Donnerstag, 15. September 2016

Ein wahres Bischofswort. Leider nur eines fiktiven Bischofs

Man vergisst es gar zu oft in der täglichen Auseinandersetzung, in der Diskussion um richtig und falsch, gut und böse, sell und jenes und es ist dennoch wahr "Jeder Mensch ist von Gott gewollt und geliebt!"

Man sagt es umgedreht, gerne, im Brustton der Überzeugung, klebt es sich, möglicherweise, gar ans Auto . "Es geht kein Mensch über die Erde, den Gott nicht liebt" und dann ist man selber ganz lieblos zu dem ganz konkreten Menschen, dem man, solange er abstrakt und anonym bleibt, Gottes unbedingte Liebe zuspricht.
Eiskalte Nächstenliebe, glühende Fernstenliebe, die um so glühender ist, je weniger der Ferne konkret wird, hat das mal einer genannt!



Nun sagen wir mal so, ich kannte leider genug Leute, die  einem mit tränenerstickter Stimme vom großen Übel der Abtreibung berichten und wenn sie dann in Kontakt mit nichtabgetriebenen Kinder kamen, da dann gar ned so amused waren, weil  Kinder eben Dreck, Unordnung und Radau machen und voller Bewegungsdrang stecken und das auch in der Kirche.
Früher hat mich sowas auf die Palme gebracht, mittlerweile seh ich das gelassener, eher so, dass wir alle noch  einen, mal mehr mal weniger,  langen Weg vor uns haben, bis wir wirklich das geworden sind, was wir in (fast) jedem Kirchenlied erbitten, dass wir ganz nahe und dicht bei Christus ankommen können, dürfen und werden.

Unter diesem Hintergrund hat mich das Grußwort des fiktiven Bischofs des fiktiven Bistums  Gnadensuhl dennoch angerührt, auch und weil, sagen wir es mal ganz platt, ich mir wünschte das von realen Bischöfen, realer Bistümer zu lesen.

Besonders diese Passage hier, wo der fiktive Bischof erklärt warum er sich mit den Ungeborenen solidarisch fühlt, gefällt mir:

 ich bin auf dem besten Weg, zu werden wie sie: als alter Mann werde auch ich womöglich bald hilflos und schutzbedürftig sein. So ist der Mensch nun einmal am Anfang und am Ende seines Lebens, und ich gehöre dazu.

Ja das ist ja das Problem, dass wir, wenn überhaupt,  nur ganz kurz so wundervoll autonom sind, und niemanden brauchen, das jedoch, im Grunde auch nur eine Illusion ist, weil selbst  der stärkste, klügste, und taffeste Mensch nicht alleine und absolut autonom existieren kann.
Nehmen wir die absolutistischen Könige, die waren, bei Licht betrachtet, ja noch nicht mal in der Lage alleine aus dem Bett zu steigen, wenn man  das Ritual des Lever du roi mal nüchtern betrachtet.
Nun könnte man einwenden, die waren ja nicht gerade klug und super und klasse, aber es dürfte klar sein, dass keiner  alleine, ohne andere existieren kann, der Mensch ist immer auf andere Menschen verwiesen und selbst die Technik, die es einem erlaubt, sehr misanthropisch zu leben, die haben Menschen erdacht und gebaut.
Betrachten wir das  andere Ende der Skala,  die klassischen Einsiedler, selbst die  lebten im Kontakt mit anderen Menschen, von denen sie u.a. Brot bekamen und der allererste und einsiedlerischste  Einsiedler Paulus von Theben, lebte in einer aufgegebenen Falschmünzerwerkstatt, will heißen von und in dem, was andere vorher gebaut hatten.
Und auch das Brot, dass ihm der Rabe, der Legende nach, täglich brauchte, das haben andere gebacken.

Und so ist es wohl. wir müssen uns in aller Auseinandersetzung immer wieder klar machen, der andere, der ist auch Gottes Kind und, wenn er, der andere, der einzige Mensch wäre, den Christus hätte retten können, wäre er, Christus, für ihn ans Kreuz gegangen, wie er auch für mich ans Kreuz gegangen ist!

So und hier der Link zu dem fiktiven Grußwort, des fiktiven Bischofs bei Echo Romero

P.S. Es gehört zu den unbegreifbaren Mysterien Gottes, dass dieser in seiner Liebe soweit geht, es zu riskieren, dass der Mensch auf ewig verloren geht, oder sagen wir es anders "wer partout nicht in den Himmel zu Gott will, der muss sich nicht sorgen, er muss das nicht  rein!", dass also Gott die Freiheit des Menschen so achtet, dass ER ihn, den Menschen nicht zwingt, nicht zwingen will und ihm immer! eine Hintertür offen lässt, nicht zu glauben.
Für mich symptomatisch in Jakobs Ringen mit dem Engel dargestellt.
Jakob ringt also die ganze Nacht mit dem Engel, kann diesen nicht überwinden, aber der Engel kann auch Jakob nicht überwinden, weil der Engel das nicht will, obwohl er es könnte! Das zeigt sich daran, dass am Ende der Engel den Jakob, wie beiläufig auf die Hüfte schlägt, mit der Folge, dass Jakob den Rest seines Lebens hinkt.

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