Donnerstag, 24. November 2016

In Rom: Symposium der Ratzinger-Stiftung & ein Interview mit Pater Federico Lombardi


Radio Vatican kündigt ein Symposium der Ratzinger-Stiftung an.
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"VON DONNERSTAG AN: SYMPOSIUM DER RATZINGER STIFTUNG ZUR ESCHATOLOGIE"
"Eschatologie: Analyse und Vorausschau" - zu diesem Thema findet am kommenden Donnerstag und Freitag in der Santa Croce Universität in Rom das VI. von der Vaticanischen Joseph Ratzinger- Benedikt XVI-Stiftung veranstaltete Internationale Symposium statt. 
Es handelt sich um eines der wichtigsten Treffen der Stiftung, an dem hervorragende Gelehrte, Biblisten und Theologen teilnehmen werden, unter ihnen auch zwei Rabbiner: Riccardo Di Segni, Oberrabbiner von Rom und aus Jerusalem Moshe Idel. Zum Abschluß des Zusammentreffens wird der Ratzinger-Preis dieses Jahres an den griechisch-orthodoxen Professor Ioannis Kourempeles verliehen. 
Zu zwei kommenden Ereignissen hat Adriana Masotti Pater Federico Lombardi, Präsident des Administrationsrates der Ratzinger-Stiftung für Radio Vaticana interviewt.

Eine der Hauptaktivitäten der Stiftung ist es besonders in Zusammenarbeit mit der Theologischen Fakultät, mit Katholischen Universitäten, Treffen von wissenschaftlichem Wert , Vertiefung zu Themen, die auch vom Gesichtspunkt der Theologie Joseph Ratzingers, Benedikts XVI interessant sind, zu fördern.
Die Eschatologie ist eines dieser großen Themen, weil Professor Joseph Ratzinger sich sehr profund mit Themen der Eschatologie beschäftigt hat, bereits als er Universitätsprofessor war und dann auch als Präfekt der Glaubenskongregation. Und auch als Papst: die Enzyklika "Spe salvi" spricht zu uns über Themen der christlichen Hoffnung und des ewigen Lebens.
Was kann die Frage der Eschatologie jetzt in unserem Leben, über das ewige Leben, den Tod, das Gericht sagen, das sind Themen die ein bißchen außen vor gelassen worden sind, die nicht leicht anzugehen sind, aber auf besonders tiefe Weise den Sinn unseres Lebens berühren, weil das Thema des Lebensendes und des Sinnes unseres Lebens- weil das Leben von hier bis zum Tod etwas extrem wichtiges im christlichen Leben ist, ein Aspekt, der absolut nicht ausgelassen werden kann.

Diese Thematik aufzugreifen und sie vertieft zu studieren-sei es im Denken Joseph Ratzingers, sei es im Neuen und Alten Testament ist das Ziel dieses Konvents.
Es ist bemerkenswert, daß unter den Eingeladenen sind außer Biblisten und Theologen von Rang, auch einige Rabbiner: z.B. Doktor Ricardo Di Segni, Oberrabbiner von Rom werden teilnehmen um rabbinische Gedanken zur Eschatologie beizutragen, zu den letzten Wahrheiten: und aus Jerusalem kommt ein kommt auch ein sehr berühmter Gelehrter , Professor Moshe Idel von der Hebräischen Universität, der eine der wirklich bedeutenden Stimmen bei diesem Zusammentreffen.
Von Seiten der Ratzinger-Stiftung als solcher, werden drei Kardinäle teilnehmen, die Mitglieder des Wissenschaftlichen Komitees sind- das sind Kardinal Amato, Kardinal Koch und Kardinal Ravasi - die die wichtige Beiträge im Laufe des Symposiums liefern werden.

Hier folgt das Interview mit Pater Lombardi:

Frage: 
"Über dieses Thema wird auch im letzten Interviewbuch "Letzte Gespräche" von Benedikt XVI gesprochen , besonders vom persönlichen Standpunkt aus...."

Antwort:
"Ja, das ist sehr wahr. Eines der Dinge, die in der Theologie Ratzingers offenbart werden, ist daß eine tief gelebte Theologie auch vom spirituellen Gesichtspunkt aus gesehen wird, keine rein konzeptionelle, abstrakte, aus Worten gemachte Theologie ist, sondern gelebt wird.
Und deshalb sind in dieser Periode, der letzten des Lebens, in der der Papa emeritus ist, wie er uns erklärt hat, in der man sich auf die Begegnung mit Gott vorbereitet, diese Themen von großer Wichtigkeit ist, die ihm wieder in den Sinn kommen.
In "Letzte Gespräche" sieht man, daß dieses Studium der Theologie, das er vollendet hat, sich besonders auf die letzten Fragen bezieht und in Kontinuität zu seiner existentiellen Erfahrung auch in dieser letzten Zeit seines Lebens steht.
Es handelt sich also um eine Theologie, die im Glauben gelebt wird und an die christliche Erfahrung gebunden ist. 
Das findet man bei Ratzinger -Papst Benedikt XVI- sehr tief eingewurzelt in seiner ganzen Art zu denken und zu sprechen. Seine Theologie ist- wie auch von Papst Franziskus festgestellt wurde-eine Theologie auf Knien, eine betende Theologie, tief in Gebet und Glauben eingebunden."

Frage:
"Am Ende des Symposiums wird der Ratzinger-Preis 2016  verliehen- dieses Jahr  an Msgr. Inos Biffi und an Ioannis Kourempeles. Das Motiv für diese Wahl? ..."

Antwort:
"Das ist die sechste Auflage des Ratzinger-Preises. Er ist ein Preis, der als Anerkennung für ein ernstes Studium der Theologie gedacht ist und das ist es auch, was sich Papst Benedikt als Zweck der Stiftung wünschte: den Wert des Studiums der Theologie durch diesen Preis zu fördern und zu premieren.
Er wird immerdurch das Wissenschaftliche Komitee der Stiftung vergeben, der sich aktuell aus den Kardinälen Amato, Koch, Ravasi und Erzbischof Ladaria zusammen setzt. Dieses Komitee schlägt jedes Jahr zwei herausragende Forscher für diesen Preis vor. 
Bis heute sind -einschließlich in diesem Jahr- 13 Preise an Gelehrte aus 11 verschiedenen Ländern verliehen worden.
Das bedeutet, daß das Komitee sich bemüht, den Blickwinkel auf die Arbeit der Theologie der Welt auf verschiedene Länder auszuweiten, auf verschiedene Regionen und Situationen und über die Grenzen der Katholischen Kirche hinaus, weil der Preis auch schon in der Vergangenheit an einen Anglikaner verliehen wurde und dieses Jahr auch an einen Orthodoxen. 
Professor Kourempeles ist griechisch-orthodox.




Wie das wissenschafltiche Komitee diese beiden Persönlichkeiten ausgewählt hat?
Msgr. Biffi ist ein alter Theologe, am Ende einer sehr langen, sehr fruchtbaren Karriere wissenschafltlicher Forschung. Er hat an der Theologischen Fakultät Italiens  gelehrt, an der Theologischen Fakultät von Lugano, ist Mitglied  von Akademien, der Theologischen Akademie, der Akademie des Hl.Thomas, großer Erforscher des Hl. Thomas und der  Geschichte der mittelalterlichen Theologie des H. Thomas und ein bißchen für die verschiedenen anderen Epochen.
Deshalb ist er eine sehr maßgebende Persönlichkeit im Feld der theologischen Studien und diese Anerkennung bezieht sich auf seine Lebensarbeit.
Für Professor Kourempeles  gab es ein anderes Kriterium , weil es sich um einen Jüngeren handelt, er ist ungefähr 50 Jahre alt - deswegen hat er nicht ein solches curriculum von Publikationen, die ein Inos Biffi haben kann, aber er ist ein Mann, der schon beste Resultate auf dem Gebiet der Theologie erzielt hat, z.B. durch seine wichtige Veröffentlichung über Romano il Melode und er ist besonders ein Mensch, der sich in seinen Überlegungen und seinem Denken an Joseph Ratzinger orientiert hat und orientiert, besonders indem er die Fruchtbarkeit und das Interesse an der orientalischen Theologie erkannt hat, also der Begegnung zwischen dem orientalischen und dem westlichen Denken.
Besonders dieser Aspekt der besonderen Kompetenz und der Vertiefung des Denkens Joseph Ratzingers  hat das Wissenschaftliche Komitee denken lassen, daß er besonders für den Preis geeignet ist, sei es um ihn bei der Fortführung seiner theologischen Forschung zu unterstützen, sei es um auch ihn zur Vertiefung dieses theologischen Dialogs mit dem Denken Ratzingers und eines Teils seine Mitarbeiter zu ermutigen.
Professor Kourempeles -hat tatsächlich -schon in den vergangenen Jahren mit einem wichtigen Vortrag über diese Thema an einem der Treffen des Neuen Ratzinger Schülerkreises teilgenommen, das ist der neue Kreis derer, die das Denken Ratzingers studieren.
Hier ist also das Motiv dafür, den Blick auszuweiten und den Preis einem Theologen aus Griechenland zu geben, einem orthodoxen Theologen, der sich über seine bereits abgeschlossenen Studien hinaus um die Vertiefung des Denkens bemüht und sich für das Denken Joseph Ratzingers interessiert."

Frage:
"Also erweckt das Denken Joseph Ratzingers noch Interesse und erweitert so die Horizonte der Studien und der Vertiefung. Und die Stiftung ist also voll aktiv?"

Antwort:
"die jährlichen theologischen Treffen und der Preis sind die beiden offensichlichsten Dinge, die beiden wichtigsten Ereignisse. 
Aber der Grund weshalb sie von Benedikt XVI zur Förderung der theologischen Forschung gewünscht wurde- es gibt auch jährliche Stipendien für Promotions-Studenten der Theologie, der Hl.Schrift oder verwandter Disziplinen.
Es gibt Börsen für vertiefende Studien, für Promotionen und jedes Jahr vergeben wir mindestens 10 davon, Dann gibt es noch andere Aktivitäten, wie die Unterstützung einer auf Joseph Ratzinger und seine Studien spezialisierten Fachbibliothek, die Teil der Collegium Teutonicums in der Vaticanischen Bibliothek ist: die Stiftung unterstützt mit Beiträgen den Erwerb und die stufenweise Vergrößerung eines Grundbestandes , der jetzt bereits in jeder Hinsicht auf das Thema Joseph Ratzinger und seine Theologie spezialisiert ist.
Und rund um diese Bibliothek kann man auch eine Interessen-und Studiengruppe gründen, es können sich Doktoranden treffen und wir favorisieren, die Begegnung, das Kennenlernen, den Austausch von Ideen zwischen denen, die sich für diese Studien interessieren. Am Augustianum gab auch einen Master-Studienkursus über Joseph Ratzinger und seine Theologie, der in diesem Semester zuende gegangen ist, und dann gibt es Aktivitäten für Kontakte und Kollaborationen mit anderen Institutionen, die sich mit dem denken Ratzingers verbindet, die die Opera Omnia in deutsch und italienisch betreuen -wie die beiden Ratzinger-Schülerkreise, dem alten und dem neuen und dem Ratzinger-Studieninstitut in Regensburg."

Frage:
"Hatten Sie Gelegenheit mit dem Papa emeritus über alles das zu sprechen, diese Aktivitäten zu diskutieren? Wann und wie verfolgt er die Arbeit der Stiftung?"

Antwort:
"Natürlich, ja. Ich habe mir sehr gewünscht mit ihm zu sprechen und das ist im September im Verlauf eines sehr schönen Gesprächs passiert. Die Gespräche mit dem Papa emeritus sind immer sehr emotional. Und er sagte mir ganz kurz und einfach und tiefgreifend, daß hinter dieser mit dem Erlös aus de,Urheberrecht von Joseph Ratzingers Büchern eingerichteten Stiftung, der Zweck stand, das Studium der Theologie, die eine grundlegende Dimension seines Lebens war, zu fördern.

In diesem Gespräch sagte er mir dann auch etwas, was mich sehr bewegt hat, er sagte:
"Wir müssen die Entwicklung der Theologie aus ihrem Inneren heraus ermutigen" daß ddie Theologie wächst, sich entwickelt, sich erhält und sich neue Horizonte eröffnen, die sich in ihrer Forschung auf ihre Berufung durch die Reflektion über den Glauben in der Kirche auf tiefe Weise antwortet, auf kirchliche Weise; aber man kann nicht glauben, der Theologie durch Orientierungsmaßnahmen von außen, disziplinarischen oder anderen Charakters zu helfen.
Aber es ist die Theologie selbst, der geholfen werden muß, im Inneren ihrer Dynamik und ihrer Berufung, der Schönheit ihres Dienstes für die Kirche und für den Dienst und ihre Fruchtbarkeit.
Das ist eine sehr positive Vision des Papa emeritus und wir müssen das unsere tun um zu helfen- mit den begrenzten aber nicht unbedeutenden Mitteln die wir haben, mit Initiativen, Konferenzen, Studien, Veröffentlichungen, damit sich so die Wertschätzung für eine positive Entwicklung der Theologie manifestiert."

Frage:
"Welches sind die nächsten Veranstaltungen der Stiftung?"

Antwort:
"Es sind viele Dinge in Planung. Z.B. wird in Dezember in der Gregoriana in der Aula Magna ein neuer Band von Ratzingers  Opera Omnia in italienischer Sprache präsentiert, der dem II.Vaticanischen Konzil gewidmet ist und der sehr interessant ist, weil er hilft, gut zu verstehen, welches der Beitrag Ratzingers beim Konzil war, bei dem er- wie wir wissen- als Experte im Gefolge von Kardinal Frings war und eine sehr wichtige Rolle hatte.
Und dieser Band stellt uns alle Elemente zur Verfügung, ihn tiefer zu verstehen. Dann planen wir für das kommende Jahr in Zusammenarbeit mit der Gregoriana einen Kongress zum Hl. Bonaventura, 800 Jahre nach seiner Geburt und bei diesem Kongress wird auch die Studie Ratzingers über Bonaventura entwickelt, die Objekt seiner Habilitation war und im Zusammenhang mit seiner Idee von Offenbarung steht, die ihn dahin führte, beim Konzil einen Beitrag über die Beziehung zwischen Schrift und Tradition zu leisten.
Das sind sehr wichtige Themen und es wird auch einen neuen Band der Opera Omnia  eben zum Hl.Bonaventura herausgebracht, der nächstes Jahr veröffentlicht wird.
Dann wird es im Dezember 2017 einen Kongress in Costa Rica- in Zusammenarbeit mit der Katholischen Universität Costa Rica-geben, der auf das Thema "Ökologie" ausgerichtet ist, der Sorge um die Schöpfung bei Benedikt und bei Franziskus, 2 Jahre nach der Enzyklika Laudato Si´- und das ist in der Tat ein Thema, das Benedikt schon sehr tiefgründig entwickelt worden ist.

Und endlich haben wir begonnen, auch über eine andere wichtige Konferenz nachzudenken, in Zusammenarbeit mit der Lumsa 2018  über die Grundlagen des Rechts, das juristische Denken Benedettos: ich erinnere besonders an die sehr wichtige Rede, die er im Deutschen Parlament über dieses Thema gehalten hat. in dem er über die Grenzen des positiven Rechts nachdachte und welches die Fundamente des Rechts sein können: eine Rede, die ein wichtiger Bezugspunkt ist und wieder aufgenommen und entwickelt wird,
Dann gibt es sehr große Themen über die wir in den nächsten Jahren arbeiten müssen. Unter anderem sehe ichg, daß das Interesse für die Person und für das Denken des Papa emeritus  sehr groß ist, es gibt viele Publikationen, die herauskommen werden, Biographien, Studien über das Pontifikat, und man sagte mir, daß unter den Doktoranden der römischen theologischen Fakultäten zwei Autoren sind, deren Interesse aktuell Von Balthasar und Ratzinger gilt.
Es gibt offensichtlich Wertschätzung und Verstehen des großen Wertes der Theologie Ratzingers, kein nur momentaner Wert sondern einer von langer Dauer für die Kirche."

Quelle: Radio Vatican, Adriana Masotti




  

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