Dienstag, 27. September 2016

Sandro Magister: Briefe zu Amoris Laetitia

Sandro Magister veröffentlicht bei Settimo Cielo zwei Briefe, die ihn zum Thema Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene erreichte haben.
Hier geht´s zum Original:  klicken


"FRANZISKUS ÖFFNET DIE TÜR AUCH FÜR DEN, DER NICHT DAS HOCHZEITSGEWAND TRÄGT,  ABER WAS SAGT DER HAUSHERR DAZU?"
"Ich bekomme und veröffentliche sie. Die Autorin des ersten Briefes ist eine dem Einsiedlerleben Geweihte. Der Autor des zweiten ist ein namhafter Schriftsteller des Neapel-Forums.

Beide äußern sich zur Frage der Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen. Besonders der zweite, Giovanni Formicula, hat die Lesart von Amoris Laetitia verfolgt, die der Kardinal-Vikar Roms, Agostino Vallini zuvor (hier) zum Ausdruck gebracht hatte.

Beide zählen zu den treuen Schafen, die Kardinal Camillo Ruini am 22. September im "Corriere della Sera" in einem Interview erwähnte, als er sagt, er bete zum Herrn, daß die notwendige Suche nach den verlorenen Schafen im Gewissen der treuen Schafe keinen Aufruhr entfache.
Ihnen gehört jetzt das Wort:
"Gentile Magister,
ich bin eine dem Einsiedlerleben Geweihte und verfolge sehr aufmerksam und - soweit es menschlich möglich ist, ohne Vorurteile,- die Debatte über die Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen, um zu verstehen, daß eine mögliche Entscheidung diesbezüglich wirklich in seine Kompetenz fällt, seine Schlüsselgewalt, auch wenn man von diesen Schlüsseln sozusagen ein Duplikat machen will, um vom Hausherrn unbemerkt,  den einzulassen, der kein Hochzeitsgewand trägt und so das gegebene Vertrauen zu unterlaufen.
Ich möchte das mit einem in der Form sehr einfachen, aber im Inhalt essentiellen Argument untermauern, um den Kern des Problems zu erfassen.

Ich denke, dass wenn man wütend über die rechtlichen und emotionalen Aspekte der Frage, das heißt rein menschlich, herumdeutelt, man droht, die übernatürliche Dimension unseres Lebens aus den Augen zu verlieren, das Antlitz des Ewigen Gottes und die heilige und barmherzige Macht seiner Gesetze, das heißt seines Willens, den man nicht notwendigerweise verstehen muß, aber befolgen, weil er von Ihm kommt.



Wenn die Kirche denen, die den Weg der Annullierung der vorhergehenden Ehe nicht beschreiten können und dann zivil geheiratet haben oder mit einer andere Person zusammen leben die Möglichkeit gibt, obwohl sie sakramental immer noch mit dem ersten Ehepartner ("ein einziges Fleisch"- sagt der Hausherr) leben, dann soll das heißen, daß die Kirche selbst es für möglich hält, daß man das Sakrament der unendlichen Heiligkeit Gottes empfangen kann, während man ruhig im selben Haus - Herz und Seele des Empfangenden - mit der Sünde lebt, weil Ehebruch auch immer noch eine Sünde bleibt, solange die Doktrin nicht geändert wird.
Erscheint das möglich? Ich würde nein sagen, wenn wir - wenn auch von weitem - wissen, was Sünde ist. Und es ist Gott selbst, der daran durch die unbefleckte Empfängnis Marias erinnert, die besonders im Hinblick darauf erhalten wird, in seinem Körper der Hl. Hostie, die Leib und Blut Jesu ist, zu empfangen.
Warum? Weil Gott gebietet, nicht in Sünde zu leben.
Die Eucharistie in einer Situation schwerer Sünde zu empfangen, bedeutet nicht nur, ein Gebot zu überschreiten sondern - und hier ist die Gottlosigkeit-, den Herrn zu zwingen, mit dem Bösen zusammen zu leben. Man begeht den Greuel, um ein Wort zu benutzen, das in unseren so modernen Ohren sehr schlecht klingt, und das ist dieses fehlende Glied in der unendlichen Kette der Diskussion über dieses Argument: die Heiligkeit Gottes.
Warum will man Personen, die sich in  dieser Situation befinden, die Möglichkeit geben, in eine so ungeheure Sünde zu verfallen? Die Kirche will also ihren Kindern weismachen, daß der Heilige Gottes und der Trenner par excellence zusammen leben können?
Hier ist der Kern des Problems, daß die Sünde weggeräumt wird, um sie nicht als solche anerkennen zu müssen. weil sie Mühe macht und unseren Plänen im Wege steht.  Aber dieses Wegräumen, sie von ihrer richtigen Stelle wegzunehmen, bedeutet am Ende, sie paradoxerweise 
an die Stelle Gottes zu setzen. 

Wissen wir, was diese Verschiebung bedeutet?

Der auf furchtbare Weise sinnlose und in seinen Wurzel aufregende Versuch, Gott von seinem Podest zu holen, Gott herabzusetzen, Gott zu zerstören. Der Mensch muß die Tiefe der Sünde absolut zugeben, er muß den Stolz vom Thron holen und die Demut lernen, die die Barmherzigkeit sucht"
(Romano Guardini "Der Herr", S.175) 
Viele werden entgegnen: Alttestamentarische Mentalität, als es noch nicht  die von Jesus gebrachte Barmherzigkeit gab. Aber sie irren sich und zwar sehr.

Das "Es wurde gesagt" und das "Aber ich sage euch" Jesu in der Bergpredigt (Matth. 5-7) - also in der Szenerie der Seligpreisungen - führen uns in ein neues Leben ein, in dem das alte Gesetz und der alte Moralismus dem Glauben und der Gnade Platz machen, aber verlangen und fordern viel mehr als das, was das Gesetz des Alten Testamentes verlangte, weil Jesus nicht so sehr interessiert, sich das Leben in dieser Welt bequem zu machen - als vielmehr unsere ewige Rettung.

Die Erlösung hat eine absolute Notwendigkeit, sich total von der Sünde fernzuhalten und keine Pakte mit ihr zu schließen. In der Fülle der Zeit wird von uns mehr verlangt, als von den Menschen des Alten Testamentes: der vollständige Gehorsam, weil wir jetzt, durch die Erlösung fähig sind, den in die Praxis umzusetzen. Indem er sagt "Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt wurde, sie sollten keinen Ehebruch begehen. 
Aber ich sage euch, wer auch nur eine Frau begehrlich ansieht hat schon Ehebruch begangen"
Jesus sagt, daß der Sinn des Gebotes mehr in die Tiefe geht, es geht um die Absicht, weil aus der Absicht die Handlung entsteht. (Guardini).

In der langen Rede Jesu finden wir keine billige Barmherzigkeit, wie wir sie verstehen, sondern ein Konzept der feinsten Sünde, nicht grobgestrickt, in Lautstärke und Spannung anwachsend, so sehr- daß am Ende der Evangelist notieren muß, daß die Menge über seine Lehre erschrocken war. (Matth.7, 28)
Jesus interessiert nicht eine reine Lehre und Moralgebräuche sondern ein völlig erlöstes Leben in Fülle. Dann versuchen wir zu verstehen, dass es sich hier nicht darum handelt, irgendjemandem ein Recht (legalistische Mentalität) zuzugestehen, sondern die Hände an die Heiligkeit Gottes zu legen. Wir sind dabei, das Unantastbare zu berühren und ihn zu zwingen, mit dem Herrn des Bösen zusammen zu leben.
Das Nichtempfangen der Eucharistie - in den Fällen von denen wir sprechen, - präjudiziert nicht die ewige Rettung für den, von dem wir am Anfang sprachen, der nicht das Hochzeitsgewand trägt, während sie unwürdig zu empfangen alles nimmt (1 Kor 11). Wir wollen unsere Brüder nicht in einen Status stürzen, der unendlich viel schlimmer ist, als der, in dem sie sich befinden.
Das ist das Spiel des Feindes zu spielen.

Wenn die Kirche diese Möglichkeit zugestehen will, bedeutet das, daß man sie bereits als tot betrachtet und Gott dazu zwingen will, das Seine zu tun und Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Aber wer sind wir, vorwegnehmend über diese unsere Brüder zu urteilen und Gott Art und Weise zu diktieren? Unsere Wege sind nicht seine Wege (cfr Is 55, 8)

Ein herzlicher Gruß und Danke für Ihre Arbeit
Giovanna Riccobaldi
Fortsetzung folgt
Quelle: Settimo Cielo, Sandro Magister

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