofskonferenz ausgesucht und dem Vatican vorgeschlagen. Nur daß diese Bischofskonferenz ein Geschöpf der Kommunistischen Partei ist vollkommen unter der Fuchtel des Regimes steht, ohne Untergundbischöfe und mit einem der exkommunizierten Acht als Präsidenten.
"Wagen wir zu glauben, daß Papst Franziskus nichts akzeptieren wird, daß die Kommunion der Kirche mit der Universalen Kirche gefährdet."schrieb Tong.

Aber die Vergebung des Papstes für die acht illegitimen Bischöfe wird sicher nicht ausreichen, ihn zu Zen und die meisten chinesischen Katholiken zu beruhigen.

Quelle:www.chiesa, Sandro Magister








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