Donnerstag, 3. November 2016

Was Sandro Magister über die Päpstliche Pressekonferenz denkt und E.Habsburg-Lothringen über Ungarns Standpunkt in der Flüchtlingsfrage

Sandro Magister kommentiert bei Settimo Cielo das, was Papst Franziskus während seiner fliegenden Pressekonferenz auf dem Rückflug von Malmö zur Flüchtlingskrise und zu Grenzen, Mauern und Integration sagte. Dann läßt er den ungarischen Botschafter beim Hl. Stuhl, Eduard Habsburg-Lothringen und Pater Adam Somorjai über die ungarische Politik gegenüber der anbrandenen Flüchtlingswelle zu Wort kommen. Lesen!
Hier geht´s zum Original:  klicken

"VON SCHWEDEN ZU UNGARN. AUCH DIE MAUERN HABEN IHRE RECHTFERTIGUNG, SAGTE DER PAPST"

"Am 1. November hat Papst Franziskus bei seiner unvermeidlichen Pressekonferenz während des Rückfluges von seiner Schwedenreise nach Rom zur drängenden Frage der Immigration für ihn ungewöhnliche Dinge gesagt.
Das bezeugt ein schwedischer Journalist, Elin Swedenmark. Hier das wörtliche Transskript seiner Frage und die lange Antwort des Papstes:

Frage: "Hl. Vater, wir sehen, daß immer mehr Menschen aus Ländern wie Syrien und Irak in europäischen Ländern Zuflucht suchen. Aber manche reagieren mit Angst, oder wer sind die Menschen, die denken, daß die Ankunft dieser Flüchtlinge die Kultur des Christentums in Europa bedrohen. Was ist Ihre Botschaft für die Leute, die eine solche Entwicklung der Situation fürchten und was ist Ihre Botschaft an Schweden, das nach einer langen Tradition Flüchtlinge aufzunehmen, jetzt beginnt die eigenen Grenzen zu schließen?"

Antwort:
"Zuerst danke ich als Argentinier und Südamerikaner Schweden sehr für dieses Aufnehmen, weil viele Argentinier, Chilenen, Uruguayer zu Zeiten der Militärdiktatur in Schweden aufgenommen worden sind. Schweden hat eine lange Tradition des Willkommens. Und nicht nur aufzunehmen, sondern auch zu integrieren, sofort Wohnung, Schule und Arbeit zu finden,....in ein Volk zu integrieren.
Sie haben mir die Statistik gegeben- vielleicht irre ich mich, ich bin  nicht sicher- aber was ich erinnere-ich kann mich täuschen- wie viele Einwohner hat Schweden? 9 Millionen?
Von diesen 9 Millionen -haben sie mir gesagt- sollen 850.000 "neue Schweden" sein, das heißt Migranten oder Flüchtlinge oder ihre Kinder. Das ist das erste.

Zweitens: man muß zwischen Migranten und Flüchtlingen unterscheiden, nicht? Der Migrant muß nach bestimmten Regeln behandelt werden, weil auswandern ein Recht ist, aber es ist ein stark reguliertes Recht. Wenn man dagegen Flüchtling ist, kommt man aus einer Situation von Krieg, Angst, Hunger, einer schrecklichen Situation und der Status des Flüchtlings braucht mehr Fürsorge, mehr Arbeit. Auch hierbei hat Schweden immer ein Beispiel dafür gegeben, zu rehabilitieren, bei der Hilfe zum Erlernen der Sprache, der Kultur und auch beim Integrieren in die Kultur.




Vor diesem Aspekt der Integration der Kultur dürfen wir nicht erschrecken, weil Europa sich durch eine dauernde Integration von Kulturen, so vieler Kulturen geformt hat. Ich glaube, daß-  das sage ich nicht in einem offensiven Ton, nein,nein, aber als Kuriosität- die Tatsache, daß heute in Island ein Isländer in der heutigen isländischen Sprache seine 1000 Jahre alten Klassiker ohne Schwierigkeit lesen kann. bedeutet, daß es ein Land mit wenig Einwanderung ist , wenigen Wellen, wie Europa sie hatte. Europa hat sich mit der Migration geformt.

Dann: was denke ich über  die Länder, die die Grenzen schließen? Ich glaube, daß man theoretisch sein Herz nicht  vor einem Flüchtling verschließen kann, aber es muß auch die Vorsicht der Regierenden geben: sie müssen sehr dafür offen sein, sie zu empfangen, aber auch zu berechnen, wie man alles bezahlt, weil man einen Flüchtling nicht nur empfangen, sondern ihn auch integrieren muß,
Und wenn ein Land die Fähigkeit hat -sagen wir so- zu integrieren, soll es das tun. Ein anderes, Reicheres soll dann mehr tun.
Aber immer mit offenem Herzen: es ist nicht human, die Tore zu schließen. es ist nicht human, die Herzen zu schließen und auf Dauer hat das einen Preis.
Hier hat das einen politischen Preis, wie man auch politisch für einen Fehler bei der Berechnung bezahlen muß, wenn man mehr aufnimmt, als sich integrieren können. Weil die Gefahr besteht, wenn ein Flüchtling oder Migrant- das gilt für beide- nicht integriert wird, ist er nicht integriert.
Ich erlaube mir das Wort- vielleicht ein Neologismus- er sondert sich ab, betritt vielleicht ein Ghetto.
Und eine Kultur, die sich nicht in Beziehungen zu anderen Kulturen entwickelt, ist gefährlich.
Ich glaube, daß der schlechteste Ratgeber für die Länder, die dazu neigen, die Grenzen zu schließen, die Angst ist und der beste Ratgeber die Vorsicht.

Ich habe in diesen Tagen mit einem schwedischen Regierungsbeamten gesprochen und der sagte mir, daß es zur Zeit einige Probleme gibt, das gilt für deine letzte Frage- einige Schwierigkeiten, weil so viele kommen, daß man keine Zeit für eine Rehabilitierung hat, keine Zeit, Schulen, Wohnungen, Arbeit  und Zeit zum Erlernen der Sprache zu finden.
Die Vorsicht muß diese Rechnung machen. Aber Schweden- ich glaube nicht, daß wenn Schweden seine Kapazität zur Aufnahme reduziert, es das aus Egoismus tut oder weil es diese Fähigkeit verloren hat; wenn es etwas von dieser Art ist oder wegen des letzten von mir genannten Grundes:
heute schauen viele nach Schweden, weil sie dort Aufnahme finden, aber für eine rehabilitierende Behandlung aller ist nicht genug Zeit. Ich weiß nicht, ob ich das beantwortet habe, Danke"

Bis hierher der Papst. Und die Medien aus aller Welt haben genau in diesen seinen Worten eine Wende gefunden. Weil er effektiv begonnen hat, gute Gründe nicht nur für die Brücken sondern auch für die Mauern aufzuzeigen.

Eine Konsequenz, z.B. wäre, daß man von jetzt ab aus Franziskus´Worten kein automatisches Urteil völligen Verdammens ohne jede Nachsicht-für das Verhalten Ungarns beim Thema Immigration des am meisten ausgestoßenen Landes Europas - Ungarn-mehr ableiten kann.

                                           *********************************

Vergebens haben sich in Ungarn in den vergangenen Monaten Stimmen erhoben, die die ohrenbetäubende Verdammung gegen sein Vorgehen einzudämmen versuchten.

Z.B die Stimme des ungarischen Botschafters beim Hl. Stuhl, Eduard Habsburg-Lothringen, der in einem Interview am 27. September für das blog Rossoporpora so auf die Fragen des schweizerischen Vaticanista Giuseppe Rusconi  antwortete:

Frage:
"Als in Sommer 2015 die große Krise der Migration im Westen explodierte, wurde das christliche Ungarn in schwärzesten Farben gemalt...."

Antwort:
"Das was ein großes Mißverständnis. In den westlichen Medien werden Bilder von bösen Soldaten gezeigt, die nicht wollen, daß Migranten ins Land kommen.
Bilder mit großer Wirkung, sehr negativ.
Die Wahrheit ist, daß Ungarn an der Außengrenze des Schengen-Gebietes seine Pflicht getan hat.
Die Ungarn wußten, daß die Zigtausend Migranten, die täglich die Grenze überquerten, nicht im Land bleiben würden sondern weiter wollten, nach Deutschland.
In der Zwischenzeit waren sie sich bewußt, daß es nicht möglich war, an der serbischen Grenze die für die Aufnahme von Migranten vorgeschriebenen Prozeduren durchzuführen (man kann sie nur überqueren, wenn man einen Paß hat oder Asyl beantragt). Das war nicht möglich, weil jeden Tag Massen von Menschen kamen, die man unmöglich kontrollieren konnte. Die ungarische Regierung war deshalb gezwungen, einen Riegel vorzuschieben, auch um ein bißchen Ordnung zu schaffen- für die, die keinen Paß hatten und Asyl beantragten.
Nachdem die Restriktionen eingeführt waren, sank die Zahl der Migranten signifikant. Die anderen setzten ihren Weg über Kroatien und Slowenien fort, um unkontrolliert nach Deutschland zu gelangen."

Frage:
"Das Mißverständnis also?"

"Ungarn wurde als rassistisch, xenophob, migrantenfeindlich dargestellt, wegen dieser Restriktion, die nicht eingerichtet wurde, um wirkliche Flüchtlinge daran zu hindern, nach Ungarn zu kommen, sondern die Tausenden von Migranten, die jeden Tage unkontrolliert das Land durchquerten, um durch Österreich direkt nach Deutschland zu gelangen, und die so den gesamten Schengenraum bedrohte."

Frage:"Ungarn hat also die Arbeit für den Rest Europas gemacht?" 

"Europa, aber viele im Westen haben es nicht verstanden"

Oder auch die Stimme von Pater Adam Somorjai , Benediktiner aus Pannonhalma und seit Jahren im Dienst des Hl. Stuhls im Staatssekretariat, der am 26. Oktober -ebenfalls zu Rossoporpora- sagte:
"Im Sommer 2015 war ich einige Wochen in Ungarn, gerade in dem Augenblick, als die Migrantenfrage zahlenmäßig explodierte. Ich war da, ich habe es gesehen.
Man hat viel Falsches und Tendenziöses über Ungarn geschrieben. Wenn der Migrant an der Grenze ankommt und einen Paß hat, ist er willkommen. Wenn nicht gleichzeitig Tausende ankommen- ohne Paß, weil die vom Amerikaner Soros mit Milliarden finanzierten NGOs sie die Pässe haben wegwerfen lassen- wird die Situation unkontrollierbar.
Alle erklären sich als Syrer und alle sind am 1. Januar geboren. Keiner schreibt darüber. Was da im vorigen Jahr passierte, war eine wahre Invasion. Heute kommen 10 bis 15 Migranten pro Tag und sie können in Würde empfangen werden. Das ist die Realität in Ungarn, aber wir werden dämonisiert und wir sind in dieser Europäischen Union mit variabler Geometrie nicht in Mode."
Aber genau diese und andere waren wie Stimmen in der Wüste- ungehört.
Es hat gedauert, bis Franziskus zur Vernunft kam- hoffentlich auch die vielen anderen, die auch in Katholischen Kreisen nur Beschimpfungen über Ungarn ausgeschüttet haben.

Quelle: Settimo Cielo, S. Magister, E.Habsburg-Lothringen, Pater Somorjai

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen