Mittwoch, 12. Oktober 2016

Pater Lombardi im Interview über Vergangenes und Zukünftiges

Ein ehemaliger Priester, Jose Manuel Vidal, den die bloggerin von Benoît XVI-et-moi als hyperprogressiv und hyperbergoglianisch klassifiziert hat für El Mundo  Pater Federico Lombardi, den früheren Pressesprecher des H. Stuhls und neuernannten Präsidenten der Ratzinger-Stiftung interviewt. Sie stellt sich auch die Frage, - und wir mit ihr- ob so diese Stiftung auf "Kontinuitätskurs" gebracht werden soll.
Hier geht´s zum Original, das wir bei BenoîtXVI-et-moi gefunden haben (merci!)  :  klicken

"LOMBARDI : "PAPST FRANZISKUS HAT DIE GABE DER KOMMUNIKATION". 

"Man nennt ihn einen ruhigen Mann, der ins Ohr der Päpste flüsterte. Der Jesuit Federico Lombardi war mehr als ein Pressesprecher des Hl. Stuhls. Während all der Jahre hat er die offizielle Stimme der Kirche verkörpert.
Er war der Kommunikation der Päpste Benedikt XVI und Franziskus zu Diensten, hat unaufhörlich die Journalisten verwöhnt und betreut, die unerläßlichen  Instrumente für die Kommunikation der Kirche. Er fährt damit fort, Brücken zu errichten-auch in seiner Stellung als Präsident der Ratzinger-Stiftung. Er sieht sich nicht als General der Gesellschaft Jesu und versichert, daß "Franziskus die Gabe der Kommunikation" hat.

Jose Manuel Vidal:  "Welche Bilanz ziehen Sie nach 10 Jahren als Leiter des Pressebüros des Hl. Stuhls?"

Pater Federico Lombardi:
"Die Bilanz müssen die Journalisten und die Katholiken ziehen, Sie sind es, die sagen müssen, ob ich gute Arbeit geleistet habe oder nicht. Es war eine sehr wichtige und reiche  Erfahrung in meinem Leben, diese Zusammenarbeit im Dienst zweier sehr verschiedener Päpste.Und schon vorher habe ich im Vatican gearbeitet mit Johannes Paul II. Drei Päpste in 25 Jahren.
Das ist eine sehr tiefe Erfahrung.
Als berufliche Ausübung und spirituelle Erfahrung der Nähe zu den Päpsten, die wunderbare Persönlichkeiten sind und die das Leben der Kirche während dieser letzten Jahrzehnte geprägt haben.
Es ist ein Dienst mit den Journalisten und für die Journalisten. Es handelt sich darum, ihnen zu helfen gut zu verstehen und so auf adäquate Weise über das Leben der Kirche zu informieren und es zu kommentieren. In diesem Sinn war informieren für mich ein Dienst des Dialoges und Brückenbaus zwischen der institutionellen Kirche und der Welt der Kommunikation. Das war auch eine gute Erfahrung von Freundschaft mit zahlreichen Journalisten aus der ganzen Welt. aus verschiedenen Nationen und Ausrichtungen. Und immer mit dem Gedanken der Zusammenarbeit, um allen, die eine tiefgehende Informationen über die Kirche in der Welt von heute wollen, einen guten Dienst zu erweisen."

JMV: "Haben Sie während Ihrer Zeit als Sprecher des Hl. Stuhls etwas von den Journalisten erfahren?"

PFL : "Ich muß sagen. daß meine Erfahrung sehr gut war. Ich habe versucht, den Journalisten aus ganzem Herzen zu dienen. Ihnen Material und nützliche Informationen zu geben, die sie brauchten, um ihre Arbeit gut machen zu können.und mit einer positiven und disponiblen Haltung."

JMV ; "Sind die  Medien und ihre Professionellen unentbehrliche Instrumente für die Kirche?"

PFL:  "Natürlich. Es gibt Journalisten, die eine Orientierung und größere Syntonie mit der Kirche haben, weil sie ihre Ideale und Ziele teilen. Es gibt andere, die eine unterschiedliche Sicht haben. Sie können die Fakten interpretieren, ohne zu verstehen, was die tiefen, evangelischen Ziele des Papstes sind, weil sie sie nicht teilen. Auf alle Fälle verdienen alle Personen. die ihre Arbeit ernsthaft verrichten daß man ihnen hilft, die Realität der Kirche richtig zu verstehen. In diesem Sinn gab es einen gegenseitigen Respekt. (!!!)"
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JMV: "Und als Beweis für diesen gegenseitigen Respekt haben die Journalisten Ihnen vor kurzem eine Hommage in Rom erwiesen?"

PFL: "Ich habe mich nie angegriffen gefühlt. Ich hab mich immer von den Journalisten respektiert und geschätzt gefühlt."

JMV: "Werden Sie es bedauern bei der nächsten Reise des Papstes mit im Flugzeug zu sein?"

PFL: "Nein, ich habe immer gedacht, daß ich einen Dienst ausübe. Er ist beendet und ich mache etwas anderes. Das ist keine Tragödie. Es ist ganz normal verschiedene Aufträge zu haben. Ich war sehr zufrieden damit, mit den Päpsten zusammen zu arbeiten. Aber ich  war mir immer sehr bewußt, daß das kein Dienst für die Ewigkeit sein wird. Jetzt habe ich eine andere Aufgabe."

JMV: "Hat sich die Kommunikation im Vatican mit Papst Franziskus geändert?"

PFL: Der Kommunikationsstil von Papst Franziskus ist sehr unterschiedlich von dem Benedikts. Benedikt hatte eine sehr reiche und inhaltsreiche Kommunikation mit sehr tiefen und theologischen Inhalten. Franziskus hat ein sehr spezielles Charisma -konkret und direkt, Nähe mit der Welt von heute und mit den Menschen.  Es ist eine konkretere und direktere Kommunikation und eine tiefe Übereinstimmung zwischen dem Volk und Papst Franziskus. Und  natürlich war der Dienst der Kommunikation meinerseits anders, in dem Sinn, daß es mit Benedikt mehr ein Dienst der Interpretation und Vereinfachung seiner Botschaften, der Verdünnung war.
Mit Franziskus wurden die Botschaften direkter verstanden. Und der Dienst besteht darin, die zahlreichen verschiedenen Medien verstehen zu lassen, die Botschaften schnell zu empfangen, die besonders an die Kommunikation von heute adaptiert sind.  Mit kurzen, eindringlichen Sätzen. mit einfachen Botschaften. Das Kommunikationsvermögen von Franziskus  hat etwas sehr Spezielles. Der Papst hat die Gabe der Kommunikation."





JMV:  "Stört es Sie, daß wir Journalisten fortfahren Sie als "Ex-Sprecher" zu etikettieren oder ist das ein Ehrentitel?"

PFL: "Das ist kein Problem. Es ist eine Realität."

JMV: "Haben Sie sich schon mit den neuen Aufgaben vertraut gemacht?"

PFL: "Ich habe neue Aufgaben und werde sehen, woraus sie bestehen und wie man sie interpretieren kann. Es ist ein bißchen eine Durchgangsperiode  weil ich angefangen habe zu  sehen, was die Ratzinger-Stiftung ist und was ich da tun kann. Und dann ist da die General-Kongregation der Jesuiten, der werde ich eineinhalb Monate widmen. Danach werde ich sehen, ob ich eine andere Aufgabe in der Gesellschaft habe und ob das mit der in der Stiftung zusammen passt.

JMV: "Man sagt, daß Sie der neue General werden könnten."

PFL: "Nein, nein und nein. Ich bin ganz ruhig. Das ist absolut unmöglich."

JMV;  "Es gibt das Gerücht, daß Ihr Name unter denen der "schwarzen Papabiles" ist."

PFL: "Nein da gibt es keine Möglichkeit. Das hat gar keinen Sinn. Das wäre nichts für mein Alter. Ich bin 74 Jahre alt."

JMV: "Genau das richtige Alter für ein Mandat von 6 oder 7 Jahren."

PFL: "Nein, nein.... Das ist nicht das, was die Jesuiten jetzt brauchen."

JMV: "Sie wollen jemanden Jüngeres?"

PFL: ":::und der Zeit hat, zu regieren."

JMV: "Ist es möglich, eine Prognose zum eventuellen Nachfolger Adolfo Nicolàs abzugeben?"

PFL: "Nein, das ist vollkommen ausgeschlossen. Es ware gegen die Realität, weil es gar keine Kandidatur gibt. das was zählt, ist der Prozess des Erkennens, der findet in der Generalkongregation statt, ein Prozess in dem man

JMV: "Gerüchte?"

PFL: "Das ist es, Vorher nicht. Nein, es gibt keine Kandidaturen, weder Gruppen noch Listen von Kandidaten. Jeder hat die Verantwortung zu erkennen."

JMV: "Aber wir, die Journalisten,wir wir machen Prognosen."

PFL: "Aber die wären nicht seriös."

JMV: "Der, der gewählt wird, der neue General- wird der franziskanisch sein, soll heißen einer, der völlig mit Papst Franziskus übereinstimmt?"

PFL: "Es ist klar, daß die Gesellschaft Jesu in einem Pontifikat lebt, und wie immer, muß sie der Kirche in der Perspektive, die der Vikar Christi uns zeigt, dienen. Es  gibt natürlich eine Übereinstimmung  zwischen der Gesellschaft Jesu und dem Papst, der Jesuit ist. Die Gesellschaft wünscht, der Kirche zu helfen, den Papst zu unterstützen und-ihm-wie immer- zu Diensten zu sein. Die Gesellschaft unterstützt alle Päpste (die deutsche hat den den deutschen Papst nicht unterstützt, sondern ihm offen den Gehorsam verweigert)."

JMV: "Wer er auch sei?"

PFL; "Das ist die Aufgabe der Gesellschaft."

JMV: "Mit einer besonderen Übereinstimmung mit Papst Franziskus?"

PFL: "Es ist offensichtlich, daß es da eine wichtige Übereinstimmung mit Franziskus gibt. Das ist eine gute Sache. Wir sind in einer Kirche, die durch Papst Franziskus geleitet wird. und wir müssen ihm folgen und uns an seinen Geist anpassen. Das ist natürlich. Logischerweise wird die Orientierung, die die Kongregation einnehmen wird, dieser Situation Rechnung tragen."

JMV: "Vom Pressesprecher des Hl. Stuhls zum Präsidenten der Ratzinger.Stiftung. Worin besteht Ihre neue Aufgabe?"

PFL:  "Ich habe jetzt eine Spezialmission, die darin besteht, das kulturelle und theologische Erbe  von Joseph Ratzinger, Benedikt XVI  fortzuführen. Durch das Mittel von Preisverleihungen, Veröffentlichungen und Theologie-Kongressen. Das bedeutet, den Geist Joseph Ratzingers fortwirken zu lassen und sein Strahlen durch den Beitrag der Theologie und der Kultur der Kirche zu erhalten. Wir müssen nicht nur über seinen Geist  bewahren, sondern auch den Dialog zwischen Kirche und aktueller Kultur. Die Stiftung hat diese Aufgabe. Um sie gut zu führen, arbeiten wir viel mit den verschiedenen Institutionen zusammen, wie den Universitäten der Welt, Kongressen, Veröffentlichungen und verschiedenen Initiativen."

JMV: "Wie ist Ihre Versetzung in die  Direktion der Ratzinger-Stiftung vor sich gegangen?"

PFL: "Franziskus hat zu mir gesagt: "Für dich ist es im Pressesaal bald zuende und du wirst dich dann um die Ratzinger-Stiftung kümmern" Und ich habe gedacht: "Ich weiß nicht, ob das meine Sache ist, Kongresse zu organisieren und so etwas." Dann habe ich verstanden, daß mit Benedikt XVI zusammen gearbeitet zu haben, für mich sehr wichtig war und weiter mit ihm arbeiten zu können, für mich eine Gelegenheit wäre, ein Geschenk. Ich empfinde es als Geschenk mit dem Papa emeritus in dieser wichtigen Periode zusammenarbeiten zu dürfen, in der Zeit der Vorbereitung auf die Begegnung mit Gott.
Wir haben dann weiter gesprochen und Franziskus hat mir auch gesagt, daß wir der Stiftung einen Impuls geben müssen und aktiv Anteil an der Arbeit der kulturellen Überlegungen mit der weiteren Perspektive des Dialoges mit der Theologie nehmen. Mit einer Perspektive die, mit dem Glauben kompatibel ist und wirklich der Welt von heute helfen kann. In diesem Sinn habe ich die Arbeit verstanden, die Franziskus mir anvertraut hat. Eine sehr wichtige Arbeit. weil er sehr genau weiß, welchen enormen Dienst  Benedikt der Kirche erwiesen hat.
Es gibt eine wunderbare Beziehung der Wertschätzung und Übereinstimmung zwischen Franziskus und seinem Vorgänger. Ich fühle mich gut dabei, aus dem Dienst des einen in den des anderen zu wechseln, weil das den Geist der Kontinuität zwischen den beiden Päpsten konkretisiert und die tiefe Beziehung zwischen diesen beiden Personen."

JMV: "Wie geht es Benedikt XVI?"

PLF: "Er bereitet sich auf die Begegnung mit Gott vor. Das Buch seiner "Letzten Gespräche" das sehr bald auch in spanischer Sprache veröffentlicht wird, hat für mich einen besonderen Wert, weil es sein Testament ist. Es ist sein Testament, wie man sich auf die letzte Begegnung des Lebens vorbereitet. Ein Testament von großer Tiefe und wunderbarer Ernsthaftigkeit, das uns allen in unserer Spiritualität helfen kann. Ich betrachte es als Privileg, in gutem Einvernehmen mit diesem großen Menschen zu sein. In einem kleinen Dialog, den ich einige Wochen später mit ihm konkret über die Stiftung hatte, über den Sinn meiner jetzigen Aufgabe hat er mir gesagt: "Es ist sehr wichtig, daß wir uns in der Unterstützung der Entwicklung einer Theologie in der Kirche engagieren, die sich tief in sie einbringt und eine Theologie aus ihrem Inneren- und nicht von außen durch Intervention der Disziplin." 
Für mich ist das, weil es von einem emeritierten Papst, der vorher  Präfekt der Glaubensdoktrin war, kommt, sehr wichtig. Benedikt denkt, daß die Suche nach der Wahrheit und dem theologischen Dialog im Inneren wachsen muß in einem Geist des positiven aggiornamento. Wie der, den er in seinem Jesus-Buch zeigt ."

                                                  

Quelle El Mundo, Jose Manuel Vidal, F.Lombardi, BenoîtXVI-et-moi

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