Dienstag, 6. September 2016

Sandro Magister über das seltsame Ökumene-Verständnis des Pontifikates

Sandro Magister kommentiert bei www.chiesa die seltsamen Erscheinungsformen der Theorie und Praxis der Ökumene des aktuellen Pontifikates, insbesondere gegenüber den seit Jahrhunderten in Italien lebenden Gläubigen des byzantinischen Ritus, die in krassem Gegensatz zu den Annäherungsbemühungen an die offizielle Griechisch- und Russisch Orthodoxe Kirche stehen.
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"AUSSER HAUS ÖKUMENIKER , ABER DRINNEN GIBT ES EIN GEMENGE"

"Breites Lächeln für Konstantinopel und Moskau. Aber eine schwere Hand für die Byzantinischen Gemeinden des Westens. Die symbolischen Fälle der Italo-Albanischen Diözesen und des Klosters von Grottaferrata

Eine Extraportion Ökumenismus ist, durch Gesten des Respekts von Papst Franziskus für die Ostkirchen von Konstantinopel bis Moskau verstärkt, immer mehr auf dem Wellenkamm angelangt.
Aber zuhause kann man keinen Ökumenismus finden. Schlag um Schlag tut die Vatican-Kongregation für die Ostkirchen nichts anderes, als das zu zerstreuen, was von den wichtigen Diözesen und Institutionen des Byzantinisch-Katholischen Ritus übrig ist, anstatt ihre Identität zu stärken.

Die Kongregation wird vom argentinischen Kardinal Leonardo Sandri geleitet, der im Staatssekretariat  ausgebildet wurde und dem der Jesuit Cyril Vasil und der Dominikaner Lorenzo Lorusso  assistieren, beide Untersekretäre, beide Kanoniker und Mitglieder zweier religiöser Orden, die nicht Östliches an sich haben.

Und man kann die Auswirkungen sehen.  Dieser blog hat über den Schlag ins Gesicht berichtet, den Rom im vergangenen Winter der Griechisch Orthodoxen Kirche versetzte, indem Manuel Nin, ein katalanischer Benediktiner, zum Exarchen von Athen ernannt wurde, der deshalb ein Lateiner im Byzantinischen Gewand ist, der frühere Rektor des Päpstlichen Griechischen Kollegs, das in den Augen der Griechen immer noch die verhaßte Institution ist, die 1577 gegründet wurde, um Katholische Missionare  darauf vorzubereiten, nach Griechenland geschickt zu werden, um die Orthodoxen zu bekehren,

"Neuigkeiten von der Ostfront.  Pan-Orthodoxes Konzil in Kreta, während in Athen..."
Und drei Monate vorher gab es die Ernennung von Piero Marini, dem früheren Zeremoniar Johannes Pauls II und Schüler Annibale Bugninis, den alle, ob sie für oder gegen ihn sind, für den Architekten der postkonziliaren liturgischen Reformen der Lateinischen Kirche halten, zum Präsidenten der Spezialkommission für die Liturgie bei der Kongregation für Orientalische Kirchen, eines Liturgikers, der nie auch nur die geringste Kompetenz für die Östlichen Riten hatte

"Piero Marini,  der verhinderte Präfekt, kleidet sich orientalisch" 
Wenn es die Aufgabe der Kommission ist, die Östlichen Riten vor unerwünschter Latinisierung zu bewahren, ist es in der Tat sehr schwer, sich vorzustellen, wie Marini sich bemüht, Maroniten, Syrer, Chaldäer und Malabarer zu überzeugen, das Zelebrieren der Messe versus  populum aufzugeben, das sie unpassenderweise vom novus ordo des Römischen Ritus kopiert haben und zu ihrer originalen Zelebrationsrichtung nach Osten zurück zu kehren.




Doch jetzt ist an dieser Front und in der selben Richtung mehr auf dem Weg:
In den vergangenen Monaten hat der Apostolische Nuntius Adriano Bernardini  dem betreffenden Bischof einen Brief der Kongregation für Orientalische Kirchen geschickt, der auf die Durchführbarkeit der Errichtung von Metropolitan-Kirchen "sui iuris", die alle Gläubigen des Byzantinischen Ritus, die in Italien leben, aufnehmen: Ukrainer, Rumänen, Italo-Albaner etc.

                               
       

Der Plan sieht die Ausdehnung der Jurisdiktion der Diözese von Piana degli  Albani auf die Byzantinischen Gläubigen von ganz Sizilien vor, der Diözese von Lungro degli Albanesi bis zu den byzantinischen Gläubigen der gesamten südlichen Halbinsel Italiens und des Klosters von Grottaferrata (siehe Foto) bis zu den Gläubigen des Byzantinischen Ritus von Süd-Zentral-Italien.

Das würde zur Entstehung einer Art "vereinter Katholischen Kirche der Byzantiner in Italien", die die Gläubigen der Kirchen eigener Traditionen zusammen bringen würden- mit verschiedenen Kalendern,  einige mit gregorianischen, einige mit julianischem und sogar mit unterschiedlichen Riten, weil es in der Eparchie von Piana degli Albanesi auch Priester und Gemeinden des Lateinischen Ritus gibt.  

Niemand will diese Vereinigung. Die Ukrainer streben eine eigene Jurisdiktion an, wie in Deutschland, England und Frankreich und die Italo-Albaner wollen nichts hören, was ihre Identität zerstören würde. Sie stammen von den Immigranten ab, die im 16. Jahrhundert aus Albanien nach Italien kamen und deren Alltagssprache und Liturgiesprache Albanisch ist, das durch das nationale Gesetz für Sprachminderheiten geschützt wird.
Aber sie sind weniger als die Ukrainer, die kürzlich in Italien eingewandert sind und sie haben Angst, daß ihre zukünftigen Bischöfe , die vom Papst kraft der Kanons 155 und 168 der Ostkirchen ernannt wurden, Ukrainer und nicht Italo-Albaner sein werden.

Seltsamerweise aber ist der Bischof, den Papst Franziskus 2015 in Piana degli Albanesi einsetzte, Giorgio Gallaro ein aktiver Befürworter der Metamorphosis.

Sizilianer, Kanoniker, schon dem Lateinischen Ritus angehörend, bevor er zeitweilig nach Amerika emigrierte, spricht Gallaro nicht  Albanisch, liebt das Griechische nicht und versucht den Gebrauch des Italienischen durchzusetzen.

Achtlos gegenüber den liturgischen Vorschriften geht er auch in die Kirchen der Eparchie und trägt Lateinische Gewänder.
Er hat die feierliche Byzantinische Liturgie der Hl. Woche verkürzt, die für ihn vielleicht zu wortreich ist, der aber die Bevölkerung sehr verbunden ist. Er entfernt nach und nach aus der Hauptstadt der Eparchie die Priester byzantinischen Ritus, von denen einige verheiratet sind und Kinder haben und ersetzt sie durch Lateinische Priester.  Auch in Martorana, Palermo, über die er die Jurisdiktion hat, hat er die historische Abfolge Italo-Albanischer Papàs unterbrochen.

Dagegen erhebt sich verständlicherweise Protest. Der Presbyterialrat der Eparchie und das Kollegium der Berater ist praktisch en bloc zurückgetreten.

Und eine populäre Laienkonferenz ist für Piana degli Albanesi für die zweite Septemberhälfte geplant- zur Verteidigung der Griechischen und Albanischen Sprache in der Liturgie und den öffentlichen Institutionen- beginnend mit den Schulen.

Was die Abtei von Grottaferrata angeht ist die Zukunft noch problematischer.
Nachdem er am 4.November 2013 den Rücktritt des letzten Archimandriten angenommen hatte, teilte Papst Franziskus das Amt und ernannte als hegumen, Superior des Klosters, den <Belgischen Benediktiner Michel Van Parys, den früheren Abt von Chevelogne und vertraute die diözesane Jurisdiktion Marcello Semeraro an, Bischof von Albano, einen engen Mitarbeiter des Papstes als Sekretär des Rates der 9 Kardinäle für die Reform der Römischen Kurie und der Regierung der Universalen Kirche. 
Bei dieser Gelegenheit hat die Katholische Französische Zeitung "La Croix" enthüllt, daß der Rücktritt dem Archimandriten durch den Hl. Stuhl aufgezwungen wurde, auf Grund von "Beschwerden über häufiges nächtliches Kommen und Gehen in der Abtei".
Rom hatte auch die Ungültigkeit der Weihe einiger Mönche bestätigt.

 "Rücktritt des Abtes des Exarchates von Grottaferrata"
Dann ganz plötzlich, am 30.Mai 2016 wurde ein gemeinsames Statement  von Semerano und Van Parys die Ernennung des Bischofs von Albano zum päpstlichen Delegaten des  Basilius-Ordens Italiens  und Apostolischen Administrator des Klosters und Nachfolger in den Funktionen Van Parys´bekannt gegeben.

"Kommuniqué"
In der Substanz war das eine vollständige Kommissionierung einer auf einige Ältere reduzierten Mönchsgemeinschaft und gedacht, deren Natur zu ändern "in Formen, die unter der Überwachung des Hl. Stuhls stehen."
Aber wen ernannten der Bischof von Albano an diesem Punkt mit Bezug auf das Leben des Klosters? Archimandrit emeritus Emiliano Fabbricatore, genau den, unter dem die fragwürdigen Priesterweihen und das "häufige nächtliche Kommen und Gehen" stattfand, wie La Croix aufdeckte.

Grottaferrata ist nicht irgendein Kloster. Es wurde 1004 gegründet, ein halbes Jahrhundert vor dem Schisma von 1054 zwischen Osten und Westen- durch den Hl. Nilus den Jüngeren, auf dem  einer antiken Römischen Villa, die den Mönchen durch einen örtlichen Feudalherrn, vom Grafen Gregor I von Tusculum übergeben worden war.


Rund 15 Meilen von Rom entfernt, auf den Hängen der Albaner Berge ist es das letzte der zahlreichen Byzantinischen Klöster, die es in Italien bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts vor dem Schisma 1054 zwischen dem Osten und dem Westen gab. Es hat vielen Versuchen der Latinisierung widerstanden und ist weiterhin ein ökumenisches Symbol von unschätzbarem Wert.

Aber mit dem Aufkommen der vereinigten Katholischen Kirche der Byzantiner in Italien würde seine Identität definitiv beschädigt.

Es bleibt ein Geheimnis, wie man eine so wichtige Ost-Repräsentanz im Herzen der Römischen Kirche so herunter kommen lassen konnte, ohne daß man irgendetwas tat, um sie zu retten."

Quelle: www.chiesa, Sandro Magister 
 

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