Dienstag, 8. November 2016

Wozu ist die Gnade Gottes in dieser Welt erschienen?

Nun die Lesung von heute sagt dazu das folgende:

Denn die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten.

um dann zu erklären, wie es ausschaut, wenn man sich auf das Angebot der Gnade, gerettet zu werden, einlässt:

Sie erzieht uns dazu, uns von der Gottlosigkeit und den irdischen Begierden loszusagen und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben,

Das widerspricht sowas von dermaßen allem was man so gewohnt ist, gerade heutzutage, unter christlicher Existenz  zu verstehen und als solche zu definieren.

Meint man doch, anscheinend, es sei ganz besonders christlich, bei allem irdischen, nach dem Motto "me, too" mitzumischen und jede irdische Begierde sozusagen mit einem Heiligenschein zu versehen.
Man hat auch oft und oft den Eindruck, es ginge den Kirchenfürsten mehr oder weniger darum, von dem Menschen (im Sinne von denen, die anders oder gar nicht glauben) gelobt zu werden und für Selbstverständlichkeiten, wie die zu versuchen die Welt nicht in Gute, denen alles erlaubt ist, weil die Guten  und Böse, bei denen selbst das Gute noch als böse ausgelegt wird,  einzuteilen, erwarten sie behandelt zu werden als seien sie die größten Heiligen, von denen man im übrigen wenig hält! Märtyrer? Leute denen ihr Glaube so wichtig war, dass sie dafür ihr Leben hergegeben haben? So was fanatisches, intolerantes, aber auch, viel zu wenig dialogfähig!
Oder gar Bekenner? Leute die unbedingt davon überzeugt waren, dass ihr Glaube so richtig ist, dass er richtiger ist als alles andere? Mindestens genauso intolerant wie die Märtyrer, nicht in der Lage das Gute in den anderen religiösen und nichtreligiösen Weltanschauungen  zu sehen! So denkt man doch heutzutage! Oder etwa nicht?
Von daher, jeder der sich mal an der Schrift versucht hat, versucht hat aus und mit ihr zu leben, der hat festgestellt, ja es gibt da Sachen, die leuchten ein, das gefällt einem, das macht man gerne, da ist man dafür, und andere Stellen, die bleiben lange dunkel, oder die überliest man einfach und mit viel Glück stellt man das irgendwann einmal sogar  fest.
Ich erinnere mich an einen Pfarrer, sehr alt, der an einem Adventssonntag über das Evangelium von den 10 Jungfrauen predigte, und anscheinend beschlossen hatte, das einfach spontan zu tun, also den Text in der Predigt abschnittsweise noch mal vorzulesen und dann das dazu zu sagen, was er seit Jahrzehnten im Advent zu predigen pflegte. 
Und auf einmal, das war fast komisch, las er den Text richtig, er sagte dann, mehrere Male, ganz erstaunt. "Ja die fünf die kommen ja gar nicht ins Himmelreich, die werden ausgeschlossen, obwohl sie sich doch gemüht haben.... das kann doch gar nicht sein! Aber es steht doch drin!" immer wieder "das kann doch gar nicht sein! Aber es steht so da!"
Ich selber kann mich erinnern, irgendwann einmal Abschnitt für Abschnitt das Markusevangelium gelesen zu haben, und ich dachte ja immer, ich kenn mich aus, und plötzlich, in dem Versuch, auch immer zu visualisieren wo sich was abspielte, wo Jesus was gesagt und getan hatte, wurde mir klar, die meisten Zeichen tat er in Galiläa, eigentlich war er die meiste Zeit seines öffentlichen Wirkens am See von Gennesaret unterwegs.
Und die Vorstellung über jedes unnütze Wort, dass ich so rede, Rechenschaft abgeben zu müssen, auch die, die behagt mir gar nicht!
Von daher kann man es schon verstehen, dass unsere Kirchenfürsten, die  doch, wie alle anderen Menschen auch, gewohnt sind, durch die Brille der jeweiligen Zeit zu gucken, manches einfach nicht wahrnehmen können.
Aber man sollte irgendwie dennoch klar haben, dass man nicht klar sieht, im allerletzten nicht klar sehen kann, und nicht denken, das verzerrte, dass man vom Göttlichen in der Welt wahrnimmt, sei es auch wirklich, sondern begreifen, dass alles, was wir haben Christus ist, und alles was wir von ihm haben, Schrift, Sakramente und die Kirche ist, auch und gerade wenn man davon sogar so gut lebt, dass man nichts richtiges arbeiten muss, sondern Schrift, Kirche und Sakramente verwalten darf.
Und wenn man das tut, dann, so sagt es das Evangelium, tut man das, was man soll und da gilt, (tut mir echt leid, ist mir auch peinlich, bin nämlich auch, auch wenn ich es ungern zugebe, Kind meiner Zeit...)
eben:
So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.

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