Montag, 31. Oktober 2016

Sandro Magister über den Umbau der Vatican- Medien

Sandro Magister setzt sich bei www.chiesa mit dem Umbau der vaticanischen Medien vom Osservatore Romano bis zu Radio Vatican auseinander- die gemeinsam dem Kommando von Msgr. Dario Viganó unterstellt werden. Bisher hat der Pontifex bei der Auswahl vom Mitarbeitern im Kommunikationsbereich eher kein allzu glückliches Händchen gezeigt, warten wir also ab, wie sich diese Reform entwickelt. Eine positive Wirkung der Beendung des Kurzwellenprogramms allerdings kann man sicher jetzt schon ausschließen.
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"ADDIO JESUITEN. DIE VATICAN-MEDIEN BEKOMMEN EIN NEUES GESICHT UND EINEN NEUEN BOSS"
Und das mit einem Jesuiten-Papst, nicht weniger. Radio Vatican stellt seine Kurzwellenausstrahlung ein. Und der Osservatore Romano wird in einen einzigen "content hub" integriert. Unter dem Kommando von Msgr. Dario Viganó.


Jorge Mario Bergoglio ist der erste Jesuit der Geschichte, der auf dem Thron Petri sitzt. Und dennoch ist die Gesellschaft Jesu genau unter seiner Regierung in Gefahr aus dem Vatican zu verschwinden.

Sie ist noch für das Astronomische Observatorium zuständig. Aber hat die Leitung des Presseamtes, des Radio-Networks, der Fernsehstation, dem Herzen der Kommunikationssystems des Hl. Stuhls verloren.

Der neue Boss der Vatican Medien, der von Papst Franziskus an die Spitze des neu geschaffenen Sekretariats für Kommunikation gesetzt wurde, ist der Lombarde Msgr. Dario Edoardo Viganó, ein Filmexperte, der so weit von den Visionen seines Vorgängers entfernt ist, wie man es sich vorstellen kann.





Vatican Radio ist das Epizentrums der Umwälzung. Seit seiner Entstehung 1931 war es der Gesellschaft Jesu anvertraut, es hat die Botschaft der Kirche in die entferntesten Ecken der Welt getragen.

Auf Kurzwelle konnte und kann es selbst in ungastlichsten Orten gehört werden, in Sibirien während der Stalin-Jahre wie heute in Nord-Korea oder Saudi-Arabien.

Es sendet in 40 Sprachen und wenn es nach Pater Lombardi ginge würde noch einige hinzu kommen
Er konnte sogar ein Programm in der Hausa-Sprache für den Norden Nigerias, wo die Boko Haram wüten, einzurichten- mit zusätzlichen Kosten von 10.000 € pro Jahr. Aber die, die im Vatican der Schlüssel zur Kasse haben, haben ihn gezwungen, es aus Budget-Gründen zu schließen.

Weil Vatican Radio effektiv viel Geld kostet. Es sendet keine Werbung, seine Einkünfte sind gering und zahlreiche Sprachabteilungen, die die Zahle der Journalisten auf der Gehaltsliste auf über 35 angehoben haben. Das totale Defizit bewegt sich zwischen 20 und 30 Millionen € im Jahr.

Also dann, Msgr. Viganó will nichts mehr über die Kurzwelle hören. Er sieht sie als antiquiert als abrißreif an, weil sie durch das web ersetzt worden ist. Während sie für Pater Lombardi eher eine essentielle Rolle "als Dienst an den Armen, den Unterdrückten, den Minoritäten als für die Maximalisierung der Hörerzahlen" spielt.

Das sind zwei antithetische Visionen. Aber die Marschrichtung scheint bereits festgelegt. Für Afrika, wo Internet-zugänge spärlich sind, hat Viganó einen Vertrag mit Facebook angekündigt, durch den die Botschaften des Papstes durch eine App über Handys in 44 Länder gebracht werden sollen.

Kurz gesagt: ab Dezember wird Vatican-Radio aufhören als selbstständige Realität zu  existieren. Es wird in einen einzigen, zentralisierten "content hub" eingegliedert, oder in Viganós Worten: in "ein einziges Zentrum für Multimedia-Produktionen von Texten, Bildern, audiovisuellen und -Radiopodcasts in vielen Sprachen", unter einer einzigen redaktionellen Führung-die Viganó heute selbst inne hat und die bald einer "Journalisten-Taskforce" übergeben wird, von denen viele von Radio Vatican stammen und auf die neue Rolle vorbereitet wurden.

Papst Franziskus scheint auch in diese Richtung zu gehen, wenn man nach den Audienzen, die er den Stars moderner Kommunikationssysteme gewährt, urteilt. Er hat in diesem Jahr-einen nach dem anderen- die Magnaten von Apple. Google, Instagram,Vodafone empfangen, keiner von ihnen kam mit leeren Händen.Und Anfang Dezember wird er die Leiter der Verlagsgiganten Fortune und Time Warner empfangen, die vom Vatican aus ein "New Social Compact" fördern werden, um weltweit die Armen und Flüchtlinge zu unterstützen- unter Mithilfe von IBM, McKinsey, Siemens, WPP.

Und sogar der "Osservatore Romano" wird- trotz seiner noblen Vergangenheit- bald im "content hub" von Msgr. Viganó enden.

Widerstand leistend hat die Vatican-Zeitung- Kardinal Pietro Parolin zu Hilfe gerufen, den Staatssekretär, der de facto im letzten Mai mit Geld von Poste Italiane eine Neuauflage ihrer Frauenbeilage gesponsert hat.

Aber Viganó hat die Zukunft der Zeitung schon vorausgesagt. Für offizielle Nachrichten wird es ein kleines Bulletin geben, zum Gebrauch der Kurie, das nur an den Zeitungsständen rund um den Vatican verkauft wird, während für die ausführlicheren und inhaltsreicheren Artikel eine schlanke wöchentliche Ausgabe herausgegeben wird, wie es bereits jetzt für die nichtitalienischen Sprachen der Fall ist.

Das Foto zeigt Pater Filippo Soccorsi, einen Jesuiten und früheren Klassenkameraden von Enrico Fermi und der jungen Leute der Via Panisperna, selbst ein großer Experte für Kernphysik und ein Mann mit einem profunden spirituellen Leben. Er leitete Radio Vatican von 1934 bis 1953, während der Pontifikate von Pius XI und Pius XII.

Quelle: www.chiesa, Sandro Magister





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