Sonntag, 16. Oktober 2016

Hiob und Draußen vor der Tür

Das folgende Lied habe ich wirklich gerne, einfach weil es sagt, Gott hört und Gott weiß und er hat uns bereits gehört.


 Er sucht nur jemanden, der ihn hört und beklommen, fast ungläubig nachfragt, und im Vertrauen auf Gott sich bereit erklärt zu gehen, frei nach Jesaja.

Besser ist es natürlich, wenn man das Lied in einer proppenvollen Kirche, anlässlich einer Priesterweihe, mitsingen, kann und darf, das ist dann Gänsehaut pur, aber  davon habe ich keine gute Aufnahme gefunden.
Der Text lehnt auch an diverse Stellen im AT an, eine dieser Stellen ist  das Ende des Buches Hiob, wo Gott dem Hiob, eine eigentlich, auf den ersten Blick, total danebene Antwort auf dessen berechtigte Fragen, gibt, indem er, Gott, erklärt dass er der Herr der Schöpfung ist.
Das hört sich dann so an:


Da antwortete der HERR dem Hiob aus dem Sturm und sprach:
2 Wer ist es, der den Ratschluss verdunkelt mit Worten ohne Erkenntnis?
3 Gürte doch wie ein Mann deine Lenden! Dann will ich dich fragen, und du sollst mich belehren!
4 Wo warst du, als ich die Erde gründete? Teile es mit, wenn du Einsicht kennst!
5 Wer hat ihre Masse bestimmt, wenn du es kennst? Oder wer hat über ihr die Messschnur ausgespannt?
6 Worauf sind ihre Sockel eingesenkt? Oder wer hat ihren Eckstein gelegt,
7 als die Morgensterne miteinander jubelten und alle Söhne Gottes jauchzten?
8 Wer hat das Meer mit Türen verschlossen, als es hervorbrach, dem Mutterschoss entquoll,
9 als ich Gewölk zu seinem Gewand machte und Wolkendunkel zu seinen Windeln
10 und ich ihm meine Grenze zog und Riegel und Türen einsetzte
11 und sprach: Bis hierher kommst du und nicht weiter, und hier soll aufhören der Stolz deiner Wellen?
12 Hast du einmal in deinem Leben dem Morgen geboten? Hast du die Morgenröte ihre Stätte wissen lassen,
13 damit sie die Enden der Erde erfasse, so dass die Gottlosen von ihr abgeschüttelt werden?
14 Sie verwandelt sich wie Siegelton, und alles steht da wie ein Kleid;
15 und den Gottlosen wird ihr Licht entzogen, und der erhobene Arm wird zerbrochen.
16 Bist du gekommen bis zu den Quellen des Meeres, und hast du den Urgrund der Tiefe durchwandelt?.......................................

(zum Weiterlesen, bitte den Staub von der Bibel blasen und Hiob Kapitel 38ff aufschlagen)

Im Grunde müsste man meinen, dass der geplagte, ungerecht geplagte Hiob, nun endgültig eine Zorn auf den lieben Gott kriegen müsste, er leidet ungerecht, die Kinder sind alle tot, alles hat er verloren, krank ist er auch, die Freunde, die um zu helfen, gekommen sind, haben nur genervt und Gott spricht zu ihm und anstatt irgendwas zu erklären, erklärt Gott dem Hiob wie wunderbar er (Gott) die Schöpfung geschaffen habe
Und Hiob begreift, was unsereins irgendwie nicht mehr begreift, oder eventuell doch und sagt, nachdem der Herr dem Hiob noch vom Nilpferd erzählt hat:

Ich verwerfe mein Geschwätz atme auf in Staub und Asche

Mir ist mal was komisches geschehen, das beleuchtet, wie manche doch begreifen, auch heute noch, um was es geht.
Ich stand vor Jahren mal an einem Bücherflohmarkt auf einem katholischen Gemeindefest und hielt das Buch von W. Borchert "Draußen vor der Tür" in der Hand.
Ich mag das Buch eigentlich nicht, weil es so frustig ist, nicht wirklich gut ausgeht, alles irgendwie nur schlimm ist, keine Antwort da, nur in der anderen Kurzgeschichte Borcherts  "die drei dunklen Könige" die in einem ähnlichen Milieu spielt, gibt es sowas wie eine, ganz kleine, seltsame, unbefriedigende  Antwort, wo der Mann das Holz bricht und es riecht wie Eierkuchen und das Licht aus dem Herd, fällt auf das schlafende Kind.
Auf jeden Fall guck ich, mit genau diesen Gedanken, das Buch an, da steht, scheinbar aus dem Nichts kommend, ein Franziskanermönch, im Habit, neben mit, guckt auf das Buch und sagt "O, Borchert, Draußen vor der Tür, das ist ein gutes Buch!" Ich guck ihn zweifelnd an, und da sagt er:
"Ja in dem Buch beschreibt der Borchert das, was wir mit uns machen lassen, wir lassen uns solange in der Zelle und der Disziplin einsperren, bis wir Gott in einem Gänseblümchen erkennen!"

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen