Donnerstag, 20. Oktober 2016

Im Grunde geschieht gerade das, was schon lange zu erwarten war. Romano Guardini zur Lage

Ich war mal auf einer ernsthaften Diskussion über den Zustand in der Kirche, wo einer, der es wissen musste, aus dem  Nähkästchen plauderte, dass das absolute Drama der derzeitigen, dramatischen Lage des Glaubens darin bestünde, dass es bei den Verantwortlichen nicht angekommen sei, nicht angekommen in seiner Dimension und seines Verlaufs, der schon einige Jahrzehnte alt sei. wie die Lage wirklich ist.
Ich wies dann auf Guardinis "Ende der Neuzeit" hin, wo Guardini schon 1951! das beschrieb mit dem wir uns immer noch rumplagen und sagte dazu "Guardini ist schließlich nicht niemand, er ist ein hochgelobter Theologe, es gibt schließlich einen Guardini Lehrstuhl in München und überhaupt!"
Wie um das Gesagte zu untermauern, drehte sich die folgende Diskussion um die alten Hüte, Frauen an die Front, hauptsächlich von evangelischer Seite, (war eine ökumenische Veranstaltung, ja ich geh ab und an zu sowas hin, weil ich Leute prinzipiell spannend finde) was ja deshalb witzig war, weil die sich noch mehr im freien Fall befinden, trotz Frauen allüberall und naja wie sagt ich das nur, man nicht so rumzickt wie die Katholen, was das 6. Gebot  und einschlägige Herrenworte angeht.
Die anderen machten das Fernsehen, irgendwelche "Die", also andere,   Eltern, Lehrer und den Pfarrer dafür verantwortlich, dass  es halt so ist, wie es ist.
Ich hatte zitiert, was ich schon öfter zitiert habe, dass Guardini, im Blick auf die Zukunft sagt:

Die Einsamkeit im Glauben wird furchtbar sein. Die Liebe wird aus der allgemeinen Welthaltung verschwinden (Mt 24,12). Sie wird nicht mehr verstanden noch gekonnt sein. Um so kostbarer wird sie werden, wenn sie vom Einsamen zum Einsamen geht; Tapferkeit des Herzens aus der Unmittelbarkeit zur Liebe Gottes, wie sie in Christus kund geworden ist. 

Guardini braucht für das wahr werden dieser Fakten keine Freimaurer und keine Weltverschwörung, keinen bösen Plan superkluger Leute, die alles unterwanderen und dennoch unsichtbar sind, er braucht einfach die Fakten, ein bisschen Philosophie, Kenntnis der Literatur und Wissen um den Menschen, weil er um Gott weiß, (was wiederum Titel eines Essays von Guardini ist "den Menschen erkennt nur, wer von Gott weiß" Das Essay ist mit einem anderen Essay herausgegeben worden, dessen Titel ebenfalls alles sagt, und der dennoch so quer zu allem was man heutzutage so gut findet steht, nämlich "Die Annahme seiner selbst"), aber zurück zum Ende der Neuzeit.
das Buch wird vom Grünewald Verlag beworben mit dem Text: "ein bleibend gültiges Werk zur eigenen Orientierung!" das trifft es, finde ich, sehr  gut. Ich will im folgenden anhand des Buches versuchen, ein bisschen zu verstehen, was gerade so um uns herum geschieht. 


Also: Guardini sieht die Zeiten vor der unseren durchaus nicht naiv und verklärt, er dämonisiert sie aber auch nicht, sondern versucht zu verstehen, Er trennt die Denkwelt der Antike von der des Mittelalters , sieht aber, dass das eine aus dem anderen hervorgeht, so wie die Neuzeit aus dem Mittelalter hervorgeht und unsere Zeit, für die er noch keinen Namen hat, aus der Neuzeit, und manches was so als Bruch daher kommt, in Wirklichkeit Frucht ist, u.ä.. 
Der Mensch des Mittelalters sah sich, nach Guardini,  zwischen dem eigenen Seelengrund und dem Himmel eingespannt, und im innersten und im äußersten war Gott zu finden, von dem her alles Sinn und Struktur erhält. Er war darin geborgen, aber auch gebunden, wie das ja auch logisch ist, wenn man es überlegt. Der Mensch sah sich auf die Natur verwiesen und machte das, was die Menschheit schon immer machte, er versuchte mit und in den Kräften der Natur zu arbeiten, und sie so zu seiner Freundin zu machen, damit sie nicht zu seiner Feindin würde.
Guardini bringt (ich meine es ist  in "Briefe vom Comer See") als Beispiel einer solchen Art zu leben das Segelschiff, dass mit den Winden und Strömungen fährt und als Beispiel für die Art der Neuzeit eben das Dampfschiff, dem es viel egaler ist ob grade der Wind weht oder nicht.
Dennoch und das stammt jetzt von mir gibt es aber auch schon seit den Römern diese Art sich von der Natur unabhängig zu machen, wie man an den Römerstraßen ja gut sieht, die ohne Rücksicht auf Verluste, kerzengerade, auch heute noch gut erkennbar, gebaut wurden, geniale Ingenieurskunst, aber es mag  hier schon das grundgelegt worden sein, was wir heutzutage als Segen und Fluch gleichzeitig wahrnehmen, der technisch wissenschaftliche Fortschritt, der es uns erlaubt. quer über den Globus zu kommunizieren, quer über den Globus zu reisen, der dazu führt, dass Krankheiten, die noch vor 150 Jahren als absoluter Schrecken empfunden wurden, einem heute nur noch ein müdes Lächeln hervorrufen und dergleichen mehr. Gleichzeitig wird uns aber auch  immer mehr bewusst, dass wir damit  massiv in die Natur eingreifen, und das in einer Weise,  die durchaus dialektisch  zu nennen ist, dass nämlich vor lauter Verbesserung Grundlagen zerstört werden, also auch hier die Revolution ihre Kinder frisst, um ein griffiges Wort zu gebrauchen.
So beschreibt Guardini sehr schön wie das Christentum aus der Welt der Antike herausführt, wie das Christentum sozusagen die 'ollen Germanen'  vom 'druff un daweder', eben im Zusammenspiel von tausend Faktoren (Guardini sieht bei aller Bedingtheit auch immer die Freiheit des einzelnen Menschen als absolut gegeben an) hin zu halbwegs zivilisierten Menschen machte, die z.B wundervolle Gedichte voller Schönheit, Poesie und Wahrheit schufen, wunderbare Kathedralen, nebst vielem anderen, dennoch ist und gibt es ein gewisses Unbehagen der Christen mit der Neuzeit auch und wenn man sich tausendmal sagen lassen muss, dass der gesamte wissenschaftlich-technische Fortschritt sowie der politische Fortschritt aus dem Christentum herausgewachsenen ist und nur da so  herauswachsen konnte, wie er es getan hat.
er formuliert das so:
Es ist dem Christen immer eigentümlich schwer gefallen, sich mit der Neuzeit abzufinden. Damit wird ein Problem angeschnitten, das einer genaueren Erörterung bedürfte. Es ist nicht gemeint, das Mittelalter sei als geschichtliche Epoche einfachhin christlich, die Neuzeit hingegen unchristlich gewesen. Das wäre jene Romantik, die schon so viel Verwirrung angerichtet hat. Das Mittelalter wurde von einer Struktur des Denkens, Empfindens und Handelns getragen, die zunächst und als solche der Glaubensentscheidung gegenüber - soweit man dergleichen sagen kann - neutral war. Für die Neuzeit gilt das Nämliche. In ihr trat der abendländische Mensch in die Haltung individueller Selbständigkeit ein, womit über den sittlich-religiösen Gebrauch, den er von dieser Selbständigkeit machte, noch nichts gesagt ist. Christ zu sein ruht auf einer Stellungnahme zur Offenbarung, die in jedem Abschnitt der geschichtlichen Entwicklung vollzogen werden kann.

vorher im Text versucht er das Ungbehagen zu erkläre, dass eben auch zum Teil daruf beruht, dass die Neuzeit diverse Güter des Christentums reklamiert und sogar absolut gesetzt hat, allerdings ohne das Christentum zu wollen, Guardini formuliert das so:

 daß die Neuzeit Personalität und personale Wertwelt für sich in Anspruch genommen, aber deren Garanten, die christliche Offenbarung, weggetan hat, hat jene innere Unredlichkeit erzeugt, von welcher die Rede war. Der Zusammenhang hat sich denn auch allmählich enthüllt. Die deutsche Klassik wird von Werten und Haltungen getragen, welche sich bereits in der Schwebe befinden. Ihre edle Menschlichkeit ist schön, aber ohne die letzte Wahrheitswurzel, denn sie lehnt die Offenbarung ab, von deren Wirkung sie überall zehrt. So beginnt denn auch ihre menschliche Haltung schon in der nächsten Generation zu verblassen. Und nicht, weil diese weniger hoch stünde, sondern weil dem durchbrechenden Positivismus gegenüber die von ihren Wurzeln gelöste Persönlichkeitskultur sich als ohnmächtig erweist.

Der Vorgang hat sich weiter fortgesetzt; und wenn dann plötzlich das aller neuzeitlichen Kulturtradition so schroff widersprechende Wertbild der letzten beiden Jahrzehnte hervorbrach, so waren Plötzlichkeit wie Widerspruch nur scheinbar: in Wahrheit hat sich da eine Leere kundgetan, die schon lange vorher bestanden hatte. Die echte Personalität mitsamt ihrer Welt von Werten und Haltungen war mit der Absage an die Offenbarung aus dem Bewußtsein verschwunden.

Ich denke dass genau hierin das Problem liegt, warum der christliche Aufbruch nach dem WKII in sehr kurzer Zeit so versandete, wobei mir das Konzil eher der Versuch gewesen scheint, genau das zu verhindern, aber irgendwie war es der Versuch das Problem mit Mitteln zu lösen, die das Problem erst verursacht hatten, 
Auf jeden Fall hat es nicht geholfen und so haben sich, die Dinge halt weiter so entwickelt, wie sie nicht sollten und es wird immer offensichtlicher, es ist einerseits gut, dass sich die Fronten klären, man auf eine gewisse Art frei wird, auch und wenn es viel von dem berühmten Vae victis (ein Heil bleibt den Besiegten, kein Heil mehr zu hoffen) hat,. Guardini sagt das so:


Die kommende Zeit wird in diesen Dingen eine furchtbare, aber heilende Klarheit schaffen. Kein Christ kann sich freuen, wenn die radikale Unchristlichkeit hervortritt. Denn die Offenbarung ist ja kein subjektives Erlebnis, sondern die Wahrheit einfachhin, kundgetan durch Den, der auch die Welt geschaffen hat; und jede Stunde der Geschichte, welche die Möglichkeit des Einflusses dieser Wahrheit ausschließt, ist im Innersten bedroht. Aber es ist gut, daß jene Unredlichkeit enthüllt werde. Dann wird sich zeigen, wie das in Wirklichkeit aussieht, wenn der Mensch sich von der Offenbarung gelöst hat, und die Nutznießungen aufhören.

wir leben noch in Zeiten, die vom Christentum geprägt sind, die meisten glühenden Atheisten und schwankende Agnostiker, werfen der Kirche vor, da und da und da versagt zu haben, da und da und da eben unbarmherzig, unsozial, bigott, scheinheilig, heimlich Champagner trinkend beim öffentlichen Predigen von Wasser, gewesen zu sein usw.
Man kann da im Detail trefflich streiten, aber Fakt ist, all diese Kirchenkritik hält die Werte des Christentums für selbstverständlich.
Wie oft habe ich schon den Satz (in Variationen) gehört "Also ich, ich bin doch viiiiiieeeeel sozialer, als diese alte Hexe von Tante, die regelmäßig in die Kirche rennt, obwohl ich nicht in die Kirche gehe"
Man setzt, sozusagen die christliche Kür vorraus, hält das, was sich in 2 Jahrtausenden herausgebildet hat, für den sophistischen Naturzustand, des Wahren, Schönen, Guten, dessen volle Entfaltung der Glaube (korrekt die Kirche) verhindert habe.
Um ein Bild zu gebrauchen, man sieht den Garten hinterm Haus, mit seinen Maulwürfen, Wühlmäusen, Schildläusen,  seinen verkehrt gepflanzen Bäumen, den teilweise ungünstig angelegten Beeten und eben dem was nichts geworden ist, weil Schnecken, Wetter, versucht was anzupflanzen was schlecht wächst usw,  hat aber das Bild eines idealen, wunderschönen Gartens, meist eine Kombination von zuviel auf zuwenig Platz, vor Augen, und träumt vom naturnahen Gärtnern, hat dabei im Kopf, wenn man nur alles in Ruhe lassen würde, dann würde das schon alles wunderbar, weil die Oma früher doch....... und will nicht wahrhaben, dass Naturzustand  bedeutet: Wald, zumindest in unseren Breitengraden.
Man vergisst, dass man der Oma mehr im Weg herumstand beim "helfen" und ist immer noch überzeugt mit dem Spielgießkännchen wirklich gegossen zu haben, und hat einfach vergessen, wieviel Arbeit das alles war und ist.,
Man denkt als Nichtchrist der bessere Christ zu sein, man nimmt die christlichen Werte, (eben den Garten) als selbstverständlichen Naturzustand, an, sieht deshalb das Tun in diesem Garten als Zwang, der eben den als ursprünglich gedachten Naturzustand verhindert, was ja teilweise richtig ist, nur ist eben der Naturzustand kein Garten, sondern eben Wald.
Manchmal denke ich mir, die Öko- und Biofreaks, die Klimapaniker, so sehr sie mir auf den Keks gehen, ahnen mehr als sie wissen, weil es ja anscheinend, aktuell darauf hinausläuft aus dem Garten einen Parkplatz oder ein Bürohochhaus oder was weiß ich was, zu machen.
Manchmal wenn ich durch irgendwelche Städte laufe, denk ich dran, dass die einzelnen Stadtteile mal eigene Dörfer waren, die voneinander durch Feld und Wald getrennt waren, und jetzt sind sie so groß geworden, dass man da gar keine Grenzen mehr erkennt.
Je mehr man von Natur redet, umsoweniger gibt es sie, anscheinend.
So scheinen mir diese Leute einen Zustand erhalten zu wollen, der gut war, wenn es auch nicht der Naturzustand war, also ein Zustand der von selber sich ergibt, sondern ein Kulturzustand, der und ja, da haben sie recht, dabei ist zu vergehen, zugunsten von etwas, was zwar faszinierend und erstrebenswert erscheint, in seinen Auswirkungen aber was auch Gefahren birgt, wovon die üblichen Horrorvisionen als da sind Matrix, 1984, brave new world, nur eine Ahnung sind,
Guardini beschreibt das so:
Ein neues Heidentum wird sich entwickeln, aber von anderer Art als das erste... Der heutige Nicht-Christ ist vielfach der Meinung, er könne das Christentum ausstreichen und von der Antike aus einen neuen religiösen Weg suchen. Darin irrt er aber. Man kann die Geschichte nicht zurückdrehen. 

Nun wollen die modernen Heidenfans gar nicht zur Antike zurück, sie wollen ja auch da noch hinter zurück, in den paradiesisch gedachten Naturzustand, den sich jeder denken kann, wie er will.

Nettes Matriarchat, Urkommunismus, alle zusammen und miteinander, im Einklang mit der Natur, wie in Pochahontas, man lese ein bisschen Fantasy und finde genug Ideen, die alle ein Problem haben. "Wenn es in irgendeinen "früher" so richtig gut gewesen wäre, dann hätte man es doch so richtig gut gelassen und nicht angefangen nach Verbesserungen zu suchen, oder?"
Also wenn die Druiden so nett und weise und gut und heillkundig und das auch jedem zugute kommen lassend, gewesen wären, dann hätte man sich doch nie und nimmer von denen abgewandt Oder?
Aber die Sache ist einfach die, die Geschichte lässt sich nicht zurückdrehen, und das will auch keiner, wenn er ehrlich ist.
Ab und an läuft mit ja einer über den Weg, der mir von regional und saisionaler Ernährung vorschwärmt und dem erzähl ich dann immer von meiner Kindheit auf dem Land, wo wir uns, mussten halt sparen, regional und saisional aus dem Garten und vom Feld, ernährten, wo es beim Metzger 10 Sorten Wurst und keine 50 gab und dass ich froh bin, dass das vorbei ist, auch und wenn ich an Weihnachten keine Erdbeeren brauche und es dusselig finde Lammfleisch von den Antiopoden (das ist der auf der Weltkugel genau entgegengesetzte Ort zu uns, also der am weitesten entfernte und im Fall von Deutschland, eben Neuseeland) einfliegen zu lassen.
Auch sonst war es sehr urig, manche Zimmer konnten gar nicht geheizt werden, so das Klo, war sehr nett im Winter, manchmal froren die Wasserleitungen ein, naja und die Bekleidung war auch sehr öko, besonders bei den Schuhen war das lästig, von wegen nix Goretex und so, sondern nasse Füße, wenn man im Schnee herumlief.
Ja in der Rückschau, war es schön, anheimelnd, nett, im Winter in der Küche um den Herd, auf dem auch gekocht wurde, und meine Eltern schwärmen auch immer am dekorativen. offenen Kamin der so schön mit der Zentralheizung harmoniert, von früher, aber dennoch waren sie es ja die das alles abgeschafft haben und zwar mit gutem Grund.
Es ist alles irgendwie Romantik gespeist aus einem Unbehagen, das wohl mehr ahnt als weiß, dass man im Vorwärtsgehen in der Zeit, auch und wenn man sich selber als dezidierten Gegenchristen verstehen und objektiv froh ist, die Infame los zu werden, in ihre Schranken zu weisen, sich aus dem ihrem Mantel zu befreien, was das Wort Emanzipation ja ursprünglich bedeutet (aus dem  Mantel des (römischen) Hausvaters herausgehen) auf vieles verzichten  muss, und dennoch nicht in das ideal gedachte Leben mit und in der Natur zurückkann, weil man das, im Grunde ja gar nicht will, wenn man ehrlich wäre.
Und so kommt es langsam, aber sicher zu einer Entscheidung, vor der man sich dennoch gerne drückt,  man will es ja eigentlich gar nicht, in die vorchristlichen Zustände zurück.
Guardini drückt das so aus:

 Je entschiedener der Nicht-Glaubende seine Absage an die Offenbarung vollzieht und je konsequenter er sie praktisch durchführt, desto deutlicher wird daran, was das Christliche ist. Der Nicht-Glaubende muß aus dem Nebel der Säkularisation heraus. Er muß das Nutznießertum aufgeben, welches die Offenbarung verneint, sich aber die von ihr entwickelten Werte und Kräfte angeeignet hat. Er muß das Dasein ohne Christus und ohne den durch Ihn offenbarten Gott ehrlich vollziehen und erfahren, was das heißt. Schon Nietzsche hat gewarnt, der neuzeitliche Nicht-Christ habe noch gar nicht erkannt, was es in Wahrheit bedeute, ein solcher zu sein. 

Sagen wir einfach so, der Christ fühlt sich nicht mehr zuhause in dieser Zeit, weil er es einfach spürt, dass die Hermeneutiken nicht stimmen,  und dennoch  stimmt auch das andere, es gibt ein prinzipielles Missbehagen des Christen an der Neuzeit, wobei dieses superkonservative aus der Abteilung "Ham mer schon immer so gemacht" dieses auf die eigenen Behaglichkeit setzen, und diese bewahren als das nonplusultra christlicher Existenz sehend, also das me too, dass sich entweder auf ein ideal gedachtes früher oder auf ein ideal gedachtes jetzt bezieht, eigentlich überhaupt nicht christlich ist, kommt das Wort für Pfarrei, von griechischen paroikia und das bedeutet die fremden, die die fremd sind, die die nebendran wohnen, also genau das Gegenteil des me too, und ach dabei, dass an den einen wie den anderen so nervt.
Wieder bringt es Guardini souverän auf den Punkt, 

Das machte den Christen in seinem Verhältnis zur Neuzeit unsicher. Überall fand er in ihr Ideen und Werte, deren christliche Herkunft deutlich war, die aber für allgemeines Eigentum erklärt wurden. Überall stieß er auf Christlich-Eigenes, das aber gegen ihn gekehrt wurde. Wie hätte er da vertrauen sollen?

 aber wie oben schon ausgeführt wurde, auch die Nichtchristen fühlen sich nicht wohl, und man merkt es auch, man wirft zwar den Christen gerne ihre Unchristlichkeit vor, wenn man findet, die spuren  nicht so, wie sie sollen, aber um die  Theorien, die das Christentum ohne Christus bauen wollten ist es auffällig still geworden. Es hat sich irgendwie auf ein "Alle müssen genug zu fressen haben, dann braucht es keine Moral mehr" eingespielt. Wir leben dennoch in einer Art Übergangszeit, was ja auch nicht verwunderlich ist, ein so altes, großes Gebäude wie das Christentum in Europa das baut man nicht mal so eben um, besonders dann nicht, wenn man es eigentlich abreisen will, aber die Unbehaustheit fürchtet also den Bau gerne halten würde, aber die Steine nicht will, bisschen paradox, aber so ist es halt.
Wobei es doch so ist, dass die Unbehaustheit der Zustand des Christen ist, von wegen, "wir haben hier auf Erden keine bleibende Stätte, sondern suchen die zukünftige" schreibt schon der Apostel Paulus.
Dennoch wird es dahin kommen dass:
 diese Undurchsichtigkeiten werden aufhören *13Wo die kommende Zeit sich gegen das Christentum stellt, wird sie damit ernst machen. Sie wird die säkularisierten Christlichkeiten für Sentimentalitäten erklären, und die Luft wird klarer werden. Voll Feindschaft und Gefahr, aber sauber und offen.

 und wieder wird das doppelte betont, dass es beide trifft, 

Man hat dem Christentum oft vorgeworfen, in ihm berge sich der Mensch vor der Ausgesetztheit der modernen Situation. Daran war manches richtig - und nicht nur deshalb, weil das Dogma in seiner Objektivität eine feste Ordnung des Denkens und Lebens schafft, sondern auch, weil in der Kirche noch eine Fülle kultureller Traditionen lebt, die sonst weggestorben sind. Der Vorwurf wird in der kommenden Zeit immer weniger Anlaß haben.

das Buch schließt mit dem Ausblick, dass es wohl so, ist dass wir, mal wieder, an einen Wendepunkt kommen, wo es sein kann, dass alles ins apokalyptische kippt, aber genauso gut sein kann, dass aus der Krise die Kirche erneuert hervorgeht, wie der berühmte Phönix aus der Asche, es ist einfach so, wie es immer gewesen ist, dass der Mensch, die Menschheit sich entscheiden muss, und Gott, das ist ja das unfassbare, den Menschen mit seiner Entscheidung ernst nimmt, absolut ernst!

Es kann also sein, dass die Welt in den vorhergesagten Zustand kommt, wo keiner mehr gerettet werden kann, weil sie, die Welt, das so gewollt hat, wohlgemerkt.

Was umgebende christliche Kultur und bestätigende Tradition heißt, wird an Kraft verlieren. Das wird zu jener Gefahr des Ärgernisses gehören, von welcher gesagt ist, daß ihr, »wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten erliegen würden« (Mt 24,24). Die Einsamkeit im Glauben wird furchtbar sein. Die Liebe wird aus der allgemeinen Welthaltung verschwinden (Mt 24,12). Sie wird nicht mehr verstanden noch gekonnt sein.

oder eben, gerade weil alles verschwindet, verschwinden muss, weil es nicht mehr verstanden, nicht mehr gekonnt wird, und so aus der Welt verschwindet, dass man noch nicht mal weiß, was einem fehlt, dann eben, kann es sein, dass 

Vielleicht wird man diese Liebe ganz neu erfahren: die Souveränität ihrer Ursprünglichkeit, ihre Unabhängigkeit von der Welt, das Geheimnis ihres letzten Warum. Vielleicht wird die Liebe eine Innigkeit des Einvernehmens gewinnen, die noch nicht war. Etwas von dem, was in den Schlüsselworten für das Verständnis der Vorsehungsbotschaft Jesu liegt: daß um den Menschen, der Gottes Willen über Sein Reich zu seiner ersten Sorge macht, die Dinge sich wandeln (Mt 6,33).

und so wird es kommen, wie es eigentlich immer kommt, zumindest, wenn man begreift, dass der Mensch selber, in diesem Leben die Entscheidung zwischen Himmel und Hölle trifft, nämlich

 daß unsere Existenz in die Nähe der absoluten Entscheidung und ihrer Konsequenzen gelangt; der höchsten Möglichkeiten wie der äußersten Gefahren.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen