Freitag, 23. September 2016

Die neue Bibelübersetzung, näher am Urtext? Aha! Soso!

Die deutsche Bischofskonferenz  hat  eine neue Bibelübersetzung  angekündigt, die sich, was ja sehr löblich ist, so wörtlich "dem Urtext wieder annähere und Mut zu biblischen Redeweisen zeige".
So weit, so wunderbar und, wie gesagt löblich, sehr löblich!
Nur erfahren wir dann weiter, dass durchgängig die Anrede "Liebe Brüder....." in den Apostelbriefen durch "Brüder und Schwestern..." ersetzt worden sei.
Wie man das vereinbart mit dem Mut zu biblischen Redeweisen und der Annäherung an den Urtext, das erschließt sich mir nun wirklich nicht.



Es gibt ja, für den, den es interessiert, die sogenannten Interlinearübersetzungen 
(das sind einfach wortwörtliche Übersetzungen aus dem ältesten erhaltenen Text) wo sich jeder davon überzeugen kann, dass, wenn da Brüder steht, eben Brüder steht, und nicht Schwestern.
Man kann sich  nun fragen, was das soll. Ob sich wirklich,  wie manche meinen, und andere, angeblich "früher", gemeint haben,  man lange gemeint hat, dass die frohe Botschaft sich nur und ausschließlich an die Herren der Schöpfung gerichtet hat?
Ich meine es ist komplett evident, dass dem nicht so ist und zwar aus 2 Gründen

Der erste Grund ist die Muttergottes.
Das dürfte unmittelbar einleuchtend sein, wobei der Versuch es zu erklären den Rahmen hier sprengen würde, nur soviel: keinem Menschen wurde höhere Ehre, nähere Nähe, wichtigere Aufgabe beim Heilswerk Gottes zuteil. als der Frau Maria, der Muttergottes.
Wie sagt ich immer: "Den obersten Platz in der christlichen Hierarchie nimmt eine Frau ein!"

Der zweite Grund ist der Galaterbrief in dem es heißt:

Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt.
Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid «einer» in Christus Jesus.
Wenn ihr aber zu Christus gehört, dann seid ihr Abrahams Nachkommen, Erben kraft der Verheißung.




Hier noch mal die Interlinearübersetzung, mitsamt Querverweisen

Alle nämlich Söhne Gottes seid ihr durch den Glauben in Christus Jesus. (Johannes 1.12) (Römer 8.17) 27 Denn alle, die auf Christus ihr getauft worden seid, Christus habt angezogen. (Römer 6.3) (Römer 13.14) 28 Nicht ist da Jude noch Grieche, nicht ist da Sklave noch Freier, nicht ist da männlich und weiblich; denn alle ihr einer seid in Christus Jesus.  (Römer 10.12) (1. Korinther 12.13) 29 Wenn aber ihr Christi, also Abrahams Nachkommenschaft seid ihr, gemäß Verheißung Erben.
das korrespondiert mit dem Herrenwort, dass wir, wenn wir es denn in den Himmel geschafft haben, dort sein werden wie die Engel.
Also so vordergründig gut und richtig es ist, die Anreden in Brüder und Schwestern zu ändern, weil sich die Apostelbriefe eben an die ganze Gemeinde richte(te)n, so sehr nimmt es den Briefen ihre wahre Tiefe.
Mir scheint es überhaupt das Problem der modernen Kirche zu sein, dass sie all zusehr im Oberflächlichen stecken bleibt.
Manchmal diskutiere ich über die liturgische Sprache und bekomme dann immer zu hören "Ja aber, wenn die Messe auf Latein, auf kirchenslawisch, u.ä. ist, dann versteh ich doch nix, wenn sie auf deutsch ist, dann versteh ich sie doch!"
Ich frage dann immer zurück. "Verstehst du/Sie das wirklich, dass die gewandelte  Hostie Fleisch Christi ist?"
Und so scheint es mir auch mit der Schrift zu sein.
Eigentlich und bei Licht betrachtet ist es nicht zu verstehen, was die Schrift uns berichtet.
Ein Gott, der GOTT, der einzige und wahre, der erwählt sich ein Volk, dass er führt und dem er den Messias, den Retter, die Vollendung und Realisierung aller Legenden vom Typ "guter König kommt in aussichtsloser Lage zu Hilfe und führt zum endgültigen Sieg" sicher verheißt und als der Verheißene dann kommt, stellt sich heraus, all die tausendjährige Geschichte Gottes mit seinem Volk war für die Katz, der Messias endet am Kreuz und, jetzt wird es vollends schräg, erfüllt so den Willen Gottes, der er, der Messias selber, ist.
Und damit nicht genug, die Heilszusage Gottes, wird nun universell, gilt für alle Menschen und   Trägerin, Werkzeug dieser Heilszusagen ist die Kirche, bestehend aus lauter schwachen, dummen Menschen und vermittelt wird diese Heilszusage eben durch die Sakramente, deren Wortbedeutung "Geheimnis" ist.
Und nun sind wir da, wo ich hinwollte,. die Sache ist die, es ist einfach nicht zu begreifen, wie es in dem schönen Hymnus der Thomas von Aquin heißt "Der Verstand verstummt beklommen, nur das Herz begreift's allein."
Und dieses Herz, hat, wie Blaise Pascal so unübertroffen feststellt, eben seine Gründe, die der Verstand nicht, prinzipiell nicht, verstehen kann (Le coeur a ses raisons, que la raison ne connaît point).
So scheint mir zumindest, in den Brüchen der Schrift, da scheint eben das durch, was man nicht verstehen kann, was nicht einfach dummes Zeug ist, sondern eben göttlich, und wovor der Verstand, und, wenn wir ehrlich sind, auch das Herz, eben der Mensch verstummen muss, weil es ihn übersteigt, Nein richtiger, ihn einlädt. sich zu übersteigen.
Die Brüche in der Schrift sind da, und man sollte sich nicht einbilden, dass die früheren  Theologen vergangener Zeiten sie nicht gesehen hätten.
Schon der heilige Augustinus schreibt darüber und versucht sie aufzulösen, solche Dinge, warum, wenn Christus sagt "Mose hat euch die Scheidung erlaubt um eurer Hartherzigkeit willen" damit der klassischen, katholischen lebenslangen Einehe sozusagen den Rang des ursprünglichen  verleiht, dann die Patriarchen des alten Bundes, die doch noch recht nahe am Ursprung waren, die Polygamie lebten und Gott nicht dagegen war.
Neulich habe ich in einem Buch über scholastische Theologen herumgelesen, und auch diese beschäftigen sich mit den Widersprüchen der Schrift.
Dennoch hat man sie, die Schrift, mit all ihrem Widersprüchen durch die Jahrhunderte tradiert, wie man heutzutage dazu sagt.
Mir scheint, dass nur in diese Brüchen das Göttliche, dessen Gedanken nicht unsere sind, wie wir, seit Jesaja, wissen, überhaupt begriffen werden kann.
Und wenn man versucht diese Brüche zuzuspachteln, mittels Wortakrobatik, dann ist das Ergebnis zwar schön glatt, aber, brauchen wir ein Bild, der Andockpunkt fürs Transzendente, den haben wir dann auch geglättet, da kann nichts haften, eben weil der Ansatz zum Fragen, zum Hinterfragen, der Kristalisationskeim eben beseitigt wurde.
So ist es, seit den Anfängen der Christenheit so, dass Frauen ein wichtige, überragende Rolle spielen, das beginnt mit Maria, geht weiter über die Frauen am Kreuz, hin zur Purpurhändlerin Lydia, und von da zu den römischen Matronen, die sich dem Hieronymus anschlossen. oder umgedreht,
Es dürfte schon immer, seit Beginn des Klosterwesens, so gewesen sein, dass es mehr Ordensfrauen als Ordensmänner gegeben hat, auf jeden Fall spricht schon Paulus vom Stand der Witwen, die wirklich Witwen sind, und zumindest für mich ist das ein Hinweis auf eine früher Form der Beginnen, heute würde man sowas ein Säkularinstitut nennen.
Während es was vergleichbares, für Männer, bei den allerersten Christen nur für den 12er Kreis (Wir haben alles verlassen um dir nachzufolgen) und Paulus selber gibt.
In all diesen Zeiten, in allen Frauenklöstern wurde vorgelesen, wenn z.B der Galaterbrief "dran" war:
Darum, liebe Brüder - ihr wart ja immer gehorsam, nicht nur in meiner Gegenwart, sondern noch viel mehr jetzt in meiner Abwesenheit -: müht euch mit Furcht und Zittern um euer Heil!...
und keine der zuhörenden Frauen dachte "hey cool. gilt ja für mich nicht!"
Aber, nun denn, wie sagt besagter Paulus unmündigen Kindern muss man eben Brei geben.


Gespannt bin ich jedoch, ob man es gewagt hat auch an den Herrenworten herumzupfuschen, oder sich das verkniffen hat.
Ich meine so rein objektiv, was machen wir z.B mit Lukas 17,3, wo es heißt

Wenn dein Bruder sündigt, weise ihn zurecht; und wenn er sich ändert, vergib ihm.
Und wenn er sich siebenmal am Tag gegen dich versündigt und siebenmal wieder zu dir kommt und sagt: Ich will mich ändern!, so sollst du ihm vergeben.


Bedeutet das nun, dass es für Frauen obsolet ist, weil sie nicht sündigen, oder wird den Frauen nicht vergeben?

Ich finde man sollte wenigstens hier mal auf Luther hören, schließlich haben wir Ökumene und es ist fast schon absurd, dass ausgerechnet zu Beginn des Lutherjahres,  die katholische Kirche zeigt, dass sie das Wort nicht lässt stahn.
Und noch absurder ist, dass das mit dem Wort, dass sie sollen lassen stahn, auch bei den evangelischen Brüderinnen so an seine zeitgeistigen Grenzen gestoßen ist, wie die "Bibel in gerechter Sprache" ja gezeigt hat und ja in der Neuen Evangelistischen Übersetzung finden wir auch die Geschwister, statt der Brüder, allerdings hier hat man, soweit ich das überblicke, die Evangelien so gelassen, wie sie nun mal sind, was man von dern gerechter Sprache Bibelübersetzern nicht behaupten kann.

Nun denn, was soll man da noch sagen?
Habe nun hilfesuchend meine Bibel aufgeschlagen und bin bei der Vorrede zur Offenbarung des Johannes gelandet, und zwar dort, wo es heißt: "Und wie dort [in den vorchristlichen apokalyptischen Schriften und frühchristlichen Visionen] ist das Hauptthema der bevorstehende Triumph der Herrschaft Gottes" 
Danke Gott!

1 Kommentar:

  1. YMMD, wie man heute sagt, oder anders: Es ist doch erfreulich, dass zu einem so -- fragwürdigen Anlass wie der Einheitsübersetzung so erbauliche Überlegungen angestellt werden können. Danke fürs Mitteilen!

    AntwortenLöschen