Samstag, 29. Oktober 2016

Das jüngste Interview von Kardinal Müller zur Frage, ob wir heute zwei Päpste haben.

A. Socci kommentiert bei LoStraniero/Libero das Interview, das Kardinal G.L. Müller Radio Vatican gegeben hat. Hier geht´s zum Originaltext des Interviews: klicken  und hier zum Original bei LoStraniero/ Libero klicken

"AUFSEHENERREGENDE ERKLÄRUNGEN VON KARDINAL MÜLLER. GROSSE MANÖVER, UM NEUE ENTGLEISUNGEN BERGOGLIOS UND DAS SCHISMA ZU VERMEIDEN."
"Winston Churchill sagte, der Kreml (zu jener Zeit, als dort das kommunistische Regime herrschte) sei ein Problem in einem in ein Rätsel eingewickelten Geheimnis.
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Etwas Ähnliches können wir heute auch vom Vatican sagen. Vielleicht auch wegen dieser Aura des Geheimen- anders als die Feierlichkeit und Schönheit des Ortes-der soviel Erfolg in einer ebenso banalen wie surrealen Serie-wie "Der junge Papst" -hat.
Sehr viel aufregender als die Fiktion sind die wirklichen Geheimnisse des Vaticans. Wo zum ersten mal in der Kirchengeschichte ein Papst nach Monaten schwerer Angriffe- (aus unbekannten Gründen) zurückgetreten ist-aber in Wirklichkeit Papst blieb.
Ein Vatican in dem heute zwei Päpste gemeinsam leben, ohne daß jemand erklärt hat, wie das möglich ist, wo immer gelehrt worden ist, daß es nur einen Nachfolger Petri geben kann.

                         
Wo -wahrscheinlich- in diesen Tagen etwas Wichtiges passiert, hinter dem undurchdringlichen Schweigen der Hl. Paläste.
Nur zu sehr scheinen die aktuellen Medien an Informationen über die Kirche und den Hl. Stuhl desinteressiert, vielleicht weil sie zu sehr mit Feiern und dem Hosianna beschäftigt sind.
Fakt ist, daß niemand, jedenfalls in Italien, ein explosives Interview der Nummer 2 der Kirche, Kardinal Gerhard L. Müllers, Präfekt der Glaubenskongregation ( das ist die Rolle, die der Kardinal Ratzingers zur Zeit Johannes Pauls II entsprach) zur Kenntnis genommen hat.
Es war Benedikt XVI, der ihn dahin berufen hat und dann bestätigte ihn Franziskus und kreierte ihn zum Kardinal, auch wenn es in der Beziehung beider tiefgreifende Divergenzen über die von Franziskus bei den beiden Familiensynoden gewollten Reformen der Lehre gibt und die zu einer substantiellen Isolierung Müllers durch die regierende Gruppe Franziskus´ geführt haben. 
AUFSEHENERREGENDES INTERVIEW
Also hat Müller, der auch Kurator der Opera Omnia Ratzingers ist, vorgestern der deutschen Ausgabe von Radio Vatican ein Interview gegeben, in dem zum ersten mal ein hoher Vaticanvertreter das Zusammenleben zweier Päpste als Problem darstellt und sanft enthüllt, daß in Oltretevere eine Debatte geführt wird, die ein überraschendes Szenario zeigt.
Der Kardinal sagte: 
"Zum ersten mal in der Kirchengeschichte haben wir den Fall von zwei legitimen lebenden Päpsten. Sicher ist nur Papst Franziskus der Papst, aber Benedikt ist der Emeritus, und deshalb noch auf gewisse Weise ans Amt gebunden. Diese noch nie da gewesene Situation muß theologisch und spirituell aufgearbeitet werden. Wie man das tun sollte, darüber gibt es verschiedene Meinungen. Ich habe gezeigt, daß aber trotz aller Verschiedenheit, was Person und Charakter angeht, die naturgegeben sind, auch das innere Band sichtbar bleiben muß."



"Aber"- fragt die Journalistin- "worin besteht dieses innere Band?"
Müllers Antwort: "Es handelt sich darum, den Glauben an Jesus Christus zu bekennen ( und zu verkünden) und die "ratio essendi" , das wahre Fundament des Papsttums, das die Kirche in der Einheit Christi erhält...."
Das scheint eine abstrakte Antwort zu sein, theologisch, aber in Wirklichkeit erinnert das an seine vorherigen Worte, die verstehen lassen, daß das Petrinische Amt  Benedikts XVI fortdauert. Etwas, was sich im weiteren Interview bestätigt.
In der Tat fragt die Journalistin: "Was bieten zwei gemeinsame Päpste der Kirche?" (Zwei, die gleichzeitig Päpste sind)?
Müllers Antwort:
"..üben sie ein Amt aus, das sie sich nicht selbst geben konnten und das keiner definieren kann, ein Amt, das schon von Christus selbst erklärt wurde, so wie es vom gläubigen Gewissen der Kirche immer verstanden worden ist. Und jede Erfahrung im Papstamt-so wie in jedem anderen offiziellen Kirchenamt, dessen Gewicht man nur mit Hilfe der Gnade tragen kann."
Das sind überraschende Worte. Weil Müller effektiv nicht sagt, wie man es bisher gehört hat- daß Benedikt XVI in der Substanz nicht mehr Papst ist, er sagt effektiv nicht, daß er ein Pensionär ist, der keine Rolle in der Kirche mehr hat, er sagt nicht, daß er etwas Ähnliches ist wie die emeritierten Bischöfe, wie es Papst Bergoglio behauptet.
Er sagt, daß Franziskus und Benedikt XVI -gemeinsam ein Amt ausüben- das Papstamt. Und er sagt, daß diese präzedenzlose Situation- zweier legitimer lebender Päpste- theologisch und spirituell aufgearbeitet werden müssen.
Müller scheint also in die selbe Richtung zu gehen, wie die aufsehenerregende Pressekonferenz, die Msgr. Georg Gänswein, Sekretär Benedikts XVI und Präfekt des Päpstlichen Hauses von Papst Franziskus, am vergangenen 21. Mai in der Gregoriana gegeben hatte.

ZWEI PÄPSTE 
In jenem Interview, das im Vatican eine verstörende (aber von der Presse ignorierte) Wirkung hatte, sagte Gänswein unter anderem:
"Direkt nach seinem Amtsverzicht sah- und sieht- Benedikt seine Aufgabe als Teilnahme am Petrusamt.
Er hat mit dem Schritt vom 11. Februar 2013 den Thron Petri aber nicht dieses Amt aufgegeben. Er hat dagegen das persönliche Amt durch eine kollegiale und synodale Dimension bereichert, quasi als gemeinsames Amt." 
Und dann:
"Seit der Wahl seines Nachfolgers Franziskus am 13. März 2013 gibt es also nicht zwei Päpste sondern ein erweitertes Amt, mit einem aktiven Mitglied und einem kontemplativen. 
Deshalb hat Benedikt XVI weder auf seinen Namen noch auf den weißen Talar verzichtet. Deshalb ist auch die richtige Anrede, wenn man sich an ihn wendet, heute noch "Heiligkeit" und deshalb hat er sich nicht in ein einsam gelegenes Kloster zurück gezogen sondern ins Innere des Vaticans, als ob er nur einen Schritt beiseite getreten sei, um seinem Nachfolger und einer neuen Etappe des Papsttums Platz zu machen."

Also nicht ein Schritt rückwärts sondern ein Schritt zur Seite, Die Pressekonferenz von Msgr. Gänswein war verstörend, aber man mußte einige Monate warten, um irgendwelche Reaktionen zu bekommen: in einem Interview mit einem Kanoniker der Kurie, in dem Gänswein nie genannt wird, und das diesen Titel trug: "Es kann kein geteiltes Papstamt geben"
Der bergoglianische Journalist Andrea Tornielli, Autor des Interviews begann zu sagen, daß Franziskus schon geantwortet habe. " Es gibt nur einen einzigen Papst, Benedikt XVI ist der Emeritus." Im vergangenen Juni- während des  Rückfluges  von Armenien hatte Franziskus auf klare Weise und präzise auf die Frage nach Theorien geantwortet, die die Möglichkeit eines geteilten Papsttums betrafen.
Und nachdem der Papst bereits geantwortet hatte, welche Notwendigkeit gab es zwei Monate später auch noch einen Kirchenrechtler sprechen zu lassen?
Vielleicht weil die Frage noch nicht endgültig beantwortet war? Vielleicht weil- wie heute Kardinal Müller sagt-"es verschiedene Meinungen gibt"?
Tatsächlich zeigen die Erklärungen zuerst von Msgr. Gänswein und dann heute von Kardinal Müller, daß die Frage noch ganz offen ist.

 FÜR IMMER
Aber vor allem war es Benedikt XVI selber, der sie öffnete- nicht nur durch die Entscheidung zu einem Emeritierten Papsttum aber auch durch die Worte in seiner letzten Rede, in der er erklärte, daß das Papstamt "für immer" sei , für sein Leben und er fügte hinzu:"Meine Entscheidung auf die aktive Ausübung des Amtes zu verzichten, widerruft das nicht."
Dann in seinem jüngsten Bestseller: "Letzte Gespräche" hat Papst Benedikt  der Erklärung eine ganze Seite gewidmet, seine aktuelle Lage zu erklären und er hat das mit wenigen Worten getan- aber in vollkommener Übereinstimmung mit dem Mai-Interview seines Sekretärs und dem vorgestrigen von Müller .
Er sagt de facto daß das keine Flucht war sondern eine andere Art meinem Amt treu zu  bleiben." und er fügt hinzu, daß er fortfährt, Papst zu sein-" in einem tieferen und intimeren Sinn". 
Heute bekräftigt Müller, daß "dieses innere Band sichtbar bleiben mußte", das die  beiden Päpste verbindet und sie an die Bewahrung des Depositum fidei bindet, das heißt die Verteidigung des Katholischen Glaubens.

LETZTE GELEGENHEIT? 
Vielleicht eine Rettungsgasse, die Benedikt Franziskus anbietet, um ihm zu helfen, mit seiner Arbeit fortzufahren-aber innerhalb des Gleises der Orthodoxie zu bleiben. Und ihn so vor irrigen Entscheidungen (die Bergoglio in Hülle und Fülle macht) und tragischen Schismen zu bewahren.
Im Lichte dessen versteht man den Ton eines Mitarbeiters besser, den Benedikt in seinem Buch gegenüber Franziskus benutzt und auch das neue Buch Müllers, das versucht unter dem Titel "Benedikt & Franziskus. Nachfolger Petri im Dienst der Kirche" die beiden Pontifikate miteinander zu versöhnen."

Quelle: Antonio Socci, Il Libero

  

Kommentare:

  1. Bitte, ich sag das jetzt ungern, aber wenn ein Papst, wie Kardinal Müller sagt, sich das Amt nicht selber geben k a n n, dann kann er es auch nicht abgeben,.
    Oder nur von dem wegnehmen lassen, von dem er es bekommen hat, das ist entweder der Heilige Geist oder die Kardinäle.
    Ich finde einfach das sind doch alles Sophistereien, wir haben einen Papst der nicht mehr Papst sein will (Benedikt) und einen, der zwar Papst ist, aber nicht sein will, sondern am liebsten Schäfelein unter Schäfchen sein will (Franziskus).
    Nun denn, in der Summe gibt das wahrscheinlich genau einen richtigen Papst, aber unbefriedigend ist es doch.
    Ich komm mir vor, wie ein Scheidungskind, wo der Vater gegangen ist, weil er denkt, dass seine weitere Anwesenheit schlimmer ist, als sein Bleiben, und als sozusagen letzte Amtshandlung meiner Mutter nahegelegt hat sich einen neuen Partner zu suchen, damit es mir gut geht.
    Soweit so gut und soweit allüberall anzutreffende Realität, aber warum nur haben es dann beide mit der Unauflöslichkeit der Ehe?
    Ich muss sagen, das einzig tröstliche an den Interviews sowohl Kardinal Müllers, alsauch Bischofs Gänsewein ist, dass sie es auch nicht verstehen und ich mir nicht so alleine vorkomme.

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    1. nun ist Kardinal Müller ja nicht das geichnamige Lieschen, und weiß sicher sehr genau, was er da gesagt hat auch in kanonischer Hinsicht, gleiches gilt ja auch für EB Gänswein, der im Kirchenrecht promoviert hat.
      Daß weder Müller noch Gänswein "es "verstehen und deshalb Interviews geben und ausführliche Erklärungen abgeben, halte ich eher für einen Fehlschluss. Ich fände es eher tröstlich, wenn es wirklich so wäre, wie sie sagen.
      Allerdings sprechen die jüngsten Säuberungsaktionen-die man nur als Entfernung unliebsamer Dissidenten erklären kann, dagegen. Leider.

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    2. dass sie weil sie es nicht verstehen Interviews geben, habe ich nicht behauptet, aber ich finde aus den Interviews geht hervor, dass sie es auch nicht verstehen, was ich tröstlich finde, weil sie ja die Experten sind, will heißen wenn die es nicht verstehen, dann muss ich mir keinen Kopf machen dass ich es nicht verstehe.
      Ist ne Glaubensprüfung, glaub ich auch wenn alle objektiven Gründe für den Glauben wegfallen?

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