Dienstag, 4. Oktober 2016

Christ oder "Unchrist", das ist hier die Frage

In den letzten Tagen hörten wir wieder besonders viel von den "christlichen Werten" oder dem "christlichen Menschenbild". Da ist ja eigentlich nichts dagegen einzuwenden. Denn das Christentum ist die Lehre Jesu und auf dieser Lehre wurde Europa aufgebaut. Die europäische Kultur ist also Christentum.
Was aber sind die christlichen Werte oder was ist das christliche Menschenbild?
Wenn man also in den letzten Tagen eifrig in den Medien geblättert hat, kam man doch etwas ins Staunen, wer da so alles weiß, was denn die christlichen Werte sind, und wie diese Werte das christliche Menschenbild geprägt haben.

Dass der Begriff „unchristlich“ von den Linken geprägt wurde, steht außer Frage. Denn sie benutzen diesen Begriff, um die Lehre Jesu besonders gegen gläubige Katholiken zu verwenden. Es ist ihnen sogar gelungen, dieses Wort zu einem Totschlagargument zu machen. Eine weitere „Keule“ also, um missliebige Meinungen zu unterdrücken.
Deshalb müssen wir uns schon die Frage stellen, was ist denn nun eigentlich christlich? Und warum ist jemand, der nicht links ist, eigentlich unchristlich? Oder anders rum, warum lassen wir uns das eigentlich gefallen, dass unser Glaube von anderen annektiert und in ihrem Sinne umgedreht wird

Um eine Erklärung dafür zu finden, müssen wir in die Anfangszeit der 70er Jahre zurück. Damals begann ein Umdenken in Sachen Wachstum und „totale Industrie“ und die Umwelt rückte ins Bewusstsein der Menschen. Man wollte zwar den Wohlstand, aber man wollte auch saubere Luft, saubere Flüsse und eine schöne Natur. Die Politik reagierte sehr schnell und Bayern erhielt im Jahr 1971 das erste Umweltministerium Deutschlands – Umweltminister war damals Max Streibl. Das Umweltbewusstsein rückte immer mehr ins Bewusstsein der Menschen und zum Ende der 70er Jahre wurde dann sogar eine Partei daraus.

Und die wurde ein voller Erfolg. Denn wer weiß denn heute noch, dass Bayern lange vor der Gründung der Grünen ein Umweltministerium hatte – und wer weiß noch, dass die Grünen lediglich auf einen fahrenden Zug aufgesprungen sind und die Lok gekapert haben? Menschen, die vorher ziemlich erfolglos den kommunistischen Ideen hinterhergelaufen sind oder sonstige abartigen Ideen hatten, fanden bei den Grünen eine neue Heimat und schafften es schnell in die Parlamente und in einflussreiche politische Positionen. Sie hatten recht schnell verstanden, wie man in der Politik Themen besetzen und die eigenen Ideen durch die Hintertür platzieren konnte.
Doch das reichte ihnen nicht. Den nächsten Überfall musste dann die evangelische „Kirche“ hinnehmen. Diese, von Luther gegründete Glaubensgemeinschaft – war schon seit ihrer Gründung auf den Schutz und die Unterstützung durch den Staat und die jeweiligen Herrscher angewiesen, und so musste sie den Glauben den jeweils Herrschenden anpassen und war somit eine leichte Beute der in Regierungsverantwortung drängenden grün eingefärbten Kommunisten..
Ganz anders war das natürlich bei uns Katholiken. Wir gehörten von Anfang der „allumfassenden“ weltweiten Kirche an. Katholische Landesherren waren der Kirche „unterstellt“ und nicht umgekehrt. Kaiser und Könige wurden von Bischöfen gekrönt und nicht umgekehrt. Die katholische Freiheit war also schon immer eines der Hauptmerkmale unserer Kirche und deshalb vielen „ein Dorn im Auge“. Wenn ein Kaiser nicht Gottes Willen bestimmen konnte ... was war die Macht eines Kaisers dann noch wert.
Seit Gründung der Kirche arbeiteten sich also die Mächtigen an unserer Kirche ab und versuchten „sie sich unter den Nagel zu reißen“. Es klappte nie (denken wir mal nur an Bismarck und seine kläglichen Erpressungen, die dann sogar Papst Pius IX zu einer  Enzyklika nötigten).
Aber sie geben nicht auf. Heute sind die Politiker zwar nicht mehr ganz so mächtig. Aber die Macht Gottes hätten sie trotzdem gerne in ihren Händen.
Die Versuche Bismarcks waren schon kläglich – aber was den Grünen und Linken da heute so alles einfällt, können wir täglich den Medien entnehmen.
Sie versuchen ja schon seit einiger Zeit die Pfarrgemeinderäte zu kapern und die Priester in ihrem Sinne „umzudrehen“ – also ihre Denke als „Gottes Willen“ unters Volk zu bringen. Und wenn sie nicht „mitmachen“, werden sie halt schon mal gemobbt. Wohin das führen kann, konnte man in Limburg sehen – da musste sogar ein Bischof gehen.
Und man kann da wirklich staunen, wie viele Katholiken auf diesen Schmarrn hereinfallen.
Dazu gehört dann auch die entsprechende Wortwahl. Denn seit einigen Wochen ist die Politik in großer Not. Die Menschen wollen sie einfach nicht mehr wählen und demnächst sind Wahlen ... und irgendwie stellt sich so allmählich der Panikmodus ein.
Da wird – könnte man glauben – das Christentum plötzlich wieder zum Wahlkampfschlager.
Wir erleben also seit einigen Wochen, wie das versammelte Parteienspektrum sich plötzlich auf „christliche Werte“ besinnt und ganz genau weiß, was „unchristlich“ ist. Wenn wir sie nicht kennen würden, unsere Pappenheimer und wenn wir sie nicht längst durchschaut hätten, könnten wir darüber verzweifeln. Denn wer will schon „unchristlich“ sein – besonders dann, wenn die eigene Partei das berühmte „C“ im Namen trägt.
Und so erleben wir einerseits, dass Leute, die mit dem Christentum noch nie was am Hut hatten, plötzlich ganz genau wissen, was unchristlich ist. Sie tragen das mit einer Bestimmtheit vor, dass man – wenn man es nicht besser wüsste – wirklich ins Grübeln kommen müsste.

Deshalb habe ich mir angewöhnt, Linke zu fragen, was denn „christlich“ sei. Und das schon vor 10 Jahren zum Beispiel im SPON-Forum, wo man zu dieser Zeit tatsächlich noch diskutieren konnte, ohne der Zensur anheim zu fallen. Antwort habe ich allerdings auch damals keine bekommen, und da Linke ja grundsätzlich nicht zensiert wurden, konnte es daran nicht liegen.

Es wird überdeutlich, dass diese „Entdeckung des C“ ein weiterer Versuch von Grünen und Linken ist, mit Hilfe ihrer Parolen, auch unsere Kirche zu kapern. Und die Menschen auf diese Weise zu einem „neuen Glauben“ zu bringen, dessen Inhalte von ihnen vorgegeben sind.
Sie wollen das Christentum also nicht mehr vernichten, sondern es „kapern“ (was in etwa das gleiche ist).
Die ganzen Linken Kampfbegriffe werden derzeit „verchristlicht“, und die Begriffe, die halt nicht passen entweder verschwiegen oder ins Gegenteil verkehrt.
Bleiben wir also wachsam. Wie oft mussten wir in den letzten Jahren hören, dass es „unchristlich“ sei, wenn man nicht links denkt. Und manchmal wird einem mangelnde Nächstenliebe vorgeworfen, wenn man nicht nach der Pfeife der Linken tanzt. Dass da eine Strategie dahintersteckt, uns die Worte im Mund herumzudrehen, lässt sich nicht mehr nur erahnen, sondern es ist so. 
Da habe ich gerade heute im BR-Kommentarbereich wieder ein besonderes „Schmankerl“ gefunden, wo sog. Christen mal wieder erklären wollten, dass das Alte Testament für Christen eigentlich gar nicht relevant sei. Klar doch, die 10 Gebote (die Jesus lt. eigener Aussage nicht aufheben will) passen so gar nicht ins Bild vom Glauben, der so ziemlich alles erlaubt, solange man sich an die von links definierten neuen Gebote hält.



Da muss es erlaubt sein, zu fragen, ob Linke und Grüne (wo es ja auch viele abgebrochene Theologiestudenten in die Führungsreihen geschafft haben), die Worte Jesu wirklich nicht kennen, oder sie bewusst verschweigen oder sogar gegen die Katholiken verwenden wollen. Als Jesu von der „Nächstenliebe“ sprach – hatte er etwas ganz anderes gesagt – Er machte klar, dass die Selbst- und Nächstenliebe aus dem Gebot der Gottesliebe erwächst. Jesus sagt: „Das wichtigste Gebot ist die Gottesliebe“.  Erst daraus erwachsen die Selbst- und Nächstenliebe. Und die gehen mit dem linken Selbsthass nun mal gar nicht konform. Es ist also wieder mal ein Versuch, nicht nur die Hoheit über die richtigen Meinungen zu erhalten, sondern in dieses Hoheitsrecht auch unseren Glauben hineinzumischen. Lassen wir uns das also nicht gefallen. Lassen wir sie reden in dem Wissen, dass ein Mensch, der „nur“ die Nächstenliebe von anderen verlangt, keine Gottes- und keine Selbstliebe (meist sogar Selbsthass)  hat und deshalb gar nicht wissen kann, was „unchristlich“ ist.

Ansonsten beten wir weiter – den täglichen Rosenkranz, ganz besonders in diesem Rosenkranzmonat – aber auch das Gebet zum heiligen Erzengel Michael, unser aller Schutzpatron.  

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