Freitag, 23. September 2016

Wird Papst Franziskus auch Kardinalvikar Vallini eine Lobeshymne zu seinem Brief an die Priester der Diözese Rom singen?


Sandro Magister stellt bei Settimo Cielo eine süffisante Frage. Hier geht´s zum Original:  klicken    
"AMORIS LAETITIA" WURDE VOM RÖMISCHEN KARDINALVIKAR ÜBERSETZT.
WIRD DER PAPST AUCH IHM EINEN LOBESBRIEF SCHREIBEN?"

"Wer weiß ob Papst Franziskus auch seinem Vikar für die Diözese Rom einen schönen Lobesbrief schreiben wird, wie an seine argentinischen Bischofsfreunde, weil auch er die richtige Interpretation von Amoris Laetitia- nach eben diesem Franziskus die einzig mögliche, weil "es keine andere gibt" zum entscheidenden Punkt der Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen liefert? 

Kardinalvikar Agostino Vallini hat in der Tat seine Arbeit getan. Und sehr viel fleißiger als seine hastigen Kollegen der Region Buenos Aires, wenn man nach dem Umfang seines Textes, 17 Seiten, nach der Schönheit der Schrift und der ausgefeilten Argumentation urteilt.

"Amoris Laetitia : der Weg der Familien in Rom" 

Das ist der Titel, den Vallini seiner Relatio beim Pastoral-Konvent der Diözese Rom am 19. September in San Giovanni in Laterano gegeben hat.
Er verordnet seiner  Diözese und der des Papstes verschiedene Passagen aus "Amoris Laetitia". Aber es ist seine Bemühung um das schicksalhafte Kapitel 8, das besonders die wiederverheirateten Geschiedenen betrifft, die "durch ein vorhergehendes sakramentales Band gebunden sind." 

Der erste Hinweis den Vallini gibt, ist "ihnen einen Informationsdienst zur Prüfung der Gültigkeit von Ehen Verfügung zu stellen und sich der neuen, schnelleren Verfahren zu bedienen, die der Papst für die kanonischen Ehe-Nichtigkeitsverfahren eingeführt hat.

Wenn aber "der Prozesseweg nicht möglich ist, weil die Ehe gültig ist und aus anderen Gründen gescheitert ist, kann die Ungültigkeit der Ehe weder bewiesen noch erklärt werden", eröffnen sich die Wege, die "Amoris Laetitia" skizziert hat.

Der erste Schritt, der zu gehen ist, sagt der Kardinal, ist eine "lange Begleitung, die dem Prinzip des Primates der Person über das Gesetz folgt."
Nachdem fährt Vallini mit Punkt 5 und 6 des vierten Kapitels seiner Relatio fort:

"Der nächste Schritt ist eine verantwortungsvolle persönliche und pastorale Differenzierung (AL,300)
Als Beispiel: Begleitung durch periodische Gespräche, feststellen, ob das Gewissen durch Reflektion und Reue gereift ist, eine Öffnung des Herzens im Erkennen der persönlichen Verantwortung, im Wunsch, Gott zu suchen und darin zu reifen."
"Hier muß jeder Priester eine äußerst wichtige und ziemlich delikate Aufgabe erfüllen und das Risiko "falscher Botschaften" der Starre oder des Laissez-faire vermeiden. um zur Formung eines Bewußtseins der wirklichen Umkehr zu gelangen, aber nie darauf zu verzichten, ihm das volle Ideal der Ehe vorzuschlagen (AL 307) -nach dem Kriterium des möglichen Guten.

Diese pastorale Unterscheidung der einzelnen Personen ist ein sehr delikater Aspekt  und muß den Grad der Verantwortung in Rechnung stellen. der nicht in allen Fällen gleich ist, das Gewicht der Bedingungen und mildernden Umstände , deretwegen es in einer Situation objektiver Sünde möglich ist, die objektiv nicht schuldig ist oder nicht auf volle Weise- man keinen Weg finden kann, im christlichen Leben zu wachsen und für dieses Ziel die Hilfe der Kirche zu finden." (AL305) 




Der Text der Apostolischen Exhortation geht nicht darüber hinaus, aber in der bekannten Fußnote 351 liest man: "In besonderen Fällen könnte es auch die Hilfe der Sakramente geben."
Der Papst benutzt das Konditional, er sagt also nicht, daß man sie zu den Sakramenten zulassen muß, auch wenn er sie in einigen Fällen und unter einigen Bedingungen nicht ausschließt.
[ Unterstreichung durch Magister]
Papst Franziskus entwickelt das vorhergehende Lehramt im Sinne der Hermeneutik der Kontinuität und Vertiefung weiter,nicht in dem der Diskontinuität und des Bruches.
Er bekräftigt, daß wir die "via caritatis" gehen müssen, die Reuigen anzunehmen, ihnen aufmerksam zuhören. ihnen das mütterliche Gesicht der Kirche zeigen, sie einladen, dem Weg Jesu zu folgen, die richtige Absicht reifen zu lassen. sich für das Evangelium zu öffnen und daß wir die Umstände der einzelnen Personen und ihres Gewissens berücksichtigen müssen, ohne die Wahrheit und die Vorsicht
zu kompromittieren, die dabei helfen, den rechten Weg zu finden.

"Es ist äußerst wichtig mit allen diesen Personen "eine gute pastorale Beziehung" herzustellen. Man muß sagen, wir müssen sie mit Wärme willkommen heißen, sie einladen, sich zu öffnen und auf irgendeine Weise am Leben der Kirche,  an Familiengruppen. teilzunehmen, irgendeinen Dienst zu tun-sei er caritativ oder liturgisch (Chor, Gebet der Gläubigen, Offertoriumsprozession). 
Um diese Prozesse zu entwickeln, ist die aktive Anwesenheit von Paaren pastoraler Mitarbeiter äußerst wertvoll, die sehr zum guten Klima in der Gemeinde beitragen. Diese Personen- sagt der Papst- "sie sollen sich nicht exkommuniziert fühlen, sondern sie sollen als Mitglieder der Kirche leben und reifen können."(AL299)

Es handelt sich nicht notwendigerweise um die Sakramente sondern darum sie dahin zu führen, Formen der Integration in das Kirchenleben zu leben. Aber wenn die konkreten Umstände eines Paares es möglich macht, soll heißen, wenn ihr Glaubensweg lang, ernsthaft und fortschreitend ist, soll man ihnen vorschlagen, abstinent zu leben, wenn dann auch diese Entscheidung für die Stabilität des Paares schwer zu praktizieren ist.

Amoris Laetitia schließt die Möglichkeit nicht aus, zur Beichte und Eucharistie zugelassen zu werden. Das bedeutet eine gewisse Öffnung, wie z.B. im Fall , daß man sicher ist, daß die erste Ehe nichtig war, aber es keine Beweise gibt das vor dem Gericht zu beweisen; aber es ist dagegen nicht der Fall, wenn beispielsweise die eigenen Umstände so dargestellt werden, als ob sie Teil des christlichen Ideals wären,usw.

"Wie sollen wir diese Öffnung verstehen? Sicher nicht in dem Sinn eines unterschiedslosen Zugangs zu den Sakramenten, wie es gelegentlich vorkommt, sondern um eine Differenzierung, die Fall für Fall adäquat zu unterscheiden. wer kann entscheiden? 

Aus dem Tenor dieses Textes und des Geistes seines Autors, scheint es mir keine andere Lösung zu geben, als die eines forum internum.  
In der Tat ist das forum internum der zu bevorzugende Weg, um das Herz für das intimste vertauen zu öffnen, und wenn sich das in einer Zeit der Vertrauensverhältnisses oder mit einem spirituellen Führer stabilisiert hat, ist es möglich, mit ihm einen langen Weg der Umkehr zu beginnen und zu entwickeln, geduldig mit kleinen sichtbaren Schritten des Vorankommens.

"Es kann also nichts anderes geben, als daß der Beichtvater an einem bestimmten Punkt, in seinem Gewissen nach vielen Überlegungen und Gebeten , die Verantwortung gegenüber gott und dem Beichtenden sich fragen muß, ob ein gewisser Zugang zu den Sakramenten beantragt werden kann.

In diesen Fällen endet der Weg der Differenzierung (AL 303, dynamische Unterscheidung) nicht damit, neue Zwischenziele auf dem Weg zum vollen christlichen Ideal zu erreichen."

Wenn also eine Öffnung zu den Sakramenten für die wiederverheirateten Geschiedenen "möglich" ist, auch wenn sie nicht Abstinenz praktizieren, "weil sie für die Stabilität des Paares schwierig ist", ist das die Neuheit, die Kardinal Vallini in "Amoris Laetitia" gegenüber dem vorhergehenden Lehramt ausmacht. 


Aber gleichzeitig bekräftigt er Kardinal, daß die Lehre der Kirche " die aller Zeiten bleibt", weil- sagt er- "Papst Franziskus sich nicht von ihr entfernt, sondern sie auf der Linie der Hermeneutik der Kontinuität und der Vertiefung weiter entwickelt- nicht der Diskontinuität und des Bruchs-


Der Papst -sagt Vallini und unterstreicht diese seine Worte- drückt sich in der Tat auch in der berühmten Fußnote 351 vorsichtig aus, "er benutzt das Konditional, sagt also nicht, daß wie sie zu den Sakramenten zulassen müssen, auch wenn er sie nicht in allen Fällen und unter allen Umständen ausschließt."


Kurz gesagt, es ist ein bedingtes Ja, das der Kardinalvikar bzgl, Amoris Laetitia ausdrückt, um die Priester seiner Diözese, der des Papstes, zu instruieren.

So bedingt, dass es praktisch nicht praktizierbar ist, wenn nicht in den äußerst seltenen Fällen, die vielleicht nie vorkommen werden. 
Ein Ja in der Theorie - das praktisch ein faktisches Nein ist.  

Ist diese Lesart von Amoris Laetitia zu raffiniert?  Zu restriktiv? 

Das muß Papst Franziskus beurteilen.
Weil nur er weiß, was er in seiner Exhortation sagen wollte, die für alle Interpreten ein Kreuz ist.

Quelle: SettimoCielo, Sandro Magister

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