Samstag, 26. November 2016

Sandro Magister über den- äh- "Nepotismus" beim Osservatore Romano

Sandro Magister kommentiert bei Settimo Cielo die von Freunden und Protegés des Papstes mit verteilten Rollen oder im Duett abwechselnd in verschiedenen Zeitungen wie dem Osservatore Romano, dessen Chefredakteur der argentinische, protestantische Freund Bergoglio ist, dem Corriere della Sera und der Repubblica seines Freundes Scalfari. Bemerkenswert ist, daß so alle theologischen Instanzen der Kurie umgangen werden, um den ökumenistischen Weg ungebremst in Richtung Angleichung an den Protestantismus voran zu treiben.
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"DER PROTESTANTISCHE FREUND DES PAPSTES IM KONTROLLRAUM DES "OSSERVATORE ROMANO"
Seit einiger Zeit gibt es eine Unterschrift die immer häufiger im Osservatore Romano, auch auf der ersten Seite und der Kolumne der Leitartikel erscheint.

Es ist die von Marcelo Figueroa, der seit September die neue Wochenausgabe des Osservatore Romano leitet, die ausdrücklich für die Leser in Argentinien geschaffen wurde.

                               

Figueroa ist selber Argentinier. Und nicht katholisch sondern Protestant, Pastor in der Presbyterianischen Kirche seit 25 Jahren in der argentinischen Bibelgesellschaft.

Außerdem aber ist er ein langjähriger Freund von Jorge Mario Bergoglio, der ihn in seiner Nähe wissen wollte- auch bei der jüngsten Reise nach Lund, zur Feier des 500. Jahrestages der Reformation Luthers.

Und genau diese enge Freundschaft mit dem Papst erklärt den präzedenzlosen Einzug eines Protestanten in den Kontrollraum der offiziellen Zeitung des H. Stuhls.

In Argentinien war es Figueroa der  veranlaßte, daß am selben Tisch mit ihm der damalige Erzbischof von Buenos Aires und der jüdische Rabbiner Abraham Skorka  bei einer Gesprächsserie saßen, die von Kanal 21, dem Fernsehsender der Erzdiözese gesendet und danach zu einem  Buch bearbeitet wurde, das von der Libreria Editrice Vaticana unter dem Titel "Unterhaltungen über die Bibel" verlegt wurde.




Dieser Begegnungs-Zyklus wurde vor der 32. Ausgabe durch die Wahl Bergoglios zum Papst unterbrochen. Die 33. fand nicht mehr statt und hätte als Thema das Wort "Freundschaft" gehabt, wie Figueroa danach im Osservatore erzählte,

Heute ist Figueroa in Santa Marta zu Hause. Im Frühling 2015 mußte er sich in der Heimat einem schwierigen chirurgischen Eingriff unterziehen.
Franziskus blieb ihm durch dauernde Telefonate und Briefe nahe.
Nachdem er sich erholt hatte- hat der Papst ihm im September ein langes Interview für "FM Milennium 106.7", einen Radiosender in Buenos Aires gewährt.
Und genau ein Jahr später hat der ihn in eine Rolle befördert, die ihn nicht nur zum Chefredakteur der argentinischen Wochenausgabe des Osservatore Romano aber auch zum Kolumnisten der größeren täglichen Ausgabe machte.
Seine feierliche Amtseinführung in dieser Rolle war ein kurioser Artikel zu zwei Stimmen, zwischen ihm und der unangefochtenen Nummer 1 der Leitartikler des Osservatore, außerdem Koordinatorin der Beilage für Frauen "Donna Chiesa Mondo", Lucetta Scaraffia.

Die lateinamerikanische ökumenische Herausforderung  
Der Artikel auf einer ganzen Seite des Osservatore Romano vom 5. November ist in Form eines Kolloqiums gestaltet und ist eine Art Bilanz des Ausflugs des Papstes nach Lund und deshalb des aktuellen Standes der Beziehungen zwischen Katholiken und Protestanten.

Aber er hat einen Vorläufer und es ist nützlich, sich an ihn zu erinnern.

Wenige Tage vorher, am 1. November hatte Lucetta Scaraffia im Corriere della Sera einen Artikel über das selbe Thema publiziert, der im Katholischen Lager Fassungslosigkeit ausgelöst hatte.

"Luther, die 95 Thesen und der lateinische Pontifex, der heute Jahrhunderte von Konflikten auslöscht"

Heute haben viele der tiefgreifenden Differenzen, die die Teilung der Kirche verursacht haben, keinen Existenzgrund mehr: das Problem der Erlösung, nur durch göttliche Gnade wie Luther sagte, oder durch die Vermittlerarbeit des Klerus, wie es die Katholische Kirche wollte-  regt heute keinen mehr auf. So wie die Ablässe aus unserem Horizont verschwunden sind.
Und sogar das Leben nach dem Tode scheint seit Jahrzehnte verschwunden. 
Warum sich dann noch über das alles streiten?
Warum über den freien Zugang zu den Heiligen Texten kämpfen, obwohl die Katholiken es heute gewohnt sind, in der Bibel, deren Ausgabe sie bevorzugen, zu lesen - in Lesegruppen und sie lebhaft beseelt zu kommentieren?
Natürlich bleiben theologische Fragen offen, wie die der Sakramente- deren Zahl durch die Lutheraner reduziert wurde- aber das sind für die meisten Fragen, die die Gläubigen nicht sehr berühren."

Den katholischen Lesern (wie Costanza Miriana, siehe Il Foglio vom 4.November) schienen diese Worte nicht eine verständliche Sorge um die Entleerung der Prinzipien des Christlichen Glaubens im Verlauf der Säkularisierungswelle auszudrücken sondern eher die Befriedigung über die Beendigung des Schulstreites mit den Protestanten - Dank dessen- wie Scaraffia schreibt-  der Dialog zwischen Katholiken und Lutheranern in die Lage versetzt wird, über die theologischen Divergenzen hinauszugehen."
Endlich.

Stand der Dinge ist, daß einige Tage später Lucetta Scaraffia die ein oder andere ihrer Überlegungen nicht im laizistischen Corriere schrieb, sondern im offziellen Journal des Papstes- im Duett mit dem protestantischen Kollegen Figueroa, der zeigte, daß er sie in Gänze teile.

Von protestantische Seite scheint es keine Reaktionen auf diese nonchalante Aktualisierung des Ökumenischen Wege durch die beiden "ersten Federn" des Osservatore Romano zu geben.

Sicher, bei den italienischen Waldensern hatte es in den selben Tagen Nervosität gegeben, weil der Gründer der "Repubblica"  der äußerst laizistische Eugenio Scalfari in einem Bericht seiner Zeitung über Luther und den Protestantismus schrieb, und über ein Telefoingespräch mit dem Papst am Vorabend seiner Reise nach Lund berichtete, weil - Scalfaris Worte- weil er mit mir über diese Reformation sprechen wollte."

"Franziskus, Luther und die geteilten Werte der Reformation"
Auf diesen anderen Freund Bergoglios antwortete mit einer ....kein Geringerer als der maßgeblichste Waldensische Theologe, der auch im Katholischen Lager geschätzte  Paolo Ricca, bei "Reformation" vom 8. November.

"Luther und die Botschaft der bedingungslosen Gnade"
Abenteuer und Missgeschicke des neuen ökumenischen Weges."

Quelle: Settimo Cielo, Sandro Magister

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