Samstag, 20. August 2016

Zur Lage der Kirche und Nation

Man möchte manchmal erschrecken, irgendwelchen Endzeitphantasien breiten Raum gewähren, wenn man sich den Zustand von Kirche und Welt vor Augen führt.
Aber, wenn man dann ein bisschen in einem Band mit Gedichten schmökert, findet man die eigene Grundstimmung, des "das kann doch alles nicht gut gehen!" egal auf was man das konkret beziehen mag, aufgeschrieben.
Hier eine etwas willkürliche Auswahl von Walter von der Vogelweide bis Reinhard Mey, erschreckend, erschütternd, aber auch tröstlich, weil es uns befreit von dem Hochmut in ganz besonderen Zeiten zu leben.
Ein Hochmut, der gerade in superfrommen Kreisen, in einer negativen Variante, sehr verbreitet ist, und der davon ausgeht, eben in der absoluten Endendzeit zu leben, die eben anders ist, als alle anderen Zeiten und der irgendwie das Pendant zu den antagonistischen Kräften ist, die meinen, alles was man so unter Naturrecht subsumieren kann, dass könne man getrost ignorieren, weil unsere Zeit so klasse sei, dass wir alles, was die Altvorderen tun und glauben mussten, getrost lassen kann.
 Man lese also selbst und freue sich, oder beruhige sich:






Rainer Maria Rilke:


Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.


Mich bangt auch Ihr Sinn,
ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.


Ich will immer warnen und wehren:
Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.


oder Reinhard May





 oder Gryphius, immer wieder gut

Menschliches Elende

Was sind wir Menschen doch? Ein Wohnhaus grimmer Schmerzen,
ein Ball des falschen Glücks, ein Irrlicht dieser Zeit,
ein Schauplatz herber Angst, besetzt mit scharfem Leid,
ein bald verschmelzter Schnee und abgebrannte Kerzen.

Dies Leben fleucht davon wie ein Geschwätz und Scherzen.
Die vor uns abgelegt des schwachen Leibes Kleid
und in das Totenbuch der großen Sterblichkeit
längst eingeschrieben sind, sind uns aus Sinn und Herzen.

Gleich wie ein eitel Traum leicht aus der Acht hinfällt
und wie ein Stroß verscheußt, den keine Macht aufhält,
so muß auch unser Nam, Lob, Ehr und Ruhm verschwinden.

Was itzund Atem holt, muss mit der Luft entfliehn.
Was nach uns kommen wird, wird uns ins Grab nachziehn.
Was sag ich? Wir vergehn wie Rauch von starken Winden!


was haben wir noch?

Der gute alte Walter von der Vogelweide

Ich saß auf einem Stein

..................
Führwar kann es leider nicht geschehen,
dass Besitz und Ansehen in der Welt
noch dazu Gottes Gnade
zusammen in ein Herz kommen.
Steg und Weg sind ihnen genommen:
Treulosigkeit lauert im Hinterhalt,
Gewalt herrscht auf der Straße,
Friede und Recht sind sehr wund:
Die drei haben keinen Schutz, bevor die zwei nicht gesund werden.


Man hat den Eindruck, dass die Anfangszeile des berühmten Sonetts 'Allein den Betern' von Reinhold Schneider, die da lautet "Jetzt ist die Zeit...." überzeitlich ist, also immer gilt.
Hier der Link zum kompletten Gedicht Text

und wen wundert es, dass sich auch der passende Psalm findet und zwar der zweite, der uns sagt, was zu tun ist und uns gleichzeitig sagt, so originell, neu und bedrängend ist das alles gar nicht.
Ja manchmal scheint es, als haben wir einfach einige Jahre in einem sehr ungewöhnlichen Zustand des Friedens, mit der Aussicht, die paar übrigen Probleme, als da sind Alter und Dummheit auch noch in den Griff zu kriegen, gelebt.



Warum toben die Völker, warum machen die Nationen vergebliche Pläne?
Die Könige der Erde stehen auf, die Großen haben sich verbündet gegen den Herrn und seinen Gesalbten.
«Lasst uns ihre Fesseln zerreißen und von uns werfen ihre Stricke!»
Doch er, der im Himmel thront, lacht, der Herr verspottet sie.
Dann aber spricht er zu ihnen im Zorn, in seinem Grimm wird er sie erschrecken:
«Ich selber habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg.» 

 Den Beschluss des Herrn will ich kundtun. Er sprach zu mir: «Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich gezeugt. 
Fordre von mir und ich gebe dir die Völker zum Erbe, die Enden der Erde zum Eigentum.
Du wirst sie zerschlagen mit eiserner Keule, wie Krüge aus Ton wirst du sie zertrümmern.» 
Nun denn, ihr Könige, kommt zur Einsicht, lasst euch warnen, ihr Gebieter der Erde! 
 Dient dem Herrn in Furcht und küsst ihm mit Beben die Füße, damit er nicht zürnt und euer Weg nicht in den Abgrund führt. Denn wenig nur und sein Zorn ist entbrannt. Wohl allen, die ihm vertrauen!


Schon Felix Mendelsohn Bartholdy hat das vertont,

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