Montag, 10. Oktober 2016

Die neuen Kardinäle : die Schattenregierung des Papstes


Vaticanist Marco Tosatti  kommentiert die kommenden Kardinalskreierungen.
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DIE NEUEN KARDINÄLE. USA, BELGIEN: EINSEITIGE WAHL. DIE SCHATTENREGIERUNG DES PAPSTES

Wenn jemand noch einen Zweifel über das ideologische und "politische" Ungleichgewicht dieses Pontifikates hatte, dann haben die letzten Kardinals-Nominierungen diese sicher zerstreut.

Was sie allerdings nicht beantwortet haben, ist die Frage, die sich uns vor einigen Tagen stellte:
warum wirken bestimmte, sehr starke Erklärungen des Papstes sich nicht auf die Entscheidungen der Menschen aus?

In Georgien hat er von einem Weltkrieg der Gender-Ideologie gegen die Ehe gesprochen. Sehr starke, feste Worte, die sich mit milderen Worten an die Menschen wandten, und besagten, daß der Papst sich bei der fliegenden Pressekonferenz nicht nur mit Transgender und Homosexualität beschäftigt.

Einer der Orte, wo dieser Krieg am heftigsten tobt, sind die USA, wo die Obama-Administration ( und möglicherweise die von Hillary Clinton) ausdrücklich das Betätigungsfeld der Religionen einschränken will.

Gut, man bedenke: unter den neuen Kardinälen könnten dann also die Erzbischöfe der wichtigen Städte wie Los Angeles und Philadelphia sein- bekannt für die Klarheit ihrer Positionen
Aber nein, die neuen Biretts  gehen an Cupich, Chicago und Tobin, Indianapolis.
Eingeschrieben in die Liste der Progressisten.
Und de facto kommentierte derjenige, der nach Meinung einiger der "Spin-Doktor" des Pontifex ist, der Direktor der Civiltà Cattolica, Antonio Spadaro, SJ in einem Tweet :"Die neuen Kardinäle bedeuten eine Verschiebung weg von Kulturkriegen der USA."

Wieso das? War es nicht ein Weltkrieg gegen die Familie? Es ist ein Brand, und wir beauftragen Personen mit der Bekämpfung der Flammen, die eine Wasser-Phobie haben?
Absolut genau so kann man über den neuen Kardinal von Brüssel, De Kezel, sprechen.
Für seinen Vorgänger, der wegen Überzeugung gegen die Gender-Ideologie physisch angegriffen wurde- kein Birett. Und so weiter auf dem exakt vorgeschriebenen Weg des Pontifikates.

De Kezel der bisher vor allem,dafür bekannt ist, eine blühende Priestergemeinschaft  mit vielen Berufungen und von den Menschen geliebt, zerstört zu haben, wird dagegen sofort Kardinal.

Ich weiß nicht, wie ich auf ein Verhalten reagieren soll, das doppeldeutig oder schizophren erscheint. Wahrscheinlich gibt es tiefere Gründe, die meinem simplen Denken entgehen.

Jedenfalls ist das eine Auswahl, die in den Rahmen des persönlichsten Umfeld gehört und sehr schwer vorstellbar ist. Es gibt einige, die im Vatican und anderswo von der Realität einer "Schattenregierung" sprechen, in dem die Rolle des Supervertrauten, der Präfekt der Kleruskongregation und ehemalige Diplomat, Benjamino Stella, innehat,
Der "Geheime Rat" würde dann aus Kardinälen, die alte Freunde des Papstes sind gebildet, wie Kasper, Danneels (großer Beschützer von De Kezel), Murphy O´Connor, Mahony, der den USA seinen Rat geben würde.
Sowohl Danneels, Mahony als auch O´Connor hatten mehr oder weniger große Probleme mit der Handhabung von Mißbrauchsfällen.
Und dann  gäbe es noch die Neuzugänge: den Sekretär der Synode, Kardinal Baldisseri und den Erzbischof von Wien, Schönborn.
Sie alle haben- mehr als die übergangenen Inhaber von Ämtern in der Kurie- das Herz und das Ohr des regierenden Pontifex.

Quelle: Stilum Curiae ed intorni. Marco Tosatti

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