Samstag, 8. Oktober 2016

Wieder Blitzeinschlag in St. Peter oder über die Unfähigkeit die Zeichen zu deuten

Von Hermann Kardinal Volk ist der Ausspruch überliefert:
"Es gibt keine Zufälle,  nur die Kellertür fällt zu"
Albert Schweitzer sagte es so  "Der Zufall ist das Pseudonym, das Gott wählt, wenn er inkognito bleiben will" 
Für den modernen  Atheisten ist der Zufall das, was die Existenz Gottes wiederlegt.
Nun ja, sagen wir so, mein Rechtschreibprogramm schlägt mir immer modernde vor, wenn ich moderne schreibe, ich selber finde das immer ein witziges Zeichen, für andere ist es ein Zufall, bzw, ein Programmierfehler.
Aber trotz allem, müssen wir uns eingestehen, dass uns die Zeichen der Natur nichts mehr sagen, dass wie diese Sprache nicht mehr verstehen, dass wir zwar schrecklich schlau sind, was die Erforschung der Natur angeht, aber nicht mehr ihre Sprache verstehen*
Deshalb ist auch die Deutung der Zeichen in der Natur schwer geworden.
Man sieht zwar heutzutage in einem Jahr mehr "von dere Welt" als die ganze Sippe unserer Altvorderen in einem ganzen Leben. Zu den ausgewiesenen Naturwundern strömen  wahre Volksmassen, aber dennoch bleibt der Mensch, irgendwie, unberührt davon.
Wir schützen die Natur, als bekämen wir es bezahlt, wie der Volksmund es bezeichnet, und der dürfte damit das Drama wundervoll auf den Punkt bringen, aber zu der Natur selber, auch zur eigenen, haben wir irgendwie kein rechtes Verhältnis mehr, wenn man es bei Licht betrachtet.
Wegen all dieser Dinge, die hier wirklich sehr kurz, holzschnittartig und klischeehaft benannt wurden, habe ich keine Ahnung, was das neuerliche Zeichen eines Blitzeinschlags in die Kuppel von St Peter, ausgerechnet gestern, am Tag unserer lieben Frau vom Rosenkranz, welches zum Gedächtnis der Seeschlacht von Lepanto eingesetzt wurde, zu bedeuten hat.
Quelle hier 


wobei ich vermute, das zugehörige Bild ist das vom letzten spektakulären Blitzeinschlag in die Kuppel von St. Peter, welche sich justamente am Tag, als Benedikt XVI seinen Rücktritt  verkündete, damals am 11.2.2013 ereignete.
Seltsame Zeichen gibt es zuhauf, ob es der zusammenbrechende Stuhl einer Politikerin, brechende Hirtenstäbe oder ein Feuer in der Geburtsgrotte Jesu, sozusagen als Abschluss eines Papstbesuchs,  Regenbogen über Auschwitz auch während eines Papstbesuchs,  oder anderes ist.
Ich finde es einerseits gut, dass man nichts drauf gibt und sofort mit der Statistik kommt, die einem sagt, passiert halt, speziell, was das Hauptthema angeht,  soundsooft schlägt eben der Blitz in die Kuppel von St. Peter ein, weil, wo soll er denn sonst einschlagen? Die ist ja komplett aus Metall und soviel, auch noch kuppelförmiges, Metall in solcher Höhe zieht eben den Blitz an, so what?
Aber irgendwie ist das unbefriedigend, vielleicht, weil man als Mensch es irgendwie unbefriedigend findet, wenn es kein höheres Wesen, dass Garant von wirklicher  Gerechtigkeit ist, gibt. Wenn man das durchdacht hat, kommt man drauf, dass auch das unbefriedigend ist, man sich in Wahrheit nach dem sehnt, der das schafft, was Menschen immer wieder versuchen, allen Schaden gut zu machen, wie es im Kindergebet heißt, also nach dem, der den Mensch wieder oder überhaupt erst, gut macht, so gut, wie es die Sehnsucht aller Zeiten, entweder im vergangenen goldenen Zeitalter, oder im zukünftigen, zu schaffenden, goldenen Zeitalter, verortet hat.
Soweit man das überblicken kann, waren auch in vergangenen Zeiten die Guten auch nicht so gut, und was den Blick in die Zukunft angeht, so sind die einen wie die anderen, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, besorgt, wenn nicht im Panikmodus.
Dennoch gibt es das, die unausrottbare Idee, des Wahren, Schönen, Guten und des Menschen, der dem entspricht, dem es gemäß ist, der eben auch gut ist.
So denke ich immer in all diesen durchgeknallten Versuchen, selbst an den Genen herumzufuchteln und selbst den Tod in den Griff zu bekommen, steckt doch, die wenn auch verbogene und ihrer Wurzel unbewusste, Sehnsucht nach dem Guten und das Wissen darum, dass es hier, auf dieser Erde eben nicht richtig ist, dass diese Erde wegen uns und mit uns gefallen ist, wie es früher hieß.
So  wartet man auf denjenigen, der die Zeichen deuten kann, und will sie doch nicht als Zeichen sehen, aber es heißt ja auch in der Schrift, dass uns  keins gegeben wird, keine Flammenschrift und kein nix, nur das Zeichen von Tod, Grab und Auferstehung Jesus des Christus!
Man könnte sich jedoch, hilft manchmal, die Messtexte angucken.
Da hätten wir am 11. Februar, am Blitzeinschlag bei Benedikts Rücktrittsankündigung, als Antwortpsalm eine Passage aus dem Buch Judith, der  an die Anrede Elisabeths beim Besuch Mariens erinnert, nämlich folgendes:


Du bist der Ruhm Jerusalems, du die Freude Israels
und der Stolz unseres Volkes.
 Gesegnet bist du, meine Tochter, von Gott, dem Allerhöchsten,
mehr als alle anderen Frauen auf der Erde.
Gepriesen sei der Herr, unser Gott,

der Himmel und Erde geschaffen hat.
Die Erinnerung an dein Vertrauen
soll in Ewigkeit nicht aus den Herzen der Menschen entschwinden,
die sich an die Macht Gottes erinnern.
 In der Not unseres Volkes hast du dein Leben nicht geschont,
du bist vor unserem Gott auf geradem Weg gegangen.

Ich nehme an, nicht nur mir fällt auf, dass das sozusagen die längere Version der Begrüßung Mariens durch Elisabeth ist, die da lautet:


Gesegnet bist Du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. 
Wer bin ich, daß die Mutter meines HERRN zu mir kommt?
In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
Selig, die geglaubt hat, daß sich erfüllt, was der HERR ihr sagen ließ.

Wie eine Antwort hört sich dann der heutige Antwortpsalm an, der ist nämlich das Magnificat, also der Antwortgesang Mariens auf den Gruß Elisabeths





was aber das zu bedeuten hat, das weiß ich nicht.

Mag auch sein, dass ich hier Dinge korreliere, die nichts miteinander zu tun haben, reiner Zufall, aber hier gilt dann wieder, dass nur die Kellertür zufällt.
In der Schrift steht allerdings, dass wir unfähig sind, die Zeichen der Zeit zu deuten, obwohl ich finde, das zugehörige Jesuswort scheint auszusagen, dass wir es doch eigentlich können müssten.
Es lautet:
Ihr Heuchler! Das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten?
Warum findet ihr nicht schon von selbst das rechte Urteil?
 (Lk 12, 56ff)
Und der Herr mahnt uns im weiteren Verlauf dazu, uns mit unserem Gegner auf dem Weg zum Gericht zu vertragen, weil wir sonst verurteilt würden.
Kuriose Sache eigentlich, weil, wie soll ich denn sagen, man hat ja dann sich selber im Kopf, der mit einem anderen auf dem Weg zu Gericht ist, damit einem selber endlich recht geschähe, und der Herr sagt uns: "Du wirst dann bezahlen!", wie gesagt irgendwie  kurios.
Wobei schon das Wort 'recht geschehen" diese Zweideutigkeit ausdrückt.
Aber, wenn ich mir die Apologeten der 'göttlichen Gerechtigkeit für andere' so angucke, dann denk ich mir immer:  "Willst du das wirklich? Bist du dir sicher, dass du so fehlerfrei bist?" 
Ich denke dann oft, dass die Leute es schon gut meinen, aber die wenigsten in die Nähe ihres eigenen Grundfehlers kommen und leider auch der alte Spruch wahr ist, dass in dem Moment, wo ich mit dem Finger auf jemanden zeige, drei Finger auf mich zeigen.
Ich denke der Herr sagt uns nicht, dass unser Gegner nicht bezahlen muss, aber wenn er wegen uns bezahlen muss, wir aber eben auch bezahlen müssen, weswegen es ja im Vaterunser heißt "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern". Wenn man die Gewohnheit des Denkens abstreift, eine gewaltige Stelle.
Man hat manchmal so Gedanken, und versteht dann, warum die  frömmeren Altvorderen  nicht Gottes Gerechtigkeit wollten, sondern seine Gnade.
Vielleicht würde es helfen, wenn wir einsehen würden, dass die Blinden aus der Schrift wir sind und nicht irgendwelche anderen.
Also mein altes Thema, der Mensch der gerettet werden muss, durch das Kreuz, der bin ich und du!


* Romano Guardini drückt das in "Das Ende der Neuzeit" so aus: Gewiß war auch die Natur im früheren Sinne »geheimnisvoll« noch »am hellen Tag«; aber ihr Geheimnis war zum Menschen kontinuierlich, so sehr, daß er es als »Mutter Natur« anreden konnte. Es war bewohnbar, auch wenn er darin nicht nur Geburt und Wachstum, sondern auch Schmerz und Tod fand. Jetzt wird die Natur schlechthin fern und ermöglicht keine unmittelbare Beziehung mehr. Sie kann weithin nicht mehr anschaulich, sondern nur noch abstrakt gedacht werden. Sie wird immer mehr zu einem verwickelten Gefüge von Relationen und Funktionen, nur in mathematischen Zeichen zu erfassen, und von etwas getragen, das nicht mehr eindeutig benannt werden kann. Diese Natur kann auch weithin nicht mehr empfunden werden - es sei denn mit sehr entlegenen, ja grenzhaften Gefühlen: als das einfachhin Fremde, Unerfahrbare und Unanredbare. Wenngleich man auch hier wohl vorsichtig sein muß. Wahrscheinlich liegen auch hier Möglichkeiten und Aufgaben.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen