Mittwoch, 16. November 2016

Nachdenkliches über Naturkatastrophen und die Hitliste der zu behebenden Schäden

Heute morgen ist mir, aus Gründen, die unerheblich sind, das jüngste Erdbeben in Italien wieder in den Sinn gekommen.
Es wurden viele Städte verheert, viele Menschen wurden obdachlos und sind es noch.
Winter wird es auch noch, zwar etwas milder als bei uns, aber nicht gerade so, dass man im Freien übernachten könnte.
Interessiert es wen?
Man liest aber, dass sich bemüht wird um die Kunstschätze und die wichtigste Meldung betreffs des Erdbebens in Neuseeland ist, dass die Touristenorte wieder zugänglich sind, manchmal fasst man es nicht!

Ich muss das vielleicht erklären, ich bin schon ein Fan von Kunst und Kultur, ich habe alte, schöne Kirchen lieber, als alte verfallene und vernachlässigte.
Ich finde für Gott kann es nicht prunkvoll genug zugehen und am allermeisten geht mir an der zur Schau getragenen Bescheidenheit der modernen Kirchen, (4B (Beton, Bergkristall, Batik, basteln) Stil) und mancher Würdenträger auf den Keks, dass es noch nicht mal billiger, rentabler und sparsam ist, aber darum soll es hier nicht gehen.
Ich finde Geschichte spannend und mir ist klar, dass man um selbige zu treiben, eben auch historische Dokumente aufheben und zwar so aufheben muss, dass sie erhalten bleiben,
aber manchmal hat man das Gefühl, dass wegen irgendwelcher toter, lang vergangener, niemanden mehr wirklich interessierender Dinge ein ungemeines Gewese gemacht wird, und die real und aktuell existierenden Menschen egal sind.
Auch was den Tourismus angeht, so weiß ich oft nicht, ob das alles so richtig ist, wenn man mit Ahs und Ohs, bzw wahlweise wohligem Schauer durch irgendwelche alten Trümmer marschiert, belehrt von einem Führer, der einfach seinen Text runterspult, und auf, von Sachkenntnis getrübten Zwischenfragen, die auf die Unlogik des vorgetragenen Textes reflektieren einem nur groß anguckt und im besten Fall ein Äh herausbringt.
(Ausnahmen bestätigen hier die Regel, ab und an, mir bislang einmal passiert,  wird auch von richtigen Koryphäen geführt)
Hier der Link zu einem Beitrag den Don Alphonso in seinem FAZ blog im Juni zum Thema geschrieben hat, ich muss sagen, ja die ersten paar Abschnitte die gehen mir immer noch nach.
Es geht darin um ein altes Ehepaar, das nach dem Beben von 2012 nun, im Jahr 2016 immer noch notuntergebracht ist, um das sich keiner kümmert, weil es so lange (grad mal 4 Jahre) her ist, dass es keinen mehr interessiert.
Mittlerweile sind andere Sachen passiert, wo man helfen, spenden und schreiben muss, bis auch das in die Phase kommt, wo es um 'Beständigkeit und Treue' geht, was langwierig, langweilig und unspektakulär  ist und keinen richtig interessiert.
Soweit ich das mitgekriegt habe, wissen auch die Hilfswerke darum, stehen aber dem Phänomen hilflos gegenüber.
Jedes mal wenn ich an den Hilfswerken Plakaten vorbei komme, denke ich "Ja,klar richtig, es muss was gemacht werden und es ist auch gut, dass man professionell vorgeht!"
Aber wenn ich die vollmundigen Sprüche der Kirchenleute, der Obersozialtanten und -typen, der Politiker und der netten Menschen, mir so anhöre und das auf die mir bekannte Realität. in der es eine Menge tapferer Leute, die versuchen aus nix etwas zu mache, durchzukommen, und versuchen immer wieder aufzustehen, obwohl das Geld nicht erst am 20. sondern gleich am 3. alle ist, dann denk ich mir, "Vielleicht sollten wir alle mal ne Nummer bescheidener reden, und überhaupt nicht so viel reden, mehr hingucken und machen!"
Und dann bekommen wir vielleicht auch wieder den Nächsten, der da am Wegrand liegt, in den Blick, weil manchmal denke ich mir, der Priester und der Levit aus der Parabel, die waren vielleicht Rechtsinstitutionen in der thorageforderten Fürsorge für Witwen, Waisen und andere Opfer von Gewalt"

Kommentare:

  1. Zur Ehrenrettung der Italiener sei gesagt, daß die Rettung der Kulturgüter keinen Vorrang vor der Hilfe für Menschen hatte. Zur Zeit laufen die Aufräumungsarbeiten in den Trümmern und die Bergung der Kunstwerke parallel neben einander her. Die Feuerwehrleute helfen auch den betroffenen Bewohnern "normale" Habseligkeiten aus den Trümmern ihrer Wohnungen und Häuser zu bergen. Kann man übrigens im Beitrag über die Vigili di Fuoco lesen.

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    1. hab ich gelesen, aber was nutzt es mir, wenn ich meine Habseligkeiten geborgen habe, und keinen Platz sie wo nett hinzustellen?
      Ich bin da im übrigen sehr gespalten, und habe das im Beirag auch verarbeiten wollen.

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    2. Die Häuser baut man ja nicht in Tagen wieder auf und es ist der ausdrückliche Wunsch der Menschen gewesen, einige Habseligkeiten zu retten und es würde keinem einzigen Normalopfer nützen, wenn man die Kunstwerke in den Trümmern beließe. Er hätte davon weder eine neue Bleibe noch sonst eine Hilfe.

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