Samstag, 3. September 2016

Kirchenlehrer sofort!

Br. Michael Baggot, LC, fordert das in einem sehr lesenswerten Beitrag bei firstthings zu Recht.
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                                            "KIRCHENLEHRER SOFORT"
Wenn das letzte Interview in Buchlänge des Papa emeritus Benedikt XVI -"Letztes Testament- in seinen eigenen Worten" im November erscheint, werden wir die letzte Hinzufügung des Pontifex zu seinem weiten Schriftwerk erhalten. Es wird eine Gelegenheit für uns sein, die vielen Beiträge zu reflektieren, die der emeritierte Papst der Kirche durch seine Schriften und die Jahre seines Dienstes gegeben hat.

Wenn ich noch in der Ewigen Stadt lebe, wenn der Papa Emeritus von diesem ins nächste Leben hinüber geht, plane ich, eine Gruppe anzuführen, die auf dem Petersplatz Spruchbänder mit den Worten "Dottore della Chiesa subito!"zeigen.
Während die meisten Zuschauer nur eine schnelle Übersetzung brauchten, um die Rufe "Santo subito!" zu verstehen, die nach dem Tod Johannes Pauls II in Rom erklangen, wird unsere Gruppe von Benedikt-Unterstützern sicher einigen Pressevertretern die Voraussetzungen zur Ernennung zum Kirchenlehrer erklären müssen.

Zusätzlich dazu die Kirche durch ein Leben bemerkenswerter Heiligkeit aufzubauen, macht ein Kirchenlehrer durch sein Predigen und Schreiben einen speziellen Beitrag zum theologischen Erbe der Kirche. Seine Werke beweisen sich durch die Zeiten für ein weitaus größeres Publikum als die kleine Gruppe von Berufstheologen als wertvoll.
Keiner der gegenwärtigen 63 Lehrer würde sich rühmen, dem von den Aposteln überlieferten Glauben auch nur ein Iota hinzugefügt oder weg genommen zu haben.
Sie waren eifrige Hüter eines wertvollen Erbes. Dennoch- gruben sie -nach Gottes Vorhersehung (und manchmal mit Hilfe der einen oder anderen Erscheinung) in den Tiefen des Depositum Fidei und drückten es in einer Sprache aus, die geeignet war, ihren Zeitgenossen und deren Nachkommen zu helfen, das ewige Evangelium besser zu verstehen und zu leben.
Wenn man das Leben und die Werke des Papa Emeritus überdenkt, ist es schwer, an einen anderen Katholischen Denker zu denken, der seit dem II. Vaticanischen Konzil so sehr die Theologie der Kirche geformt hat. Die heroische Sorgfalt, Mut und Demut, mit denen er seine pastorale Berufung gelebt hat, zeigen, daß Heiligkeit in die Handlungen eines intellektuellen Riesen - wert des Titels eines Kirchenlehrers - eingegossen war.

Obwohl die Welt ihn durch ein päpstliches Lehramt eindrucksvoller Enzykliken, Reden in den größten Hauptstädten der Welt und systematischen Mittwochsaudienzen kennen lernte, war Joseph Ratzinger bereits vor seiner Wahl auf den Stuhl Petri im April 2005 ein großer Theologe. Nachdem er bereits 1968 durch seine "Einführung ins Christentum" die Aufmerksamkeit führender Theologen erregt hatte, wurde der deutsche Theologe 1981 zum Leiter der Glaubenskongregation ernannt.
In dieser Funktion überwachte er .die wichtigen Antworten der Kirche auf die heißen Themen.
Die Anforderungen seines Amtes mögen ihn davon abgehalten haben, das theologische Werk seiner Träume zu schreiben, aber Ratzinger hat die vielen Reden, um die er, während seines mehr als 20 jährigen Dienstes gebeten wurde, zu einflussreichen Publikationen gesammelt hatte.
Während sein Dienst Ratzinger nicht den Status des charismatischen Papstes, dem er diente, eintrug, waren sich die, die sich für die Kirchenangelegenheiten interessierten, des Einflusses des Deutschen Theologen bewußt.





Er sah sich gewalttätigen Protesten gegen seine Erasmus-Vorlesung von 1988 gegenüber, wo Gebrüll von Gay-Rights-Aktivisten wie "Sieg Heil", "Nazi-Ratzi", "Inquisitor go home" "Nazi-Faschisten-Schwein" und "Anti-Christ" seine Überlegungen zu Licht und Schatten der modernen Bibelexegese unterbrachen.
Der Gründer von Firstthings, Fr. John Neuhaus  erinnert sich daran, wie Ratzinger geduldig seinen Kritikern zuhörte nachdem er zuvor die Notwendigkeit für einen zivilisierten Dialog über kontroverse Themen betont hatte. Das war die friedvolle Stärke, die Ratzinger dazu befähigen würde, das Schiff Petri durch turbulente Gewässer zu steuern.

Ich war neu in der Kirche, als 2005 weißer Rauch ankündigte, daß ein kurzes Konklave der Kardinäle Ratzinger zum Papst gewählt hatte. Innerhalb von Stunden nach der Ankündigung hatte die Körperschaft der Studenten und Kapläne eine Eucharistische Dank-Prozession um den Campus organisiert.
Ratzinger stellte die Korruption des modernen Säkularismus bloß, während er die freudebringende Alternative christlicher Jüngerschaft pries. Es lehrte mit apostolischer parrhesia, demütigte aber nie seine Opponenten. Kurz gesagt, wir kannten das Kaliber des Mannes, der mit der Aufgabe betraut war, die legendären roten Schuhe des Fischers auszufüllen.

Acht Jahre später, 2013 -ich war wegen der Wahl von Papst Franziskus in Rom und erlebte den internationalen Enthusiasmus für den neuen Pontifex, als uns, die rund 200.000 auf dem Petersplatz begrüßte. Wir hatten medialen Rummel rund um den neuen Papst erwartet, allerdings die rasende Begeisterung  der Medien, die -den Argentinier umgab, nicht vorhergesehen. Wir hatten sicher nicht erwartet, daß der Papst das Titelbild von Rolling Stones beglücken würde.

In den nächsten 6 Monaten war es bei den Besuchen bei den vielen Familien während meiner Runden durch die Ewige Stadt unververmeidlich gefragt zu werden, was ich über den neuen Papst dachte.
Üblicherweise lobte ich die Einfachheit Franziskus´, seine Liebe zu den Armen und seinen missionarischen Eifer. Ich beeilte mich die Dankbarkeit für den deutschen Hirten hinzuzufügen, dessen Reden, Schriften und Beispiel mich für mein zukünftiges Priestertum inspiriert hatte.
Unglücklicherweise drückten viele der Leute, die ich traf, ihre Zustimmung zu Franziskus auf Kosten von Benedikt aus. Sie erweckten den Eindruck, daß wir endlich einen demütigen, armen Papst hatten, der den üppigen päpstlichen Palast, in dem Vatican-Sklaven Benedikt, der auf seidenen Kissen lag, erquickten, verschmähte.
Franziskus war der Papst des Volkes (eine männliche Lady Di der Kirche...),  der den angsteinflößenden Durchsetzer der Lehre verjagte.
Franziskus, der Hirte, war gekommen, um uns vor dem distanzierten Theologen zu retten.
Die Verleumdungen kochten in meinem Blut und machten es nötig, daß ich mich bemühte, nicht zu barsch zu antworten.

Weil die Franziskus-Manie andauert, ist es leicht, die Verdienste seines Vorgängers zu vergessen.
Benedikt XVI hat bewußt das Rampenlicht gedämpft, seit er das halb-monastische Leben in seiner Mater-Ecclesiae-Wohnung innerhalb der Vaticanischen Mauern aufgenommen hat.
Seine Mission  ist es, für die Kirche, die er so leidenschaftlich liebt, zu beten.
Nur gelegentlich verläßt er seine Klausur, um auf Einladung von Papst Franziskus an den Hauptereignissen teilzunehmen.
Der Papa Emeritus macht auch alle Versuche zunichte, ihn gegen seinen Nachfolger auszuspielen.
Ebenso wie es falsch ist, Franziskus als Anti-Benedikt zu feiern, ist es unnütz, den Papa Emeritus Benedikt ideologisch zu einem geheimen Gegen-Franziskus zu manipulieren.

Ratzinger hat nie vorgegeben, den Charme seines Vorgängers zu haben, noch sich selbst so heldenhaft mit dem Leiden Christi durch seine Krankheit, die er auf der Weltbühne lebte, verbunden zu haben.
Nachdem das gesagt ist, - das Vierteljahrhundert in dem Papst Johannes Paul II am Ruder der Barke Petri stand, hätte sich, ohne seinen vertrauten Präfekten der Glaubenskongregation-nie der selben dauerhaften Wirkung erfreut.
Auf weniger ostentative Weise hat Johannes Pauls Nachfolger Geist und Herzen junger Männer wie mir zum Weg zum Priestertum inspiriert.
Wie es das neue Joseph-Ratzinger-Master-Programm des Augustinianischen Patristik-Instituts suggeriert, fangen wir gerade erst an, die Reichtümer der Theologie und Spiritualität des zurückgetretenen Pontifex zu assimilieren.
Diejenigen, die ihm während seiner Amtszeit im Dienst an der Kirche folgten, finden einen Denker, der gewillt ist, das Gute zu unterstreichen, das er  sogar bei seinen kritischsten Widersachern gefunden hat, bereit in der Folge des kreativen Logos in einen zivilisierten Dialog einzutreten.
Im Februar 2013 war die Welt schockiert, Zeugin zu werden, wie ein Mann das einflußreichste Amt der Welt -aus Liebe zu seiner Mutter, der Kirche und Gehorsam gegenüber Gott- aufgab.
Seine finale Päpstliche Kenosis war nur der Höhepunkt eines lebenslang geleisteten gläubigen Dienstes.

2005 gingen die öffentlichen "Santo Subito!" -Rufe auf eine frühe Kirchenperiode zurück, vor der Formalisierung der heutigen Kanonisations-Prozeduren, in denen die Zuerkennung der Heiligkeit durch öffentliche Akklamation gewährt wurde. Um Mißbrauch und fehlgeleitete Verehrung zu vermeiden  hat Mutter Kirche einen Prozess entwickelt, der die Namensschilder zumindest mancher der vielen Räume im Haus des Vaters sichern sollte.
Während das Christenvolk weise gebeten wurde, Geduld zu üben, bevor der von ihnen vorgeschlagene neue Heilige zur allgemeinen Verehrung vorgeschlagen wurde, wird der Prozess nicht ohne die eindringlichen Bitten der treuen Herde begonnen, daß ihr verehrter Gefährte zum Beispiel für die Universale Kirche ernannt wird.
Deshalb werden Sie mich - wenn der Herr seinen demütigen Diener Joseph Ratzinger in den Weinberg rufen wird,-auf dem Petersplatz finden, wo ich rufe "Dottore della Chiesa subito!"

Quelle: firstthings, Fr. Michael Baggot, LC

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