Sonntag, 20. November 2016

ein Fundstück zum Tage, oder was Christkönig mit dem Totensonntag zu tun hat

In den Messtexten von heute, findet sich am Ende ein Text zum meditieren von Dostojewski. der da lautet:
(Der Großinquisitor:) „Hättest du Krone und Schwert genommen, so hätten sich dir alle freudig unterworfen. In einer einzigen Hand wäre die Herrschaft über die Leiber und über die Seelen vereint, und das Reich des ewigen Friedens wäre angebrochen. Du hast es versäumt ... Du stiegst nicht herab vom Kreuz, als man dir mit Spott und Hohn zurief: Steig herab vom Kreuz, und wir werden glauben, dass du Gottes Sohn bist. Du stiegst nicht herab, weil du die Menschen nicht durch ein Wunder zu Sklaven machen wolltest, weil dich nach freier und nicht nach einer durch Wunder erzwungenen Liebe verlangte ... (Dostojewski, Die Brüder Karamasoff)
Ich habe irgendwo gelesen, dass der Dialog, das Buch, so endet, dass der Großinquisitor Jesus einfach wieder zum Tod verurteilen, meint zu müssen, weil, eben wegen der vielen weils in dieser Welt.
Es ist das große Drama und die große Stärke des Christentums, das Kreuz, das wir einfach nicht verstehen wollen und können, weil es so quer zu allem steht, was wir denken,
Es ist und bleibt ein Skandalon, den einen ein Ärgernis, den anderen eine Torheit auch und wenn wir schon seit Generationen Christen sind und das Kreuz, damit wir es in seiner ganzen Skandalösität überhaupt ertragen können, in goldene Kirchen, viel Weihrauch, wunderbare Paramente und wundervolle Musik verpacken.

Meines Erachtens ist das der große und fatale Denkfehler aller frommen Modernisten, aller Coleur.
Zur Erklärung: es gibt unter allen Fraktionen reine Karrieristen, reine Opportunisten, es gibt unter den Modernisten aber auch ernsthafte Leute.
Zu denen rechne ich auch, obwohl ich ihn nicht wirklich kenne, aber wenn ich versuche zu verstehen, unseren derzeitigen Papst, weil ich nicht annehmen mag, er meint es böse und will die Kirche mit Absicht zerstören.
Nur begreifen diese Leute einfach nicht, dass man das Kreuz nicht begreifen kann, dass das Kreuz quer steht, alles auf den Kopf stellt, ein Skandalon ist und bliebt.
Sie begreifen nicht, dass es einfach normal und der  Natur des Menschen gemäß ist, da wegzurennen, die Augen zuzumachen, oder zu versuchen genau das zu verhindern.
Liest man die Evangelien sieht man, dass genau die Leute, die von Jesus selber, höchstselbst unterrichtet, geführt und geformt wurden, genau so reagiert haben, allen voran Petrus, der immerhin der Primas inter Pares ist und war.
Von daher lässt sich das Kreuz nur ertragen, wenn es in all den Protz und Prunk verpackt wird,
Jedoch besteht auch hier die Gefahr, dass man vor lauter Protz und Prunk, dann das Kreuz nicht mehr sieht.
Wobei das eben ja viel zu oft geschieht, und das wohl auch zu der Gegenreaktion der anderen Fraktion geführt hat, die aber genausowenig das Kreuz ehren will, sondern angetreten ist, es mitsamt dem ganzen Protz und Prunk aus der Welt zu schaffen, indem sie das Leid aus der Welt zu schaffen angetreten ist, was nicht geht.
Ich war als Kind mal in der Wieskirche, sie ist mir in Erinnerung geblieben, als voller Gold und Glanz, als irgendwie ohne Leid, ohne Elend, einfach schön, nur wunderschön.
Älter geworden habe ich irgendwann einmal mitgekriegt, dass diese Kirche richtig: "Kirche auf der Wies zum gegeißelten Heiland" heißt und all der ganze Protz und Prunk auf den Hauptaltar mit der Darstellung des gefesselten  Heilands, des Christkönigs, der vor der Geißelung steht, dem nicht entflieht, und nicht entfliehen will, zu unserem Heil, hinläuft.
So lässt sich nur feststellen, SEIN Reich ist nicht von dieser Welt, aber ER ist der König der Könige, der Herr der Herren, SEIN Thron ist das Kreuz, seine Krone sind die Dornen und damit hat ER uns erlöst vor dem ewigen Tod.
Und das ist das andere Paradox, das zum Totensonntag passt, wenn man so manchem  Leiden vor dem Tod, das auch noch realistisch sicher zum Tod führt, gegenübersteht, so versteht man manche Todesanzeige, wo es heißt "Er wurde, nach langer, schwerer Krankheit, von seinem Leiden erlöst"
Dennoch bleibt, egal wie atheistisch man sich aufführt, und wie schlimm die letzen Monate, Wochen, Tage, das ganze Leben, war, das tiefe Unbehagen,. bei der Vorstellung, dass dieses Sein, auf ewig nicht mehr sein soll.
Von daher passte es schon der Totensonntag und der Christkönigssonntag, das Ende, das ein Anfang ist, ein Beginn eines Seins, dass kein Ende kennt, eben eine Ewigkeit. Gebe Gott dass wir gut in die Ewigkeit kommen und heilig werden, weil nur dann, dann können wir Gott schauen, wie er ist.
Marana tha! Amen!

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