Sonntag, 30. Oktober 2016

Erdbeben in Italien, ein Deja vu oder von Harry Potter, St. Paul vor den Mauern und der Liturgiereform

Vorhin las ich, dass in Italien die Erde wiederrum gebebt habe, auch Rom betroffen sei, und man in der Basilika St Paul, die, genauso wie der Vatikan, außerhalb des klassischen, antiken, auf  7 Hügeln erbauten Roms, jedoch in einer anderen Richtung liegt, weswegen sie korrekt "St Paul vor den Mauern" heißt, einige Schäden durch das Erdbeben festgestellt und sie deshalb vorübergehend gesperrt habe. Hier die Meldung von Radio Vatican,
Soweit so gut, oder auch nicht.
Hier noch ein  ergreifendes Video aus Norcia.
Bitte hier klicken


Auf jeden Fall, war ich vor ca. 10 Jahren das erste Mal in Rom und auch in St Paul vor den Mauern und es warf mich um, mich hat die Kirche damals einfach beeindruckt, wegen ihrer Größe und dem titanischen, das sie ausstrahlt.
Sie wirkte auf mich, schlicht und ergreifend riesig, was auch daran lag, dass ich fast allein da drin war, also die paar hundert Leute, die da auch noch rumliefen, um zu gucken, pilgernde Touristen, touristische Pilger, und einige ernsthafte Beter,  die fielen da gar nicht auf, so gigantisch ist diese Kirche.


Dennoch, muss ich sagen, schockiert es mich eher weniger, dass auch hier klar wird, sie ist nicht für die Ewigkeit gebaut, sie ist ein "Gebilde von Menschenhand", wo einem doch glatt die Brücke am Tay einfällt, was man sich doch bei ausgerechnet dieser Kirche gar nicht vorstellen mag.
Dazu kam noch, dass damals in meiner Umgebung der "Kampf gegen Harry Potter" tobte.
Manche sahen darin nacktes, rückwärtsgewandtes Heidentum, wildesten Okkultismus, frei nach dem Motto:, "Einmal geöffnet, und schon brauchst du einen Exorzisten.
Witzigerweise empfahlen diese Leute, dann als Alternative Otfried Preußler, Astrid Lindgren  oder gar normale Märchen, wo es, bei Licht betrachtet, auch nur so von Hexen, Zauberern, Feen und Magie (was ist eigentlich genau Magie? Weiß ich auch nicht, bei uns kommt es immer in die Suppe!) wimmelt.
Auf jeden Fall lernte ich in dieser Zeit, zu meiner großen Verwunderung, dass 'Herr der Ringe', das mir zumindest damals, in den 70ern als absoluter Szene Geheimtipp untergekommen war, gut katholisch sei, obwohl dortdrin die heidnischen Elfen, als Elben geradezu gefeiert werden, und der Herr der Ringe, meiner Ansicht nach, genauso wie Harry Potter sich aus den Ideen der keltischen Anderwelt speist, also beide aus dem  gleichen Reservoir schöpfen.
Weiter, weil damals die Diskussionen um mich herum immer wilder wurden, und ich damals mit Leuten einer Freikirche viel zu tun hatten, die Diskussionen über Liturgie, Volksbräuche und dergleichen, sowie über Thomas von Aquin, und Philosophie,  immer mit der ultimativen Feststellung "das ist heidnisch!" abwürgten, machte ich mir Gedanken, wie das so ist mit dem Heidnischen.

"Es ist," sagt Romano Guardini, in "Der Herr" (S. 578) "eine Ahnung des Eigentlichen, da wo Christus noch nicht hingekommen ist, Und es kippt ins dämonische, wenn es gewählt wird, als bewusste Entscheidung gegen Christus"
Und weil es so ist, deshalb darf, kann und soll man das übernehmen was auf Christus zielt, man darf, kann und soll das "taufen" was gut ist, wie ja auch bei uns getauft wird, was im Keim auf Christus hinzielt, wenn man es richtig sieht wird ja aus dem Heiden Ester, durch die Taufe die Christin Ester, also man tut nichts anderes als inkulturieren,
Gertrud von LeFort. lässt  in ihren "Hymnen an die Kirche" die Kirche sagen
 "ich habe noch Blumen aus der Wildnis im Arme, ich habe noch Tau in meinen Haaren aus den Tälern der Menschenfrühe.......
Siehe, in mir knien Völker, die lange dahin sind und aus meiner Seele leuchten nach dem Ew'gen viele Heiden!
Ich war heimlich in den Tempeln ihrer Götter, ich war dunkel in den Sprüchen aller ihrer Weisen....... Ich war die Sehnsucht aller Zeiten........ auf mir ziehen die Jahrtausende zu Gott!"

wie gesagt mit solcherlei Gedanken kam ich nach St. Paul vor den Mauern, und ich war überrascht, wie sehr das ganze Gebäude eine Antwort auf meine Frage war.
In all den Diskussionen fürchtete man ja das Heidentum, wegen seiner Gewalttätigkeit, seiner ungezähmten Kraft, man fürchtete die Kulturbanausigkeit die alles kurz und klein schlägt, weil sie keinen Sinn für  so Dinge wie: Rotwein kann man aus Römern trinken, Cognac aus den Schwenkern, Bier aus Zinnkrügen und all das auf gar keinen Fall aus Wassergläsern, hat, um es etwas klischeehaft darzustellen. Man fürchtete im letzten, dass man aus der Behaustheit  die die zwei Jahrtausende Christentum gebaut haben, in einen Zustand des  nackigen Recht des Stärkeren gelangen würden, den man mit dem Heidentum assozierte.
Und dann diese Kirche, wuchtig, titanisch, unverschämt heidnisch, nicht griechisch verspielt und zivilisierte Ode an die Schönheit, nein wuchtige, titanische (hab kein anderes Wort), urwüchsige  Kraft bestimmt den  ganzen Bau, inklusive der Vorhalle, alles ist groß, auf eine gewisse Art nicht mächtig, majestätisch oder herrisch,  nein einfach  Kraft, die, so sieht es aus, im Vorübergehen, ganz nebenbei, spielerisch, ohne irgendwelche Anstrengung ein Gotteshaus geworden ist.
Mir war, als wolle Gott mir sagen: "Was fürchtest du dich vor den Gewalten, sieh was ich damit mache!"
Fasziniert mich eh an der klassischen Architektur, wie man den Stein formen kann, wie man dem Stein ein Himmelwärtstreben eingebildhauert hat.
Aber meist versucht man, typisch in der Gotik, den Stein dazuzubringen auszusehen wie Filigran, im Barock macht man das mit Farbe, dass der Stein verschwindet hinter Bild und Stuck!
In Sankt Paul vor den Mauern bleibt er was er ist, Urgewalt.
Dennoch, war es auch damals so, dass typisch italienische Schlamperei, man dennoch sah, da und dort, nagt der Zahn der Zeit, auch an diesem Bauwerk.
Da waren riesige Spinnweben in einer Ecke, abseits in den Seitenkapellen waren kleine Risse im Putz, der bröckelte auch leicht, einige Nebenkapellen sahen aus, als habe man da seit Jahrzehnten nicht geputzt.
Mir schien es, in meiner damaligen Verfassung auch ein Zeichen Gottes, der sagte: "Aber guck, so wichtig ist das alles gar nicht! Meine Kirche und die Wahrheit die ich bin, die sind, und die sind auch, wenn dieses Gebäude, dass vom Triumph über die rohen Kräfte kündet, nicht mehr ist, es ist nicht wirklich wichtig."
An all das musste ich denken, als mir die Meldung, das Erdbeben heute in Italien habe eventuell die Basilika St Paul vor den Mauern beschädigt, so dass die vorsorglich erstmal abgesperrt wurde, unterkam.
Damit man mich nicht falsch versteht, ich bin ein großer Fan von ordentlichen und außerordentlichen Liturgien, die würdig, feierlich und mit allem was man so zu bieten hat, an Paramenten, Weihrauch und Stimme in möglichst schöner Kirche gefeiert werden.
Ich finde, wenn alles stimmt, die Sonne während der Wandlung die Weihrauchschwaden zum Leuchten bringt und in dem Moment wo der Priester in wundervoller Kasel das Allerheiligste erhebt, die Musik wunderbar war, dann könnte ich grad sterben, so schön ist das.
Und genau, wenn ich soweit bin, begreife ich, wie unwichtig das alles ist.
In so Momenten meine ich zu verstehen, was das Konzil wollte, was all diese modernisierungswütigen Hochwürden wollten und warum es so schief ging.
Die sind von der oben geschilderten Erfahrung ausgegangen und ja es ist in der Tat so, im allerletzten und im allerersten geht es nur und ausschließlich um Christus, der alles ist, was wir von Gott erkennen und inne werden können und das genügt!
Deo solo basta (Gott allein genügt) sagte die große Therese, und auch das Gleichnis sagt es, das Himmelreich, der Zugang zum Himmelreich ist besser als alles andere.
Also man braucht  alles andere nicht, im Grunde.
Von daher ist alles richtig, und der nachkonziliare Bildersturm, die Verflachung der Liturgie vom Gesang bis zur moralinsauren Einlage der Kindergartenkinder, anstatt der Predigt, die berühmten 4 B (Beton, Bergkristall, Batik, basteln) des modernen Kirchenbaus alles, im Grunde egal, weil unwichtig.
Nur gilt das nur für Leute die fest, superfest, absolut fest, im Glauben stehen, für Leute die schon so nahe bei Gott sind, dass sie nur aus Versehen noch auf dieser Welt herumrennen, für Leute, die es einfach nicht gibt!

Um aber den Anlass für diesen Post nicht zu vergessen: auch und wenn es bei dem  Erdbeben, was ja im Grunde ein Wunder ist, es keine Toten gegeben hat, so sind die Schäden immens.
So bleibt uns zunächst nur das Beten, wie es auch die Geretteten tun. ich finds ergreifend!
Spenden kann man auch, sofern man kann, soweit ich weiß haben all die bekannten Hilfswerke Caritas, Rotes Kreuz, Malteser usw Spendenkonten eingerichtet

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