Mittwoch, 21. September 2016

Euthanasie in Belgien & das Schweigen der Bischöfe

Riccardo Cascioli geht in seinem lesenswerten Leitartikel in La Nuova Bussola Quotidiana von heute auf das Schweigen der belgischen Bischöfe zur Euthanasie an Minderjährigen in ihrem Land ein, das man nur als Endpunkt einer deletären 50-jährigen Entwicklung interpretieren kann, die wiederum jedem anderen europäischen Land mit katholischer Tradition als Warnung dienen sollte.
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             "BELGIEN, DAS SCHWEIGEN DER BISCHÖFE ERZEUGT MONSTER"
Angesichts des weltweit ersten Falles von Euthanasie an einem Minderjährigen in der letzten Woche weiß man nicht, ob man mehr Horror wegen der Tatsache an sich oder wegen der Reaktionen der vielen Meinungsmacher-auch in Italien, empfinden soll, die theoretische Rechtfertigungen vorbringen und vom belgischen Fall profitieren wollen, um das Euthanasiegesetz auch in unserem Land voranzubringen (siehe der Onkologe Umberto Veronesi).

Aber es stellt sich auch spontan eine Frage, wenn man liest, wie diese "Wissenschaftler", die die angebliche Rückständigkeit unseres Landes verurteilen, und die Schuld daran einer typischen Bigotterie eines traditionell katholischen Landes geben.

Wie ist es möglich, daß dagegen in ein anderes Land mit großer katholischer Tradition, wie Belgien, das erste Land der Welt ist, das Euthanasie ohne Altersbegrenzung zuläßt und das erste, das sie durchführt?
Belgien als Nation existiert aus dem Katholizismus heraus, handelt es sich doch um die Provinzen die zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert, während des holländischen Unabhängigkeitskrieges der Protestantischen Reformation widerstanden und dem König von Spanien treu blieben.
Belgien hat auch eine bedeutende missionarische Tradition: vor nur 150 Jahren wurde eine dem Unbefleckten Herzen Marias (Missionare von Scheut) gewidmete Kongregation gegründet, die eine wichtige Rolle bei der Evangelisierung Afrikas spielte.
Es sind auch seit jenem 4. April 1990 nicht viele Jahre vergangen,  als König Baudouin für 2 Tage abdankte, um nicht  das Gesetz zur Legalisierung der Abtreibung unterschreiben zu müssen, was vor allem bedeutungsvoll ist,  wenn man das mit dem Verhalten der katholischen Politiker in Italien vergleicht.

Heute hingegen, angesichts der Euthanasie für Minderjährige (der vor 2 Jahren zugestimmt wurde) und beim ersten herbeigeführten Todesfall herrscht Stille: nicht nur bei den Politiker sondern auch bei der Kirche.
Als einziger hat in diesen Jahren der emeritierte Erzbischof von Brüssel, Msgr. André-Joseph Leonard die Stimme erhoben, der im Inneren der belgischen Kirche als Fremdkörper betrachtet wird, Seine Einsetztung wurde vom Rest des Episkopates nur schlecht ertragen und seine kanonische Demission bei Vollendung des 75. Lebensjahres sofort akzeptiert, um zum Alten zurück kehren zu können.

Aber besonders dieses "Alte" ist Ursache eines Prozesses der rapiden Entchristlichung, so sehr, daß an der sonntäglichen Messe gerade noch 5% der belgischen Bevölkerung teilnehmen (vor 15 Jahren waren es noch 11%), in der Hauptstadt 1,5%. Und wenn heute noch 2/3 der belgischen Bevölkerung auf dem Papier Katholiken sind, wird trotzdem nur die Hälfte der Neugeborenen getauft und die Zahlen sind in ständigem Rückgang.
In der Zwischenzeit hat sich die Nutzung vieler leer gebliebener Kirchen gewandelt- in Einkaufszentren, Märkte. Moscheen. Eine vor kurzem durchgeführte Umfrage der Tageszeitung "La Libre Belgique" enthüllt, daß ungefähr die Hälfte aller Kirchen von Schließung bedroht ist.




Der Zusammenbruch der belgischen Kirche hat in der Nachkonzilszeit begonnen, und das sicher nicht zufällig. Hier vielleicht mehr als anderswo, ist die Postkonzilszeit mit der Jagd nach dem Zeitgeist zusammengefallen,dem Bemühen, den Zeitgeist in die Kirche zu bringen.
Kardinal Leo Suenens und sein Nachfolger Kardinal Godfried Danneels waren die unbestrittenen Stars dieser Entwicklung, die Benedikt XVI vergebens einzudämmen  versuchte als er Msgr. Leonard als Nachfolger von Danneels zum Erzbischof von Brüssel ernannte.

Als Leonard-vor praktisch einem Jahr das 75. Lebensjahr erreichte, wurde er sofort durch den früheren Weihbischof von Danneels. Jozef de Kesel,ersetzt, so daß der progressistische Weg in voller Geschwindigkeit wieder aufgenommen werden konnte.
Das ist eine lange Periode, in der der Abriss der Katholischen Kirche und ihre Umwandlung in eine protestantische Denomination vorherrschte.
Ganz auf die Schlachten konzentriert, die den weltlichen Zeitgeist in die Kirche bringen (Abtreibung, Empfängnisverhütung, HS-Ehen etc), gibt es keinerlei Aufmerksamkeit für die Flucht des Gottesvolkes. Und so werden die Grundlagen für weitere Katastrophen gelegt, wie das unglaubliche Geschehen um das einzige Seminar (von Msgr. Leonard gegründet) zeigt, das viele Berufungen hervorgebracht hat und gezwungen wurde zu schließen, mit der pathetischen Entschuldigung, daß es dort zu viele französische Seminaristen gäbe.

Das Resultat steht vor aller Augen: die in Gewaltmärschen erzwungene Dechristianisierung Belgiens geht im Gleichschritt mit der Wirtschafts- und der sozialen Krise einher, der Zustimmung zu einer menschenfeindlichen Bioethik, mit der bedingungslosen Kapitulation vor Gesetzen und Verordnungen (Abtreibung, Euthanasie, HS-Ehe) die den Menschen als Krone der Schöpfung angreifen..
Wenn heute in Belgien heute sein Euthanasiegesetz auch auf Minderjährige ausgedehnt hat- muß auch das Schweigen der belgischen Bischöfe zur Rechenschaft gezogen werden.

Quelle: La Nuova Bussola Quotidiana, R- Cascioli


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