Samstag, 24. September 2016

Nochmal zur neuen Bibelübersetzung, Herumgefuchtel an Jesaja

Irgendwie steckt mir die neue Bibelübersetzung schon quer und das einzige was mich freut ist, dass ich genügend "alte" Bibelübersetzungen habe.
Seltsam finde ich auch den Zeitpunkt.
Prinzipiell ist zu sagen, dass katholische ist genau k e i n e Buchreligion, sondern eine Personenreligion, wir glauben nämlich an eine Person Jesus, den Christus, von dem wir wissen, mit dem wir in Kontakt kommen, zuallererst durch das Sakrament der Eucharistie, durch die Kirche, die an der Eucharistie hängt, durch sie gebildet wird, und von dem wir Kenntnis haben durch die Schrift, die im Licht der Tradition ausgelegt wird, nicht zu vergessen das Gebet, welches Sprechen mit Gott ist.
So habe ich es mal in grauer Vorzeit, gelernt.
Da nun bekanntlich alles fließt :-) hat das zweite Vatikanum beschossen den "Tisch des Wortes" dem "Tisch der Eucharistie" (des Brotes nennt man das seither) mehr anzugleichen und selbigen reichlicher zu decken und festgestellt, dass man auch im Wort (Schrift) Jesus dem Christus begegnen kann.*
Man schmust sich seitdem an die mehr unter  "Buchreligion" zu subsumierenden Konfessionen und Religionen regelrecht an, unter dem Motto "me too" (ich auch).
Okay soweit so gut,
Nur warum man dann den doch, im Gegensatz zu früher, mehr als heilig, sakral (was dasselbe ist) und viiiieeel wichtiger als früher zu betrachtenden Text, hemmungslos, wegen der zeitgeistigen Ideologie, im Brustton der Wissenschaftlichkeit  herumfuchteln muss, das erschließt sich mir nicht.
Mir kann keiner erzählen, dass die Leute, die an der Kirche leiden, obwohl sie von ihr fünfstellige Monatsgehälter beziehen (Zitat von Bischof Dyba) wissen, was die kleinen Leute, so denken, fühlen und wollen, was als Begründung für das Herumgefummel am Text herhalten  muss.
Sorry, ich bin echt sauer.


Also der Reihe nach.
nachdem was durchgesickert ist, hat man einerseits am AT, konkret an Jesaja, herumgefuchtelt, wie hier zu lesen ist, also die bekannte und berühmte Stelle, an der die ganze Deutung der Messiasverheißung des Jesaja auf Jesus hängt, einfach aus dem Futur ins Perfekt gesetzt, womit eine vollendete, schon geschehene Handlung ausgedrückt wird.
Man hat also aus:
Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben. (Jes 7,14)
Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau hat ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben. (Jes 7,14)
gemacht und in der Fußnote erklärt, dass Jungfrau auch junge Frau bedeuten könne.
Da mir der neue Text nicht vorliegt, weiß ich nicht, ob man nicht gleichzeitig geschrieben hat Darum hat  euch der Herr von sich aus ein Zeichen gegeben: was korrekter wäre.

Wobei man sich dann fragen muss, was das für ein Zeichen ist, und wer der, zur Zeit des Ahas geborene Immanuel denn gewesen ist.
Hat man das nicht gemacht, bleibt es wirr. Weil was ist das für ein Zeichen, das gegeben werden wird, und schon gegeben worden ist und dazu ein Zeichen, dass sich, bis zur Einführung der Pille und dem Freezing von Eizellen, sowie der künstlichen Befruchtung nach der Menopause beständig, laufend und andauernd ereignete.
Seit ich von dieser Umdeutung gehört habe, was ja schon einige Jahrzehnte her ist, erschließt sich mir  der Sinn des Zeichens, dass eine junge Frau ein Kind bekommt, nun wirklich nicht.
Ich meine dass junge Frauen Kinder bekommen ist doch einfach, und besonders in früheren Zeiten, das normalste von der Welt.
Es sei denn, man geht davon aus, dass alles auf eine komplett künstliche Gesellschaft á la Stern der Ungeborenen von Franz Werfel und Schöne Neue Welt von A. Huxley hinaus, wo es dann schon einem Wunder gleich käme, wenn irgendwo ein Kind, einfach so, geboren werden würde.
Dennoch bleibt. man hat also die komplette Deutung der Verheißung des Jesaja auf Christus verunmöglicht, weil eben die junge (nicht oder doch) Jungfrau das Kind der Verheißung, zur Zeiten des Königs Ahas bekommen hat (Perfekt), bezieht sich das auf Vorgänge zur Zeiten Jesajas und Königs Ahas und eben nicht auf die Zukunft und die Geburt Christi aus Maria der Jungfrau.
Ich hoffe jedoch, dass das einfach ein Gerücht ist, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass die sich das wirklich getraut haben.
Das andere ist die Apostelin Junia, zu der der arme Junias mittels einer grammatikalischen Geschlechtsumwandlung geworden ist.
Wobei ich mich schon wundere, dass man aus der definitiv weiblichen Phöbe, nicht eine Vorsteherin der Gemeinde von Kencräa gemacht hat, wie ich es noch und noch von verschiedener Seite gehört   habe.
Frei nach dem Motto: Paulus spricht von der Phöbe, der Dienerin der Gemeinde von Kenchräa, Das zugehörige lateinischen Wort ist ministrare = dienen, ergo ist ein Minister ein Diner und somit ist die Kenchräa die Ministerin, eben die Vorsteherin und Vertreterin, sprich die Bischöfin der Gemeinde von Kenchräa.
Also man hat aus dem männlichen Junias, der übrigens kurz nach der oben erwähnten Phöbe vorkommt eine Junia gemacht um aus dem Satz:
Grüßt Andronikus und Junias, die zu meinem Volk gehören und mit mir zusammen im Gefängnis waren; sie sind angesehene Apostel und haben sich schon vor mir zu Christus bekannt...
gemacht
Grüßt Andronikus und Junia, die zu meinem Volk gehören und mit mir zusammen im Gefängnis waren; sie sind angesehene Apostel (und Apostelin) und haben sich schon vor mir zu Christus bekannt..
also wegen der Apostelin, die man nun endlich, endlich im Urtext gefunden zu haben meint.
Dazu ist zu sagen, die ersten Abschreiber, Weitergeber, Kommentatoren, Prediger und Interpreten der Schrift und besonders der Evangelien und der Briefe, die konnten besser Griechisch als der gelehrteste Philologe, einfach weil ihnen die Subtext Aussagen vertrauter waren und sie eben im Umfeld des damals vom mehr oder weniger allen gesprochenen Altgriechischen gelebt haben.
Wenn es also so gewesen wäre, dass der Römerbrief eine Apostelin meint, hätte man dafür einfach Predigten, Kommentare und wenn es nur der wäre, warum Paulus da einen Fehler gemacht hat, finden müssen.
Man komme mir übrigens nicht mit dem Argument, es gab damals im Judentum eben keine Levitinnen, und deshalb habe Paulus das nicht so auf dem Schirm gehabt.
Das ist zwar richtig, aber Paulus missionierte nicht unter den Juden, sondern unter den Heiden und die hatten Priesterinnen in Hülle und Fülle. So dass es also eher so war, dass das Christentum gerade wegen der rein männlichen Priester, Vorsteher, Ältesten sich von seiner Umgebung, aus der es, zumindest was die paulinischen Gemeinden  angeht, herauswuchs,  unterschied.
Dazu kommt noch folgendes, gerade Paulus hat sich immer vehement gegen irgendwelche Frauen in kirchlichen Lehrfunktionen ausgesprochen "mulier taceat in ecclesia" (die Frau aber schweige in der Gemeinde) (1 Kor 14.34) was nicht bedeutet sie solle nicht mitsingen, sondern eben meint, sie soll nicht predigen).
Von daher wäre es schon mehr als unglaubwürdig, dass er andererseits dann die Junia als Bischöfin grüßen lässt.
Naja sagen wir mal so, mag ja sein, dass ich  Unrecht habe und in den ersten Gemeinden, die umgebenden Sitte der heidnischen Priesterinnen ins Christlichen gewendet wurde, und diese ähnliches Ansehen genossen wie die römischen Vestalinnen und die zahlreichen anderen Bibelstellen einfach gefakt sind und Christus in Wirklichkeit Petra, Andrea,  Johanna, Jakoba, Thomasia usw von der Küche und den Kindern weg berufen hat, dann frage ich mich immer noch, ob all diejenigen die das so sehen auch nur bereit sind, wie ihr Aufhänger Junias, Schwierigkeiten um des Herrn willen auf sich zu nehmen.
Hier und hier haben wir uns schon einmal mit der neuen Übersetzung beschäftigt.

*Auf dass den Gläubigen der Tisch des Gotteswortes reicher bereitet werde, soll die Schatzkammer der Bibel weiter aufgetan werden, so dass innerhalb einer bestimmten Anzahl von Jahren die wichtigsten Teile der Heiligen Schrift dem Volk vorgetragen werden." (Sacrosancatum Concilium, 51)

Kommentare:

  1. Das fragliche Wort häräh hätte, wenn es ein Verb im Perfekt sein sollte (nach der grammatischen Auskunft von Tnach 5.2) eine männliche Endung, die sich schlecht auf Jungfrau reimt. Da hat man bei dem Versuch, die Zeit zu korrigieren, wohl einen Bock beim Geschlecht geschossen. Tatsächlich ist es aber ein Adjektiv (korrekt feminin), bedeutet schwanger und hat naklar kein Tempus.
    Damit lautete Jes 7,14, frisch aus dem Urtext übersetzt:

    Fürwahr, geben wird meinHerr (= Anrede für Gott) selbst für euch ein Zeichen. Siehe! Die Jungfrau (= junge Frau im heiratsfähigen Alter, aber eben noch nicht verheiratet und [natürlich :-)] dann auch unberührt) schwanger und gebährend einen Sohn, und nennen wird sie seinen Namen Immanu El.

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  2. Und ob Männer und Frauen bei den Römern zusammen im Gefängnis waren, was dann ja bei Andronikus und Junia der Fall wäre, ist doch auch sehr fraglich.
    Hätte Paulus eine Apostelin gemeint, wäre das in den Frühgemeinden mündlich überliefert worden und irgendwann in den Schriften der Kirchenväter aufgetaucht.
    Es geht wieder nur um den vorauseilenden Gehorsam zum Zeitgeist und der Unterwerfung unter die Tagesideologie- um Beifall und Zustimmung der Welt.

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